Table des matières

Heinrich Gottfried Oberlin: Etliche Worte über die Offenbarung Johannis (1813)

Titelblatt

Etliche Worte über die Offenbarung Johannis;

zunächst bestimmt für das Rigische und Pernausche Publikum in Livland und Ehstland, von einem unter ihnen Mitchristen.

„Was Jch euch sage im Finsterniß, das redet im Licht; und was ihr höret in das Ohr, das prediget auf den Dächern!“ Jesus an Seine Jünger, im Ev. Matth. 10, 27.

Mitau, 1813. Gedruckt bey Johann Friedrich Steffenhagen und Sohn.

Approbation

Der Druck dieses Buches wird unter der Bedingung bewilligt, daß nach Abdruck und vor dem Debit desselben ein Exemplar davon für die Censurkommitte, eines für das Ministerium der Aufklärung, zwey für die öffentliche Kaiserliche Bibliothek, eines für die Kaiserliche Akademie der Wissenschaften, und eines für die geistliche Akademie zu St. Petersburg, an die Censurkommittee eingesandt werden.

Im Namen der Kaiserlichen Censurkommittée zu Dorpat: A. Albanus, Livl. Gouvernements-Schuldirektor und Ritter.

Riga, den 26sten April 1813.

Nachricht

Diese Schrift bittet man unentgeldlich auszutheilen. Sollten sich aber unter den Lesern derselben etwa Einige in ihrem Innern angereget fühlen, eine kleine Gabe des Danks dafür Gott zu opfern, so wird hiermit denselben vorgeschlagen, diese ihre milde Gabe zur Unterstützung des Bibeldrucks in Lettischer und Ehstnischer Sprache, welcher dieses Jahr in Mitau seinen Anfang genommen, zu verwenden.

Man hat das dankbare Vertrauen in die geehrten Herren Prediger in Riga und in Pernau, daß sie sich gerne der Mühe unterziehen werden, diese christlichen Beyträge einzunehmen, um sie dann Herrn Ernst Gustav Nietz in Dreylingsbusch bey Riga, als dem Unternehmer jener Ausgabe der heiligen Schriften zum Besten der Ureinwohner des Landes, zu übermachen; wofür der Herr ihnen, wie jenen willigen Gebern, als Beförderern des Reichs der göttlichen Wahrheit, Seinen reichen Segen schenken wolle!

„Einen fröhlichen Geber hat der Herr lieb!“

Pernau, den 27. December 1812 a. St. oder 8. Januar 1813 n. St.

Widmung

Meinem geliebtesten Vater Johann Friedrich Oberlin, Pfarrer in Steinthal, im Wasgau,

als Zeichen der tiefsten Verehrung und kindlichsten Dankbarkeit gewidmet.

Pernau, den ##. März 1813. von H. G. O.

Einleitung

Etliche Worte über die Offenbarung Johannis.

„Ἐνορκίζω ὑμᾶς τὸν Κύριον ἀναγνωσθῆναι τὴν ἐπιστολὴν πᾶσιν τοῖς ἀδελφοῖς.“ 1. Thessal. 5, 27.

Diese etlichen Worte über die Offenbarung Johannis sollen zu einem Versuche dienen, ob nicht denjenigen in der Christenheit etwa noch beyzukommen wäre, welche, auf eigene oder Anderer Veranlassung hin, diesem heiligen Buche abgeneigt sind, und eben des wegen sich selbst des erfreulichen Lichtes, des gesegneten Trostes, der kräftigen Aufmunterung berauben, deren sie sich in diesen allerdings höchst bedenklichen Zeiten, in welchen wir leben, bey dem Gebrauche dieser göttlichen Weissagungen erfreuen würden.

Kein Buch in der ganzen heiligen Schrift wird von den heutigen Christen weniger geachtet, als gerade dieses, da doch vielleicht eben dasselbe am meisten geeignet wäre, den Christen über die große Gefahr die Augen zu öffnen, welche zu unserer und in der nächst folgenden Zeit allen lauen Christen bevorsteht und bevorstehen wird, nämlich die des Zieles oder des Heils zu verfehlen.

Und die Ursache solcher Geringschätzung dieses heiligen Buches? Im Allgemeinen werden die zwey folgenden angegeben: „Es sey ein durchaus dunkles Buch!“ und: „Niemand hätte noch dasselbe vollkommen verstehen können.“ Ja wohl ist es dunkel, und es mußte auch bis auf einen gewissen Grad dunkel seyn, wenn es die Absicht der enthaltenen Weissagungen erreichen sollte; den treuen Anhängern des zukünftigen Jesu, mitten unter seinen Feinden, eben diese Feinde kenntlich zu machen; die Christen umständlich genug vor ihren Nachstellungen zu warnen, und ihnen, ihrer eigenen Sicherheit unbeschadet, die nöthigen Winke über die bevorstehende Errettung zu geben.

Aber so dunkel nun auch das Buch im Allgemeinen seyn mußte, um keine dieser Absichten zu verfehlen, so wenig auch ist es deswegen durchaus dunkel, denn es ist keinesweges ein versiegeltes Buch (Offenb. Joh., XXII, 10.), und es war daher auch zu keiner Zeit durchaus unverständlich. Es konnten vielmehr in jeder Periode die Verehrer desselben in seinem Inhalte alles das finden, was zu ihrer Zeit, in obenerwähnter Hinsicht, ihnen zu wissen nothwendig war; und die folgenden Paragraphen sollen mit der Hülfe Gottes beweisen, daß auch wir zu unserer Zeit eben das klar und in hellem Lichte darin finden können, was uns zu wissen noth thut, um durch die treue Benutzung desselben „verwahrt zu werden vor dem Irrthum der ruchlosen Leute“ (2. Petri 3, 17.), um „bestehen zu mögen vollkommen und erfüllet mit allem Willen Gottes“ (Koloss. 4, 12.) „auf den Tag der Zukunft unsers Herrn Jesu Christi“ (Philipp. 1, 10. 11. 1. Thessal. 3, 13. 1. Tim. 6, 14.).

Und gesetzt nun, diese Auskunft wäre uns nur in sehr geringem Maße gereicht, so wäre es dessen ungeachtet einer christlichen Gesinnung gemäß, auch dieses Wenige mit dankbarer Liebe aus der Hand Dessen anzunehmen, Der uns dasselbe zukommen ließ, um es dann zweckmäßig, das heißt, zu Seiner Ehre und zu unserer wahren Glückseligkeit, zu gebrauchen.

Allein aus Folgendem wird es sich wohl ergeben, hoffen wir, wie bey Anwendung des schlichten, unbefangenen Menschenverstandes, oder wir sagen lieber, um deutlicher und bestimmter zu reden, wie bey der kindlichen Stimmung des Christen in Erforschung göttlicher Schriften, aus denen ein solcher Kindersinn unter der Leitung des göttlichen Geistes zu schöpfen, ihm Unbekanntes zu lernen gedenket, nicht aber so vermessen wäre, eigene, eingeschränkte Begriffe hineinzutragen, oder gar jene göttlichen Gedanken diesen menschlichen unterordnen zu wollen; wir sagen, es werde sich wohl aus Folgendem ergeben, wie bey solch einem christlichen Studium der göttlichen Apokalypse so unbeschreiblich viel Nutzbares sich finden lasse.

Auch ist es mit gegenwärtiger Schrift zunächst unsere Absicht, unsere Mitchristen auf diese Gemeinnüßigkeit und zweckmäßige Verständlichkeit der göttlichen Offenbarung Jesu an Johannes aufmerksam zu machen, und ihnen durch einige Vorarbeitung das fernere Studium dieses heiligen Buches so weit zu erleichtern, daß sie auf diesem gebahnten Wege leicht zu derjenigen fruchtbaren Einsicht in dasselbe werden gelangen können, die jedem unter ihnen auf dem Standpunkte, auf welchem er stehen mochte, nothwendig und zugleich heilsam seyn wird, um insonderheit auch sein Gewissen vor dem ihn sonst einst peinigenden Vorwurfe zu bewahren, angebotene Warnungen zum Heile aus eigener Schuld sernachlassiget zu haben.

In Hinsicht alles bisher Gesagten bemerken wir also Folgendes, das entweder als unverkenntliches Resultat des Gesammten der apokalyptischen Offenbarung, oder aber aus einzelnen Stellen derselben auf eine unwidersprechliche Weise hervorgeht:

§ 1

Zuerst diese wichtige Warnung, daß die Lehre Jesu, wie Er Selbst und unmittelbar, oder aber durch Seine Apostel dieselbe den Menschen gegeben hat, im Allgemeinen nicht rein sich erhalten würde, sondern sogar mitten in der Christenheit auf eine freche Weise würde entstellet werden.

Dies geht vorzüglich aus den fünf ersten Versen des XVII. Kapitels und aus der Offenbarung Johannis XIII. hervor. In letzterer Stelle wird die verfallene Christenheit, sey es überhaupt und in sammtlichen Gliedern derselben (man sehe hier Jerem. 6, 28. 23, 10.), oder aber insbesondere und in demjenigen Theile nur, der die übrigen durch die falsche Lehre verführet (m. s. Zachar. 5, 7. 8., und Jerem. 2, 14. 15. 27. 28. 31. 32.), unter dem Bilde eines treulosen Weibes dargestellt, da schon im Alten Testament der Gott Israels die Gemeinde Gottes sein Weib nennt.

Ausser den bereits angeführten Stellen über dieses enge und innige Verhältniß zwischen dem Herrn und Seinen Getreuen, schlage man doch auch die folgenden nach, um sie unter einander zu vergleichen: Jesaj. 54, 5., u. Hos. 2, 16. Dann: Hos. 2, 2.; Jer. 2, 2. 3., u. 3, 1. 6. 12. 13., u. Hos. 2, 19. 20. Endlich: Hesek. Kap. 16. Und im Neuen Testament: Matth. 12, 39., u. 16, 3. 4., in Bezug auf die Verse 6. u. 12., und auf Kap. 15, 1–20. M. s. dann: Matth. 12, 50. 2. Kor. 11, 2. Ephes. 5, 27. 32. Offenb. Joh. XIV, 4.

[1] Wir rücken hier eine Stelle aus einem Buche ein, das zu Ende dieser Schrift ausführlich angeführt wird. In dieser Stelle wird, unsers Dünkens, der Begriff, welcher aus den oben angeführten und ähnlichen Bibelstellen hervorgeht, auf eine einfache und biblische Weise entwickelt:

„Die heilige Schrift redet im geistlichen Sinn von einer Jungfrau, welche als Braut betrachtet wird, und stellt unverkennbar unter diesem Bilde: die gesammte Gemeinde der Gläubigen dar, in sofern diese dem Herrn Jesu, der sie erkaufet und zu Gnaden angenommen…

§ 2

Es sollte also dieser Verfall der Mehrheit im Christenthum, dieser mehr oder weniger direkte Abfall von Christo, die kleinere Zahl der Treuen (m. s. hier Luc. 12, 32.) zu keiner Zeit befremden, da ihnen selbiger vorher gesagt worden. Man erinnere sich einer solchen Ermahnung Jesu an Seine Jünger: Matth. 24, 25., Ev. Joh. 16, 4.

Noch viel weniger sollten die treuen Anhänger an Jesum einen Anstoß an solch einer Erscheinung unter den Christen nehmen, um gar der Menge wegen in ihrem Glauben irre zu werden, auch dann nicht, wenn Verfolgungen über sie ergehen würden.

Diese Aufmunterung der Offenbarung Johannis hat, durchaus heilig seyn, Ihn unendlich lieben, und sich auf die allernächste Seligkeitsverbindung mit Ihm vorbereiten soll.

„Die Schrift redet auch von einem Weibe auf die Art, daß sie unter diesem Bilde eine Kirche Gottes vorstellt, und zwar nach ihrem verschiedenen Religionszustande, sowohl, was die Lehre, als auch was die Ausübung derselben betrifft. So wird, Hesek. 23, die ausgeartete Kirche in Juda und Israel unter dem Bilde zweyer unzüchtiger Weiber vorgestellt. So sieht Zacharias, im 5ten Kap. V. 7. 8., ein Weib im Epha sitzen, und ein Engel sagt ihm: ‚Das Weib ist die Gottlosigkeit‘ (im Hebräischen). So wird auch, Offenb. Joh. II, 20., der Gemeinde in Thyatira gesagt: ‚Ich habe wider Dich, daß Du das Weib Jesabel (m. s. 1. Kön. 16, 31., 18, 4., 19, 1. 2. 10. 4.), welches sich für eine Prophetin ausgiebt, lehren lässest; daß Du zulässest, daß sie Meine Knechte verführt, Hurerey zu treiben und Götzenopfer zu essen.‘ Und im XVII. Kap. wird die ausgeartete Kirche, in sofern sie alle Gräuel der Gottlosigkeit begünstigt und veranlaßt, die Hure genannt. Dagegen heißt die in der Wahrheit befestigte und vollendete Kirche, im XIX. und XXI. Kap. der Offenb. Joh.: ‚Das Weib, welches sich bereitet hat, die Braut des Lammes zu seyn.‘“ Versuch zweckmäß. Betracht., S. 453 u. 454.

An die Jünger Jesu ertheilte sie auch direkte Aufmunterungen, wie bald weiter unten angeführt werden soll. (§. 4.)

§ 3

Zuvor machen wir auf diese andere Erinnerung der Offenb. Joh. an die Verehrer Jesu aufmerksam, daß nämlich in der Christenheit selbst unvermeidliche Verfolgungen über dieselben ausbrechen würden.

Dies leuchtet schon aus Kap. II, 10. hervor, damit verglichen Ev. Joh. 16, 2. 3. Dann aber wird dieses in mehreren andern Stellen, und zwar mit mehr oder weniger Umständen, verkündiget, und so, daß die verschiedenen Benennungen der treuen Bekenner Jesu und der unverdrossenen Arbeiter für Sein Reich, welche diese Verfolgungen treffen, auch die Ursachen und Veranlassungen zu denselben näher bezeichnen.

So wird Kap. VI, 9–11., und XIX, 2., von den Seelen der Knechte des Herrn geredet, die um des Worts Gottes willen erwürget worden und erwürget werden sollen (m. s. unten die Anm. 7. zu § 17.). Kap. XII, 17. sind es solche, welche Gottes Gebot halten, und das Zeugniß Jesu Christi haben. Kap. XIII, 15. 16., XVI, 6., XVII, 6., XVIII, 20. u. 24. (m. s. hier § 16, b.), sind es Heilige und Propheten, Zeugen Jesu, und heilige Apostel, welche mit der falschen Lehre nichts gemein haben wollen.

Kap. XII, 6. 13. 14. 15. sind die Nachstellungen gegen das Weib gerichtet, nämlich nach Kap. XIX, 7. das Weib des Lammes, später die Braut des Lammes genannt, Kap. XXI, 9. (m. s. oben § 1., und die Anmerk. […]).

§ 4

Alle diese Weissagungen sind zugleich mit den dringendsten Aufmunterungen zur ausharrenden Treue begleitet; so Kap. II, 10.: „Fürchte dich nicht vor der Keinem, das du leiden wirst … Sey getreu bis an den Tod, so will Jch dir die Krone des Lebens geben.“ Damit vergl. Matth. 24, 9. 13.

So wieder Kap. VI, 11., mit den zwey vorhergehenden Versen zusammengehalten. Kap. XIII, 9. 10., XIV, 6. 7. 9–13., XV, 2.

Zu den kräftigen Aufmunterungen der Knechte des Herrn zum Ausharren bis ans Ende, gehören auch die himmlischen Scenen, welche die Offenb. Joh. denselben vorhält, und welche die Ueberwinder erwarten, oder an denen diese einen besondern Antheil nehmen werden.

Dahin gehören z. B. die von Kap. VII, 9–17., XIV, 1–5., XV, 2–4., u. XX, 6–9. (m. s. auch § 15. zu Ende, u. § 29. Anm. 13.)

§ 5

Ohnehin werden die furchtbarsten Gerichte verkündiget über die, welche auf Erden wohnen, als dem Aufenthalte der Gottlosen, die den Namen Gottes nicht fürchten. So in Kap. VI, 12–17., VIII, 6–13., IX, 13–21., XI, 13. 18. 19., XIV, 17–20., XV, 1., XVI, 1–11. 17–21., XVIII., XIX, 2. 11–21.

Ueberhaupt über alle Sie, welche nicht das Siegel des lebendigen Gottes haben. Kap. VII, 2. f.; vergl. mit IX, 4. Das sind alle die, welche dem Evangelium Jesu, als dem Evangelium zur Erlösung und zur Seligkeit, nicht glauben wollen, die das Zeugniß, das Jesus brachte vom Himmel, nicht annehmen, die also auch den heiligen Geist, die Salbung, wodurch sie in Christum befestiget werden, und das Pfand erhalten sollen, daß sie Kinder Gottes sind, Erben der Seligkeit, das Eigenthum Jesu Christi, nicht empfangen, die eben deswegen, weil sie nicht den heiligen Geist empfangen, und nicht aus Gott geboren werden, dem Argen nicht widerstehen können, und deswegen fortsündigen, und also auch bey der Zukunft Jesu nicht vor Ihm werden stehen können, sondern schon in den Ihm vorgehenden Gerichten zu Schanden gehen müssen, weil sie nicht von den Seinen sind.

Alles dies folgt aus der Vergleichung folgender Stellen: Ev. Joh. 3, 32., 5, 27., 17, 11–15.; 1. Joh. 5, 4. (Ev. Joh. 14, 30.); Offenb. Joh. XIX, 10., u. II, 17.; ferner Röm. 8, 15. 16.; Ephes. 1, 13. 14., 4, 30.; u. 2. Kor. 1, 21. 22.; damit vergl. Rom. 4, 11.; u. endlich 2. Tim. 2, 19.; 1. Joh. 2, 27. 28., 4, 13. (m. s. auch unten § 16, b., „das Zeugniß Jesu“).

Namentlich oder insbesondere ergehen diese Strafgerichte an Reiche und Gewaltige, und an Andere, sowohl Freye, als Knechte, die den Zorn des Lammes auf sich ziehen, Kap. VI, 16. und vorhergehende; oder an die, welche groben Lastern sich ergeben und Lügen und Unzucht treiben, Kap. IX, 20. 21., XXI, 8., XXII, 15.

Ferner an die, welche sich des Heidenthums der Feinde Jesu in der Christenheit schuldig machen, und gar diesen Feinden huldigen, Kap. XIV, 9–11.; an die, welche die Heiligen und Propheten verfolgt haben, Kap. XVI, 5–7., XIX, 2., zusammengehalten mit VI, 10.

Ferner an die Abgottischen aller Art (1. Kor. 6, 9., Rom. 2, 22.), auch an die Verzagten und an die, welche nicht Buße thun für ihre bösen Werke, und Gott nicht die Ehre geben wollen, Kap. XVI, 9. (vergl. m. XI, 13.), XVI, 11., XVIII, 11. u. d. f., XXI, 8., XXII, 15.

Endlich an die Hauptverführer selbst, Kap. XIV, 8., XVI, 19., XVIII, 2. 10. 21–24., XIX, 2. 19. 20. 21.

(m. s. noch über die verschiedenen Gerichte die Anm. 15. zu § 29.)

§ 6

Dagegen wird den treuen Bekennern Jesu bald ein vorzüglicher Schutz zugesagt: Kap. VII, 2–4. (m. s. im vorigen § die Erklärung vom Siegel Gottes), IX, 4., XVIII, 4., auch II, 10.; u. s. hier 2. Mos. 8, 23., 9, 4., 11, 7., Mal. 3, 17. 18., u. unten § 15, a., u. § 34, unter a.; bald aber ihnen der herrliche Ausgang der Prüfung bekannt gemacht.

Hierher gehören die oben angeführten Aufmunterungen, § 4, und dann die im Kap. XX, 4–6., und den zwey folgenden Kapiteln.

§ 7

Unverkenntlich lehrt ferner die Offenbarung Johannis, daß aus der Bosheit der Feinde Jesu eine unsichtbare Macht der Finsterniß wirke. Kap. XIII, z. B., V. 2., vergl. mit XII, 9. („der die ganze Welt verführet“, heißt es da), 12. 13., auch mit II, 10. 13., und XIII, 11–15., XIV, 13. 14. — M. s. auch XX, 3. 10.

Hier glauben wir folgende Bemerkung einschalten zu müssen: wenn wir nämlich vom Inhalt der heiligen Schrift und von dem sprechen, was sie lehrt, so kann nicht davon die Rede seyn, was Diese oder Jene lehren, die sich's nicht zur Pflicht machen, über Religionsgegenstände ihre Denkweise nach der Lehre der Bibel, nach der Offenbarung zu bequemen und einzurichten, und was sie von einer biblischen Wahrheit halten oder nicht halten, sobald sie dieselbe nicht mit ihrer individuellen Ansicht zusammenreimen können. Auch wollen wir hier nur insofern bei dem in diesem Paragraph angeführten Satze der Offenbarung Johannis, nämlich von der Existenz Satans und seiner Engel und von ihrem Einflusse auf den Menschen, verweilen, als es nöthig seyn wird, um denjenigen, welche vorgeben, diese Lehre sey keine biblische Lehre, sondern, inwiefern sie im Alten Testamente vorkommt, bloß ein Begriff, den die Juden von den Chaldäern entlehnet und nach der Babylonischen Gefangenschaft mit in ihr Land zurückgebracht haben, zu zeigen, wie groß und wie grob dieser Irrthum ist:

Denn zuerst erweist es sich aus 3. Mos. 17, 7. b. (vergl. mit 5. Mos. 32, 17.), ferner: aus 4. Mos. 22, 22. 32., u. 1. Kön. 22, 19–23., auch Jesaj. 24, 21. 22., daß schon in jener Zeit man in der hebräischen Sprache Ausdrücke hatte, um unsichtbare, zum Theil schädliche Wesen zu bezeichnen, die mehr oder weniger, und auf irgend eine Weise, Einfluß auf den Menschen haben sollten, und unter andern eben das Wort „Satan“ (in jener Stelle, nämlich 4. Mos. 22, 22. 32., wo es vom Engel des Herrn heißt, daß er sich Bileams Esel in den Weg stellte, um ihm zu widerstehen; denn da ist dieser letzte Begriff im Hebräischen mit den Worten „le-satan“, d. h. „damit er ihm zum Hinderer würde“, ausgedrückt), also derselbe Ausdruck, der in dem Propheten Zacharias, demnach eben zur Zeit der Babylonischen Gefangenschaft oder unmittelbar nachher vorkommt; Zachar. 3, 1. — Zweytens, so findet sich eben der Begriff, der in angeführter Stelle von Zacharias unter einem Gesichte vorgestellt wird, der nämlich von dem Geschäfte Satans unsertwegen, uns zu verführen und dann uns zu verklagen, auch schon in dem 109ten Psalm, Vers 6., aufgestellt.

Aus Vers 7. des eben erwähnten Psalmes erhellet noch mehr, daß in jenen Zeiten man schon den Begriff von jenem Wesen hatte, den das Neue Testament besonders in helles Licht setzt (und insbesondere auch die Offenb. Joh., z. B. Kap. XII, 9. 10., XVI, 14., XX, 2. 3.), daß nämlich des Satans Einfluß gottlos machen, oder dem Menschen im frommen Wandel hinderlich werden könne. — M. s. auch Ps. 37, 32. 33. Auch beziehen sich allerdings auf diesen Begriff folgende Stellen: 2. Sam. 19, 22., wie dort, Matth. 16, 23., vergl. mit 1. Joh. 3, 8.; ferner: 1. Kön. 11, 14. (im Hebräischen), vergl. mit 1. Petri 5, 8.; so die Worte „zum Satan“ im Originaltexte in oben angeführten Stellen, 4. Mos. 22, 22. 32., vergl. mit Jakobi 4, 7., 1. Joh. 4, 6., u. Ev. Joh. 1, 12. Und so bezieht sich wahrscheinlich 2. Sam. 12, 14. auf jenen andern Begriff, das Verklagen und Lästern von Seiten des Satans, damit wir von Gott verworfen würden. — M. s. hier Luc. 22, 31. 32., vergl. mit Ev. Joh. 14, 30., und die schon angeführte Stelle, Offenb. Joh. XII, 9. 10.

Und so hatten wahrscheinlich die Juden in jenen frühen Zeiten auch schon einen ganz klaren Begriff davon, daß ein Tag des Gerichts dem Einflusse Satans ein vollkommenes Ziel setzen würde, und daß ohnedies die Zuflucht zum Herrn jeden, der sie ergreift, vor diesem Einfluß schützt. — M. s. Ps. 37, 12. (im Hebr.) 13. u. 34. Hieher ist allerdings auch Jesaj. 24, 21. 22., 49, 24. 25. zu beziehen. Diese Stellen enthalten wahrscheinlich eben das, was später uns durch Jesus und Seine Apostel gelehret wird, z. B. Matth. 12, 28., Ap. Gesch. 26, 18., Kol. 1, 13., u. 1. Joh. 3, 8., Ebr. 2, 14. 15. — So hatten die Juden auch sehr früh Begriffe von einem besondern Scheol als Aufenthaltsort derer, welche durch die falsche Weisheit sich würden verführen lassen; und ohne Zweifel setzten sie nun hier den eigentlichen Aufenthalt der bösen Engel. — M. s. Spr. Salom. 7, 5. 27., auch 2, 18., und insonderheit dann Kap. 9, 18. (M. s. auch Jesaj. 14, 12–15., u. 24, — 22.; ferner 4. Mos. 16, 30.). In jener Stelle, Spr. Sal. 9, 18., wird dieser Scheol der Verlornen dadurch vom gewöhnlichen Scheol oder dem allgemeinern Aufenthalte der Verstorbenen unterschieden, daß er der „tiefe Scheol“ (die tiefe Hölle; m. s. hier Luc. 8, 31., und 5. Mos. 32, 22.) genannt wird. Nun wird von demselben gesagt: „Er (der Unweise, der sich nicht durch die himmlische Weisheit belehren läßt) merkt nicht, daß Rephuim dort sind, daß sie (die falsche Weisheit) ihre Gäste in die tiefe Hölle schickt.“ In unserer gewöhnlichen deutschen Uebersetzung steht für „Rephuim“ „Todte“ („Er merkt nicht, daß Todte daselbst sind“), welches Wort hier ganz nachdruckslos steht; daher die Uebersetzung, in welcher nach dem Arabischen das angeführte Wort mit „böse Dämonen“ oder „Teufel“ gegeben wird, die bessere und richtige zu seyn scheint. So übersetzt es der hebräische Schriftverständige Isaak Eichel von Berlin in seiner mit hebräischer Schrift herausgegebenen deutschen Uebersetzung der Sprüche Salomonis, betitelt: Mischlei, in targum aschkenasi ubiur, d. i. die Sprüche mit der deutschen Uebersetzung und einer Erläuterung. Ein Theil in Oktav. Das Titelblatt mit dem Druckort und der Jahrzahl fehlt zu dem vorliegenden Exemplar.

Und so führen wir hier auch noch dieses Bemerkenswerthe an aus 1. Mos. 4, 7., daß nämlich in dieser Stelle wahrscheinlich das Wort Chattat (חַטָּאת), „die Sünde“, für Satan selbst steht, als der personificirten Sünde, dem Argen im vorzüglichen Sinne des Worts, wie ihn auch das Neue Testament an mehreren Orten nennt. Diesem nach würde die Stelle so viel sagen, als: „Wirst du nicht Gutes üben, so wird Satan einen Einfluß auf dich gewinnen, dir um so mehr zusetzen können, einen besondern Vortheil über dich erhalten; denn er lauert auf den Menschen gleich bei dem Eintritt desselben in die Welt.“ (Man denke hier an das, was Jesus, der einzige Heilige, in welchem keine Sünde war, von Sich sagt: „Er, Satan, findet nichts an Mir.“ Ev. Joh. 14, 30.; damit zusammengeh. Luc. 22, 31.) Jene Erklärung gründet sich besonders darauf, daß in den gleich nachfolgenden Worten: „Und nach dir sein Verlangen“, im Hebräischen ein männliches Verhältnis ausgedrückt wird (sein, nicht ihr Verlangen), da doch Chattat, „die Sünde“, auch im Hebräischen ein Femininum ist. So heißt es gleich darauf wiederum in demselben Verse: „Du sollst herrschen über ihn“, da es heißen müßte „über sie“, wenn es auf Chattat im gewöhnlichen Sinne des Wortes genommen gehen würde, in welchem Fall auch gleich oben statt rowez „er liegt (lauert)“, nämlich vor der Thür, rowezet „sie liegt (lauert)“ u. s. f. stehen müßte. Hängt doch diese Erklärung vom Auflauern des Satans ganz mit dem zusammen, was das Neue Testament uns hierüber lehrt, z. B. Eph. 6, 11. 12. u. einige nachfolgende Verse, vergl. mit Eph. 2, 2., dann 1. Petri 5, 8. 9., und in der Offenb. Joh. die schon zu Anfang dieses Paragraphs angeführten Stellen, unter andern Kap. XII, 9. 12. u. XVI, 13., auch XX, 3. 7–10.

Nach dem, was von Chattat gesagt worden ist, läßt sich doch wohl mit Recht vermuthen, daß die ersten Menschen auch schon von der Verführungsgeschichte durch die Schlange (1. Mos. 3, 4–12.) den Begriff hatten, den Jesus uns in der Hinsicht aufstellt, Ev. Joh. 8, 44*). Diese Geschichte für eine Allegorie zu erklären, für das Bild bloß des Geschehenen, heißt nicht nur geradezu dem Evangelium widersprechen (m. s. z. B. auch 2. Kor. 11, 3. 14.), sondern auch eine wahre, eine offenbare Ungereimtheit sagen, da eine solche Erklärung erfordern würde, die sogenannte Allegorie derselben, Verse 4. u. 13. im 3ten Kap. der Genesis, und zwar von V. 1. an, noch weiter fortzuführen bis V. 15. incl.; welches aber schlechterdings, ohne dem Text Gewalt anzuthun, nicht möglich wäre: ohnedies ließe sich sehr leicht beweisen, daß auch schon damals die hebräische Sprache die Ausdrücke besaß, um diejenigen abstrakten Ideen zu bezeichnen, welche man hier durch die vorgegebene Allegorie ausgedrückt wissen will.

Diese letztern Bemerkungen endlich lassen sich auch auf die Geschichte Hiobs anwenden, welche unstreitig in die patriarchalische, also erste Zeit des Menschengeschlechts gehöret, und die dessen ungeachtet schon die Lehre des Satans und seines Einflusses auf den Menschen, insofern ihm dies von Gott gestattet wird, auf die klarste Weise enthält (Kap. 1, 6. u. d. f., und Kap. 2, 1. f.). Auch diese Geschichte stellt die heilige Schrift als eine wahre, also sich zugetragene, Geschichte vor (wie aus Ezech. 14, 14–20., und Jakobi 5, 11. zur Genüge erhellet), deren Zeugniß also wir eine vollkommene Gültigkeit müssen angedeihen lassen. Und selbst dann, wo dies Letztere nicht der Fall gewesen wäre, und man die Geschichte Hiobs allegorisch hätte erklären dürfen, so würde nichts desto weniger sie beweisen, daß schon zu jener Zeit, und also sehr lange vor der Babylonischen Gefangenschaft, die Begriffe vom Satan, von seiner Existenz und von seinem feindseligen Geschäfte gegen den Menschen, in der heiligen Schrift aufgestellt waren. Dieses geht wiederum aus den Stellen: 1. Sam. 16, 14. 15. 16. 23., 18, 10., 19, 9., wo vom „bösen Geist vom Herrn“ die Rede ist, der über Saul kam und ihn traurig, auch reden, d. h. viel oder irre reden, machte. (M. s. in Betreff des vajitnabe von 1. Sam. 18, 10. die Stellen: 2. Mos. 7, 1., u. 4, 16., wo es klar wird, daß dies Wort auch nur „reden“ bedeuten kann.) Man möge nun in angeführten Stellen das ruach ra'ah, der „böse Geist“, in Hinsicht des V. 14. u. 23. im 16ten Kap., als die Folge des durch den Geist Gottes beunruhigten Gewissens (1. Sam. 24, 6., 2. Sam. 24, 10.) ansehen (auch wird 1. Mos. 40, 7. das ra'ah mit „traurig“ übersetzt; ohnedies ist in der Stelle 1. Sam. 10, 9. das ruach Jahveh im Originaltexte von dem nachfolgenden ra'ah durch ein Komma getrennt); oder aber das me'eth Jahveh, „vom Herrn“, in 1. Sam. 16, 14. so erklären, daß der böse Geist vom Herrn Erlaubniß erhielt, über Saul zu kommen (m. s. das me'eth in Ps. 118, 23.; m. s. auch 1. Kön. 22, 19–23., und oben die angeführten Stellen aus Hiob); — so ergibt es sich immer in beiden Fällen, daß die Juden sehr frühzeitig den Begriff von der Existenz und der Wirkung des bösen Geistes auf den Menschen hatten.

Merkwürdig ist noch, daß der Name, den man in jenen alten und ersten Zeiten des Menschengeschlechts den Zauberern gab, als solchen, die wissentlich und absichtlich in besonderm Verkehr mit unsichtbaren bösen Wesen stehen und zu stehen suchen, mit der Benennung der Schlange, im Hebräischen, eine und eben dieselbe Wurzel oder einen Ursprung hat. Man vergleiche z. B. 1. Mos. 3, 1. nachasch, und 4. Mos. 24, 1. wechashim, untereinander. Auch sollten die Zauberer und Wahrsager, nach dem Worte Gottes, aus dem Volke Israel verbannt seyn, und man sehe, was in dieser Hinsicht uns noch die Offenb. Johannis lehrt: Kap. XXI, 8. u. XXII, 15. Daß in diesen Stellen von der eigentlichen Zauberei die Rede ist, ergibt sich aus der Vergleichung derselben mit Kap. XVIII, 23. Demnach kann in jenen Stellen pharmakeia nicht ausschließlich mit „Giftmischerei“ übersetzt werden, so wenig, als in dieser letzten Stelle, Kap. XVIII, 23., und auch Kap. IX, 21., pharmakeiai „Giftmischerey“ heißt.

„Die Existenz nun, auch von dieser Erscheinung unter den Menschen, geradezu und bloß zu leugnen, d. h. die Wirklichkeit zu leugnen von einer mehr oder weniger unmittelbaren Einwirkung unsichtbarer Wesen auf die Körperwelt, nach gewissen vorhergegangenen Aufforderungen dazu von Seiten der Menschen: dies ist allerdings sehr leicht; aber auch die Gültigkeit dieser Behauptung darzuthun, die Nichtexistenz von solchem Unwesen unter den Menschen zu beweisen, und z. B. von allen Zeugnissen der Profanscribenten hierüber zu beweisen, daß sie entweder nur Betrügereyen enthalten (deren es freilich immer viele gab und noch viele giebt), — aber dies von allen beweisen zu können, ja nur auf eine vernünftige Weise dies behaupten, oder vernünftigerweise sie alle einem blinden Zufall zuschreiben zu können, so z. B. jene so bestimmte Antwort der Pythia an Krösus, durch seine zwanzig Tagreisen von ihm entfernten Gesandten, auf die Frage, was wohl der Lydische König jetzt mache? — oder aber das Unmögliche der Zauberei und Wahrsagerei, die Unmöglichkeit des Vermögens der Geister in die physische Welt, darzuthun: dies Alles ist schlechterdings jedem Thoren oder Weisen unmöglich, und noch unmöglicher ist es, die Stellen der heiligen Schrift, welche die Wirklichkeit solcher Dinge bestätigen, aus derselben auszustreichen, oder wegzureden.“

Noch zu den Zeiten der Apostel existirte solcher heidnische Unfug; m. s. Apost. Gesch. 8, 9–11., 13, 6. 8. 10. f., 16, 16. f., 19, 13–19., und das Zeugniß der Offenb. Joh. beweist, daß derselbe auch bis in die letzten Zeiten stattfinden werde, welche der Aufrichtung des sichtbaren Reichs Gottes auf Erden, nach der Gefangensetzung des Fürsten der Finsterniß, vorgehen werde. Und auch jene Stellen des Evangeliums, und die angeführten aus der Apokalypse, für bloße Redensarten erklären wollen, in welchen jene Ausdrücke bloß des Sprachgebrauchs wegen vorkommen, hieße auch jenes Endurtheil über Satan, den Vater solcher Künste, für eine bloße Allegorie deuten, also auch alle jene Stellen begleitenden Umstände, Kap. XX, 1–3. 7–10. Wie erzwungen wäre dies Alles, ja, wie keck und frech, müßte man sagen, da eine solche Deutung geradezu der apokalyptischen Erklärung ihres Textes widerspricht. — M. s., was unten § 21, in Ansehung der Stellen: Offenb. Joh. XXII, 18. 19., erinnert werden soll. „Allerdings bei gesundem Menschenverstande die Wirklichkeit der Zauberei läugnen, und dabei noch den Schein haben wollen, die Autorität der Schrift anzuerkennen, ist kaum denkbar, oder aber boshaft und wahrhaft gottlos; denn dadurch werden 1) alle Gesetze Gottes gegen die Zauberei (wie sie ausdrücklich und besonders in den Büchern Mosis enthalten sind), 2) alle Beispiele und That­sachen, welche die heilige Schrift von Zauberei erzählt (im Alten Testamente vorzüglich), 3) alle die vielen Stellen, wo sie davon als von einer wirklichen und in ihrer Art wichtigen Sache redet, für Unsinn erklärt; und es ist überdies auch unverschämt, weil dadurch 4) ebenfalls alle Zeugnisse der alten Geschichte für Unsinn erklärt werden.“ — M. s. noch § 18. u. d. f., und die Anm. 8.

(*) Auch wird jenes ausdrücklich in der merkwürdigen Stelle der Weisheit, Kap. 2, 23. u. 24., behauptet.

§ 8

Dieser Einwirkung des Satans soll nun, nach der Offenbarung Johannis, zu einer gewissen Zeit, in allem Betracht gesteuert werden. Er soll dann nicht mehr die verführen können, die er bisher verführte; nicht mehr wird er jenes unmittelbare Werk in den Menschen treiben können, das er bis dorthin in denselben, und hauptsächlich in den Ungläubigen, trieb (Ephes. 2, 2.). Und zwar soll die Dauer dieses ersten Strafgerichts über Satan, das in einer vollkommenen Gefangenschaft bestehen wird, tausend Jahr betragen, Kap. XX, 1. 2. 3. 7.

In einer gewissen Zeit darauf erfolgt dann das letzte Gericht über den Verführer, und diesem Gericht über Satan folgt dann auch, nach Verlauf einer bestimmten Zeit, das letzte und allgemeine Gericht über die Menschen (Kap. XX, 11–15.; m. s. weiter unten den § 34., § 42. u. § 43.), das namentlich die Verzagten in der Treue am Herrn mit dem Verdammungsurtheil treffen wird, und so die Ungläubigen, die Unzüchtigen und alle Lügner (Kap. XXI, 8., XXII, 15.). Nach diesem, oder zugleich, erfolgt die Umschaffung oder das Neuwerden von Himmel und Erde (Kap. XXI.), und es beginnt eine ganz vorzügliche Seligkeit, an welcher alle, aber auch sie allein, Theil nehmen, welche im Buche des Lebens stehen; Kap. XX, 12. 15., XXI, 27. (M. s. über diese verschiedenen Gegenstände weiter unten die §§ 32 bis 42 mitgezählt.)

§ 9

Unverkenntlich stellt uns ferner die Offenbarung Johannis alle Hauptbegebenheiten überhaupt, die auf Erden sich ereignen, in Verbindung mit unsichtbaren Mächten vor, d. h. als mehr oder weniger unmittelbare Wirkungen zweyer solcher Mächte, davon aber die eine, die des Irrthums und der Bosheit, der andern, der Macht des Lichts und der Wahrheit, untergeordnet ist, doch so, daß jener Macht der Finsterniß aus Ursachen, die sich aus dem Gesammten der heiligen Schrift, und aus dem Wesen der frey erschaffenen Geschöpfe zur Genüge einsehen lassen, bis auf eine bestimmte Zeit (Kap. X, 7. u. XII, 12.) ein gewisser beschränkter Wirkungskreis offen gelassen wird, wodurch eben unter den Menschen die Sichtung veranstaltet oder befördert wird, der zufolge diejenigen Menschen, welche Liebe zur Wahrheit haben, von denen andern, die mehr Hang zur Finsterniß und zur Lüge bezeugen, weil ihre Werke böse sind (Ev. Joh. 3, 19.), geschieden werden sollen. — M. s. hier Offenb. Joh. XI, 10. im Zusammenhange mit vorherg. u. nachf. Versen, und erinnere sich der Stellen: 2. Thess. 2, 10., u. 2. Tim. 3, 8., auch Ev. Joh. 8, 40. 45–47., u. 1. Joh. 4, 6.; m. s. auch die Anm. 28. zu § 42., über das Reifen der Guten und Bösen.

Dieser Sichtung folgt dann das ganz Neue, wovon die Kap. XXI u. XXII der Offenb. Joh. handeln, von welcher ewigen Seligkeit aber schon während jener oben erwähnten tausend Jahre der Gefangenschaft Satans, und einer gleich langen, jener erstern zunächst folgenden Periode, der Regierung Jesu mit den Auserwählten von der ersten Auferstehung, auf Erden, ein Vorbild stattfinden wird, laut der sechs oder sieben ersten Verse des XX. Kap. der Offenb. Joh. (M. s. hier die weiter oben angeführten §§ 32. u. d. f.).

Es wird nämlich während dieser Zeit (bezeugt unsere Offenb. Joh. in angef. St., und auf eine direkte und indirekte Weise, zu unterschiedenen Malen, und also auf eine ganz unzweydeutige und auf eine ganz zuverlässige Art) Christus regieren auf Erden, und zwar in ersterer Periode durch Seine Heiligen (m. s. § 33. u. 34. bis 38.), und in der zweyten auf eine unmittelbarere Weise mit denen, welche die nothwendigen Erfordernisse in und an sich haben werden, um zur ersten Auferstehung, die eben alsdann beym Beginn dieser zweyten Periode des sichtbaren Reichs Gottes auf Erden sich ereignen wird, gehören zu können (m. s. jene ersteren Verse des XX. Kap. der Offenb. Joh., und halte damit zusammen: Ev. Joh. 5, 24., 11, 25. u. 47–63.).

Ein seliger Vorzug (Offenb. Joh. XX, 6.), eine selige Zeit auf Erden, wo dieser Vorzug an den Heiligen offenbar werden wird, mit Christo als Priester Gottes und Christi zu regieren tausend Jahre, ohne daß irgend ein Tod noch Macht über sie hätte. (M. s. die §§ 39. 40. u. 41.)

Allerdings ist dies ein Vorbild der Erfüllung jenes großen Geheimnisses, das durch das Wort Gottes Alten- und hauptsächlich Neuen Testaments uns verkündiget worden ist, und dessen vollkommene Erfüllung in jene Aeonen gehöret, wo keine Zeit mehr seyn wird: Offenb. Joh. XXII, 5., vergl. mit 1. Mos. 1, 14. (m. s. weiter unten § 42., § 44. u. d. f.). Stellen, in Betreff des Geheimnisses Gottes, das laut Offenb. Joh. X, 6. 7., ohnfehlbar seine bestimmte Endschaft oder seine Erfüllung erreichen wird, sind auch folgende: 5. Mos. 29, 29., Röm. 16, 25., Ephes. 1, 9. 10–14., Koloss. 1, 26. u. Ephes. 3, 3. 9., 6, 19.; dann 1. Petri 1, 9. 10., u. 1. Kor. 2, 7–10.

§ 10

Die Offenbarung Johannis stellt ferner der Christenheit den Sieger über alle Mächte der Finsterniß und über alle die, welche nicht wollten, daß Er über sie herrschte (m. s. Ps. 2, u. Ev. Luc. 19, 27.), in der Person Jesu Christi vor.

Höchst merkwürdig und anbetungswürdig ist diese Offenbarung an die Menschen. Das ganze Buch der Apokalypse stellt sie auf, fast in jedem Kapitel, z. B. Kap. I, 5. (vergl. mit Josua 5, 13. 14.), dann I, 7. 18., II, 7. 8. 10. 28., III, 5. 20. (vergl. mit Ev. Joh. 14, 21–23.); ferner III, 21., V, 5. 6., VII, 9. 10., XI, 5., XII, 10. 11., XIX, 7. u. d. V. 11–16., vergl. mit XVII, 14., XX, 4. 6., XXI, 9. 22. 27., XXII, 1. 3. 16. 20.

§ 11

Und so wird in der Offenbarung Johannis die wesentliche Göttlichkeit Jesu auf eine unumstößliche Weise aufgestellt, über welche die Vielen in der jetzigen Christenheit eben nicht mehr streiten, weil sie unglücklicherweise glauben, über diesen Punkt im Reinen zu seyn, und Jesum nur in Betreff Seiner göttlichen Sendung und Lehre, nicht aber Seinem Wesen und Seinem Ursprunge nach, für den ewigen Sohn Gottes halten und annehmen zu müssen, darum sie auch zwar nicht direkte Seine Göttlichkeit, die Gottheit Jesu, läugnen, aber dies um so nachdrücklicher und für die Laien auf eine um so verderblichere Weise indirekte thun.

In der Hinsicht waren doch einmal die sonst so sehr entarteten und von der Wahrheit entfallenen Juden, denen Jesus Selbst keine Liebe zur Wahrheit beymiße, noch viel redlicher oder unbefangener, noch viel argloser oder trugloser, möchte man sagen, als unsere heutigen von Christo abgefallenen protestantischen Christen. Man vergleiche z. B. unter einander: Ev. Joh. 10, 33., 5, 18., 8, 54–59. 42–45. In diesen Stellen findet man keine Spur jener künstlichen Wendung, die unter vielen der heutigen Christen üblich geworden ist, vermittelst welcher man den Worten Jesu und z. B. auch mancher Psalmen über die Göttlichkeit des Messias, jenen allgemeinen Sinn beyzulegen sucht, der unter andern im Buch der Weisheit Kap. 2, 18. von dem Worte: „eines Gottes Sohn“ gebraucht wird.

Paulus setzte, nach dem Beyspiel seines göttlichen Lehrers, einen größern Nachdruck in dieses Wort, als er nach seiner Belehrung anfing zu predigen: „daß Christus Gottes Sohn sey.“ Apost. Gesch. 9, 20. Man würdige doch auch unter andern den Gegensatz in Röm. 1, 3. 4., und sehe ferner Ebr. 1, 1. 2. 3. 5., 5, 5., und endlich noch Rom. 9, 5.

Gleich Kap. I in der Offenb. Joh. legt Sich Jesus der Gekreuzigte die Eigenschaft bey, welche nur der Gottheit zukommt; V. 17. u. 18.: „Fürchte dich nicht … Ich bin der Erste und der Letzte, und der Lebendige. Ich war todt, und siehe, Ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit, und habe die Schlüssel der Hölle und des Todes.“ — M. s. Ev. Joh. 5, 21. 22., und vergl. in Betreff jenes erstern Attributs mit unserer Stelle, Jesaj. 44, 6., wo Jehovah Sich eben jene Benennung beylegt: „des Ersten und des Letzten.“ — M. s. auch Micha 5, 1., u. Offenb. Joh. II, 8., I, 11. u. 8.

In dieser letztern Stelle nennt Sich ferner Jesus „den Allmächtigen,“ und fügt dieser Benennung die genaue Umschreibung des Namens Jehovah bey, welcher Name bedeutet: „Der da ist, und Der da war und Der da seyn wird,“ für welches letztere Attribut („Der da seyn wird“) hier steht: „Der da kommt,“ aus Ursachen, die alsbald sollen berühret werden, nachdem wir noch diese Bemerkung werden gemacht haben, daß nämlich der Gott Himmels und der Erde Sich jene Benennung von Jehovah eben damals mit besonderm Nachdruck beylegte, als Er als König unter Seinem Volke erscheinen, oder als unmittelbarer Regierer ihrer nächsten Angelegenheiten sich ihnen offenbaren, und ein sichtbares Gottesreich unter den Juden aufrichten wollte. (M. vergl. 2. Mos. 3, 14. 15. mit 2. Mos. 15, 18., in welcher letztern Stelle Jehovah zum erstenmal König genannt wird, ein König für immer und ewiglich; m. s. auch Micha 4, 7., und Zachar. 14, 9.)

Und so nennt Sich nun der Gekreuzigte hier in der Offenbarung Johannis „Jesus-Jehovah,“ hier, in einer warnenden und aufmunternden Zuschrift an die Menschen aller Art [2], worin Er Seine zweyte Zukunft verkündigt, zur Aufrichtung Seines sichtbaren Reichs auf Erden, nach Besiegung aller Seiner Feinde auf derselben. (M. vergl. Apost. Gesch. 1, 11. und 1. Thessal. 1, 10. mit Offenb. Joh. VI, 2. u. XX, 4.)

Jesus nennt Sich aber in jener Stelle, Offenb. Joh. I, 8., wie wir oben sagten, statt dessen: „Der da seyn wird,“ wie Jehovah Sich im Alten Testament nennt, hier in der Offenb. Joh. ausdrücklich als Dem: „Der da kommt!“ — nämlich: „Der Herr, Der da ist, und Der da war und Der da kommt.“ — M. s. auch V. 4., und Kap. IV, 8., XXII, 17. [3].

Allerdings, um die Leser und die Verehrer der Offenbarung Jesu an Seine Knechte (Kap. I, 1.) um so aufmerksamer auf diesen vornehmsten Punkt, auf dieses Thema der ganzen Offenbarung, zu machen. (M. s. noch Kap. I, 3., XXII, 7. 16. u. d. f., und die Anm. 18. zu § 33. über die verschiedenen Zukünfte Jesu, und über die verschiedenen Themata der Offenb. Joh. s. m. § 28. unter e. und g.)

Auch nennt Sich oder wird Jesus der Gekreuzigte in diesem Buch vielfältig und ausschließlich genannt, oder verkündiget als Derjenige, „Der da kommt,“ Kap. I, 7., II, 25., III, 11., XXII, 7. 17. 20.; eben so wie Jehovah der Herr, im 14ten V. der erwähnten Stelle 2. Mos. 3, ganz vorzüglich Sich nannte: „Der Ich seyn werde“ (Ehjéh). Man erinnere sich hierbey der besondern Gelegenheit, bey welcher dieses geschah.

Und wie nun in der Offenb. Joh. diese letztere Zeit der Entscheidung sich mehr näherte, so nannte Sich auch hier der verkündigte Ueberwinder einen König. — M. s. Kap. XIV, 14., XV, 3., XVI, 14., XIX, 16., vergl. mit Jesaj. 52, 7. u. 1. Joh. 5, 20. (M. s. noch § 18. unter a., und § 24. e. zu Ende eine Bemerkung in Betreff der Offenb. Joh. XVI, 4. 5.)

[2] Die Offenbarung Johannis ist allerdings zunächst den Dienern Christi und allen denen zugesandt, welche Glieder Seiner Gemeinde sind. Dies ergiebt sich schon aus dem ersten Verse der Apokalypse und aus den zwey folgenden Kapiteln (m. s. in Betreff dieser letztern, des 3ten und 4ten Kap., den § 25.). Allein die Offenbarung der Rathschlüsse Gottes an die Menschen beabsichtigte sogar auf die Ungläubigen aller Art; der ganze Text dieses Buchs zeigt es, und ausdrücklich wird dies gelehrt Kap. X, 11.; m. s. auch XV, 4. Aber nicht die noch hier lebenden Menschen allein, auch die bereits Verklärten und alle himmlischen Schaaren der Engel, sollten an dieser herrlichen Verkündigung der Geheimnisse Gottes Theil nehmen. (M. s. hierüber die schon angeführte Anm. 13. zu § 29.)

[3] Allerdings, um die Aufmerksamkeit auf diesen vornehmsten Punkt zu lenken, das Thema der ganzen Offenbarung.

§ 12

Nun wird es uns nicht mehr befremden, in den Himmelsscenen, welche die Offenb. Joh. uns vorstellt, die Anbetung Jesu zu finden, die man auf Erden in der neuern Christenheit so sehr vermißt. — M. s. Kap. IV, 8–11.; den 9ten und 10ten Vers vergleiche man mit dem 18ten des ersten Kap., und den 11ten V. mit Ephes. 3, 9. u. Koloss. 1, 16. (M. s. auch § 28. c.).

Ganz charakteristisch ist noch dies in der Offenb. Joh., in Betreff der Anbetung Jesu Christi, daß Jesus Christus, welcher Kap. V, 5. der Löwe aus Juda genannt wird, der überwunden hat mit starker Kraft, eben da Er als Lamm Gottes am Kreuze verschied (Offenb. Joh. V, 6.; vergl. mit Ebr. 2, 14. und Off. Joh. I, 18.; wobey man sich auch dieser Stellen erinnere: 1. Kor. 1, 18–23. 24. 25., 2, 6. 7., 3, 19.), hier unter der Gestalt des Lammes die Anbetung des Himmels empfängt: Kap. V, 8–14. (M. s. hier Ev. Joh. 5, 23. u. Phil. 2, 9. 10., auch Ev. Joh. 14, 9. u. 10, 30.)

§ 13

Und hierin eben ruht wieder eine andere große evangelische Wahrheit, welche in der heutigen Christenheit so sehr verdunkelt, so sehr vernachlässiget worden ist, und welche uns ebenfalls durch die Offenb. Joh. wieder in ihrem hellen Glanze und in ihrer großen Wichtigkeit dargestellt wird, nämlich, daß Jesus Christus, als das Lamm Gottes, welches der Welt Sünde trug und für uns starb, uns mit Seinem Blut erkaufet und vor Gott gerecht gemacht habe. Kap. VI, 1–7., vergl. mit 1. Mos. 3, 15., und mit folgenden Stellen aus dem Propheten Jesajas: Kap. 9, 6. 7., 11, 1–10., u. 52, 13. bis 53, 12. incl. Auch s. m. 1. Joh. 1, 7., 2, 1. 2., 1. Kor. 15, 3.

In allen diesen und so vielen andern Stellen des Evangeliums und der ganzen heiligen Schrift, ist offenbar von einer andern Gerechtigkeit die Rede, die vor Gott gilt, die uns den Zugang zum Vater verschaffet (Ephes. 2, 18., 3, 12., Ev. Joh. 14, 6., auch Röm. 5, 1., vergl. mit Ebr. 3, 19.; m. s. auch Ebr. 7, 19., 10, 19–22.), uns den Himmel erworben und geöffnet hat, als diejenige ist, die aus den Werken und dem eigenen Verdienste hervorgeht.

Wie sich nun diese Lehre der heiligen Schrift zu dem natürlichen Lichte der Vernunft verhält, oder sich mit der Meinung der meisten neuern Christen verträgt, davon sprechen wir gegenwärtig nicht, sondern wir schranken uns jetzt nur darauf ein, uns nach dem umzusehen, uns dessen zu versichern, was die heilige Schrift Neuen Testaments lehrt. Und eben in Betreff des angeführten Punktes, oder derjenigen Gerechtigkeit, die allein vor Gott gilt, sehe man Rom. 3, 22–30., 4, 5. 6., 10, 4., 2. Kor. 5, 21., 1. Petri 2, 24., Gal. 3, 13. 22. (M. s. hier, was in der Anm. 4. zu § 15. von der Versöhnung der Seele gesagt wird.)

Wir sagten eben, daß hier nicht der Ort wäre, den Einwendungen der Unglaubigen in der Christenheit gegen die Lehre des Evangeliums zu begegnen (weil Glaubenslehren nur geglaubt werden müssen, und nicht vor dem Richterstuhl der Vernunft gehören, sondern außerhalb ihren engen Gränzen liegen); allein wir bemerken dennoch dies Einzige, in Rücksicht derjenigen Einwendung, daß nämlich der Glaube an das hohe Verdienst jenes Einen für uns Alle die Menschen in dem Werke der Heiligung erschlaffe, wir bemerken hierüber, daß solche Einwendung, insofern sie im Ernst gemacht werden sollte, nur von einer sehr großen Unwissenheit entstehen kann, in demjenigen, was der evangelische oder apostolische, was der christliche Glaube ist, was er von uns fordert, was er uns auch verleiht an Einsicht und Kraft zum Wirken.

Und zum Beweis dieses Satzes führen wir an: Gal. 2, 17., und 1. Joh. 3, 9., vergl. mit 1. Joh. 5, 4. u. 18., und Vers 1. u. 5., Ev. Joh. 1, 12. 13., und 1. Joh. 4, 7. Ferner s. m. Gal. 3, 14., damit vergl. Apost. Gesch. 19, 2. f., welche letztere Stelle doch ganz bestimmt nur von einem objektiven oder wesentlichen Geiste verstanden werden kann, den die Christen durch den Glauben an Jesum empfangen sollen. M. s. Apost. Gesch. 10, 44–47.; und nun noch einmal Gal. 2, 16–21. angesehen, und damit zusammengehalten Ev. Joh. 8, 31–36., Joh. 15, 5., 2. Kor. 3, 16. 17. Nach diesem wird man nun auch folgende Stellen verstehen, oder nicht mehr nöthig haben, sie leichtfertiger Weise zu entstellen, sie zu schwächen, um einen Sinn hinein zu bringen, der dem redlichen, unbefangenen Wahrheitsforscher so offen da liegt (Matth. 11, 25.). Jene Stellen stehen in Gal. 3, 26. 27., und 1. Kor. 6, 11. (M. s. noch weiter unten § 16.)

Der Glaube an Jesum wird nach der Lehre des Evangeliums bewirkt durch den Geist Gottes, dem der Mensch durch einen guten Gebrauch seines freyen Willens, insonderheit bey Anhörung des Worts Gottes, und bey innern Rührungen und Aufforderungen, das Herz öffnet. (M. s. z. B. 1. Kor. 12, 3., vergl. mit Matth. 16, 17., dann Joh. 1, 12. 13., Gal. 3, 1. 2., 1. Kor. 2, 4. 5., Offenb. Joh. III, 20., u. endl. Röm. 10, 17., 16, 25. 26., Kol. 1, 23., 1. Petri 1, 23.)

Ein solcher, d. h. der lebendige Glaube nun, erwirbt uns wiederum den Geist; so lehrt es das Evangelium, und dieser Geist hinwiederum vermehrt den Glauben. Das heißt also wohl nichts anders, als daß der Besitz des Einen uns auch den Besitz des Andern erwirbt oder vermehrt, und umgekehrt: so daß, wie unser Herz durch Treue der Gnadenwirkungen empfänglicher wird, wir auch durch die wundervolle Wirkung des Geistes Gottes, den das Amt des Evangeliums uns giebt (2. Kor. 3, 6–18.), oder den wir auf dem Wege, den das Evangelium uns lehrt, empfangen, am innern Menschen immer weiter in der Heiligung befördert werden, und von einer Klarheit zur andern gelangen (2. Kor. 3, 18.), bis wir zu jenem für natürliche, un­wiedergeborne Menschen (1. Kor. 2, 14., Ev. Joh. 3, 3–18.) unfaßlichen, unglaublichen Grad der Herrlichkeit hinankommen, von welcher z. B. folgende wichtige Stellen des Evangeliums sprechen: 2. Petri 1, 4., vergl. mit Offenb. Joh. XXI, 7., u. Ev. Joh. 17, 20–23. 24–26., und so viele andere, z. B. Ephes. 4, 13., Kol. 2, 19.

Nach diesem Allem reimen sich also mit den in diesem Abschnitt bereits angeführten Stellen auch folgende: Gal. 4, 6. 7., 5, 16. 22. 25., 6, 14. 15., und die schöne Stelle, Apost. Gesch. 26, 18.

Wer Jesum wahrhaftig kennen gelernt hat, wird auch durch Ihn frey von allem Sündendienst (Ev. Joh. 8, 31–36.); wo sich das nicht findet in einem sogenannten Christen, da ist Selbsttäuschung oder Verstellung in demselben. Dies sagt Johannes mit klaren Worten: „Wer da sagt: Ich kenne Ihn, und hält Seine Gebote nicht, der ist ein Lügner, und in solchem ist keine Wahrheit.“ 1. Joh. 2, 4. Aber solche Mißgriffe von Einzelnen heben das christliche allgemein verbindliche Gebot nicht auf, in Ihm Jesum allein den Weg, die Wahrheit, das Leben und unsre Heiligung zu suchen. (Ev. Joh. 14, 6., 17, 19., 1. Kor. 1, 30., Phil. 3, 8–15., 1. Petri 1, 9.)

Die Christen demnach kennen nur Christi Gerechtigkeit; diese wird ihnen aus Gnaden zu Theil, und verpflichtet sie dann zum Dienste der Gerechtigkeit. (Röm. 6, 18. 19.) Von dieser ihrer Pflichterfüllung aber wissen sie, daß sie allein ihnen kein Recht auf den Himmel giebt, laut des ausdrücklichen Ausspruchs ihres Herrn und Meisters: Luc. 17, 10.; und Paulus spricht: „Wir werden ohne Verdienst gerecht aus Seiner Gnade, durch die Erlösung, die durch Jesum Christum geschehen ist.“ Rom. 3, 24. Nach der Offenb. Joh. XIX, 8., hat die Gemeinde der Gläubigen allen eigenen Werth, als ein beflecktes Kleid, weggeworfen.

Dies Alles glaubt der Christ! und lehrt es auch so.

§ 14

Die Offenbarung Johannis stellt uns ferner den göttlichen Ueberwinder, der als Lamm Hölle und Tod besiegt hatte (m. s. vorhergeg. §.), vor, als einen König, der auszieht, widerwärtige zu überwinden, und zu siegen. (Kap. VI, 1. 2.)

Das Lamm hatte, wie vorher gezeigt wurde, zunächst, oder auf eine unmittelbarere Weise, über die Macht der Hölle gesiegt (z. B. sehe man Offenb. Joh. I, 18., vergl. mit Ebr. 2, 14.); aber immer in Bezug auf uns, und also uns zum Besten (z. B. Offenb. Joh. V, 9., Ephes. 4, 8., Ebr. 2, 15., Kol. 1, 13.), damit die Menschheit von einer gewissen Abhängigkeit, in welcher sie sich zu jener Macht verhielt, frey gemacht und erlöst würde (Offenb. Joh. XI, 17., XII, 10. 11., 1. Kor. 15, 55–57.), und wir versetzet würden in das Reich des Sohnes (Offenb. Joh. XX, 4., Kol. 1, 13.), in das Reich des Lichts (Offenb. Joh. XXI, 23., vergl. mit 1. Petri 2, 9. 10.), also in nähere Gemeinschaft mit Gott (Offenb. Joh. XXI, 7., 2. Petri 1, 4., 1. Joh. 1, 3–7.), welches besonders dadurch veranstaltet wurde, daß durch den Tod Jesu uns Vergebung der Sünden verheißen wurde (Kol. 1, 14. 20., Eph. 1, 7., 4, 32., vergl. mit Luc. 1, 77., u. Offenb. Joh. XII, 10. 11., u. a. vergl. mit 3. Mose 16, 15–22.), wodurch wir eine kindlichere Stimmung, ein freudiges Gewissen, eine freudige Zuversicht gewinnen sollten zum himmlischen Vater (Ebr. 10, 18–22.), indem wir nun unter die Gnade zu stehen kamen (Röm. 6, 14.), auf welche schon unsere Väter hofften, und deren sie auch schon im Glauben theilhaftig gemacht werden konnten. (M. s. Ebr. 11, 33., und damit zusammengehalten Jes. 6, 5–7., Zachar. 3, 1–4., Jes. 43, 25., Ps. 119, 81. 166., und 1. Mos. 49, 18. Dies Alles in Bezug auf die wichtige Lehre des Evangeliums in Eph. 3, 11. 12., 1. Petri 1, 9.) Daher Jesus auch vor Seinem vollbrachten Versöhnungsopfer Sündenvergebung ertheilen konnte. Matth. 9, 2., und nun noch einmal Jes. 43, 25. angesehen, und dann so viele hierher gehörige Stellen aus den Psalmen. Ueberhaupt heißt es nach dem Evangelium von Jesus, Ebräer 13, 8.: „Jesus Christus, gestern und heute, und Derselbe auch in Ewigkeit.“

Auf diese Art wurde eine allgemeine Versöhnung der Menschheit, so sündig sie auch war, mit Gott durch Jesum Christum an Tag gebracht (1. Tim. 2, 5. 6., Röm. 5, 11., 2. Kor. 5, 18. 19., 1. Tim. 3, 16., Kol. 1, 19. 20.), durch welche Gnade wir nun der Kindschaft (Eph. 1, 5., vergl. mit Offenb. Joh. XXI, 7.) und noch fernerer Gnade theilhaftig gemacht wurden, der Gnade, nämlich der Geistes-Mittheilung (m. s. hier den vorigen Abschnitt), wodurch wir sollen heilig (eben dort) und so tüchtig gemacht werden zum Erbtheil der Heiligen (Kol. 1, 12., Röm. 5, 9. 10., vergl. mit Offenb. Joh. III, 21., XXI, 7.), auf welche Weise eben das Große des Zweckes Jesu, bey Seinem Kommen auf Erden, erreicht werden sollte, alle Sünder zu suchen, zu retten, zu heiligen (Marci 2, 17., 1. Tim. 1, 5., Kol. 1, 25–28., Eph. 3, 14–19., vergl. mit Off. Joh. XXII, 3.), und so Alles, im Himmel und auf Erden, unter Ein Haupt zu sammeln in Ihm, Jesus, und durch Ihn (Eph. 1, 10.), da Er nach Seiner glorreichen Auferstehung, als verherrlichter Menschensohn, eben jene Macht und Herrlichkeit, von der Er sich entkleidet hatte, da Er Mensch ward, da Er Fleisch und Blut annahm (Phil. 2, 6–8.), und die Er bey Seinem himmlischen Vater hatte, schon ehe die Welt war (Ev. Joh. 17, 5.), nun wieder aus den Händen Seines himmlischen Vaters empfing oder annahm. Dies Alles ist biblische, evangelische Lehre (Matth. 28, 18., Offenb. Joh. I, 18., II, 26–28., III, 21., vergl. mit Ps. 2, 8. 9., Ebr. 1, 3.); und unter solcher Gestalt, unter dieser Verfassung soll es bleiben mit der Weltregierung, bis Alles dem göttlichen Gesalbten unterthan, und also kein Feind, und daher auch kein Tod, kein Mangelhaftes in der ganzen Schöpfung mehr seyn, sondern nun durch Jesum Gott Alles in Allem seyn werde. (1. Kor. 15, 24–28., vergl. mit Offenb. Joh. XXI, 5. 7., XXII, 3.; m. s. § 44.)

So überaus vielfach und herrlich sind die geistlichen Gaben, womit uns Gott gesegnet hat in Jesu Christo (Eph. 1, 3.), lauter Anstalten, die durchaus so und nicht anders verordnet worden, damit, ob wir gleich berufen sind, reich zu werden an Werken, an guten Werken (Eph. 2, 10., Tit. 2, 14.), und den himmlischen Vater zu ehren, dadurch, daß wir viele Früchte bringen (Ev. Joh. 15, 8. 16.), wir dennoch uns nicht unserer Werke zu rühmen hätten (Ephes. 2, 8. 9., 1, 22.), sondern allein Gott und dem Lamme die Ehre geben möchten (Offenb. Joh. IV, 8–11., V, 8–14.; m. s. auch 2. Kor. 10, 17., und Jerem. 9, 23. 24., 2. Tim. 1, 8–10., Ebr. 5, 9.), durch welche Gesinnung allein jene selige Gemeinschaft zwischen dem Geschöpfe und dem Schöpfer erhalten wird, die darauf beruht, daß wir auf eine unzweydeutige Weise von der Nothwendigkeit überzeugt seyen, in der vollkommensten Abhängigkeit von Gott zu beharren, um in dem Werke der Heiligung zuzunehmen und zu verbleiben. Daher auch jene unglückliche Thorheit des Menschen, dem nach einer Selbstständigkeit außer Gott gelüstet, sogleich diese innige Gemeinschaft mit Gott stört und zerstört, und dagegen den Zaun wieder aufrichtet zwischen dem Schöpfer und der Kreatur, den Jesus abgebrochen hatte. (Eph. 2, 13. 14.)

Allein von allem diesem würden sich die Menschen nicht so bald überzeugen lassen; ihr unglücklicher Hang, Alles, was sie sind an Einsicht, an Kraft und an Tugend, nur allein ihnen selbst zuschreiben und verdanken zu können, entfernt sie von dem Worte, von der Lehre der Gnade. Dazu kommt noch die Feindschaft gegen Gott, welche die Sinnlichkeit in ihnen erzeugt, und in Betreff welcher sie in diesem Stande der Verblendung nie wünschen können, durchaus frey von Sinnesherrschaft und vollkommen allein nur dem göttlichen Geiste gehorsam zu werden (Röm. 8, 6–8., 1. Kor. 2, 14., Ev. Joh. 8, 44.); daher ihre stete Empörung gegen das reine Evangelium (Ev. Joh. 3, 19. 20.), dies Widerstreben nicht nur gegen diese Lehre, sondern auch ein vielfältig feindseliges Betragen gegen die Ausbreitung des Reiches Jesu Christi. (M. s. hier die Anm. 6. zu § 16.)

Allein die Offenbarung Johannis lehrt uns eben in dieser Hinsicht neue und große sehr unzweydeutige Wahrheiten: Der Sieger als Dulder zieht nämlich nun aus, um als Kämpfer zu überwinden: Das Lamm wird jetzt als ein mächtiger König vorgestellt (Offenb. Joh. VI, 1. 2.), ernste Gerichte gehen vor Ihm her und brechen aus über die, die nicht wollten, daß Er über sie herrschte (Luc. 19, 27.), und die dem Kommen des Reichs zum Besten der Treuen, welche in allen Perioden schon nach demselben so innigst sich sehnten, hinderlich wurden. Daher stellet die Offenbarung Johannis solche Gerichte vor, als die Wirkungen des Zorns des Lammes Gottes (Offenb. Joh. VI, 12., vergl. mit V. 16. 17., auch mit XVII, 14. u. XIX, 11–16., und man sehe auch Ebr. 10, 26–29. 30. 31. 37.; man erinnere sich hier der Stelle: 1. Joh. 2, 23.), und zugleich, wie weiter unten angezeigt wird, als die Wirkung des heißen Verlangens und heiligen Flehens der christlichen Dulder nach dem Reiche Jesu Christi. (M. s. § 17. und die Anm. 7., auch § 28. c.)

* Im fünften Paragraph haben wir die verschiedenen Arten dieser Feinde des Königs aller Könige benannt, so wie die Offenbarung Johannis ihrer namentlich gedenkt. Die Gerichte selbst giebt die Offenb. Joh. an in folgenden Stellen: Kap. VI, 4–8. 12–17., VIII, 6–2. 13., IX, 1–12. 13–21., und auch in den Stellen, die sogleich weiter unten noch angeführt werden sollen. Wir bemerken nämlich noch zuvor, daß alle diese Gerichte zur Absicht haben, die unglücklichen Empörer gegen Gottes Ordnung zur Besinnung und zur Reue zurück zu bringen. Dies geht hervor aus Kap. IX, 20. 21., XI, 3–6. u. d. folg.; ferner V. 13.; m. s. auch Röm. 9, 28. Und dies bezwecken die Gerichte zum Theil dadurch, daß sie die Verblendeten durch den Verlust ihrer Götzen, der irdischen Güter, an denen ihr Herz hängt, die Nichtigkeit derselben fühlen lassen, damit sie geheilet von ihrer Blindheit und gegen die echten Güter empfänglich gemacht würden; zum Theil aber auch dadurch, daß die Frevler gegen Gottes Majestät, durch die außerordentlichen Beweise der Größe und Gewalt jenes Gottes des Himmels und der Erde, Dessen sie so wenig achteten, zur heilsamen Erkenntniß ihrer strafwürdigen Vermessenheit gebracht würden, und durch diesen Ernst und diese Güte Gottes sich zur Buße leiten ließen, um Gott die Ehre zu geben; widrigenfalls sie um so schneller in der Verstockung und zu den letzten Strafgerichten reifen würden. Diesen doppelten Zweck, die Buße der Gelehrigen, oder aber das Reifen der Gottlosen, erreichen nun auch jene Gerichte an den Einen, oder aber an den Andern; m. s. z. B. Kap. XI, 13., XII, 10., XIV, 18., XVI, 11. 21., XVIII, 5. (M. s. in Betreff des Reifens der Guten und Bösen die Anm. 28. zu § 42.)

Wie nun aber die Menschen gegen die Stimme: „Lasset euch versöhnen mit Gott“ (2. Kor. 5, 20.), trotziger und verstockter werden, und der Geduld und Langmuth des Herrn nicht achten, daß sie sich bekehren möchten (2. Petri 3, 9. 15.), vielmehr die Güte und den Ernst Gottes verachten und auf Muthwillen ziehen (Röm. 2, 4., 11, 22.), „und den Sohn Gottes mit Füßen treten, und das Blut des Testaments unrein achten, durch welches sie geheiliget sind, und den Geist der Gnade schmähen“ (Ebr. 10, 29. 30.), und die Liebe zur Wahrheit (2. Tim. 3, 8.), so werden auch die Strafgerichte, welche die Offenb. Johannis verkündiget, späterhin furchtbarer und nachdrücklicher. Kap. XI, 18., XIV, 7. 8. 9–11., und dann Kap. XIV, 17–20., XV, 1., XVI, 1–21., XVII, 16. 17., XVIII., XIX, 11–21., XX, 1. 2. 10. 12–15., XXI, 8., XXII, 15.: „Die Langmuth und unerschöpfliche Barmherzigkeit des Herrn will auch die Aller­gottlosesten nicht sogleich verstoßen. Konnte Seine Güte sie nicht zur Buße leiten, so soll Seine Hand ihnen schwer werden, ob sie sich vor Ihm demüthigen, und die ihnen noch immer angebotene Gnade annehmen wollten.“

Man sehe über die Stufenfolge der sich immer steigernden Gerichte auch 3. Mos. 26, 5. Mos. 28., auch Kap. 11 der Offenb., zu welchen Gerichten ganz besonders dieses gehört, daß solche, die muthwilligerweise der bessern Erkenntniß untreu blieben, und keiner Liebe zur Wahrheit in ihrem Herzen Raum gaben, in den Zeiten der Sichtung und der trügerischen Prüfungen, durch die Verführer dahin gegeben werden, daß sie glauben werden der Lüge und den kräftigen Irrthümern zu ihrem Verderben. M. s. 2. Thessal. 2, 8–12., vergl. mit Offenb. Joh. XIII, 11–17., XIV, 9–12. u. s. f. (M. s. auch § 50. die Anm. 33. b.)

§ 15

Allerdings treffen diese Plagen auch großen Theils die Heiligen mit, sammt den Gottlosen. Dies gilt wahrscheinlich besonders von solchen Landplagen, die mit den Witterungen oder allgemeinen Naturereignissen zusammenhängen (etwa Kap. XVI, 8. 9.), wie aus Kap. VII, 16. schon abzunehmen ist. So vielleicht Kap. XVI, 18. u. 21.

Allein nicht zu gedenken, daß die letzten Gerichte einzig und allein über das Thier und den falschen Propheten ergehen werden, als die Hauptfeinde Christi zu ihrer Zeit in der Christenheit, und über diejenigen, die jenen huldigen, und die das Thier anbeten, insonderheit aber über alle die, welche durch ihre Feindschaft gegen die Wahrheit zu jenen Abtrünnigen gehören werden, die sich in der Christenheit so besonders auszeichnen durch anti-biblische Lehren; so wie zuletzt über den Drachen selbst, der die ganze Welt verführet, (m. s. über alles dieses die Kap. XVI, 10., XVII, 1. 16., XVIII, 1. u. d. f., XIX, 2. 15. 17–21., XX, 1–4. 7–10. 15., XXI, 8., XXII, 15., auch Röm. 1., 18.) — ferner nicht zu gedenken, daß, in Hinsicht auf dies so eben Angeführte, an die wahren Anbeter des Lammes, oder an das Volk Gottes, zu rechter Zeit Warnungen ergehen werden, damit sie sich getrennt hielten von denjenigen, über welche ein solches Gericht würde losbrechen sollen (Kap. XVIII, 4.), — nicht zu gedenken noch, daß auch in gewissen allgemeinen Plagen diese Jünger des Herrn, auf eine uns unsichtbare Weise, schon einer besondern Schonung sich würden zu versehen haben (nach Kap. VII, 3., IX, 4., m. s. auch III, 10., welches übrigens schon oben § 5. u. § 6. erinnert worden ist); so ist ja keinesweges für den treuen Jünger Jesu irgend ein zeitlicher Verlust oder ein zeitliches Ungemach ein wirklicher Schaden, im Vergleich der Glückseligkeit, Jesum zu kennen, und mit Ihm vereinigt zu seyn (z. B. Ev. Joh. 14, 21., 1. Kor. 6, 17., auch s. m. Phil. 3, 8. und Röm. 8, 38.). Ihm, dem wahren Christen, ist es ja gar nicht darum zu thun, es auf dieser Erde viel besser zu haben, als es sein Herr hier hatte, Der nicht besaß, wo Er Sein Haupt hinlegte. (Matth. 8, 20., und 10, 25.)

Ueberdies liegt ein wesentlicher Unterschied zwischen beyden, dem Jünger des Herrn und dem Gottlosen, über die ein und eben dasselbe Gericht zu einer Zeit losbrechen würde. Für jenen sind es nichts weniger als schreckende Gerichte, bey denen er zagt, oder zu zagen hätte (Luc. 21, 28.), denn eben in denselben fühlt er sich am unmittelbarsten an der Hand seines Herrn, Dem Sturm und Blitze gehorchen; indessen der Gottlose in jenen Gerichten Schrecken des Todes fühlt, und nirgends, weder im Aeussern, und noch viel weniger im Innern, Trost und eine Zufluchtsstätte findet, denn eben da in dem Innern sitzt der Richter, der ihn verdammt! — Ach, wüßten doch alsdann solche Unglückliche, daß es nur ein Mittel giebt, um sie von der Verdammniß zu retten, nämlich sich zu beugen unter die gewaltige Hand Gottes, zu bekennen dem Vater mit unverfälschter Reue: „Ja, ich habe gesündiget, Vater, im Himmel und vor Dir, und bin hinfort nicht mehr werth, daß ich Dein Sohn heiße!“ (Luc. 15, 21.; m. s. auch 13, 2–5., und 1. Kor. 10, 1–11.) Und der himmlische Vater würde sie hinziehen mit Liebe zu dem Sohne (Ev. Joh. 6, 44.), Der eine Erlösung gefunden hat für alle mühselig Beladenen. O wie sollte ihnen geholfen werden! Zu Ihm, dem großen Sündentilger, Der das Gewissen rein macht von den todten Werken, nehmen auch die Jünger Jesu stets ihre Zuflucht, wenn die Hölle, der Sünde wegen, droht. (Offenb. Joh. XII, 10.; m. s. noch die Stellen: 1. Kor. 15, 55., Röm. 8, 1. f. u. 32–39., auch Ev. Joh. 6, 37.) Und eben in der Hinsicht weiß der Jünger Jesu, daß das Aergste, das irdische Noth herbeyführen kann, nämlich der gewaltsame Tod, ihn führen wird zu unbeschreiblicher Seligkeit; Offenb. Joh. II, 10., VII, 14., Phil. 1, 21., Rom. 8, 23. 24. Der Tod sammelt die Gerechten, als reife Kornahren, in die Scheune, so lehrt es die heilige Schrift (m. s. Ps. 32, 10., 34, 16–23., 37, 18–20. 28. 32–40., Offenb. Joh. XIV, 15. 16., damit zusammengehalten Jes. 57, 1.), dahingegen das Sterben des Gottlosen ein fürchterliches Zertreten desselben ist. (M. s. Offenb. Joh. XIV, 17–20.)

Ohnehin weiß der Christ, daß wir durch viele Trübsale müssen in das Reich Gottes gehen (Apost. Gesch. 14, 22., Offenb. Joh. VII, 14.); daß wir eben durch dieser kleinen Zeit Leiden vollbereitet, gestärkt, bewahret und gegründet werden (1. Petri 5, 10., Tit. 2, 11. 12., Ebr. 12, 10.), und daß, so wie der äusserliche Mensch verweset, der innerliche auch von Tag zu Tag sich erneuert, 2. Kor. 4, 16. (man überlese auch V. 17. u. 18.) [4], und daß endlich dieser Zeit Leiden nicht werth sind der Herrlichkeit, die an uns soll offenbar werden (Röm. 8, 18.). Er weiß überdies, daß er berufen ist, mit Christo zu leiden (1. Petri 2, 21.), und also als Christ manches von Seiten der Welt über sich ergehen zu lassen. Haben sie also seinen Herrn verfolgt, warum werden sie seinem Diener weniger thun? und haben sie Ihn, den Meister, Beelzebub geheißen, wessen soll sich nun der Knecht zu ihnen versehen? Weiß doch der Christ, daß wir, durch diese Gemeinschaft der Leiden mit Christo, Seinem Tode ähnlich werden, und daß wir so auch jener herrlichen Auferstehung der Todten entgegen kommen. Phil. 3, 10. 11. 21., 2. Tim. 2, 11., vergl. mit Offenb. Joh. XX, 6. M. s. auch 1. Petri 5, 1., und Rom. 8, 17. u. Matth. 19, 28.

Und eben in diesen Verfolgungen, die der Christ als Christ unvermeidlich sich in der Welt zuzieht, bestehen die eigentlichen Leiden, von denen die Offenbarung Johannis sagt, daß sie über die Heiligen ergehen sollen. (M. s. auch 2. Tim. 3, 12.) Von diesen Verfolgungen und den Stellen der Offenbarung, wo sie erwähnet sind, ist schon oben § 3. Meldung gethan worden. Hier bemerken wir aber noch, daß eben da, wo diese am argsten gegen die Heiligen wüthen werden, der Christ sich auch seiner Erlösung am nächsten sieht, sey es, daß die Zeit alsdann nahe seyn wird (Offenb. Joh. X, 9. 10.), wo dem Bösen überhaupt auf Erden bestimmt und für immer gesteuert werden soll (m. s. weiter oben die letzten Gerichte in § 5. 8. u. 14. e., und unten § 50. i. k.), oder aber doch die Zeit sich nahet, wo jedem einzelnen Dulder von der Jüngerschaar soll ausgeholfen werden, zur jenseitigen immer steigenden Seligkeit, deren auch jeder stufenweise theilhaftig werden soll. Eine solche unaufhörlich wachsende und sich steigernde Seligkeit stellt die Offenbarung Johannis uns auf eine unverkenntliche Weise vor Augen. Kap. VI, 11., VII, 9. u. d. f., XIV, 1–5., XV, 1–4., XIX, 1–9., XX, 4. 5. 6., XXI, 1–7. 9–27., XXII, 1–5.

[4.] 2. Korinth. 4, 16. Diese Stelle, wie so manche andere der heiligen Schrift, von denen in unsern Tagen so viele Christen keinen wahren Begriff haben, muß wörtlich genommen werden. Paulus sagt ausdrücklich, 1. Kor. 15, 44., daß wir einen geistlichen Leib haben, so wie wir einen natürlichen haben, und daß eben so, wie der Mensch durch letztern mit Adam verwandt ist, er auch durch erstern in genaue Verbindung mit Jesu steht (V. 45–49. zusammengehalten mit 22.), da dieser innere Mensch nicht nur durch die von Jesu uns angewiesenen Mittel entwickelt, sondern auch durch die wesentliche Mittheilung Seiner Selbst ernähret wird. Diese Lehre liegt ganz klar in den Worten Jesu, Ev. Joh. 6, 48–63. (damit vergl. 1. Kor. 10, 16. 17.), in welchen Jesus zwar nicht von Mittheilung eines fleischlichen Leibes (Ev. Joh. 6, 63.), aber auch nicht allein von einer moralischen Wirkung des heiligen Abendmahls auf den Gläubigen spricht (wie Luc. 22, 19. u. 1. Kor. 11, 23–26.).

Diese Lehre hängt allerdings ganz unmittelbar mit der Lehre von der Wiedergeburt zusammen, und der Wiederherstellung des Ebenbilds Gottes in uns und an uns, nach dem Ebenbilde Jesu: Ev. Joh. 3, 3–8., m. vergl. z. B. V. 3. mit 1. Kor. 15, 50., und das Ganze wieder mit Ev. Joh. 1, 13., 1. Joh. 3, 9., 4, 7., 5, 1.; ferner mit Ephes. 4, 24., auch 1, 13., 2. Kor. 4, 4., Ebr. 1, 3; ferner 2. Petri 1, 4., und dann diese, Phil. 3, 21. Diesen Stellen zu Folge, hängt jene (von 2. Kor. 4, 16.) wieder mit der von den drey wesentlichen Theilen, aus denen der Mensch besteht, zusammen, nämlich: „Geist, Seele und Leib,“ 1. Thessal. 5, 23. Nur der Geist kommt unmittelbar von Gott (1. Mos. 2, 7., dann vergl. Pred. Sal. 12, 7. und Luc. 23, 46.); die Entstellung des Ebenbildes Gottes im Menschen durch die Sünde, hatte allerdings auf den Leib des Menschen einen großen Einfluß. Dieser wurde nämlich wahrscheinlich dadurch materieller, grob irrdischer und eigentlich thierisch (1. Mos. 3, 7. 10.). Vielleicht ward nun jetzt, oder aber schon gleichzeitig mit dem Fall, dem Menschen die Seele, als Mittelwesen zwischen dem grob materiellen Körper und dem Geist. Wenigstens mag die Seele im Menschen den größten Einfluß des Verführers erlitten haben, als dem eigentlichen Sitz der Sinnlichkeit, dem Gesetze in den Gliedern, von welchem Paulus spricht, das da widerstrebet dem Gesetze in dem Gemüthe (Röm. 7, 23.), das Fleisch, dem wider den Geist gelüstet (Gal. 5, 17.). Man sehe in dieser Hinsicht die Stellen aus dem Alten Testament, welche so nachdrücklich von dem Sitze der animalischen Seele sprechen. (5. Mos. 12, 23., 3. Mos. 17, 10. 11. 14., damit zusammengehalten 1. Mos. 9, 3. 4. u. Apost. Gesch. 15, 20.)

So ist es hinwiederum sehr merkwürdig, daß das Alte Testament so nachdrücklich von der Nothwendigkeit der Versöhnung der Seele spricht, auch ohne Rücksicht auf die moralische Schuldhaftigkeit oder Schuldlosigkeit; 2. Mos. 30, 12–16., m. s. auch 4. Mos. 18, 15. Ueberhaupt bezog sich die Versöhnung im alten Bund eigentlich bloß auf die natürliche oder angeborne Unreinigkeit des Menschen (m. s. 3. Mos. 16, 16. 19., auch 2. Mos. 28, 36–38., 4. Mos. 18, 1.), denn sie betraf, in Ansehung der Uebertretungen, nur solche, die aus Ueberseehung oder Unwissenheit begangen wurden (4. Mos. 15, 22–29.). Für wissentlich begangene Sünden gegen das Gesetz, also eigentliche Sünden wider das Sittengesetz, war die Todesstrafe unerläßlich festgesetzt. (4. Mos. 15, 30. 31., Ebr. 10, 28., z. B. 3. Mos. 7, 20. 21.) Nur gewisse Sünden der Ungerechtigkeit gegen den Nächsten, die bekannt, reichlich vergütet worden waren, konnten dann versöhnt werden. M. s. z. B. 4. Mos. 5, 6–8., auch 2. Mos. 22, 1. f. Auf die Nothwendigkeit der Versöhnung eines sündigen Volks, deuten allerdings auch 2. Sam. 21, 1–14., 24, 1. Nur im neuen Bunde ward das allgemein gültige Opfer, zur Erhaltung der Vergebung aller Sünden, für den Reumüthigen offenbar (m. s. Apost. Gesch. 13, 38.), auf welches zwar schon der Geist im alten Bunde hinwies (m. s. Apost. Gesch. 10, 43.), die aber durch das Gesetz und ohne Glauben nicht konnte erlangt werden. Ebr. 10, 3. 11. / 39.

Aus diesen Betrachtungen mag es klar werden, wie nothwendig auf einer Seite die Versöhnung des Menschen mit Gott ist, wenn auch der Mensch, dem Aeussern nach, noch so wenig sündhaft schiene, und, auf der andern, wie nebst dieser noch die Heiligung seines ganzen Wesens erfordert wird, wenn er ins Reich Gottes eingehen will, da ohne Heiligung Niemand den Herrn sehen wird (Ebr. 12, 14.); und aber auch, durch Ablegung der sinnlichen Hülle, die Sinnlichkeit im Menschen nicht abstirbt, wenn nicht vorher schon, durch die Wiedergeburt und durch den Glauben an Jesum, der alte Mensch (Röm. 6, 6.) getödtet (Röm. 6, 3–5. u. Ev. Joh. 8, 36.) und ein neues Leben in ihm rege geworden, von welchem Jesus (Ev. Joh. 5, 24., 8, 51., 11, 25.) spricht. Wer den ersten Tod oder alle Arten von Leiden und Abtödtung der Sinnlichkeit und der Verläugnungen des alten Menschen, wozu dem Menschen in seinem Leben so viele Gelegenheiten sich aufdringen, nicht williglich eben dahin benutzt, und dagegen auf sein Fleisch säet, der reift mehr oder weniger für die Qualen jener Welt, oder für den andern Tod (m. s. § 43. e.), die freylich eigentlich erst da anfangen, wo die letzte Scheidung der Menschen wird geschehen seyn (Offenb. Joh. XX, 11–14. 15., und in der Hinsicht erwäge man Marci 9, 49.), aber die auch wahrscheinlich für Viele der noch in der Sinnlichkeit Verstorbenen schon mit dem Augenblick ihres leiblichen Todes angehen (Röm. 8, 13, damit zusammengehalten Ebr. 9, 27.), und wahrscheinlich schon in dem modernden Leibe nach dem äusserlichen Tod; da vermuthlich die Trennung der sinnlichen Seele und des sinnlich gewordenen Geistes von dem zum fernern Gebrauch für sie jetzt untauglichen Körper, nach dem sogenannten Entschlummern, nicht so unmittelbar statt finden möchte, als man sich dieses gewöhnlich vorstellt; so daß ein solcher durch die Greuel der Verwesung, deren er an seinem eigenen Leibe ansichtig werden muß, Gelegenheit haben wird, eine Abneigung fürs Sinnliche zu fassen, zu welcher er hier so wenig sich anschicken wollte. Mehrere Stellen der heiligen Schrift scheinen auf dieses unmittelbare Gericht nach dem Tode zu deuten; man beherzige unter andern Luc. 16, 22., auch den folgenden Vers. Nur von Jesus kann in aller Hinsicht gesagt werden, daß Er die Verwesung nicht gesehen (Psalm 16, 10., Apost. Gesch. 2, 27. 31., 13, 36., damit zus. geh. Ps. 89, 49.). Von Henoch und Elia (1. Mos. 5, 18–24., 2. Könige 2, 1–11.) wissen wir bestimmt, daß sie so weit gekommen waren in der Gottseligkeit (und zwar durch den Glauben, Ebr. 11, 5. 33.), daß sie den Tod nicht mehr zu sehen bedurften. Von andern hingegen sagt wieder die heilige Schrift, daß sie ganz nur Seele sind (ψυχικοί. Ep. Judas V. 19., oder fleischlich, sinnlich gesinnt, nach unserer Uebersetzung), und sie setzt ausdrücklich hinzu, daß solche gleichsam keinen Geist mehr haben (οὐ πνεῦμα ἔχοντες; m. s. eben die Stelle und vergl. sie im Original mit 1. Thessal. 5, 23., im Griechischen). Bey diesen also ist nichts mehr, das sie nach dem Verscheiden zu Gott oder zu den himmlischen Wohnorten hinziehen könnte, sie bleiben deswegen nach demselben, mehr oder weniger lang, im eigentlichen Tode. (M. s. hier den oben angeführten § 43. über die verschiedenen Behälter der Verstorbenen; besond. unter d.) Wird aber in einem Menschen die Seele geheiligt, wie sein Geist, und wie sie bey Jesu heilig war, so werden Seele und Geist gleichsam in eine Kathegorie gesetzt, z. B. Phil. 1, 27.

Auf jener Lehre von der Existenz des innern Menschen, und den drey Bestandtheilen unsers Daseyns, beruhen allerdings jene himmlischen Erscheinungen und besonderen Zustände des Menschen (Gesichte und Entzückungen genannt), wovon die heilige Schrift Alten- und Neuen-Testaments uns so manche Beyspiele aufstellt, und bey welchen entweder die innern Sinne, meist die des Gesichts, auch die des Gehörs, selbst die des Geschmacks und des Gefühls geöffnet werden, um Gegenstände aus dem Geisterreiche zu bemerken und zu vernehmen, wobey manchmal auch die äussern Sinne zugleich beschäftiget sind, — oder aber der Geist des Menschen scheint in vollkommenem Maße von seiner irdischen Hülle entbunden, und auch für gewisse Augenblicke wirklich dieselbe zu verlassen, ohne daß der Körper unterdessen aufhört zu leben. Und in diesem Zustand ist der Mensch in einer Entzückung. Johannes scheint in der Apokalypse beyde Grade der Ekstase, sammt jener Verschiedenheit des ersten Grades, mit den Worten auszudrücken: „Im Geiste seyn,“ Offenb. Joh. I, 10. u. IV, 2. In der ersten Stelle, Kap. I, 10–16., war Johannes in dem erstern Grad, mit dem aber entweder gleich, oder doch bald darauf, der zweyte Umstand sich verband, V. 17. 18., da er ohnedies nun dies Gesehene, und was er noch zu vernehmen hatte, aufschreiben sollte, V. 19. bis Kap. III, 22. In der zweyten Stelle, Kap. IV, 2., scheint der vorhergehende V. 1. ganz bestimmt auf eine Entzückung in die Geisterwelt zu deuten, die aber wahrscheinlich auch wieder, abwechselnd, in den erstern und schon erwähnten Grad zurück verfiel (da Johannes das Gesehene und Gehörte auch immer wieder aufschreiben sollte), und sich dann auf gewisse Art wieder erneuerte; m. s. Kap. X, 4. u. XIX, 9., und erwäge noch die Verse 10. u. 11., und Kap. XXII, 8. Andere Beyspiele und Stellen aus der heiligen Schrift, die hierher gehören, sind unter andern: 4. Mos. 12, 6., u. 5. Mos. 34, 10., dann 1. Mos. 46, 2. 3. 4. u. 1. Sam. 3, 1–15., ferner 4. Mos. 22, 31., 2. Könige 2, 10–12., 6, 17., Hesek. 1, 1. f., Dan. 10, 7–19.; so die Kap. 7. u. 8., u. Kap. 9, 21. f.; wiederum: Apost. Gesch. 7, 55., 9, 3–6., 22, 6–16., und 26, 13–19., 10, 10–16. 19., 12, 7–11., 23, 11., 27, 23–25., 2. Kor. 12, 2–4.

§ 16

In Betreff der Bedingungen, unter welchen der Christ zur Theilnahme an jenen Herrlichkeiten zugelassen wird, lehrt die Offenbarung Johannis noch mit besonderm Nachdruck manches, und mitunter auch ziemlich umständlich.

Es werden nämlich allerdings, wie auch schon oben erinnert worden (§§ 13. u. 14.), vom Christen Werke und Arbeiten begehrt (Offenb. Joh. II, 2. 5.) und Dienste (II, 9.), da ja ohne selbige kein treues Halten an dem Gebote Gottes, am Werke des Herrn (Offenb. Joh. II, 26., vergl. mit Eph. 2, 10.), keine wahre Nachfolge Jesu (XIV, 4.), mit einem Wort, kein wahrer lebendiger Glaube (Jakobi 2, 20. 22.), und mithin keine Seligkeit, wie sie die Offenbarung den Christen verspricht, statthaben kann. (M. s. die angeführten Stellen in den vorherg. §§.)

Aber eben deswegen müssen diese Werke völlig erfunden werden können (Offenb. Joh. III, 2., 2. Tim. 3, 17.); sie müssen in dem Geiste der ersten Liebe gethan seyn (Offenb. Joh. II, 4. 5., Eph. 1, 4., 1. Kor. 6, 14., 2. Tim. 1, 3., Röm. 5, 5); sie müssen also geschehen im Geiste Christi, d. h., in dem heiligen Geiste, oder wahrhaftig in Gott durch Seinen Geist (Ev. Joh. 3, 21.). Hier sehe man, um allen Mißverstand zu vermeiden, oder um aller Mißdeutung vorzukommen, zunächst diese Stellen: 2. Kor. 3, 17. (zus. geh. mit Ev. Joh. 14, 17–20., 16, 13–15.; dann aber die folgenden: Ev. Joh. 15, 9., 2. Kor. 5, 14. u. V. 9. u. 17., 13, 3–5., Röm. 15, 16., 14, 17. 18.), da Jesus schon während Seines sichtbaren Wandels auf Erden uns lehrte, daß ohne Seinen unmittelbaren Geistesbeystand wir nichts vermögen von dem, was Gott von uns fordert, von dem, was uns Ihm angenehm und wohlgefällig machen kann [5.], indem nur von oben herab das wahrhaft und vollkommene Gute kommt. (Ev. Joh. 3, 27., mit V. 21. zus. geh.; m. s. auch 1. Joh. 5, 11. 12. 20., und mit diesen: Ev. Joh. 6, 48. 50–54. 56. 63.; bey welchen Stellen man sich der ernsten Warnungen erinnere: 2. Tim. 3, 5., 2. Petri 2, 12., 2. Joh. 7.) Die Apostel schildern deswegen auch diese Beweise eines christlichen Sinnes, die Jesus als unausbleibliche Früchte Seines Geistes in uns fordert, nämlich Liebe, Sanftmuth, Demuth, Glaube, Wahrheit, Geduld u. s. f., als unmittelbare Früchte des wesentlichen Geistes in uns. Gal. 5, 22., zus. geh. mit vorhergeh. V. 16. 17. 18., 1. Kor. 12, 31., 13, bis Kap. 14, 1., 1. Petri 1, 22., Eph. 5, 9., Röm. 5, 5.

Daher ferner das Evangelium, als das Vorzügliche der neutestamentlichen Verfassung, wie sie von Jesu gegründet und uns erworben ist, den Umstand angiebt, daß wir unter derselben den wesentlichen Geist Gottes erhalten sollen. 2. Kor. 3, 7. 8., dazu gen. V. 17., und damit zus. geh. Gal. 3, 1. 2. Nun sehe man auch folgende Stellen: 2. Kor. 5, 5., 1, 22., Eph. 1, 13. 14., 2, 22., Röm. 8, 9. 10. 11–16., 1. Kor. 3, 16., 6, 19., 2. Kor. 3, 3., 6., 16., 13., 5., 2. Tim. 1, 14., 1. Joh. 3, 24., 4, 13. u. V. 4., vergl. mit Ev. Joh. 1, 12. Nur der wesentliche Geist Gottes bewirkt in uns das vollkommene Werk des Glaubens in der Kraft. 2. Thess. 1, 11.

Und dieser Geist in uns (Kol. 1, 27.) ist denn allerdings das Zeugniß Jesu, wovon die Offenbarung Johannis als von etwas äußerst Wichtigem spricht, welches die Auserwählten haben, und das ihnen den Haß und die Verfolgung der Feinde der Wahrheit zuzieht (Kap. VI, 9., vergl. mit 2. Tim. 3, 12.), weil sie ihnen durch Wort und Wandel diese Wahrheit predigen. Aber eben durch dies Zeugniß überwinden sie den Verklager und seine Anhänger (Kap. XII, 11., vergl. mit Kap. XIX, 10.; hier sehe man die oben angeführten Stellen, in Betreff des wesentlichen Geistes Gottes in uns, besonders z. B. 1. Joh. 3, 24., 4, 3, 5, 10., Rom. 8, 16.), und welches Zeugniß auf eine vorzügliche Weise ihnen noch vermehrt oder gegeben werden soll, wenn sie das bereits Erhaltene treu bis zum Siege anwenden. (Eben daselbst, und Offenb. Joh. III, 8., „das Wort,“ vergl. mit III, 3. u. XII.) „Denn wer da hat, dem wird gegeben.“ Matth. 25, 29.

Jene Stelle der Offenbarung Johannis, Kap. II, 17., kann zunächst auf Kap. III, 5. sich beziehen. Allein sie enthält allerdings noch etwas außer jenem Bekenntniß vor dem himmlischen Vater, und etwas Geheimnißvolles, das wohl auf jenes innere Zeugniß geht, das vom Geiste herrührt, der solchen Auserwählten in vorzüglichem Grade mitgetheilt werden soll. (M. s. hier die Stellen: 2. Kor. 1, 21. 22., so auch 5, 5., ferner 2. Kor. 3, 17.) Nun steht schon im Alten-Testament sehr oft für die wesentliche Gottheit nur der Name Derselben, der Name Gottes, im Engel des Herrn. M. s. 2. Mos. 23, 20. 21., und 2. Mos. 33, 3–14., vergl. mit 5. Mos. 28, 58., wo ganz klar und einfach gesagt wird, was wir hier unter dem Namen Gottes uns denken sollen, nämlich den Herrn Selbst und Gott. Man lese die Stelle nach, und noch einmal Offenb. Joh. II, 17., und halte auch III, 12. damit zusammen, und man wird keine Ursache mehr haben, noch an jenem außerordentlich Erhabenen des hier verheißenen Geschenks zu zweifeln. Man vergl. auch mit diesen Stellen folgende: Apost. Gesch. 4, 12. u. 3, 16., auch Spr. Sal. 18, 10. Man denke auch allenfalls hier an das, was Petrus von Christi Geist sagt, daß Er in den Propheten war. 1. Petri 1, 11. Mit diesen vergl. auf einer Seite 1. Kor. 10, 9., und auf der andern Ev. Joh. 5, 38., und beherzige zuletzt noch die Stelle, Offenb. Joh. II, 28. u. XXII, 16., und vergl. damit 2. Petri 1, 19.; so wird man ohne Zweifel zugeben müssen, es sey allerdings biblische Lehre, daß der Geist Gottes oder Christi, unter der eigentlichen Benennung von Geist Gottes, oder unter der Seines Namens, oder der Seines Zeugnisses, oder des Morgensterns (Offenb. Joh. II, 28., XXII, 16., 2. Petri 1, 19.), denen, die Ihm das Herz öffnen, und in gutem Gebrauch ihres freyen Willens das Böse überwinden, in einem ganz besondern und hohen Grade, und zu einem immerwährenden Eigenthum, mitgetheilet werden wird. (M. s. hier, was schon im fünften §. von der Bedeutung des Zeugnisses Jesu und des Siegels des lebendigen Gottes erinnert worden ist; auch sehe man den §. 13. c., wo von der gegenseitigen Wirkung der Treue und des Glaubens geredet wird, zur Heiligung und zur Erlangung des Erbtheils der Heiligen; und endlich ein Vorbild allerdings jenes heiligen Zeugnisses, in 2. Kön. 11, 12.)

Ein solcher Charakter eines Jüngers Jesu zieht ihm nun, wie schon erwähnt ist, Trübsale auf Erden zu; allein gerade er macht es ihm auch möglich, alle Leiden mit Geduld zu ertragen, und das ist wieder eine wesentliche Eigenschaft, die an den Heiligen gefordert wird (Kap. I, 9., II, 2. 3. 9. 10. 19., III, 10., VII, 14.), damit sie auf keinerley Weise der Versuchung unterliegen, und selbst nicht, aus Furcht vor dem leiblichen Tode, den Glauben verläugnen möchten. (Kap. II, 13., III, 8. 10., XII, 11., vergl. mit XXI, 8. u. 2., Phil. 2, 30.) Auch eben so wenig darf der gläubige Dulder irgend eine Gewaltthätigkeit im Eifern für den Herrn den Feinden entgegenstellen, und durchaus keine Gegenwehr wider Verfolgungen gebrauchen, welches ganz dem Geiste Christi zuwider wäre. (Offenb. Joh. XIII, 9. 10., XIV, 12., vergl. mit Matth. 5, 5. 39., 20, 25–28., Luc. 9, 54–56. u. Zach. 4, 6.)

Dies also die Gesinnungen, welche durch den wahren Glauben im Menschen hervorgebracht werden, und deren Ende der Seelen Seligkeit ist. (M. s. 1. Petri 1, 9., u. 2. Petri 1, 5–11., Rom. 10, 8–10.) Um so mehr, da solche Gesinnung, wie sie angeführt worden, den Jünger des Herrn vor dem Selbstvertrauen bewahret, dem schrecklichen Uebel, an welchem unsere Zeitgenossen so sehr krank liegen, ob sie gleich so wenig Löbliches, weder im Familienkreise, noch im öffentlichen Handel und Wandel, aufzuweisen haben [6.]. Sie bewahret uns vor jenem Selbstdünkel, den die Offenbarung so ausdrücklich tadelt, und der uns wähnen macht, wir wären gut von Natur, und bedürften eben deswegen nicht jener besondern Gaben, die man nur vom himmlischen Vater erfleht, und durch den heiligen Geist in Jesu Christo empfängt. (Offenb. Joh. III, 17. 18., vergl. mit II, 9.; m. s. auch Röm. 15, 1. 18. u. 2. Kor. 3, 5., 11, 30., 12, 5. 9. u. 1. Kor. 3, 18., und überhaupt Luc. 18, 19. mit Ev. Joh. 10, 30.; daher 1. Kor. 1, 31., zusammengehalten mit Jerem. 9, 23. 24.)

Nur diese Gesinnung kann in uns das Gefühl des Bedürfnisses, von einem fremden höhern Verdienst erhalten, um der Seligkeit, insonderheit jener theilhaftig werden zu können, die uns zugedacht ist; und doch ist dieses Gefühl mit eine der ausdrücklichen Bedingungen, um Gott wohlgefällig zu seyn, da dasselbe uns stets auch bey der uns möglichsten Treue begleiten soll. Dies lehrt wieder die Offenbarung Jesu an Johannes sehr nachdrücklich: Kap. I, 5., VII, 14., XII, 11., zusammengehalten mit Luc. 17, 10. Auch ist es nur bey solch einem reinen Gefühle, daß die Seligen nach ererbter Seligkeit von ganzer Seele ihre Kronen werden werfen können vor dem Stuhl Gottes und des Lammes, und sagen: „Du allein bist würdig“ … und: „Du bist es, Der uns erkaufet hat und gemacht zu Priestern und zu Königen.“ Kap. I, 6., IV, 10. 11., V, 9. 10., vergl. mit Kap. VII, 15., XX, 6., XXII, 5. „So feyerlich wird im Himmel Jesus Christus, als die Ursache der Seligkeit, anerkannt. Hier wird das Blut Jesu als der hohe Kaufpreis betrachtet, für welches die Sünder von der verschuldeten ewigen Verdammniß losgekauft sind, und durch welchen Jedem, Der sich dazu heiligen läßt, die königliche und priesterliche Würde vor Gott erworben ist.“ (M. s. unten S. 39. f)

Anmerkungen zu § 16

[5.] Siehe die ergänzenden Stellen: Ev. Joh. 15, 4. 5., mit Röm. 8, 7.; Ev. Joh. 14, 17.; Matth. 19, 25. 26. (im Zusammenhang mit V. 17. und der letzten Zeile in V. 21.); Phil. 4, 13. und 3, 3.; Kol. 1, 26–29.; 2. Kor. 3, 5.; Gal. 2, 20.; dazu Ev. Joh. 14, 26. u. 7, 39.; Phil. 3, 3.; Röm. 15, 8., 8, 14. u. 9, 10. 11.; Apost. Gesch. 13, 9.; 2. Kor. 13, 3.; Ev. Joh. 17, 22. 23. 26. u. 16, 7. 14., zus. geh. mit Ephes. 4, 8.; Ev. Joh. 16, 23. 24., mit 14, 16. 17. 18. 21. 23. u. 13. 14.; auch V. 20. nicht zu übersehen, und Luc. 11, 13.

[6.] (Warnung vor irreführenden „vernunft“-basierten Lehrsystemen und zur Pflicht der Prüfung/Zurückweisung falscher Lehre.) Siehe: 2. Chron. 6, 30.; Jerem. 17, 10.; Ev. Joh. 2, 25.; Apost. Gesch. 1, 24.; 1. Kor. 4, 5.; Matth. 7, 1–5. 15–20.; Gal. 1, 7–9.; 2. Kor. 11, 13–15.; 2. Thess. 2, 15.; Apost. Gesch. 2, 42.; 1. Kor. 12, 26. 27.; Ebr. 3, 13.; 10, 24.; 1. Kor. 14, 12.; Judä 22. 23.; 2. Thess. 3, 14. 15.; 1. Kor. 5, 11–13.; 1. Tim. 1, 6. 7.; Kol. 2, 8.; Tit. 3, 10.; 2. Joh. 10. 11.; Ev. Joh. 5, 20. 30.; 8, 28. 38. 40. 50. 55.; 7, 37. 38.; 12, 49.; Röm. 15, 18.; 1. Kor. 11, 23.; 2. Kor. 3, 10.; 13, 3.; Gal. 2, 2.; 1. Petri 4, 11.; Phil. 3, 15.; 2. Kor. 3, 5.; Ev. Joh. 15, 4. 5.; Matth. 19, 17.; Offenb. Joh. 15, 4.; Ebr. 12, 10. 14.; 1. Joh. 1, 7.; 1. Kor. 3, 11–15.; Offenb. Joh. XX, 12. 13.; Apost. Gesch. 17, 11.; 2. Thess. 2, 8–12.; Offenb. Joh. XIII, 11–17.; Matth. 24, 11.

§ 17

So erwirbt für sich selbst jeder einzelne Christ (Offenb. Joh. II, 7. 17. 26., III, 5. 12. 21), so jede christliche, in der Treue an der Lehre Jesu beharrende Gemeinde (Kap. II, 10., III, 4.) die durch Jesum uns zugesicherte Seligkeit. Aber die Offenbarung Johannis lehrt uns noch diese Wirkung der Nachfolge Jesu, von Seiten Seiner Gemeinde auf Erden, in einem weit umfassendern Umfange erkennen, denn sie zeigt uns, was schon die Evangelien und die Episteln, ja schon die Schriften des Alten-Testaments uns lehren, auf eine ganz besonders nachdrückliche Weise, daß nämlich die Arbeit der Treuen am Herrn wesentlich beiträgt zu jenem Kommen Dessen, Der ist, und war und zukünftig ist, und mit Dessen Verkündigung das heilige Buch der Offenbarung Johannis beginnt. (M. s. § 11.)

Dies geht unläugbar aus der Stelle hervor, Offenb. Joh. XII, 1. 2. 3., vergl. mit Jes. 26, 17. 18–21. u. Micha 4, 10. u. Gal. 4, 19. u. Offenb. Joh. XII, 5., vergl. mit XIX, 15. u. II, 26. 27., auch mit Psalm 2, 8. 9. 12. Man erinnere sich hier, was § 1. von der Benennung gesagt worden ist, unter welcher die heilige Schrift die treuen Anhänger an Jesum zusammenfaßt.

Allerdings liegen noch große Geheimnisse in der angeführten Stelle des XII. Kapitels der Offenbarung; aber dies leuchtet immer klar hervor, daß das Herzensanliegen der Dulder Jesu auf Erden, daß ihre Sehnsucht nach dem Erscheinen der Zeit, wo ihr Herr, der allmächtige Gott, Seine große Kraft unverdeckt beweisen möge auf Erden, an Gerechte und an Ungerechte, und herrschen (Offenb. Joh. XI, 17., Judä V. 4., damit vergl. 2. Mos. 23, 17., 34, 23.) im ganzen Umfange des Worts, in allen Staats- und Familienverhältnissen, damit dem Bösen gesteuert werde und nur Gerechtigkeit wohnen möge auf Erden (Offenb. Joh. XI, 18. u. Jes. 11, 1–9.); daß dieses heiße Verlangen, dieses ganze Ringen der Seelen der Gerechten, nach dem Kommen ihres Herrn zur Aufrichtung Seines Reichs, wie Er es verheißen ließ den Seinen bey Seinem Auffahren in die Höhe (Apost. Gesch. 1, 11., mit V. 6. zusammengehalten, und Offenb. Joh. XX, die sechs ersten Verse), nicht nur erhöret werden solle (Luc. 18, 7. 8.), sondern, daß auch dieses Gebet, mit aller andern damit verbundenen Seelenarbeit der Jünger und Knechte Jesu auf Erden, einen wesentlichen Einfluß auf die Entwickelung aller jener Begebenheiten und Gerichte habe, die da dem bestimmten Ausgange des Kampfes Jesu Christi mit Satan und seinem Reiche vorhergehen sollen. Man sehe hier die heiligen Scenen und lehrreichen Vorstellungen in der Offenbarung Johannis, VIII, 3–5., zusammengehalten mit V, 8. und XIX, 3.

Daher die Vorschrift Jesu an die Seinen: „Ihr sollt beten: Dein Reich komme! (Matth. 6, 9. 10.) Erlöse uns von dem Uebel! (eben da, V. 13.) Bittet den Herrn der Ernte, daß Er Arbeiter in Seine Ernte sende! (Matth. 9, 38.)“ Das ganze Neue-Testament in Evangelien, Episteln und Offenbarung Johannis, das ganze Beyspiel Jesu in Seinem sichtbaren Wandel unter uns, ist und war eine stete und dringende Aufforderung an die Jünger: „Ohn Unterlaß zu beten,“ Luc. 18, 1., Kol. 4, 2., und „vor allen Dingen für alle Menschen.“ (1. Tim. 2, 1.) Was heißt dies anders, als fürs Kommen des Reichs Gottes zu beten! Wir sollen dulden auf Erden; dem Uebel, womit Andere uns plagen, nicht widerstreben, keine Gewalt ihm entgegensetzen (Matth. 5, 39. u. d. f., auch oben den § 15. u. § 16. c); aber dies sollen wir thun: beten! Beten um Erlösung von diesem argen Geschlecht (2. Thess. 3, 2.); beten, daß der Herr bald drein sehen möge und die Seinen erretten durch die Erscheinung Seiner Zukunft, Luc. 21, 36.; beten, daß der Herr auf irgend eine Weise dem Bösen steure zur Gerechtigkeit, Röm. 9, 28. Ja, kein Buch lehrt bestimmter und nachdrücklicher, daß zur Beförderung des Reichs Gottes, zur Beschleunigung Seiner Zukunft, zur Aufrichtung Desselben unter uns auf Erden, nichts Wesentliches geleistet wird ohne Gebet. (M. s. die weiter oben angeführten Stellen Offenb. Joh. VIII, 3. u. s. f.)

Wie tröstlich diese Verheißung von der Wirkung des Gebets zum Kommen des Reichs Gottes! Würden wir auch nichts Anders, als eben diese Wahrheit, aus der Offenbarung Johannis lernen, und sie zweckmäßig benutzen, so hätten wir eine der wichtigsten Absichten dieser Offenbarung an uns erreicht. Denn nicht nur würden wir im Allgemeinen durch unser Gebet zur Vollendung der Werke Jesu, zur Aufrichtung Seines Reichs und zur Zerstörung der Werke der Finsterniß wesentlich beytragen, sondern selbst gewürdiget werden zu entfliehen allen jenen Gerichten gegen die Feindseligen, und zu stehen vor des Menschen Sohne. Luc. 21, 36.

So fremd auch dieser Saß vom Einfluß des Gebets in der Oekonomie Gottes, dem natürlichen Lichte des menschlichen Verstandes, ist, so zuverlässig ist er dennoch auf die heilige Schrift gegründet, denn sie trägt diese Wahrheit in ihrer Geschichte sowohl (z. B. 1. Mos. 18, 22–32., 4. Mos. 14, 11–20., 2. Mos. 17, 11. 12., 1. Kön. 17, 1. 21. 22., 18, 36–39. 42–45., vergl. mit Offenb. Joh. XI, 6., ferner 2. Kön. 19, 14–19. 20–37.), als auch in den Lehren der Offenbarung, auf jeder Seite, so zu sagen, Alten- und Neuen-Testaments, vor. (M. s. z. B. Hesek. 22, 30., Luc. 18, 1., 1. Tim. 2, 1.) Und Jesus Selbst ging uns hierin mit Seinem Gebete vor (Ebr. 5, 7.). Jetzt noch bittet Er stets für uns (Ebr. 7, 25.); Er bittet, daß unser Glaube nicht aufhöre, und verschafft uns die Zeit und die Gnadenwirkungen des heiligen Geistes. (M. s. Luc. 22, 32., auch 23, 34., vergl. mit Jes. 53, 12.) Und sind wir Ihm getreu, so beten wir dasselbe für unsere Brüder, für alle unsere Zeitgenossen, daß sie vor der Verläugnung der Gottheit Jesu und Seines Versöhnopfers bewahret bleiben, und durch den lebendigen Glauben an Seinen Namen der Verdammniß entrinnen mögen, und wir flehen die ewige Barmherzigkeit Jesu, unsers Erretters, an, für die Verächter des Worts Gottes, wir beten um diesen Geist des Gebets für sie (Zach. 12, 10., Röm. 8, 26. 27.); insonderheit beten wir auch um die Vermehrung des Durstes unter den Menschen nach der Wahrheit, nach der göttlichen Wahrheit, das heißt, nach dem Worte Gottes (Amos 8, 11.), damit das Reich Gottes doch vorerst in den Herzen Vieler zu ihrem Heil aufgerichtet würde durch die Wirkung des heiligen Geistes (Luc. 17, 20.), bevor Sich der König aller Könige offenbare mit Seiner strafenden Gerechtigkeit, zu regieren mit dem eisernen Scepter über die Uebriggebliebenen unter den Widerspenstigen. M. s. Ps. 2, 12. u. die vorherg., und Ps. 110, 5. 6., zus. geh. mit den hieher gehörenden Stellen aus der Offenb. Joh. II, 26. 27., XII, 5., XIX, 15.

Zum bisher Gesagten nehme man noch Offenb. Joh. VI, 9–11., vergl. mit XIX, 2., und XVI, 5. 6., XVIII, 20. [7.] Diese Stellen lehren wieder, daß eben schon das Dulden und Leiden der Jüngerschaft Jesu auf Erden schreyt zum Himmel um das Kommen des Reiches der ewigen Liebe! Jedes Jammern der Noth, jedes geschehene Unrecht auf Erden, jede Stimme des Elends der leidenden Menschheit, ja, jeder leidenden Kreatur in der verfallenen Schöpfung, ist eine mächtig zu Gott schreyende Stimme, ums Kommen des Reichs! Dies geht aus 1. Mos. 4, 10. hervor, vergl. mit Ebr. 12, 24., Röm. 8, 19–22. Daher der dankende Jubel, einst und zunächst der Seligen unter den Menschen, dann aber auch aller lebenden Wesen: „Wir danken Dir, Herr, allmächtiger Gott, Der Du bist und warst und zukünftig bist, daß Du hast angenommen Deine große Kraft und Herrschaft!“ Offenb. Joh. XI, 17., XIX, 4–6.

Und so stellt denn die Offenbarung Johannis auf eine unbestreitbare Weise den Grundsatz auf, daß, was im Sichtbaren geschieht zur Beförderung des Reichs Gottes, im Unsichtbaren veranlaßt wird, und also diese Ereignisse nicht sowohl als solche anzusehen sind, die im Vergänglichen ihren Grund haben, als vielmehr wie ganz eigentliche Wirkungen des heiligen Willens Gottes zum Besten der Erkauften, die sich nach dem Kommen ihres Herrn sehnen. (Offenb. Joh. XXII, 17.) Demnach stellt uns die Offenbarung ganz im eigentlichen Sinne des Wortes, in allen ihren Verheissungen, nur das vor: „was Gott thut, was Er schafft, was und wie Er erhält, erlöset, zur Herrlichkeit bereitet und vollendet, zur Herstellung des Verlornen.

Anmerkung zu § 17

[7.] Offenb. Joh. VI, 9. 10. „Wie lange richtest Du nicht, wie lange verzeuchst Du, unser Blut zu rächen.“ Hier ist nicht Rache der Erwürgten gegen ihre Feinde, dies können Gläubige, als Kinder ihres himmlischen Vaters, nicht. (Matth. 5, 44. 45., Apost. Gesch. 7, 58. 59.) Aber von einem Sehnen ist hier die Rede, nach der Offenbarung der Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes, daß der Gottlose nicht ferner hindenke, der Herr werde immerdar schweigen (Jesaj. 57, 11., 50, 21., Mal. 2, 17.), und daß die Bösen vor dem Herrn seyen wie die Frommen, oder es sey umsonst, daß man Gott diene (Ps. 50, 21., Ps. 10, 4–13. u. Ps. 73, 1–27., vergl. mit 1. Mos. 18, 25., Jesaj. 66, 4. 5. u. Mal. 3, 14. 18.); ein Sehnen (Jesaj. 64, 1.) auch, daß die Erde entsündiget, gereiniget werde von der Blutschuld (m. s. 1. Mos. 9, 5. 6.), weil vorher der Heilige, der Herr der Herrlichkeit, nicht weiter Sich offenbaren, und auch Sein Reich nicht aufgerichtet werden kann auf Erden (m. s. 4. Mos. 35, 33. 34.); ein heiliger Wunsch, daß doch fernerhin dem Satan nicht mehr gestattet würde, die Erde als seinen Opferaltar zu betrachten. „Darum flehen wir hier am Opferaltar (2. Mos. 27, 4–8.), um Deines Namens willen, als Schlachtopfer geachtete.“ So schrie auch das Blut Abels auf zu Gott (1. Mos. 4, 10., Ebr. 12, 24.).

§ 18

Wir bemerkten im vorhergehenden Paragraph, daß das XII. Kapitel der Offenbarung Johannis sehr geheimnißvoll sey, und vielleicht ist es auch das geheimnißvollste in diesem heiligen Buche. Allein dessen ungeachtet enthält es, in Betreff der gegenwärtigen Verfassung des Reiches Gottes, in seiner gegenwärtigen Lage auf Erden, und seinem Verhältnisse zu dem ihm widerstrebenden Reiche der Finsterniß, auch zugleich in Betreff der Art, wie zu seiner Zeit jenem beeinträchtigten Reiche geholfen, dieses aber seiner Endschaft näher gebracht werden sollte, oder gebracht werden soll, so deutliche Anzeigen, daß sie allerdings dem Unbefangenen nicht entgehen können.

Das vorhergehende Kapitel endigte, wie wir so eben sahen (zu Ende des § 17.), mit der trostvollen Verkündigung allen Knechten und Propheten des Herrn, daß nun ihr allmächtiger Gott „Seine große Kraft angenommen habe und herrsche“ (Kap. XI, 17., vergl. mit V. 11.), eben der Herr, der vorher als Lamm vorgestellt wurde, das erwürget ward und durchs Unterliegen bis zum Tod über die Ungerechtigkeit gesiegt hatte, und der nachher als Gekronter auszog, um die Widerwärtigen zu überwinden. Er hat nun die Regierung angetreten. Auch nennt Er Sich nun bestimmt, im vorhergehenden 4ten Vers dieses XI. Kapitels, „der Herr, oder der Gott der Erde“ (m. s. das Griechische in Griesbachs Ausgabe des Neuen-Testaments, und vergl. diese Stelle mit V. 17. u. Kap. I, 4. 8. 17. 18., m. s. auch oben § 11.), im Gegensatze von dem Fürsten, der bis dahin „der Gott dieser Welt,“ oder Weltperiode, hieß, 2. Kor. 4, 4., zus. geh. mit Matth. 4, 8–11. (Daher nun auch, wie sogleich am Ende von c. angeführt werden wird, ein Gericht über Satan ergeht. M. s. zugleich unten die Anm. [8].)

b. Dessen ungeachtet lehrt der gleichfolgende Vers (18.), daß die Gerichte gegen die Feinde zu selbiger Zeit noch nicht zu Ende seyn, und daß demnach der allmächtige Herrscher schon im vorzüglichen Grade herrsche, auch dann, wo wir noch gewaltige Feinde gegen Ihn wüthen sehen. Dies lehrt nun unter andern auch das folgende, oder unser XII. Kapitel. Aber eben diese Gerichte, die gegen jene letztern Feinde ausbrechen sollen, sind, wie auch schon oben § 14. e. erinnert worden, von besonderer Strenge; und wenn sie gleich mit und zunächst, wie die vorhergehenden Gerichte, darauf hinzwecken, die Verführten zur Buße zu mahnen, so gehen sie doch als die letztern Gerichte unaufhaltbarer darauf los, dem Kommen des Reiches auf Erden Raum zu machen, die Erde von den hartnäckigen Widersachern zu reinigen, und dieselbe nun für die Heiligen einzunehmen. Man sehe, in Betreff des erstern (die fortdauernden Gerichte), den schon etlichemal genannten 18ten Vers des XI. Kapitels, und vergleiche mit den zwey ersten Zeilen, Kap. VI, 16. 17., auch 10. 11., ferner Kap. XX, 11–15. u. 1–7. u. 8.; und mit der dritten Zeile und einigen folgenden vergleiche man Kap. XX, 4–6. und Kap. XXI, 1–7. In Betreff des letztern aber (die Bescheidung des Reichs auf Erden den Jüngern des Herrn, oder dem heiligen Volk des Höchsten), sehe man Offenb. Joh. XIX, 6., u. Kap. XX die sieben ersten Verse, vergl. mit Luc. 12, 32., 22, 29., und Daniel 7, 27., Ps. 37, 9.

c. Und nun wird Johanne gezeigt, von wo aus diese Gerichte kommen werden; sie sind unmittelbare Wirkungen der Kraft Gottes, Der, von Seinem Stuhle aus, Blitze, Stimmen, Donner und Erdbeben und Hagel schickt, Seine Befehle auszurichten. (Offenb. Joh. XI, 19., vergl. mit Kap. VIII, 5., IV, 5., Joel 2, 11., als Antwort auf die vorhergegangene Aufforderung der Knechte Gottes auf Erden, und überhaupt der leidenden Schöpfung; m. s. vorigen §. und auch 1. Kön. 18, 24. 36–39.) Und späterhin erscheint der Herr Selbst, auf eine noch unmittelbarere Weise, zur Entscheidung des Kampfes. [Kap. XIX, 11–16. u. d. f. bis 21.; in welchem Kapitel wahrscheinlich das Schwert V. 15. mit Eph. 6, 17. zu vergleichen ist. M. s. auch Ebr. 4, 12., Jer. 23, 29. u. Zach. 4, 6., und da erinnere man sich an die Wirkungen des heiligen Geistes, unter Juden und Heiden, bey der Predigt des Evangeliums durch die Apostel, nach der ausserordentlichen Ausgießung Desselben über diese auserkührten Boten des Herrn. Apost. Gesch. 2, 1–4. und die folg. bis V. 40. incl. Man sey auch dabey der Verheißung Jesu eingedenk, daß Sein Evangelium in den letzten Zeiten solle geprediget werden allen Völkern zum Zeugniß über sie, Matth. 24, 14., welches also wenigstens mit eben den Beweisungen der Kraft und des göttlichen Ursprungs Desselben geschehen muß, als es geschah durch die ersten Apostel, nach jenem ersten Pfingsttage. Und da sehe man, was Joel 3, 1–5. in dieser Hinsicht verheißen wird, eine Verheißung, die allerdings Apost. Gesch. 2, 1–4. 16–21. nur zum Theil in Erfüllung ging, und durchaus noch nicht erschöpft ist; auch nicht durch die fernern Bezeugungen des Geistes in den Aposteln (m. s. z. B. Matth. 10, 19. 20., und die hierauf sich beziehenden Stellen), da, wie weiter unten wird erinnert werden (§ 24.), Joel vorzüglich diejenigen letzten Zeiten berücksichtiget, welche unmittelbar der zweyten Zukunft des Herrn vorhergehen werden. Ohnehin spricht Paulus, 2. Kor. 3, 7–11., von einer ganz andern Herrlichkeit des Amtes des Neuen-Testaments, als diejenige ist, die man leider seit ihrer Zeit und in spätern Zeiten besonders, an demselben erblickte, und die aber wahrscheinlich alsdann beginnen wird sichtbarer zu werden, wenn zu einer gewissen Zeit der Herr in den Besitz des Himmels wird getreten seyn, und nun auch Sich aufmachen wird, auf der rebellischen Erde einmal für immer Ordnung zu schaffen. M. s. Apost. Gesch. 3, 21–23. u. V. 19. u. 26. – Allein „das Schwert“ im 21sten V. scheint nichtsdestoweniger auf eine verwüstende Kraft, auf ein eigentliches Strafgericht zu gehen. M. s. die Stelle im Zusammenhang, und vergleiche sie mit Offenb. Joh. II, 12. 16. u. mit 2. Thessal. 2, 8., und von solchen Gerichten hauptsächlich spricht die Offenbarung Johannis, insonderheit auch in unserm angeführten Texte, Kapitel XII.]

d. In diesem XII. Kapitel nun, wird Johanne gezeigt, womit die angekündigten Gerichte beginnen werden, nämlich: mit der Verbannung Satans aus dem Himmel. V. 7–10.

e. Die heilige Schrift stellt uns Satan nicht als jenes unbedeutende Wesen vor, wozu man ihn in neuern Zeiten gemacht hat; noch viel weniger als ein Wesen, dem wir mit schnöder Verachtung Hohn sprechen dürften, (m. s. Judä V. 10. 11., vergl. mit Zach. 3, 1. 2., und sehe das, was über die Lehre der heiligen Schrift, von der Existenz Satans, weiter oben, § 7., gesagt worden ist) – ob wir gleich den Eingebungen desselben mit kühnem Muthe in der Kraft des Herrn widerstehen sollen. (Jakobi 4, 7. u. 1. Petri 5, 8. 9., vergl. mit 1. Mos. 4, 7., wobey man sich erinnere, was oben § 7. d. über diese letztere Stelle bemerket worden; m. s. auch 1. Joh. 3, 8. 9.) Nach der Lehre der heiligen Schrift war also Satan ursprünglich ein Wesen von ganz ausnehmender Majestät, die es verlor, da es gegen Gott sündigte. (2. Petri 2, 4., Juda 6, Jesaj. 14, 12–15., vergl. mit Hiob 38, 7.) – Allein die Offenbarung Johannis lehrt uns, daß, obgleich nun Satan mit seinen Engeln, in Betracht seiner erstern Herrlichkeit, mit Ketten der Finsterniß zur Hölle verstoßen ist (die Hölle beständig mit sich herum trägt), damit er behalten würde zum Gericht (Ep. Judä V. 6., Offenb. Joh. XX, 10., Matth. 25, 41.), er dennoch bis zu einer gewissen Zeit einen Zutritt im Himmel genosse, wo er gewisse Rechte könnte suchen geltend zu machen, an denen (wie es der Zusammenhang lehrt), die ihre Zuflucht nicht nehmen zu Dem, Der allein der Höllen Macht bezwungen hat, Vers 11. unsers zwölften Kapitels. Allein dieses Rechts wird er nun verlustig, V. 7. 8. 9. u. d. f., und der Text lehrt dem Johannes, daß diese merkwürdige Begebenheit in einem gewissen Zusammenhange steht mit der Arbeit und dem geistlichen Geburtswesen der Kirche Jesu auf Erden, V. 1–5. (M. s. vorig. §., auch Gal. 4, 19.) Diese Lehre bestätiget sich ohnehin in einigen Stellen der Evangelien. Luc. 10, 18., Ev. Joh. 12, 31., 16, 11.; damit zus. geh. Matth. 4, 1–11. [8.]

f. Ist nämlich die Kirche Jesu auf Erden in ihren einzelnen Gliedern, unter den vorhergegangenen Trübsalen und Prüfungen, bis zu einer gewissen Reife und Vollkommenheit gediehen, zubereitet, vollbereitet und gestärket worden (1. Petri 5, 10., Ephes. 5, 25–27), so gehöret sie nun, obgleich noch dem Leibe nach und im Druck, auf Erden befindlich (V. 4. 5. 6. und auch 13. und die folgenden lehren, daß hier von der Gemeinde Jesu auf Erden die Rede ist), doch schon zu den Himmelsbürgern. (Ephes. 2, 19., Phil. 3, 20., Ebr. 12, 22–24.) Hier gilt sie als die triumphirende Kirche (V. 1.), und jenes Kind, dessen Name „Wunderbar“, „Kraft, Held, Friede-Fürst, Ewig-Vater,“ wovon Jesajas weissagte (Kap. 9, 6. 7.), und das des Weibes Samen seyn sollte (1. Mos. 3, 15., Jes. 7, 14.), und welches schon einmal erschienen war im Fleisch, um durch Sein eigenes Opfer die Sünde aufzuheben, durch Seinen Tod die Möglichkeit der Errettung aus Satans Klauen für Himmel und Erde, für Jeden, der sich würde versöhnen lassen wollen mit Gott, und sich helfen lassen, vom unschlachteten Volke (Apost. Gesch. 2, 40., 2. Thessal. 3, 2.), zu veranstalten; dieses holde Kind ist nun neuerdings errungen und erbeten (Offenb. Joh. XII, 5. mit 2. zusammengehalten), daß Es wiederum erscheine, denen, die auf Dasselbe warten, zur Seligkeit, daß Es wieder komme im Geist, in Seiner verklärten Gestalt und Herrlichkeit, Besitz zu nehmen von dem Reiche, das Es Selbst als Lamm Gottes und Weltheiland Sich erworben hat. (M. s. unter andern Ebr. 9, 28., 2. Kor. 5, 16., 2. Thess. 2, 8., Offenb. Joh. XX, 1–2.) [9.]

g. Und dieser Zweck wird nun durch die folgenden Gerichte erreicht: Satans Stätte im Himmel geht definitiv verloren, V. 7. 8. Allein sein Endurtheil wird deswegen noch nicht an ihm vollzogen, weil auch er vorher reifen muß. Und er reifet zum Gericht, wie diejenigen, die ihm angehören. Er wird deswegen auf die Erde verworfen mit seinen Engeln (V. 9.), wo seine Bosheit um so schneller das volle Maß erreichet, da er weiß, daß ihm wenig Zeit mehr gelassen ist (V. 12.), und durch ihn reifen denn auch Diejenigen Menschen in der Ruchlosigkeit, die durch Unglauben, oder durch Laster, ihm Gehör geben. (M. s. die Anm. 28. zu § 42.)

h. Daher, während dieser Zeit, noch die letztern Prüfungen der Heiligen auf Erden, und die heißen Sichtungen, die hier in diesem Kapitel verkündiget (V. 12.), und auch schon mit einigen näheren Umständen angegeben (V. 13–17.), die aber, hauptsächlich in dem nächst folgenden dreizehnten Kapitel und einigen andern, entwickelt werden, in welchen die Organisation der Satansmacht in und unter den Menschen, mit sehr faßlicher Bestimmtheit, uns angegeben und aus einander gelegt wird, damit sich vor derselben hüte, wer den Namen Gottes werth hält.

Anmerkungen zu § 18

[8.] Zur Lehre von Satan und dem Zwischenstand seines „Zugangs“: Vgl. Ev. Joh. 12, 31 (Gericht über den „Fürsten dieser Welt“ nahe der Stunde des Kreuzes; Ebr. 2, 14.); gleichwohl verbleibt bis zu einer gesetzten Zeit ein von Gott zugelassener Wirkungskreis (vgl. Hiob 1–2; Zach. 3, 1–2), der erst mit Offenb. 12, 7–10. „Himmelszugang“ verliert. Vieles bleibt dunkel und wird (so die Hoffnung des Autors) im kommenden Friedensreich erhellt.

[9.] Zum Bild des schwangeren Weibes (Offb 12, 1–5): Neben der primären Deutung auf die Wiedererscheinung des in Herrlichkeit wirkenden Christus (vgl. Ebr. 9, 28) kann das Bild auch allgemeiner die Kirche als „Schwangere“ über die Jahrhunderte meinen (Jes. 26, 17–21), deren Geburtsfreude sich in den Zeiten der Christokratie in unfaßbarer Vermehrung der aus Gott Geborenen erfüllt (Jes. 54, 1; Ps. 110, 3). In § 18 wird jedoch zunächst die engere, christologische Linie betont.

§ 19

Auch ist ferner in der Offenbarung Johannis eine ganz besondere Anordnung und Vertheilung der darin enthaltenen Weissagungen sehr leicht zu bemerken; zum Beyspiel in das, was Johannes bey Kapitel I, V. 19., schon gesehen hatte, in das, was zu seiner Zeit war (Kap. II und III), und in das, was geschehen sollte darnach. (Kap. IV, 1. bis XXII, 5.)

Ferner wird Letzteres, das, was geschehen sollte darnach, wieder in mehrfachen Abtheilungen und Unterabtheilungen vorgetragen, und zwar zuerst und im Allgemeinen in sieben Siegel. (Kap. V bis VIII, 1.) Von diesen ist das letztere in sieben neue Abschnitte getheilt, nämlich die sieben Posaunen (Kap. VIII, 2. bis zunächst Kap. XI, 15.), von welchen die drey leßtern, unter der Benennung der drey Wehen, ganz vorzüglich von den erstern unterschieden werden, Kap. VIII, 13. — Erstes Weh: Kap. IX, 1–12. Zweytes Weh: Kap. IX, 13–21. und Kap. XI, 14. Drittes Weh: Kap. XI, 14. bis Kap. XII, 13. u. 14., und von da bis Kap. XX, 1. 2. 3. (Hier sehe man jedoch, in Betreff der siebenten Posaune in weiterm Sinne und ausgedehnterm Umfange, § 28. b. und die Anm. 24. zu § 39.)

Von diesen drey Wehen enthält wieder das dritte, als das langwährendste, unter andern sieben Plagen, und zwar die sieben letzten: „denn mit denselbigen ist vollendet der Zorn Gottes,“ Kap. XV, 1. u. 5. bis Kap. XVI. incl. — Die folgenden Kapitel, XVII, XVIII und XIX, sind Entwickelungen des dritten Wehs; Entwickelungen, die unter der sechsten und der siebenten Plage statt finden, und nicht vor der fünften anfangen, wie dies aus der Vergleichung des XVII. Kapitels — und zwar des 10ten Verses besonders, und des 8ten — mit dem 10ten Verse im XVI. Kapitel, zu ersehen ist.

§ 20

In dieser Vertheilung und Anordnung der Gegenstände der Offenbarung Johannis, läßt sich schlechterdings die Absicht der Offenbarung Jesu an Johanne nicht verkennen: denen, welche dies Buch der Weissagung benutzen wollten, die Mittel an die Hand zu geben, zu jeder Zeit, mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit, ja Gewißheit, die Periode der apokalyptischen Zeit, in welcher sie leben, zu erforschen und zu erkennen.

Wodurch sie sowohl der Täuschung entgehen sollen, die noch entfernte Zukunft sich als ganz nahe zu denken (wie das im Mittelalter, und insonderheit im zehnten Jahrhundert, so allgemein in der Christenheit der Fall war, aus welcher einseitigen Beurtheilung aber, der Weissagung und dem daraus entstandenen Mißbrauche derselben, die Verächter der Schrift Anlaß nahmen zum Lästern, die Schwachen im Glauben dagegen irre gemacht wurden); als auch der Gefahr entgehen, die wirklich sich nähernde oder schon nahe Zukunft, und überhaupt die merkwürdige und bedenkliche Zeitperiode, in denen sie vielleicht selbst leben, zu übersehen und zu verkennen.

In welchem leßtern Fall der Christ nothwendig, mehr oder weniger, Schaden nehmen müßte, da er unmöglich unter solchen Umständen die besondern Warnungen, welche in der Offenbarung solche Zeiten begleiten, sich in vollkommenem Maße zu Nutze machen könnte.

§ 21

Und eben in Hinsicht dessen, was von der unverkenntlichen Absicht der Offenbarung Johannis im vorhergehenden §. erwähnt worden ist, nämlich: es den Forschern derselben möglich zu machen, die verschiedenen Zeitabschnitte, unter denen die Begebenheiten der Weissagungen vertheilet worden sind, gehörig von einander zu unterscheiden, um zu bestimmen, in welcher derselben der jedesmalige Forscher selbst lebt – muß uns Folgendes in der Offenbarung sehr merkwürdig seyn: daß nämlich dieselbe zwar indirekte, aber nichtsdestoweniger sehr bestimmt und nachdrücklich betheuert, daß durchaus jeder einzelne Gegenstand, jedes Wort dieses Buchs absichtlich so, und nicht anders, geoffenbaret, gestellet und geschrieben worden ist, wie wir dasselbe erhalten haben; so daß es als ein offenkundiger Eingriff in die Majestätsrechte Gottes angesehen werden soll, wenn Jemand durch eine willkührliche Erklärung dem Worte der Offenbarung etwas beyfügen oder etwas von demselben auslassen würde.

Dies Alles erhellet aus Offenb. Joh. Kap. XII, Vers 18. und 19.

Durch diese Bestimmtheit nun, jedes Ausdrucks, jeder Darstellung in der Offenbarung Johannis, wird es allerdings dem Schriftforscher sehr erleichtert, die für ihn nothwendige Einsicht in das Wort der Offenbarung zu erhalten, und zwar in dreifacher Rücksicht:

a. Weil nämlich erstens jedes der Verbindungswörter, durch welche die verkündigten Begebenheiten unter sich verkettet werden, ausschließlich in seiner eigenthümlichen und in keiner andern Bedeutung anzunehmen ist. Und so müssen die „und“ und „darnach,“ die einzigen Verbindungspartikel, durch welche die weissagende Erzählung fortgesetzt wird, auf eine jenem aufgestellten Satze gemäße Weise beurtheilt werden.

— Das „und“ ist demnach nicht sowohl *kontinuativ*, als *kopulativ*, d. h. es bringt nicht nur gewisse Begebenheiten, die der Zeit nach sich aneinander anschließen, in eine unmittelbare Verbindung, sondern es verbindet eigentlich unter sich solche Begebenheiten, welche, als zu einer und eben derselben Zeit geschehend, gedacht werden müssen, die aber, ihrer gewissen Anzahl wegen, von dem endlichen Verstande des Menschen nicht auf einmal überschaut und gefaßt werden können, und deswegen in Hinsicht auf den Vortrag nebeneinander gestellt werden müssen. Oder aber es verbindet Begebenheiten miteinander, die zwar in Betreff ihrer Entstehung einander untergeordnet sind, oder einander nachfolgen, aber nun, in Betreff ihrer ferneren Gleichzeitigkeit und engen Verhältnisses zueinander, als ein Zusammengehörendes betrachtet werden müssen.

So hängen alle sieben Sendschreiben, an jene gleichzeitig existierenden sieben Gemeinden, zur Zeit, wo Johannes die Offenbarung erhielt, durch die Verbindungswörter „und“ zusammen: Kap. II und III. Und hierin finden wir ein Beispiel von der erstern Bedeutung. Ein Beispiel von der zweiten Bedeutung stellen allerdings unter andern die zwei folgenden Kapitel, IV und V, auf, in welchen offenbar die durch „und“ miteinander verbundenen Gegenstände lauter Teile einer und ebenderselben Szene sind, von denen auch mehrere, als Handlungen betrachtet, und in Bezug der einen auf die andern, als successive oder nacheinander folgend, angesehen werden müssen, in welchem Fall aber diese Nacheinanderfolge so unmittelbar geschieht, und auch die Handlungen und Begebenheiten – als Teile eines Ganzen – so eng zusammenhängen, daß sie schlechterdings, in Betreff der Zeit, worin sie geschehen, als zu einer und ebenderselben Zeit geschehend, anzusehen sind.

b. Diese gemachte Bemerkung gibt nun allerdings Aufschluß in Betreff des VI. Kapitels. In demselben sind nämlich die sechs ersten Siegel ebenfalls durch die „und“ miteinander verbunden, welches denn auch entweder eine vollkommene Gleichzeitigkeit unter den Begebenheiten aller sechs Siegel vermuthen läßt, oder aber doch eine solche, wo die Begebenheiten eines späteren Siegels eintreten, bevor die vorher angefangen haben abzulaufen, so daß nun dieselben alle zugleich und nebeneinander hinlaufen, bis ihre vollständige Erfüllung stattgefunden hat.

Und in der Tat, eine etwas aufmerksame Betrachtung der in diesen Siegeln enthaltenen Begebenheiten bestätigt diese Ansicht, wie es jedem Forscher, nach einigen angestellten Betrachtungen, wohl einleuchten wird. So z. B. das fünfte Siegel (Kap. VI, 9–11.); dies ist unverkennbar gleichzeitig (oder läuft im *Synchronismo* fort) mit dem sechsten und einem Teile des siebenten Siegels, laut Kap. VI, V. 11, wo gesagt wird, daß jene Seelen, die erwürget worden waren, noch rufen sollten, bis vollends ihre Mitknechte und Brüder, die noch sollten ertötet werden, dazu kämen. Dies sollte ein Chronus (die große Zeit, m. s. §. 30.) dauern. Nun sehen wir Kap. XIII, 7. das Thier mit den Heiligen den Krieg anfangen; dies geschieht erst unter der siebenten Trompete des siebenten Siegels. Ähnliche Bemerkungen lassen sich in Betreff der vier ersten Siegel machen. (Man sehe hier §. 41. c.) Sind diese sechs Siegel einmal alle eröffnet, und haben sie einmal alle, ihrem Inhalte nach, angefangen in Erfüllung zu gehen, so laufen sie ununterbrochen nebeneinander fort, bis zu jenem großen Tag des Zorns des Lammes. Kap. VI, 7. Dieser aber erfolgt Kap. XIX, 15., vergl. mit XVI, 14. und XI, 18. (m. s. noch §. 34.) Und so verhielte es sich denn mit den übrigen „und“ in der Offenbarung Johannis.

c. Allein eine ganz andere Bewandtnis hat es mit dem Verbindungsworte „darnach“ (und etlichen gleichbedeutenden Anzeigen). Dieses Wort muß nämlich allerdings mehr als *disjunktiv*, oder als ein solches Partikel angesehen werden, welches die vorgetragenen Begebenheiten trennt, oder als getrennt betrachtet wissen will. So folget ein „darnach“ auf die geendigten Sendschreiben, Kap. IV, 1. Wieder eines Kap. VII, 1., nachdem im vorhergehenden Kapitel, unter dem Bilde der sechs Siegel, in sehr bündiger Kürze gezeigt worden ist, was im Allgemeinen sich auf Erden, in Bezug auf die Vorbereitungen zum Kommen des Reichs Gottes, zutragen würde, bis zum Beginn der ernsten Gerichte, die als der Zorn des Lammes verkündiget werden, wie soeben erinnert worden ist.

Wir bemerken jedoch, daß dieser, Kap. VII, 1., angezeigte Übergang von der Schilderung der sechs ersten Siegel zu den Begebenheiten des siebenten Siegels, eigentlich durch: „Und darnach“ bestimmt ist, wodurch also angezeigt wird, daß das siebente Siegel (Kap. VIII, 1. u. s. f.) zwar dem Beginn aller sechs ersten Siegel nachfolge, auch erst dann in vollkommene Erfüllung übergeht, wenn jene ganz abgelaufen sind, aber eben deswegen auch bis dahin mit den Begebenheiten jener sechs Siegel parallel läuft. Dies geschieht denn in den Tagen der siebenten Posaune (Kap. X, 7.), und wahrscheinlich unter der siebenten Zornschale. (Kap. XVI, 17–21., vergl. mit VI, 12–17. u. XI, 13. 19. M. s. auch Marci 13, 24. 25., und überhaupt weiter unten §. 34., §. 41. c., §. 50. b., und die zwei Anmerkungen 34. u. 35. zu §. 50.)

Ferner steht ein „darnach“ Kap. VII, 9., wo es eine Himmelsszene (m. s. §. 28.) verkündiget. Kap. VIII, 13. steht ein „noch“ in Bezug auf die drei letzten Posaunen, welche den vier erstern folgen sollen. Durch dieses Wort scheint allerdings das folgende „und,“ Kap. IX, 1., wodurch die fünfte Posaune, oder das erste Weh, in eine kontinuative Verbindung mit den vorhergehenden gesetzt wird, in dieselbe Kategorie gestellt zu werden, worin das „und darnach“ steht, von Kap. VII, 1. Kap. IX, 12., ein „nachdem,“ welches das erstere Weh von den zwei folgenden trennt.

Und in der Hinsicht ist es merkwürdig, daß Kap. XI, 14. der Übergang vom zweiten Weh zum dritten Weh durch kein „darnach,“ sondern durch ein Wort („schnell“) angedeutet wird, das die Schnelligkeit der vielleicht unmittelbaren Nacheinanderfolge von beiden bezeichnet. Diese drei Wehen der drei letzten Posaunen sind auf diese Weise scharf voneinander getrennt, dahingegen die vier ersten Posaunen (Kap. VIII, 7–12.) durch „und“ zusammenhängen, durch welches Wort sie wiederum (V. 13) mit diesen letzten drei Posaunen verbunden sind.

So daß also mit den Ereignissen der drei letzten Wehen, nicht nur die vorhergehenden Posaunen, sondern auch die Begebenheiten der sechs ersten Siegel parallel bleiben, jedoch so, daß zwischen der Eröffnung des fünften Siegels, Kap. VI, 9., und dem Ende der Verfolgungen und Ertötung der Heiligen, Kap. XIII, 7. 15., XVII, 6., XVIII, 24., XIX, 2., eine Periode (*große Zeit* oder *Chronus* genannt) mitten inne fällt, wie oben (bey d) erinnert worden. (M. s. auch §. 30., die apokalyptischen Zeiten betreffend.)

Erst Kap. XV, 5. folgt wieder ein „darnach,“ welches wiederum eine Himmelsszene ankündiget, die unmittelbar der Ausgießung der letzten sieben Plagen vorhergeht. Dann steht ein „darnach“ Kap. XVIII, 1., nach ausgegossenen Schalen, und verkündiget die Vollziehung des Endurteils über Babylon. Ferner steht ein „darnach“ Kap. XIX, 1., und das letzte Kap. XX, 3., vergl. mit V. 7.

So gewährt allerdings der bestimmte unveränderliche Werth jedes Ausdrucks dem Bibelforscher zur Einsicht in dieselbe einen sehr großen Vorteil, und zwar zuerst, wie wir soeben sahen, zur Erkenntniß des Verhältnisses, in welchem die verkündigten Begebenheiten, in Betreff ihrer Gleichzeitigkeit oder Nacheinanderfolge, zueinander stehen. (M. s. hiernach §. 26. b., in Betreff der Synchronismen oder gleichzeitigen Ereignisse, noch §. 28. h. und die Anm. 34. u. 35. zu §. 50.)

Aber jener Umstand gewährt zweitens dem Bibelforscher noch einen andern Vorteil: er belehrt ihn, wie schon weiter oben erinnert worden ist, daß bei Erklärung des Wortes der Offenbarung durchaus alles Willkürliche verbannt werden muß.

§ 22

Diese Absicht der Offenbarung Johannis – durch die Bestimmtheit ihrer Darstellungen sowohl, als auch jeder ihrer Ausdrücke, wie dieselbe in der oben angeführten Stelle, Kap. XXII, 18. 19., betheuert worden – aller willkührlichen Erklärung dieses heiligen Buches vorzubeugen, ist unverkennlich: denn durch die geflissentlich immer adäquat oder streng richtig gewählten Ausdrücke des Textes, wird schlechterdings dem Menschen das Vermögen oder die Freyheit abgesprochen, welche sich die Kritiker, in der Beurtheilung von Profanskribenten, oft herausnehmen, um an sich dunkle Stellen, oder solche, die nur ihnen so vorkommen mögen, und denen sie anders keinen Sinn beyzubringen wüßten, einen Sinn zu geben, den solche veränderte, oft sehr entstellte Stellen in ihrer ersten Gestalt nicht anzudeuten schienen. In der Offenbarung Johannis nun wird durchaus dies dem Schriftforscher untersagt; da muß Alles, jedes Wort bleiben, wie es steht, und die Erklärung ist immer als falsch anzunehmen, die sich nicht in dem wörtlichen Text legitimirt.

Mithin müssen die Forscher dieses heiligen Buches entweder die ihnen dunkeln Stellen, als ihnen unverständliche, noch versiegelte Stellen, unberührt stehen lassen, und abwarten, bis ihnen etwa durch ferneres demüthiges, unbefangenes Forschen Licht darüber ertheilet würde; oder aber, da die Offenbarung Johannis kein versiegeltes Buch seyn soll (Offenb. Joh. XXII, 10., vergl. mit Daniel 12, 4. 9.), so müssen oder können sie sogleich sich umsehen, ob nicht dies heilige Buch selbst den Schlüssel zum Verständniß seines Textes enthielte.

Und in der Hinsicht zeigt es sich bald, daß die Offenbarung Johannis manche ihrer Darstellungen selbst nur geradezu erklärt (und zwar als bildliche Darstellungen, z. B. Kap. I, 16. 20., IV, 5., V, 6. (m. s. hier Zachar. 4, 10.), V, 8. u. VIII, 3. 4., XVII, 9., vergl. mit V. 3., ferner V. 12. ebenfalls mit V. 3. vergl. und mit Kap. XIII, 11. u. 1. (m. s. auch Daniel 7, 7. 8. 11. 19–24., so auch 8, 6. 20. 21.), wiederum Kap. XVII, 18., vergl. mit V. 1. 3., dann in demselben Kap. V. 15., vergl. mit V. 1. M. s. auch Kap. XII, 16. u. Jes 17, 12., ferner Kap. XIX, 8. (m. s. hier Jes 61, 10., Ps. 45, 10. 14.), K. XIX, 10. ist auch eine direkte Erklärung des Textes (m. s. hier oben §. 16.)); – oder aber, sie thut dieses durch den Zusammenhang, in welchen sie solche Stellen setzet. So Kap. IX, 1. u. 2. (M. s. auch XX, 1.) Dann in demselben Kapitel, IX, lehrt der Zusammenhang von V. 3. bis 9., was unter jenen Heuschrecken zu verstehen ist. M. s. auch Richt. 7, 12. und Jes. 40, 22. In Kap. X, 1–3. zeigt die Vergleichung mit Kap. I, 13–16., mit V, 9., dann 5., dann 6, und V, 5., daß hier vom Engel des Bundes (m. s. Mal. 3, 1., und wieder Offenb. Joh. IV, 3.) die Rede ist.

Man erinnere sich, was schon oben § 16. b von der Offenbarung des Herrn, unter der Gestalt oder unter der Benennung eines Engels, oder des Namen Gottes in Seinem Engel, bemerkt worden, wie z. B. 1. Mos. 22, 11. 12., 2. Mos. 23, 20. 21., vergl. mit Kap. 13, 21. (M. s. auch Apost. Gesch. 27, 23., vergl. mit Kap. 23, 11., und 1. Mos. 18, 1. 2. 10. 16–21. 22–25.) Jenes war gleichsam der erste Grad der Offenbarung des Herrn an den Menschen nach dem Fall. Hier in unserm Text ist diese Offenbarung ein Uebergang von jener als erwürgtes Lamm (Kap. V, 6–13.), in welcher Eigenschaft Er als der Alleinwürdige anerkannt wurde, die Geheimnisse Gottes zu entsiegeln, zu der Offenbarung als König, Kap. XVII, 14., u. XIX, 19. Wiederum vergl. miteinander Kap. XIII, 11., XVI, 13. und XIX, 20.

So lehrt auch der Zusammenhang, Kap. XI, in welchem Sinne die Vers 3. angeführten 1260 Tage zu nehmen seyen, ob als prophetische, deren Sinn verdeckt ist, oder aber als eigentlich angegebene, d. h. gemeine Tage. Das Letztere ist deswegen wohl der Sinn des Textes, weil in angeführtem Zusammenhang Kap. XI, und zwar V. 8. 9. 11., von dem Lebensalter zweier Zeugen des Herrn unter den Menschen auf Erden die Rede ist, und auch weiter der Text keine Erinnerung macht, die uns berechtigen sollte, dem Texte eine andere Bedeutung zu geben. Allein anders verhält es sich wahrscheinlich mit den 1260 Tagen in Kap. XII, 6., wo die bildliche Darstellung des Uebrigen, V. 1–6. (m. s. §. 17. u. 18.), auch einen geheimen Sinn dieser Zeit vermuthen läßt, so, daß diese 1260 Tage hier für prophetische Tage zu nehmen wären, wie denn die Offenbarung Johannis mehrere solcher geheimen Zeiten aufstellt, davon bald weiter unten. (§. 30.)

In Aufsuchung der Bedeutung solchen geheimen Sinnes mancher Stellen kann die Vergleichung des Textes der Offenbarung Johannis mit dem Inhalt ähnlicher Darstellungen in den übrigen Schriften der Bibel vieles Licht verschaffen; so z. B. in Betreff des Weibes, Kap. XII und andern Stellen, wie schon §. 1. gezeigt worden ist. So in Betreff der Geburtswehen desselben und ihres Gebärens eines Kindes, das zu Gott und Seinem Stuhl entrücket wird. (M. s. den §. 18. u. auch §. 17.) So wieder in Betreff jener Versiegelten aus den zwölf Stämmen der Söhne Israels. Kap. VII, 4–8. Schon aus der Vergleichung mit V. 3. und mit Kap. XI, 1., XIV, 1–5. u. XXI, 12. 14. läßt sich’s vermuthen, daß hier vom Israel Gottes die Rede ist, im Gegensatz des Israels nach dem Fleisch, oder des alten Bundes. 1. Kor. 10, 18. Diese Vermuthung wird aber noch wahrscheinlicher, wenn wir folgende Stellen betrachten: Röm. 2, 28. 29., 9, 3–8., Gal. 3, 14. 29., 6, 16., Eph. 11, 12.; auch sehe man Amos 9, 11., verglichen mit Apost. Gesch. 15, 14–17., u. s. noch Jesaj. 8, 18., 29, 23., 49, 20. 21., 66, 6–10., Hesek. 16, 61–62., Mal. 3, 3., und Jesaj. 66, 20. 21. (Doch sehe man auch hier, was im §. 29. d. von den Scenen der apokalyptischen Weissagungen über diese Stelle bemerkt worden.)

Wiederum wird es durch solche Vergleichung wahrscheinlich, daß die Sterne, Offenb. Joh. XII, 4., Engel bedeuten (wie dort Kap. IX, 1., m. s. auch 4. Mos. 24, 17.), aber in unserer Stelle sind es gefallene oder verführte Engel; m. s. Jes. 14, 12–15., vergl. mit Hiob 38, 7. Merkwürdig ist noch in der angeführten Stelle, Offenb. Joh. XII, 4., daß ausdrücklich vom dritten Theil der Sterne des Himmels die Rede ist; also so viel wären es dieser unglücklichen Engel, dies ihr Verhältniß zu der Anzahl der erschaffenen Engel überhaupt. Vielleicht bezieht sich darauf der geheimnißvolle dritte Theil, der so oft in der Bibel vorkommt. In der Offenbarung Johannis allein kommt er vierzehnmal vor, ohne irgend eine Anzeige der Ursache; eilfmal ist er angeführt bey Gelegenheit der vier ersten Posaunen, Kap. VIII. Auch steht er im Alten-Testament, z. B. Hes. 5, 2. 12., Zach. 13, 8. 9. Ferner vergl. man Offenb. Joh. XVII, 3. 4. (vergl. mit XII, 3.), die röthliche oder rothe Farbe, mit 2. Mos. 28, 33., 4. Mos. 4, 8. 13., 19, 2. 6. Merkwürdig ist es, daß beim Thier, Kap. XIII, 1., diese Farbe noch nicht erwähnt wird. Kap. XIX, 20. („lebendig wurde das Thier, und der falsche Prophet in den feurigen Pfuhl geworfen.“). Diese Stelle und die übrigen, die von diesen zwei Thieren handeln (z. B. Kap. XIII, 1. f. u. 11. f., XI, 7., XVII, 8.), vergleiche man auf der einen Seite mit Jes. 11, 4., wo das Thier aus dem Abgrund als der Gottlose oder der Mensch der Sünde (2. Thess. 2, 8., m. s. noch Jesäj. 49, 2., Offenb. Joh. XIX., 15.) bezeichnet wird; so auch Jerem. 31, 7., Ps. 110, 6.; und auf der andern Seite mit Ps. 68, 32. und 74, 19. In diesen zwei Stellen wird des Thiers namentlich gedacht, und zwar, wie es sich aus dem Zusammenhang ergiebt, als eines höllischen Geistes, das den Seelen nachstellt. Aus dieser Vergleichung wird die Vermuthung wahrscheinlicher, daß jene zwei Thiere von eigentlichen bösen Geistern werden belebt werden; daher sie auch lebendig in den feurigen Pfuhl fahren, eben da, wo Satan eine kurze Zeit nach seiner tausendjährigen Gefangenschaft hinkommt. Offenb. Joh. XX, 10. – Mit Offenb. Joh. XX, 1–3. 7. u. 16. vergl. m. Jes 24, 21. 22. – Mit Offenb. Joh. XX, 12 – „die Bücher“ – zu vergl. Daniel 7, 10. Das Buch des Lebens (Offenb. Joh. XX, 12. 15., XXI, 27. – XXII, 19., dann XVII, 8., XIII, 8.), zu vergl. mit 2. Mos. 32, 32. 33., Ps. 69, 29., Dan. 12, 1., Luc. 10, 20., vergl. mit Phil. 4, 3. Und jenes Buch der Rathschlüsse Gottes (Offenb. Joh. V, 1–f. u. X, 2. f.) zu vergl. Ps. 40, 8. u. 139, 16., Ebr. 10, 7.

Außer den schon angeführten Parallelstellen kann man noch mit solchen aus dem Alten-Testament vergleichen, unter andern: Offenb. Joh. I, 1. mit Ps. 103, 20. 21., Offenb. Joh. I, 5. („ein Fürst“) u. VI, 2. mit Jos. 5, 13. 14., Offenb. Joh. I, 15. mit Dan. 10, 5. 6–19., Offenb. Joh. II, 18. mit 1. Mos. 49, 12., Offenb. Joh. II, 27. mit Ps. 2, 9., Offenb. Joh. III, 10. mit Jer. Kap. 25., Offenb. Joh. V, 1. mit 5. Mos. 32, 34., Offenb. Joh. V, 5. mit 1. Mos. 49, 9., Offenb. Joh. V, 6. mit Zachar. 4, 10., Offenb. Joh. VIII, 1. mit Hab. 3, 20. u. Zachar. 2, 13., Offenb. Joh. VIII, 3. mit 2. Mos. 30, 34–38., Offenb. Joh. VIII, 11. mit Jer. 23, 15., Offenb. Joh. XI, 2. mit Dan. 9, 26., Jes. 33., Joel 3, 22., Offenb. Joh. XI, 4. mit Zachar. 4, 3. 14., Offenb. Joh. XI, 5. mit 2. Kön. 1, 8–12., Offenb. Joh. XI, 6. mit 1. Kön. 17, 1., Offenb. Joh. XI, 19. mit 2. Mos. 25, 9. 40. u. 1. Sam. 7, 10., Offenb. Joh. XII, 1. mit Jes. 35, 10., Offenb. Joh. XII, 6. mit Jer. 25, 24., Offenb. Joh. XII, 14. mit Zachar. 5, 9., Offenb. Joh. XIII, 14. 15. mit Dan. 3, 1. 5. 14. 18. 28. u. 1. Makkab. 1, 57., Offenb. Joh. XIV, 6. mit Jes. 40, 8. u. Ps. 89, 3., Offenb. Joh. XIV, 13. mit Dan. 12, 13., Offenb. Joh. XIV, 16. mit Jes. 57, 1., Offenb. Joh. XIV, 17–20. mit 5. Mos. 32, 32–35. u. Joel 3, 18., Offenb. Joh. XVIII, 6. mit Jer. 50, 15., Offenb. Joh. XVIII, 10. mit Jes. 25, 2., Offenb. Joh. XVIII, 21. mit Jerem. 51, 63. 64., Offenb. Joh. XIX, 6. mit Ps. 146, 10., Offenb. Joh. XIX, 13. mit 1. Mos. 49, 11., Offenb. Joh. XIX, 15. mit 2. Mos. 14, 14., Offenb. Joh. XIX, 18. mit 5. Mos. 32, 41–43., Offenb. Joh. XXI, 3. mit Richt. 13, 17. 18. u. Jes. 7, 14., Offenb. Joh. XXI, 15. mit Hes. 40, 3., Offenb. Joh. XXI, 16. mit 1. Kön. 6, 20., Offenb. Joh. XXII, 1. mit Hes. 47, 1., Offenb. Joh. XXII, 2. mit 5. Mos. 33, 13–16. u. Hes. 47, 12., Offenb. Joh. XXII, 3. mit Zachar. 14, 11., und andern Stellen, die zum Theil noch im Verfolg dieser Schrift angeführt werden sollen.

§ 23

Wo nun aber die Offenbarung Johannis weder auf die eine, noch auf die andere der angeführten Arten ihre Darstellungen für bildlich erklärt, muß nothwendig, der oben gemachten Bemerkung zu Folge, der ausdrückliche Wortverstand des Textes angenommen werden, er möge nun unsern bisherigen Ideen anpassen oder nicht. In letzterm Fall müssen wir allerdings den Widerspruch, der sich zwischen beiden finden könnte, nur auf die Rechnung der Einseitigkeit und daher rührender Unvollkommenheit, oder auch Unrichtigkeit unserer Erkenntnisse setzen. Und in Hinsicht dieser Anmerkung führen wir folgendes Beispiel an:

Wir sahen nämlich im vorigen, daß Kap. IX, 1., unter dem dort verkündigten Sterne, der vom Himmel auf die Erde fällt, eine Person, ein Engel zu verstehen sey (so wie Kap. XII, 4. von mehreren solcher Sterne, welche Engel andeuten, die Rede ist). Nun aber kommen Kap. VI, 13. auch Sterne des Himmels vor, die auf die Erde fallen.

Allein hier berechtigt uns der Text keinesweges, dieselben ebenfalls bildlich zu nehmen, im Gegentheil deuten die folgenden Verse, V. 14., und vorzüglich 15. u. 16., so wie auch die schon im angeführten V. 13. sogleich diese Weissagung begleitenden Umstände, und die zwischen ihr und andern uns bekannten Dingen aus der Natur angestellte Vergleichung, darauf hin, diese Stelle im genauen Wortverstande zu nehmen, so sehr auch vielleicht manche, die dies lesen werden, über diese unsere Behauptung den Kopf schütteln möchten! Denn thöricht scheint es allerdings, zugeben zu wollen, daß Sterne, wirkliche Sterne, vom Himmelsgebäude herabstürzen, ja zu Tausenden herabregnen sollten; dies kann einmal in unsern Zeiten kein nur in etwas gebildeter Mann, bei gesundem Verstande, im Ernste vorgeben oder behaupten! –

Ja, aber so thöricht dies auch wirklich scheint, so scheint es auch nur thöricht: denn zuerst fragt es sich, was die heilige Schrift überhaupt unter Sternen des Himmels versteht? und die Antwort hierüber finden wir 1. Mos. 1, 14., fortgelesen bis 16., auch 17. Demnach sind alle jene leuchtenden Himmelskörper an unserm Firmament Sterne, und also nicht allein diejenigen, welche den Tag und die Nacht von einander scheiden, und die Zeiten (Tage und Jahre) geben, d. h. die Monde und Sonnen, sondern auch diejenigen, welche vorzüglich vom Schöpfer Himmels und der Erde gebraucht werden, um den Menschen als Zeichen (’ôt; m. s. 1. Mos. 1, 14.) zu dienen! Das wären denn vorzüglich die Kometen, jene so merklich vor allen andern durch ihren leuchtenden Dunstkreis sich auszeichnenden Sterne, davon Rußland, und Europa überhaupt, einen so merkwürdigen in der Nordgegend unserer Himmelssphäre am Himmel sahen, in dem Jahre, das diesem jetzt zu Ende laufenden 1812ten Jahre voranging. Solcher Kometen (oder leuchtenden Haarsterne) nun, wie es uns die Gelehrten selbst zu wissen thun, giebt es zu Hunderttausenden, ja Millionen, die zu unserm Sonnensystem gehören, und von denen täglich an unserm Firmament erscheinen, ob sie gleich wegen ihrer nicht beträchtlichen Größe, oder ihrer großen Entfernung, oder wieder ihres schwachen Lichtes wegen, insonderheit, wenn sie des Tages über den Horizont steigen, nicht, oder nur selten bemerkt werden. – Und das ist denn die zweite Bemerkung, die wir in Betreff der Einwendung derjenigen machen wollten, die da glauben könnten, der buchstäbliche Wortverstand der Offenbarung Johannis in angeführter Stelle, Kap. VI, 13. (m. s. auch Luc. 21, 25.), möchte sinnlos oder thöricht klingen.

b. O wie sehr schaden sich alle Ausleger der Schrift, wenn sie voreilig und vermessen sich von den Begriffen entfernen, welche das Wort der Offenbarung aufstellet, nur, weil sie dieselben nicht alsobald mit denjenigen reimen konnten, die sie bisher hatten und festhielten über Gott und die Welt und den Menschen! [10.]

Ist nun der Text der Offenb. Joh. durchaus so genau bestimmt, daß er in keinem Betracht irgend einer willkührlichen Erklärung Raum gestattet, so muß uns dieser Umstand, in Betreff der Mittel zum Verständnis dieses heiligen Buches zu gelangen, einen dritten Vortheil gewähren: Es können nämlich die Weissagungen der Apokalypse nicht anders, als ganz erfüllt, angesehen werden, als wenn dieselben im ganzen Umfang ihres Ausdrucks erschöpfet sind. Dieses gewährt uns nun manche andere Vortheile, es muß uns nämlich nach diesem Umstande, durch die Vergleichung des Textes mit der Geschichte, um so leichter werden, die ganze Masse des bereits Geschehenen, und wieder die des noch nicht, oder nur zum Theil Erfüllten, zu übersehen und einzusehen, und dies ist allerdings ein sehr wichtiger Vortheil, um in jeder Periode den Christen zum nothwendigen Aufmerken, und zur gehörigen Wachsamkeit zu reizen.

Allein in dieser Hinsicht der vollkommenen oder unvollkommenen Erfüllung der verkündigten Weissagungen, machen wir noch folgende Bemerkungen, zu denen die sorgfältige Betrachtung der Offenbarung Johannis uns führet:

— — —

[10.] Zur Frage der „bildlichen“ Ausdrücke der Schrift. — Allerdings enthält die heilige Schrift sehr viele Ausdrücke, die bloß bildlich sind, aber alsdann sind sie auch als solche unverkennbar, und erfordern weiter keiner besondern wissenschaftlichen Kenntniß, um sie zu erkennen, so z. B. Jesaj. 55, 12., 66., 12. 14. 20., Jerem. 17, 13. (man vergl. damit Ev. Joh. 4, 10.), 23, 28., 46, 20, Mal. 4, 1.; so auch Hesek. 17, 22–24. (m. vergl. mit diesen Stellen Matth. 13, 31. 32. u. Röm. 11, 17. f.). Und aus dem Neuen Testament gehören hierher unter andern Röm. 9, 33., Phil. 4, 1., Kol. 2, 10., 1. Petri 1, 24., Ebr. 12, 15., und so viel ähnliche.

b. Bei andern bildlichen Ausdrücken ist nichtsdestoweniger auch ein buchstäblicher Sinn mit verbunden, so der Begriff von Menschenfischern: Jesajas 40, 22, aufgestellt, und Matth. 4, 18. 19. wiederholt. So die Verbannung Israels in die Wüste der Völker, Hesek. 20, 35., Jer. 31, 2.; sie hat allerdings auch einen Bezug auf jenes Herumziehen in der Wüste, 2. Mos. 15., 22. u. d. f. Kap. Der Weg in der Wüste, die Wasserquellen, die der Herr geben will im dürren Lande, Jes. 41, 17–20., 43, 19. 20., vergl. mit 33, 7. 8., sind allerdings bildlich, und deuten auf Trost, Hülfe und geistlichen Segen; aber wahrscheinlich sollen auch jene Stellen, und insonderheit in Betreff des jetzt öde liegenden Palästinas, wo ebenfalls die Juden nun Fremdlinge sind, in buchstäbliche Erfüllung übergehen; m. s. z. B. Jesaj. 35, 6. 7., und was H. 35. d. u. H. 41. b. c. d., in dieser Hinsicht gesagt wird. Die Verheißung von der Blinden Augen, die aufgethan werden sollten u. s. f., ist zunächst geistlich zu verstehen, Jes. 35, 5., verglichen mit 29, 18.; aber sie hatte auch eine buchstäbliche Erfüllung: Matth. 11, 5. So hat jenes Bild der tiefen Beugung, in Ps. 86, 13., 88, 7. 15. 16., allerdings auch einen objektiven Gegenstand zum Grund; m. s. was oben §. 7. vom tiefen Scheol bemerkt worden. Die bösen Thiere, bildlich z. B. in Hesek. 34, 28., Jerem. 2, 15., aber im eigentlichen Sinne wieder Hesek. 5, 17., 14., 15., Hos. 2, 18., Jesaj. 11, 6., 3. Mos. 26, 22. (damit vergl. 2. Kön. 17, 25.), und in beiden Bedeutungen Jes. 35, 9. (nach dem Hebräischen) und Hes. 34, 25. Die Heere der Heuschrecken, offenbar bildlich, Jes. 40, 22. und Offenb. Joh. 9, 3. f.; aber buchstäblich als das Heer Gottes, Joel 2, 25. Die berühmte Pflanze, Hes. 34, 29., allerdings figürlich (m. s. Jes. 11, 10.), aber wohl auch im eigentlichen Sinne zu nehmen; m. s. Hesek. 47, 12., Offenb. Joh. II, 7., XXII, 2. 14., 1. Mos. 2, 9., 3, 22. So das neue Jerusalem, Offenb. Joh. XXI, 2. 9. 10., allerdings bildlich, und von der Brautschaar, oder der Schaar der Auserwählten zu verstehen. (M. s. H. 1., § 33. b. und H. 39.) Hierauf beziehen sich auch die Ausdrücke des geistlichen Hauses (Ebr. 3, 6.) oder Tempels, und der lebendigen Steine oder Pfeiler darin, Offenb. Joh. III, 12., 1. Petri 2, 5., Zach. 9, 16., und so wieder 1. Petri 2, 4., vergl. mit Ps. 118, 22. 23. Aber nichtsdestoweniger ist das neue Jerusalem auch ein eigentlicher Wohnort der Seligen, Offenb. Joh. XXI, 3. u. 9–27., XXII, 1–5. 14. 15. 19. u. XI, 1. 2, Joel 3, 21–26.; m. s. auch Jes. 54, 11, 12. So wie auch in der ersten Periode des Reichs Gottes auf Erden (m. s. §. 35. c.) ein sichtbarer Tempel des Herrn Zebaoth wird aufgebaut werden; m. s. Jerem. 31, 18., Hesek. Kap. 40. u. d. f. bis zum 43sten Kap. incl., auch Kap. 47. u. 48. Dieser Tempel, in Hesekiel, ist allerdings nur ein Vorbild von jener Hütte Gottes, die, nach Offenb. Joh. XXI, 1–3., vom Himmel herab auf die neue Erde kommen, und bei den Menschen seyn wird, denn bei jenem, von Hesekiel, ist noch die Entsündigung des Heiligthums nothwendig; Hesek. 45, 18. 20., vergl. mit 3. Mos. 16, 16–19. 20. Das kann bei dieser, die vom Himmel kommt, nicht der Fall seyn, da auch ausdrücklich gesagt wird, daß in dieser Hütte Gott der Tempel ist, Offenb. Joh. XXI, 22., und in die ganze Stadt nichts Gemeines eingeht, V. 27. M. s. die §§. 42. b. d. u. 44. e. u. die Anm. 31.

Ferner gehören hierher die Benennungen Tod und Meer. Diese werden nämlich allerdings auch in verschiedener Bedeutung in der heiligen Schrift gebraucht. Offenb. Joh. XIX, 13. bedeutet „der Tod“ unverkennbar einen gewissen Behälter und Zwischenzustand der Verstorbenen bis zum Gericht, und V. 14. kommt „Tod“ auch noch vor, als der unglückliche Zustand der Verdammten nach dem Gericht. Er heißt dann der andere Tod, im Gegensatz des erstern (m. s. auch Offenb. Joh. XXI, 4.), oder aller der Summe von Leiden mit ihren Unterarten und Abweichungen, die seit dem Fall des Menschen bis dort hin auf Erden und unter dem Menschengeschlecht sichtbar geworden war. (M. s. 1. Mos. 2, 17.) Für die neue Erde ersti[… Fortsetzung der Anm. 10 im nächsten Auszug …]

§ 24

Wir bemerken nämlich, daß es mit mehreren—vielleicht, in gewissem Betracht, mit allen—Weissagungen in der Offenbarung Johannis dieselbe Bewandtnis hat, wie mit den meisten Weissagungen der übrigen Schriften des Worts Gottes: d. h., daß dieselben nicht immer in ihrer ersten, wohl aber oft erst in der zweiten oder noch spätern Erfüllung gänzlich erschöpfet werden.

Schon zu den Zeiten der Apostel ging Joel 3, 1. (wie oben § 18 unter c. berührt worden) in eine Erfüllung, nach dem Zeugnis der Apostel selbst (Apost. Gesch. 2, 16 f.). Aber allerdings wollten die Apostel hier nicht von der vollkommenen Erfüllung sprechen, da derselben, nach dem Text der Weissagung in Joel, die ewige Bewohnung Jerusalems (man sehe im Zusammenhang Joel 3, 20 f.), nicht aber seine gänzliche Verwüstung, wie jedoch dieselbe wenige Zeit nach jenem ersten Pfingsttag sich ereignete, folgen sollte. (Diese Verwüstung war die Erfüllung von Matth. 24, 2. und von Daniel 9, 26., und sollte eine geraume Zeit jenem Ende des Streits vorhergehen; man sehe auch Offenb. Joh. XI, 2., und dann § 38 b.)

— So war auch zu den Zeiten Johannes der Geist des Widerchrists schon in der Welt (1. Joh. 4, 3.; man sehe auch 2. Joh. 7.), der vorher schon verkündigt worden war, wie es Johannes in angeführter Stelle ausdrücklich sagt; wie denn die Propheten, und vorzüglich auch die Psalmen, viel von Feinden des Gesalbten überhaupt, die sich gegen Ihn auflehnen werden (z. B. Ps. 2, 1 f.), und wieder von dem einen Gottlosen insbesondere reden (z. B. Jes. 11, 4.; Dan. 7, 25.; 9, 26.), die alle der Herr mit dem Odem Seiner Lippen (Jes. 11, 4.; vergl. mit 2. Thess. 2, 8.) und dem Schwert Seines Mundes umbringen wird (Jes. 49, 2.; Offenb. Joh. XIX, 15. 21). Vielleicht gehört auch Matth. 24, 24. hieher? Allein, eine ganz vorzügliche Erfüllung solcher Stellen—und insonderheit von Jes. 11, 4. oder Daniel 7, 25. (vergl. mit Offenb. Joh. XIII, 6.; XVII, 13. 14.)—ist noch zu erwarten nach 2. Thess. 2, 3. 7. 8., vergl. mit Offenb. Joh. XIX, 11. 19–21. (Man sehe noch unten Anm. 33 unter e. zu § 50.)

Ferner ist hier zu bemerken, daß die Gegenwart in der biblischen Geschichte oft ein prophetisches Vorbild der Zukunft ist—welcher Fall auch, in Betreff der sieben christlichen Gemeinden, an welche Jesus durch Johannes Sendschreiben ergehen ließ, zuzutreffen scheint, wie sogleich noch mit einem Wort näher angezeigt werden wird. Wir haben schon oben § 11 die Analogie bemerkt zwischen der Verkündigung Jehovahs an Moses, und durch ihn dem Volke Israel—da Er ein sichtbares Gottesreich unter denselben aufrichten wollte—und zwischen der Verkündigung Jesu-Jeho­vahs an Johannes, und durch ihn an die Übrigen vom Israel Gottes, jetzt, zu einer Zeit, da Jesus durch Seine zweite Zukunft ein Reich des Himmels auf Erden aufrichten wollte.

Und so ist die ganze Geschichte der Kinder Israels eine fortgesetzte Analogie mit dem, was später an den Kindern Gottes des zweiten Bundes geschehen sollte. Dies läßt sich schon aus Offenbarung Johannis XV, 3. vermuten. „Das Lied Moses, das hier am Ausgang des Streites die Seligen singen (5. Mos. 32, 3–43.), war die Weissagung von dem Schicksal des jüdischen Volkes, und vorbildlich von dem Schicksal der gesamten Menschheit. Es fing mit dem Lobe aller göttlichen Ratschlüsse an, und so endigte es sich auch.“ [11.]

Wir führen nur einige dieser Übereinstimmungen hier an, und zwar solche, welche die heilige Schrift uns selbst aufstellt: z. B. die Aufrichtung der ehernen Schlange in der Wüste, und die Erhöhung des Menschensohnes am Kreuz (Ev. Joh. 3, 14. 15.); jenes zum Heil der Elenden unter dem Volke—und zwar zum Heil allein durch den Glauben (4. Mos. 21, 8. 9.)—so auch die Seligkeit, die Jesus, das Lamm Gottes, durch Sein Sterben, da Er ein Fluch für uns ward (5. Mos. 21, 23.; Gal. 3, 13.), uns erworben hat, allein durch den Glauben uns zuteil wird. [Man sehe hier die §§ 12. 13. und § 16., aus deren Inhalt doch hinlänglich erhellt, daß die evangelische Lehre nichts davon weiß, daß Jesus bloß durch den Märtyrertod eines Bekenners der Wahrheit Verdienste um die Menschheit haben soll, und etwa bloß uns durch Seine Lehre von Aberglauben und Unwissenheit erlöst habe! Ach nein, jene himmlischen Szenen in der Offenbarung Johannis, in welchen das erwürgte Lamm angebetet wird, weil Es uns von der Macht des Todes erkaufet hat mit Seinem Blut, diese sagen doch unendlich weit mehr!! Und ob sich eine solche Erlösung des Menschengeschlechts ebenso gut mit der Weisheit Gottes als mit Seiner Liebe zusammenreimen lasse, dafür läßt das unmündige Kind den weisen Vater sorgen, und betet jetzt schon im Glauben an, was es einst unfehlbar in hellem Lichte erkennen wird (1. Kor. 13, 9–12.), wenn nur vorerst hiermit auch der Zweck jener dem menschlichen Verstande so unerwarteten Erlösungsanstalt an uns erreicht sein wird: daß wir nämlich durch dieselbige besonders dazu uns vermögen lassen, uns in aller Hinsicht—insbesondere in Rücksicht unserer eigenen Denkweise—vor dem unendlichen Verstande in unbegrenztem Maße zu demütigen. 2. Kor. 10, 5.; Kol. 1, 21–23.]

So war wiederum schon vorbildlich der große Erretter der verlorenen Welt durch das Opferlamm in Ägypten, dessen Blut die Häuser der Israeliten zur Verschonung auszeichnete, und durch die Opferanstalt am großen Versöhnungstage (3. Mos. 16, 8. 9. 10. 15. 21.; vergl. mit Ev. Joh. 1, 29.), wie auch wörtlich in der Weissagung Jesaj. 53, 6. 7. angekündigt.

— Zu den ferneren Analogien der Schicksale des Volks Gottes in der vergangenen Gegenwart mit denen, die ihm in späterer Zukunft widerfuhren oder noch widerfahren werden, gehören: das Kommen des Volks Israels zum Berge Zion, zu jener Ansicht der Herrlichkeit Gottes, und dann das Kommen des Volks des neuen Bundes zur Gemeinschaft der Heiligen im Himmel (Ebr. 12, 18; 22–24.; man sehe § 37 unter a., auch die Anm. 29 zu § 43.). Das Kommen des Volks Israels zu jener ersten Ruhe im verheißenen Lande, und das Kommen zu jener andern Ruhe, die dem Volke des neuen Bundes noch vorbehalten ist (Ebr. 4, 9.; man sehe unten § 35.). Wiederum die herrlichen Analogien von Davids Reich und dem künftigen Reiche des Messias auf Erden (man durchgehe in dieser Hinsicht die Psalmen und die Propheten); insbesondere auch mehrere Privatschicksale Davids, die an dem Messias in vollkommenerm Maße noch sich ereignen sollten, und welche daher in den Psalmen, und so unverkennbar, mit noch näheren Weissagungen auf den Messias begleitet wurden: die Verräterei an Ihm durch einen Seiner Nächsten; die angstvolle Seelenarbeit für die Ehre des Herrn und wieder für das Heil der Welt; das „Mein Gott, Mein Gott, warum hast Du Mich verlassen?!“ u. s. w. (Man sehe unter andern den 22. und 35. Psalm, und dann Matth. 27., auch Ev. Joh. 15, 25.; ferner Ps. 41, 10. u. Ev. Joh. 13, 18.) – So war Salomo selbst, als Friedensfürst und als der König Israels oder des Volkes Gottes, der das Haus des Herrn baute, ein wahres Vorbild auf Jesum. Man sehe 1. Chron. 22, 6–10. Darauf bezieht sich besonders die Weissagung auf den Sohn Gottes im 10. Vers dieses Kapitels. (Man sehe auch weiter unten § 39. in Betreff des geistlichen Tempels, von Jesu erbaut; – und in Betreff solcher Weissagungen, welche mit der näheren Gegenwart die entferntere verbinden, sehe man noch, was § 33 in der Anm. 18 unter e. und f. bei Gelegenheit der Weissagungen auf die letzten Zeiten erinnert worden ist.) – So späterhin die Geburt und Erscheinung des Messias im Fleisch, und die in der Offenbarung Johannis verkündigte andere Geburt des Weibes Samen, des Kindes mit dem eisernen Stab, das auf dem Stuhl Gottes sitzen wird, die Heiden zu weiden (man sehe § 18 unter e.).

Und endlich noch folgende Merkwürdigkeit: Da Jesus im jüdischen Lande geboren war, zur Zeit des Königs Herodes, kamen die Weisen vom Morgenlande gen Jerusalem, den neugebornen König der Juden—dessen Stern sie im Morgenlande gesehen hatten—anzubeten. Da das der König Herodes hörte, erschrak er, und mit ihm das ganze Jerusalem (Matth. 2, 1–3.), und die Folge davon waren die eiteln Versuche von Herodes, Jesum, den neugebornen König, von der Erde zu vertilgen (ebendas.). Eben eine solche, noch zukünftige Begebenheit weist die Offenbarung Johannis auf, Kap. XVI. Zu einer Zeit nämlich, wo es dem Äußern nach noch gar nicht scheinen wird, daß jenes Kind (Offenb. Joh. XII, 4. 5.), das geboren ward, alle Heiden zu weiden mit der eisernen Rute, sobald es die Regierung antreten würde als König aller Könige (Offenb. Joh. XIX, 11–16.), eben dann würden sich die Könige von Aufgang der Sonne auf den Weg machen, um diesem Könige mit den vielen Kronen zu huldigen; und der Weg werde ihnen ausdrücklich—und zwar dadurch—bereitet werden, daß durch die sechste Zornschale, welche auf den großen Wasserstrom Euphrat soll ausgegossen werden, dieses Wasser vertrocknen wird (Offenb. Joh. XVI, 12.). Über diese Nachricht wird nun aller Wahrscheinlichkeit nach das Thier, das zu jener Zeit herrschen wird, als dem Hauptfeinde Jesu, ebenfalls sehr erschrecken (man sehe hier Daniel 11, 44.); die Offenbarung Johannis lehrt (Kap. XVI, 13–16.; XVII, 14.; XIX, 11–19.), daß dasselbe samt denen, die ihm zugehören, seine letzten Kräfte anstrengen werde, sein Reich gegen den ihnen neuen König zu behaupten. Allein eben dieser eitle Versuch beschleunigt den gänzlichen Untergang dieser hartnäckigen Widersacher (Offenb. Joh. XIX, 20. 21.). Sehr merkwürdig ist es, in Rücksicht dieser neuen Zukunft des Herrn, daß schon unter der dritten Zornschale (Kap. XVI, 4. 5.) es vom Herrn nicht mehr heißt: „Der Zukünftige“, wie noch Kap. XI, 17. beim Eintritt der Periode der siebenten Posaune, sondern bloß: „Der da ist und Der da war.“ (Man sehe § 11. und § 18 unter a.) Alles dieses sind Beispiele, welche den Satz bestätigen, daß in der heiligen Schrift sehr oft die Gegenwart als Weissagung auf die Zukunft angeführt wird.

Allein auch in Rücksicht dieser Art von Weissagungen bemerken wir, daß nicht alle alsobald—durch eine erstere Erfüllung in späterer Zeit—in völlige Erfüllung übergehen, wie es z. B. mit derjenigen der Fall ist, wo unser Kommen zum himmlischen Berge Zion, unter dem neuen Bunde, eine Erfüllung jenes ersten Vorbildes in der Wüste unter dem alten Bunde sein soll. Wir haben in der Hinsicht noch viel Herrliches in der christlichen Kirche zu erwarten, das noch nicht erfüllet ist; man sehe § 37 a. b. Aus diesem Umstande aber der allmählichen oder auch mehrfachen und immer vollkommnern Erfüllung einer solchen, auf die Zukunft sich beziehenden Gegenwart—und demzufolge die erstern jene weissagende Gegenwart nicht erschöpften—kommt es, daß uns dergleichen Beziehungen der älteren Vorzeit auf die Zeit der Apostel, zum Beispiel, und so, wie uns die Apostel selbst dieselben anführen, vorkommen, als wenn sie Lücken zurückließen; wie es denn auch wirklich der Fall ist (man sehe den Anfang dieses §.); und haben wir nun keinen Begriff von jenem successiven Gang, durch welchen so viele Weissagungen der Schrift in Erfüllung gehen sollen, so werden wir Gefahr laufen, mit den Ungläubigen solche unvollkommene Beziehungen der späteren Ereignisse mit den vorhergehenden nur als zufällige Ähnlichkeiten anzusehen, und keineswegs als Ereignisse, die in dem Plan der Ratschlüsse Gottes gelegen wären—wodurch aber unsere Verehrung der heiligen Schrift und mithin unser ewiges Wohl notwendig einen merklichen Abbruch erleiden müssen.

Der kindliche Verehrer der heiligen Schrift kennt also, in Erklärung derselben, jenes zweideutige Wort nicht, das neuere Ausleger in die Eexe­ge­se (Erklärung der biblischen Schriften) eingetragen haben, nämlich das Wort: *Accommodation* oder *Anpassungen*, *Anspielungen*; womit diese Ausleger dergleichen von den Aposteln uns gelehrte Beziehungen von späteren Begebenheiten auf die vorbildlichen der früheren Zeit ungefähr in eine Klasse von gleichgültigen Dingen zusammenfassen wollen. Ein unbedingter Glaube an den Ausspruch der heiligen Schrift verwahrt ihn vor allen dergleichen Abwegen.

§ 25

Wenden wir nun die im vorigen § gemachten Bemerkungen näher auf die Offenbarung Johannis an, so wird es uns—bei genauerer Betrachtung der erwähnten Sendschreiben an die sieben Gemeinden Christi zur Zeit, als Johannes die Offenbarung erhielt—ziemlich klar, daß auch diese Gegenwart ein Vorbild der Zukunft war. Demnach haben wir in der Schilderung jener sieben unterschiedlichen Gemeinden eine Beschreibung, eine Charakteristik, von sieben verschiedenen Gestalten, unter welchen die Kirche Jesu auf Erden bis zu Seiner zweiten Zukunft erscheinen würde—und aller Wahrscheinlichkeit nach in der Reihenfolge, in welcher ihre Vorbilder hier in der Offenbarung angeführt werden. Somit könnten füglich sieben verschiedene Perioden in der Kirchengeschichte unterschieden werden; die Grenzlinien, die sie trennen, lassen sich auch ziemlich leicht durch die Vergleichung der Geschichte mit genannten Sendschreiben (Kap. II–III) auffinden.

* 1. Kirche – Ephesus (Offb 2,1–7): Charakteristik der apostolischen Kirche, und zugleich derjenigen, die wieder offenbar werden wird, wenn durch die Wirkungen des Geistes Gottes (Sach 4,6; Joel 3,1; 2 Kor 3) alle sogenannten christlichen Kirchen geläutert und unter einer Benennung dem einzigen Hirten folgsam sein werden. * 2. Kirche – Smyrna (Offb 2,8–11): Verfolgungen in der zweiten Periode—insbesondere unter dem heidnischen Rom bis auf Konstantin den Großen—aber auch von Seiten der Juden (die erst seit der Niederlage des Bar-Kochba unter Hadrian, 133 n. Chr., den Christen unschädlicher wurden); dies war der Hauptzug des damaligen Zustands der Gemeinde Jesu. * 3. Kirche – Pergamon (Offb 2,12–17): Dritte Periode (etwa 314–541; umfasst das arianische/vierte Jahrhundert): äußerer Flor, Vermischung heidnischer Philosophie mit evangelischer Lehre, heidnischer Kult anstelle der Anbetung im Geist und in der Wahrheit; Rangsucht der Lehrer statt treuer Nachfolge Jesu. * 4. Kirche – Thyatira (Offb 2,18–29): Vierte Periode: der Abfall von der reinen Lehre konstituiert sich bestimmter im Abendland (V. 20–21). Dadurch trennten sich die wenigen Getreuen von der abtrünnigen Kirche: die „Vallenser“ (Bewohner der Täler Savoyens und Piemonts) [12], später Waldenser und Albigenser in Frankreich, dann Wycliffiten in England, Hussiten in Böhmen, und endlich die ersten unter den Protestanten (die evangelischen Reformierten im weiteren Sinn). Zwischen dem Urteil über jene Abtrünnigen in Offb 2,22 und dem Gericht in Kap. 14,8; 18 (vgl. 17) besteht unverkennbare Übereinstimmung; ebenso zwischen Offb 2,26–27 und 12,5; 19,15. * 5. Kirche – Sardes (Offb 3,1–6): Fünfte Periode (ca. ab 1074, Ende des 11. Jh., bis zur Reformation im 16. Jh.). * 6. Kirche – Philadelphia (Offb 3,7–13): Sechste Periode: die protestantische Kirche, unter der die letzten Versuchungen über den Weltkreis ausbrechen sollen (V. 10; vgl. 13,11–17). Tröstlich für die Schafe, die allein der Stimme des Hirten folgen (Joh 10,1–16): Jesus hat den Schlüssel Davids, öffnet und schließt selbst (vgl. Jes 55,3). Er hat zwar der Gemeinde Vollmacht zu binden und zu lösen gegeben (Mt 16,19; 18,18; Joh 20,23), behält sich aber vor, diese Gewalt auch unmittelbar ohne jede Dazwischenkunft auszuüben (Mt 11,28; Joh 6,37). * 7. Kirche – Laodizea (Offb 3,14–21): Letzte Beschreibung—auch die des verfallenen Protestantismus in späterer Zeit: weder kalt noch warm; dabei Aufgeblasenheit vieler hinsichtlich ihrer „eigenen“ oder geliehenen Weisheit, die andere Mittel gebrauchen als die Väter (nicht mehr Bibel und Gebet, sondern Philosophie, Metaphysik, spezielle Sprachstudien, menschliche Kritik). Wie reich glauben sich solche, als säßen sie den Aposteln zur Seite oder meisterten sie gar (1 Kor 3; 4,7; 4,36)!—und merken nicht, was Offb 3,17–18 über sie sagt. O daß sie Zucht annähmen (V. 19) und den guten Rat (V. 20) befolgten—ihnen wäre herrlich geholfen (V. 21; vgl. 20,4–6; Mt 19,28; s. auch Anm. 6 zu § 16).

Betrachtet man in jenen Sendschreiben die Warnungen/Drohungen und die verheißenen Belohnungen—von denen mehrere unmittelbar auf die letzten Zeiten gehen und die meisten eng mit den nachher verkündigten Gerichten und Verheißungen verknüpft sind—so wird die obige Meinung bestätigt, dass die sieben Sendschreiben nicht nur Schilderungen der Gegenwart waren, sondern auch prophetische Beschreibungen folgender Zeiten enthalten. Man vergleiche z. B.: Offb 2,7 ~ 22,14; 2,16 ~ 19,15; vor allem 2,26–27 ~ 19,15; 3,4 ~ 6,11; 7,13–14; ferner 3,10 mit den folgenden Ereignissen, sowie 3,12 ~ 19,12; 21,2.

[12] Die Geschichte weist Spuren darauf, dass die „Vallenser“ (stille Bewohner der Täler) Abkömmlinge der durch die Apostel gepflanzten Gemeinden seien und von da an reine Lehre und Zucht bewahrt hätten. Bekannt wurden sie im 11. Jh., als List und Gewalt ihren Gottesdienst störten. Vgl. u. a. G. C. Rieger, *Der Salzbund Gottes*, Stuttgart 1737, 2. Stück (zu den Waldensern).

§ 26

Und wenden wir nun auch, was zu Anfang und zu Ende des § 24 von der successiven Erfüllung sehr vieler Weissagungen gesagt worden ist, auf die der Offenbarung Johannis an, so wird uns zum Verständnis derselben wieder sehr viel geholfen werden.

Denn nur aus Mangel der Kenntnis oder der gehörigen Benutzung jener angeführten Bemerkung—wonach eine und eben dieselbe Weissagung in verschiedenen Zeiten, und also mehreremal, erfüllet werden kann, wobei die späteren Erfüllungen immer vollständiger sich zeigen, sei es in Betreff der einzelnen Teile, sei es in Betreff der allgemeinen Erfüllung einer einfachen Weissagung—geschah es, daß man sich so wenig zurechtfinden konnte, wenn man eine Weissagung der Offenbarung Johannis mit Chronologie und Geschichte zusammenhielt. Bald mußte man die bereits geschehene Erfüllung derselben ahnen, da manches Wesentliche unläugbar sich in den Weltbegebenheiten ereignet hatte; bald aber vermißte man wieder die vollständige Erfüllung derselben. Diese Schwierigkeiten bei Betrachtung der apokalyptischen Weissagungen, und die Scheinwidersprüche bei den Versuchen, manche derselben mit der Geschichte zusammenzuhalten, waren um so unvermeidlicher, da—wie weiter unten berührt werden wird—die Offenbarung selbst eine Chronologie oder Zeitenkette anzugeben scheint, in welche die von ihr angeführten Begebenheiten auf bestimmte Weise verteilt stehen, und durch welche wir also aufgefordert werden, die absoluten Epochen der Ereignisse aufzusuchen, um sie der gegebenen Zeitenkette anzuschließen. (M. s. die Anm. 33 zu § 50.)

Allein der gemachten Erinnerung zu Folge wäre die apokalyptische Chronologie also zu verstehen: nicht so sehr, als würde eine gegebene Zeit oder ein Zeitabschnitt schon der ersten unvollständigen Erfüllung einer Weissagung die Grenzen setzen, sondern vielmehr, als verkündigte sie entweder mit dem Anfang einer solchen Periode den Eintritt einer neuen Begebenheit—ohne daß dadurch die fernere Erfüllung der ersten, bis zu ihrer letzten und vollkommenen Erfüllung, gehindert würde—; oder aber, sie kündigte, durch den Ablauf der von ihr erwähnten Zeit, das definitive Ende der vollkommenen Erfüllung von gewissen Weissagungen (vgl. Offb 10,6–7; 12,12; s. auch oben § 21).

Zu der ersten Art der Zeitanzeige, durch welche bloß eine neueintretende Begebenheit angezeigt wird, gehören wahrscheinlich, wie schon oben erinnert worden (§ 21 e.), unter anderem die vier ersten Posaunen (Offb 8,7–12), die allem Anschein nach mehr oder weniger gleichzeitig miteinander laufen sollen. (Unverkennbar ist z. B. die gleichzeitige Fortdauer der ersten Zornschale mit der fünften, zur Zeit, wo diese fünfte eingetreten ist; vgl. Offb 16,2 und 10–11.)

Ferner wird es wohl sehr natürlich sein anzunehmen, daß, wenn beim Eintritt einer neuen Begebenheit—wie z. B. der fünften Posaune, Offb 9—die vorhergehenden noch nicht gänzlich abgelaufen wären, diese ersteren, im Fall sie sich mit der neuen nicht vereinigen ließen (wie dies bei den drei ersten Posaunen im Verhältnis zur fünften der Fall ist; m. s. die Gerichte jeder einzelnen, Offb 8,7–11; 9,1–10), jenen neueren und später hinzugetretenen untergeordnet würden. Dann wären die früher begonnenen Ereignisse gleichsam auf eine gewisse Zeit aufgehoben, bis die neuere Begebenheit ihnen zu ihrer vollständigen Erfüllung wieder Raum ließe.

Da unser endlicher Verstand unmöglich das Unendliche oder Vielfache der Ratschlüsse Gottes auf einmal fassen kann, und ebenso wenig das wunderbare Eingreifen neuer Begebenheiten—die bald gleichzeitig mit schon früher begonnenen ihre Zeit ganz oder nur zum Teil ablaufen, bald jene früheren auch wieder teils oder gänzlich aufheben u. s. f.—in der erforderlichen Ordnung zugleich denken kann, so befolgte wahrscheinlich die Offenbarung Johannis in Verkündigung ihres Textes die angebrachten Zeitabschnitte, damit es uns nicht nur möglich würde, das Gesamte zu übersehen und stets den Gang der Offenbarung in den Zeitereignissen zu verfolgen, sondern es auch leichter würde, in jeder Zeitperiode dasjenige aufzufassen, was als das Wichtigste unsere besondere Aufmerksamkeit fesseln sollte.

§ 27

Wir bemerken noch hier, in Betreff der Verteilung der verkündigten Begebenheiten in der Offenbarung Johannis unter besonderen Zeitabschnitten, daß zuweilen die Begebenheiten einer späteren Zeit in die Periode einer früheren Zeit, als die, wo sie hingehört, d. h. in Erfüllung gehen wird, angeführet oder eingerücket ist. Allerdings, weil dieser frühere Blick in die folgende Zeit in jener ersten für die, welche die Verkündigung benutzen würden, von besonderem Segen sein konnte, vielleicht unter anderem auch in der Hinsicht, weil schon zu jener früheren Zeit die Gefahr, gegen welche etwa die Weissagung warnt, sich zu regen anfängt.

Eine solche früher eingeschaltete Stelle ist ganz unverkennlich Offb 11,1–13. Dieses Kapitel steht hier unter der sechsten Posaune, da doch die Erfüllung desselben unstreitig unter die siebente Posaune gehört, und in die letztere Zeit. Man vergleiche nur unter anderem den 7. Vers, wo vom Tier aus dem Abgrund die Rede ist, mit dem 8. Vers im 17. Kapitel, und dann mit dem 11. Vers, wo gesagt wird, daß dies Tier in die Verdammnis fährt. Dies geschieht unmittelbar vor dem Anbruch des sichtbaren Reiches des Gesalbten auf Erden; vgl. Offb 19,20, und dann die ersten Verse im folgenden Kapitel 20. Ohnehin zeigt der dem 11. Kapitel vorhergehende Vers (Offb 10,11) an, daß diese Einschaltung hier, am Ausgang des zweiten Wehes (vgl. den 14. Vers des 11. Kapitels), als eine Weissagung auf eine künftige Zeit anzusehen sei.

Eine ähnliche Bewandtnis findet noch statt mit der Weissagung Offb 14,8. Sie redet hier von einer Begebenheit, die unter den sieben Zornschalen sich ereignen soll (Offb 16,17–21), da sie (die Weissagung) selbst in angeführter erster Stelle (Offb 14,8) vor dem Beginn aller dieser sieben letzten Plagen steht. In Betreff von Kap. 18–20 s. m. § 50 b. – Und insofern können einige später stehende Kapitel, welche die Begebenheiten in ihrer Erfüllung darstellen, als ausführlichere Beschreibungen der früher sie verkündigenden Weissagungen betrachtet werden. So z. B. Offb 18 in Betreff des schon angeführten 8. Verses von Kap. 14, und so Offb 19,11–21 in Betreff des 11., 13. und 14. Verses von Kap. 17.

Ähnliche Bemerkungen, welche zur Einsicht in dieses heilige Buch ungemeines Licht geben, lassen sich bald mehrere machen, wenn man mit anhaltender Sorgfalt alle Teile dieser Offenbarung unter sich vergleicht, und besonders sich hütet, aus Voreiligkeit oder, geleitet durch vorgefaßte Meinungen, irgendeine gewalttätige Erklärung zu gebrauchen, und der Weissagung eigene Gedanken und Ansichten der Dinge unterzuschieben, die sich keineswegs aus den Worten des Textes berichtigen lassen. Und in der Hinsicht machen wir—noch ehe wir zur Betrachtung der apokalyptischen Zeiten übergehen— in den zwei folgenden Paragraphen auf eben so viele Hauptbemerkungen aufmerksam, davon die erste noch die Anordnung der im Text enthaltenen Berichte, und die andere den Schauplatz oder die Szenen der apokalyptischen Begebenheiten betrifft.

§ 28

Es ist nämlich, in Rücksicht der Anordnung des Textes der Apokalypse, noch dieses Besondere unverkennbar darin, daß jeder Verkündigung einer neuen Hauptperiode eine gewisse Vorbereitung vorhergeht. Diese besteht meist in einer aufmunternden himmlischen Erscheinung, oder aber in einer summarischen (kurz gefaßten) Anzeige dessen, was von da an bis zum Ausgange des Kampfes (Kap. XIX) noch erfolgen soll, oder endlich in beiden zugleich.

So geht die himmlische Erscheinung, Kap. IV, der Eröffnung der sechs Siegel vor, im sechsten Kapitel (welches Kap. VI selbst, wie schon erinnert worden ist, eine summarische Übersicht gewisser Gerichte und Begebenheiten enthält, die bis zum Tage des Zorns des Lammes fortdauern sollen, Kap. VI, 17. und Kap. XIX). – Kap. VII, 1–8: eine Vorbereitung, die den sechs Posaunen des siebenten Siegels (Kap. VIII und IX) vorhergeht. (Unter diesen Posaunen ereignen sich die zwei ersten Wehen.) Die folgenden Verse von Kap. VII (V. 9–17) enthalten eine himmlische Szene, die als Weissagung in das XX. Kap. und die folgenden reicht. – Kap. X und XI, 1–13 und dann 15, bis Kap. XII, 1, enthalten Vorbereitungen als himmlische Szenen und als summarischen Inbegriff des dritten und letzten Wehs (Kap. XII, 12 bis Kap. XIX, letzter Vers), d. h. dessen, was unter der siebenten Posaune geschehen wird, nämlich, nach Kap. X, 7, die Vollendung des Geheimnisses Gottes, insofern allerdings die siebente Posaune bis auf die Zeit hinreicht, von welcher Paulus, 1. Kor. 15, 52, spricht. (Siehe unten die Anm. 24 § 39.) In der Offenbarung Johannis selbst scheint nur der Anfang dieser Vollendung zu stehen; die reicht bis zu den Zeiten der Seligkeit (Kap. XXII, 5) und die Zeiten der Qual (Kap. XX, 10), nach dem letzten Gericht (Kap. XX, 14). Dieser Anfang begreift eigentlich noch lauter Gegenstände, welche in der Zeit geschehen, weil noch Anstalten in dieser Periode enthalten sind, die zur Wiederbringung aller Dinge gehören, nämlich eben jene Qual im andern Tod. (Siehe hier § 43 unter e. und f.) Nach Kap. XI, 19, vergl. mit XV, 8 und XXI, 3, reicht zunächst die siebente Posaune bis dahin, wo es durch vollbrachte Gerichte allgemein sichtbar werden wird auf Erden, daß Gott einen Bund mit den Gläubigen gemacht hat, und daß Er unter ihnen wohnt. (Man sehe, in Betreff des Umfangs der Zeit der siebenten Posaune, die Anm. 24 zu § 39.)

Merkwürdig ist noch, in angeführten himmlischen Szenen als Vorbereitung zur siebenten Posaune, daß, wenn Kap. XI, 15, es hieß: „Die Reiche der Welt seien unsers Herrn und Seines Christus worden, und Er werde regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit“, nun Vers 17 die vierundzwanzig Ältesten ein Danklied darüber anstimmen, daß „der Herr Seine große Kraft angenommen hat“. Dieses wird Kap. XIX, 6 feierlich wiederholt, doch so, daß es nun hier heißt: „der Herr habe das Reich eingenommen“. Sieht man nun auf Kap. IV, 10 zurück, wo die Ältesten ihre Kronen vor dem Stuhl werfen, so wird es wahrscheinlich, daß hier nicht nur von einer Huldigung (§ 12), sondern auch davon die Rede ist, den Herrn flehentlich und heiligst aufzufordern, das Reich über Sich zu nehmen. So wäre also jenes, Kap. XI, 17, eine Erhörung dieser flehentlichsten Aufforderung. (Siehe auch Kap. VI, 9–10 und XII, 1–5, und was über die Wirkung des Gebets zum Kommen des Reichs Gottes gesagt worden, § 17 und Anm. 7.)

Während des dritten Wehs kommen wieder, in Betreff seiner Unterabteilungen, solche summarischen Anzeigen vor; so allerdings eine, Kap. XIV bis XV, 4, mit inbegriffen. Sie geht der Ausgießung der sieben Zornschalen voraus, fängt an von der Zeit der zwei Tiere aus dem Meer und von der Erde, die gemeinschaftliche Sache treiben (Kap. XIII), und reicht ebenfalls bis ins XIX. Kap., wie das VI. und XI. Kapitel. Dies erhellt z. B. in Ansehung des XIV. Kapitels, aus dem daselbst (V. 17–20) verkündigten Gerichte, verglichen mit Kap. XIX, auch mit Jes. 66, 15. Man halte ferner V. 15–20 des XIV. Kapitels der Offenbarung Johannis mit Joel 3, 18, und wieder Joel 3, 19 mit Offenb. Joh. VI, 12–17 zusammen.

Und ebenso war schon das erste Kapitel der Offenbarung Johannis eine Einleitung zu den Sendschreiben an die asiatischen Gemeinden, zugleich aber auch ein summarischer Begriff des ganzen nun folgenden Buchs. Schon der erste Vers verkündigt die Offenbarung Jesu an Johannes als eine Anzeige der Vollendung des göttlichen Werkes, nämlich alles dessen, was noch in der Zeit und ohne Aufschub, in der Kürze, geschehen soll, bis zur Erneuerung alles dessen, was erschaffen ist, Offenb. Joh. XXI, 1. 5. Also letzte Erfüllung alles dessen, was die Propheten geweissagt haben; denn dies göttliche Wort soll nicht vergehen, wenn gleich Himmel und Erde vergehen werden: Luk. 21, 33, vergl. mit Offenb. Joh. X, 7. Sie reicht bis zur vollkommenen Herstellung alles Verlornen. (Siehe Offenb. Joh. XXII, 3, und die §§ 43 f. u. 44.) Das Umständliche des Inhalts der Offenbarung Johannis wird dann in demselben ersten Kapitel durch Ankündigung mehrerer Themata angezeigt.

So in Vers 3 die bevorstehende „Seligkeit derer, die da lesen und die da hören die Worte der Weissagung“, vergl. mit XXI, 1–4, XXII, 14. 19. – Vers 4: „Das Kommen des Herrn.“ Mit dieser Verkündigung endigt auch dieses göttliche Buch, Kap. XXII, 10. – Vers 5 und 18: das zweifache Thema vom Charakter, unter welchem der Herr das Werk der Erlösung der Menschen und die Errichtung Seines sichtbaren Reichs auf Erden vollführt; nämlich als Derjenige, der durch Seinen Tod dem Teufel die Macht des Todes nahm (V. 18, vergl. mit Hebr. 2, 14–15, 2. Tim. 1, 9–10, auch s. m. Offenb. Joh. III, 7, XX, 13), und durch Sein Blut uns die Sündenvergebung verschaffte und Verstorbene und Lebende, die sich würden helfen lassen, von der Verdammnis rettete (vgl. Röm. 14, 9), und wieder als der Fürst der Könige auf Erden, der auch Sein Reich einnehmen wird (Kap. VI, 2 und XIX, 6) und regieren (Kap. XI, 15), als einiger Herrscher (Judas 4 und 1. Kor. 15, 25–28). Dieses doppelte Thema reicht zunächst bis Kap. XIX, 21. –

Vers 6: „Er hat uns zu Königen und Priestern gemacht“ ist ein anderes Thema der Offenbarung Johannis; vgl. auch Kap. V, 10 und XX, 6. Jesus ging uns auch hierin voran (vgl. § 39 f.), denn das ewige Priestertum, das Ihm vom Vater, Psalm 110, 4, zugeschworen war, überkam Er nun nach Seiner Verklärung. (Siehe weiter oben die Anm. 10 c zu § 23.) Schon vorher, in Seiner Niedrigkeit, ward Er durch den Heiligen Geist dazu vorbereitet und gleichsam eingeweiht, Luk. 3, 22; 4, 1. 14. 18.

Es ist außer Zweifel, daß der Heilige Geist, als dritte Person in der Gottheit, jenes Priestertum hatte, von dem hier die Rede ist. (Siehe Hebr. 7, 1–17; 4. Mos. 6, 3; 14, 18–20, damit zusammengehalten.) Die Worte in angeführter Stelle des Briefes an die Hebräer: „ohne Vater und ohne Mutter“, können nicht auf die Person Jesu gehen, man mag Seine göttliche oder menschliche Natur betrachten, indem Er nach jener einen Vater, nach dieser aber eine Mutter hat. Hat nun Jesus nach Seiner Verherrlichung dieses ewige Priestertum des Heiligen Geistes überkommen (Ps. 110, 4), so erblicken wir darin ein Mittel, wie Er auch die Unglücklichen, die, obschon durch Sein Blut erkauft, dennoch nicht anders als durchs Feuer zur Seligkeit gelangen wollten (Offenb. Joh. XX, 15, damit vergl. Mark. 9, 49 und 1. Kor. 3, 15), zu Sich ziehen werde (Joh. 12, 32), und wie also auch, nach diesem Durchgang durch den zweiten Tod (Offenb. Joh. XX, 14–15), jene „Sünden für den Tod“, oder die Sünden gegen den Heiligen Geist (1. Joh. 5, 16; Matth. 12, 31), werden vergeben werden können. Auch heißt es eigentlich in letzterer Stelle, Matth. 12, 31, von den genannten Sünden, daß sie nicht vergeben werden können, in der gegenwärtigen oder jetzigen Zeitabteilung (ἐν τῷ νῦν αἰῶνι), noch in der nächstfolgenden (ἐν τῷ μέλλοντι). (Siehe § 30 über die Zeiten der Offenbarung, und § 44 unter b.) Jene, die gegenwärtige, wäre wahrscheinlich die, welche mit dem Ablauf der letzten Stunde (1. Joh. 2, 18), oder der letzteren Hälfte des Weltalters (siehe § 45), sich endiget, und also wäre die nachfolgende die der Verdammnis, oder des andern Todes nach dem jüngsten Gericht. (Siehe § 43 e. u. f.) So würde in jener Stelle, 1. Joh. 5, 16, „die Sünde zum Tod“ so viel heißen, als die Sünde solcher, die durchs Feuer müssen, um selig zu werden. (Mark. 9, 49; Jak. 1, 15; 1. Kor. 3, 11–15.) Diese Unglücklichen würden nun auch einst der Fürbitte des ewigen Hohenpriesters ihre Errettung aus diesem zweiten Tod zu verdanken haben. (Hebr. 7, 24–25, vergl. mit Luk. 22, 31–32.) Welche tröstliche Aussicht für diejenigen, die einen Tropfen jener Liebe und jenes Durstens Jesu nach den Seelen in sich fühlen! (Joh. 19, 28; 10, 12; 13, 35; 2. Kor. 5, 14; 1. Joh. 4, 14.)

Ein anderes Thema wieder liegt in Vers 7: „Sie werden über Ihn trauern“ (Ihm entgegen weinen; siehe Sach. 12, 10). Diese Worte enthalten allerdings die Anzeige von der Bekehrung der Juden. (Siehe §§ 35 u. 37.)

So enthalten wieder die sieben Sendschreiben lauter Schilderungen der Zukunft (vgl. oben § 25), und eben daher in den Verheißungen auch Themata dessen, wohin das Folgende führen soll, z. B. Kap. III, 20, vergl. mit XIX, 9, handelt von jener Seligkeit der Auserwählten, „die zum Abendmahl des Lammes berufen sind“. Man sehe, in Betreff der ersten Stelle, Joh. 14, 23, und der andern: Luk. 14, 15.

Merkwürdig ist es noch, in Rücksicht jener oben angeführten summarischen Überblicke, daß sie meist von dem Fortgang der Geschichte auf irgendeine bestimmte Art getrennt sind, durch: „Und darnach“ (Kap. VII, 1; siehe hierzu § 21 e), „Und da“ (VIII, 1), „Das … ist dahin“ (XI, 14), „Darnach“ (XV, 4). (Über diese Verbindungswörter siehe den angeführten § 21.) Und in Ansehung der erwähnten himmlischen Szenen, so erfolgen sie wahrscheinlich—wenn wir sie als Begebenheiten betrachten, die sich noch zutragen sollen—mehr oder weniger gleichzeitig mit denjenigen Begebenheiten auf Erden, mit welchen sie in der Apokalypse in Verbindung gesetzt sind, oder deren Verkündigung sie, als Vorbereitung auf dieselben, vorgingen. So Kap. IV, 1–11 und V, 1–14 mit der Eröffnung der sechs ersten Siegel (Kap. VI). Die von Kap. VII, 9–17 wahrscheinlich gleichzeitig und fortlaufend mit dem siebenten Siegel, so wie die himmlische Szene Kap. VIII, 1–4 gleichzeitig mit der Eröffnung dieses Siegels. Die von Kap. X hat statt gegen das Ende des zweiten Wehs (vgl. Kap. IX, 12 und XI, 14), die von Kap. XI, 15–19 beim Schall der siebenten Posaune, und die von XII, 3–11 unmittelbar nach jener und unmittelbar vor dem dritten Weh (Kap. XII, 12f.). Die von Kap. XIV, 1–5 ist allerdings synchronistisch mit diesem dritten Weh, und vielleicht insbesondere mit der Verfolgung zur Zeit von Kap. XIII, 11–17, so auch die himmlische Szene von Kap. XIV, 13–15. Die von Kap. XV, 1–4 geht unmittelbar der Ausgießung der letzten sieben Plagen vor, und die von Kap. XV, 5–8 eröffnet diese Ausgießung. Die von Kap. XIX, 1–8 geht unmittelbar jener großen entscheidenden Schlacht vor, am großen Tag des Zorns Gottes. Die von Kap. XIX, 11–18 eröffnet dieses Endurteil über das Tier. Kap. XX, 4 eröffnet die zweite Periode des Reichs Gottes auf Erden. Dan. 7, 10. 21. 22 eröffnet die erste Periode und ist gleichzeitig mit Offenb. Joh. XX, 1–3. (Siehe § 32.) Kap. XX, 11 eröffnet das allgemeine Weltgericht nach Ablauf der zweiten Periode des sichtbaren Reichs Gottes.

Übrigens stellt Kap. IV, und insonderheit Kap. V, auf eine unverkennbare Weise ein Freudenfest des Daseins der Wesen dar, das von allen Himmeln gefeiert wird, und zwar als Folge von der Erlösung und Beseligung der Kreaturen durch das Lamm Gottes. (Kap. IV, 3, vergl. mit Mal. 3, 1 und Offenb. Joh. I, 5. 17. 18, und dann Kap. V, 5.) Und insofern kann wahrscheinlich der Teil jener Szene, welcher zunächst die Anbetung des Lammes und Lobpreisung desselben betrifft, als ein Vorbild von dem angesehen werden, was allerdings die Folge der Wiederbringung aller Dinge sein wird, wo denn durchaus alle Geschöpfe in der Erkenntnis der Liebe und der unendlichen Verdienste des göttlichen Heilandes und in Seiner Anbetung sich glücklich und selig fühlen werden. Man beherzige den 13. Vers von Kap. V. Das Wort ζῷα, das in unserer Übersetzung mit „Tiere“ übersetzt ist (Kap. IV, 6. 7. 8; V, 6. 8. 14; auch VI, 1. 3. 5. 6. 7; XV, 7), heißt eigentlich „lebendige Wesen“. (Siehe hier Ps. 150, 6.)

§. 29

Was die Scene (oder den Schauplatz) anbetrifft, wo die Begebenheiten der Apokalypse Statt finden sollen, so ist sie vorerst die des Himmels [13.], und dann die der Erde; der Erde, in allgemeiner Bedeutung und im Gegensatz des Himmels: Kap. XII, 7. 8. u. 9. o., vielleicht aber auch in einem beschränktern Sinne, und zwar als jenes Theils der Erde, der zum vierten Weltreiche (Daniel 2, 40., vorhergeh. u. nachf. Verse., Kap. 7, 7. 17. f.) gehört, wie dort, Luc. 2, 1., Apost. Gesch. 11, 28. u. Röm. 10, 17., „die ganze Welt“ der Theil der Erde genannt wird, den das römische Reich in sich begreift, da ohnehin nach der Weissagung des Monarchienbildes in Daniel, und mehreren hierauf sich beziehenden Stellen, der letzte Schauplatz des Kampfes und auch des Sieges, eben der des Gebiets vom vierten Weltreiche, insonderheit in der Epoche, wo es als getheiltes Königreich erscheint, seyn soll; Daniel 2, 41., vergl. mit den vorhergehenden Versen. Dieser Umstand jedoch hindert nicht, daß das zuletzt und vom Himmel aufgerichtete sichtbare Königreich Gottes über alle Staaten sich erstrecken werde, die zu den vorhergehenden Weltmonarchien gehörten. Dan. 2, 44., mit V. 34. 35. u. d. f. zusammengehalten, 7., 27., u. Offenb. Joh. XX.

Daß die Himmelsbewohner auch jene Offenbarung Jesu in ganz vorzüglichem Lichte durchschauten, und gleichsam unmittelbar erkannten, scheint sich aus jener triumphirenden Freude aller Himmel bey jeder neuen Offenbarung zu ergeben (m. s. die himmlischen Scenen im vorigen §.), dahingegen Johannes, und so wir, dieselben mehr oder weniger nur wie in einem Spiegel sahen (1. Kor. 13, 12.), und zu ihrem Verständniß theils der besonderen an ihn geschickten Erklärung Engel bedurfte (Kap. XVII, 7.), theils durch andere Himmelsbewohner (VII, 13. f.), gegeben wurde.

Und auch bey dem unendlich Wenigern, das Johanne zu Theil wurde, hatte dennoch eine solche Fülle der himmlischen Freude ihn ergriffen, und so unwiderstehlich ihn hingerissen, daß er, der so ernstlich vor der Abgötterey gewarnt hatte, selbst zweymal zu den Füßen eines Erschaffenen niederfiel, ihn anzubeten. Bey welcher Gelegenheit allen Christen die wichtige Warnung in Betreff einer Art von Abgötterey gegeben wurde. (Offenb. Joh. XIX, 10., XXII, 8. 9.)

Allein es werden offenbar in der Weissagung Jesu an Johannes, während der Zeit des Kampfes und der Gerichte, der Erde noch andere Theile des erwähnten Gebiets der vierten Weltmonarchie entgegengesetzt, z. B. das Meer, so daß in diesen Stellen die Erde eine noch beschränktere Bedeutung des Wortes erhält. M. s. Kap. XII, 12. u. 18. Auf diesen Gegensatz wird vorzüglich Kap. X, 2. 5. 8. gedrungen. M. s. auch Kap. XIII, 1. u. 11.

Nun ist es merkwürdig, daß, da es Kap. II, 13. von einer Gemeinde in Kleinasien gesagt worden war: hier habe Satan seinen Stuhl, seinen vorzüglichen Aufenthalt aufgeschlagen, also in Asien, in dem Welttheile, wo in der dritten Periode die ausartende Christenheit wohnte (m. s. oben §. 25. unter b.), die aber in der vierten, und für die folgenden Perioden, durch die Mahomedaner und die Türken, nach Europa verdrängt wurde, daß es da in der Offenb. Joh., Kap. XIII, 1., von dem Thiere, dem der Drache nun seine Kraft und seinen Stuhl und große Macht gab, heißet: „dieses Thier sey aus dem Meere gestiegen.“ Vorher, Kap. XII, 13. u. 16. mit 18. zusammengehalten, hatte es in speciellerem Sinne allerdings geheissen, Satan wäre auf die Erde verworfen worden.

Diese Zusammenstellung der einzelnen Theile des Textes wäre hinlänglich, um uns zu zeigen, daß, wo die Erde dem Meere entgegengesetzt wird, unter ersterer Benennung Asien, als das eigentliche feste Land des vierten Weltreichs, unter der zweyten aber Europa, als das Kleinasien gegenüberliegende Inselland, oder der, in Betreff der damals bekannten Länder, in vorzüglichem Sinne mit Meer umgränzte Welttheil, zu verstehen sey.

Nimmt man nun hierzu noch diesen in der Offenbarung Johannis angezeigten Umstand, daß die Hauptstadt, wo, sey es das Thier selbst, oder durch dasselbe die Abtrünnige, ihr Wesen haben werde (Offenb. Joh. XVII, 3., vergl. mit V. 8. u. XIII, 1.), die siebenhügelichte Stadt ist (Kap. XVII, 9.), die auch Valentia, wie sie sich selbst von Alters her nannte, oder die starke Stadt, genannt wird (XVIII, 10.), also jene bekannte, in Europa gelegene, Hauptstadt des römischen Reiches seyn (Kap. XVII, 18.), so bleibt über diese Bedeutung des Textes kein Zweifel mehr zurück.

§. 30.

Und nun kommen wir zu der schon früher erwähnten Bemerkung, daß die Offenbarung Johannis mehrere geheime oder prophetische Zeiten enthält.

Der Text dieses Buchs giebt nämlich, bey Anführung mancherley Begebenheiten, mehrerley Zeiten an, die zwar beym ersten Anblicke unbestimmt scheinen, von denen wir aber, gemäß der §. 21. gemachten Bemerkungen, bey Gelegenheit der Verse 18. u. 19. von Kap. XXII, und insonderheit in Hinsicht auf die Stelle dieses XXII. Kapitels im 10ten Vers, im Gegensaße von Kap. X., 4., vergl. mit Daniel 12, 9., durchaus vermuthen müssen, daß sie dennoch ihre Bestimmung, und zwar in dem Text selbst der Offenbarung Johannis, erhalten haben.

Solcher Zeiten nun, durch welche, wie oben bemerkt worden (§. 26. b), bald die Dauer, bald aber der Eintritt einer gewissen Begebenheit angezeigt wird, sind zum Beyspiel: die große Zeit oder Chronus (im Originaltexte, Kap. VI, 11.), der kleine Chronus (XX, 3.), die Zeiten, die Zeit (Kairos, im Originaltexte), und die halbe Zeit (Kap. XII, 14.), die wenige Zeit (XII, 12.) u. s. f.

Diese Zeitenangaben zeigen allerdings schon beym ersten Anblick eine abstufende Reihenfolge an, die bey einigen Gliedern derselben ein unverkennlich bestimmtes Verhältniß darbietet, und eben deswegen schon ein durchaus laufendes Verhältniß zwischen allen diesen gegebenen räthselhaften Zeiten vermuthen lassen.

Zu diesen problematischen Zeiten gehört nun auch die, Kap. XIII, 18., als Zahl des Thiers angegebene Zahl 666. Der Text in angeführter Stelle fordert den menschlichen Verstand auf, diese Zahl zu berechnen, woraus folgt, daß zwar diese Zahl, wie sie da angegeben ist, noch unbestimmt und zu berichtigen ist, aber auch zugleich, daß sie bestimmbar ist, und dies schon allein durch die menschliche Weisheit. Woraus denn aber auch wieder abzunehmen ist, daß die übrigen problematischen Zeiten gleichfalls bestimmbar sind, da auch der Zweck einer aufgestellten Chronologie eine Auflösung erfordert, und ohnehin die apokalyptischen Zeiten nicht versiegelt sind. (M. s. die oben angeführten Stellen.) [16.]

Also hat auch die Apokalypse die nöthigen Data gegeben, die zur Auflösung des von ihr aufgestellten Problems nöthig sind, und wir müssen sie in einem Verhältnisse suchen, welches zwischen den apokalyptischen Zeiten sich vorfinden wird, da ohne ein solches Verhältniß zwischen gegebenen Größen keine unbekannte zu finden wäre. Auch muß dieses Verhältniß ein bestimmtes, stetes Verhältniß seyn, da sonst vielerley Auflösungen des Problems möglich würden, und der Text, diesem zu Folge, schwankend wäre, welches anzunehmen, ganz dem Geiste der Offenbarung zuwider ist. (M. s. oben §. 21.)

Einige andere angestellten Betrachtungen, über diese Reihenfolge von gegebenen apokalyptischen Zeiten, lehren nun ferner, daß die Progression derselben eine arithmetische ist. Zu ihrer Auflösung erfordert es sich also nur noch eines bekannten Gliedes, und dann des Unterschiedes der Progression, nachdem die verhältnißmäßigen Stellen eines jeden Gliedes gefunden worden wären.

Die Offenbarung Johannis scheint das erstere, Kapitel XX, zu geben, wo die vielfache Wiederholung der Zahl von 1000 Jahren, Vers 2. 3. 4. 5. 6. 7., ohne weitere Bemerkung dabey, keinen Zweifel übrig läßt, daß diese Zahl als eine runde Periode von Jahren, so wie sie hier gegeben ist, anzunehmen sey.

Wird nun diese Zahl von 1000 Jahren, als das bekannte Glied, durch welches die ganze Progression, in allen ihren Gliedern, ihre Bestimmung erhalten soll, in die Zeitenkette aufgenommen, und hat man nach einigen andern Betrachtungen noch, die sich so ziemlich leicht anstellen lassen, sowohl die Stelle bestimmt, welche jedes Glied einnehmen soll, zum Beyspiel diese: Kleiner Chronus (oder kleine Zeit); Zeit des Thiers (oder die zu berichtigenden 666); Zeit und Zeiten und eine halbe Zeit; wenige Zeit; tausend Jahr; endlich die große Zeit oder der Chronus, – als auch noch den Unterschied der Glieder gefunden, zum Beyspiel den von einer halben Zeit, oder den des ihr gleich groß angenommenen kleinen Chronus, als dem äussersten Gliede der Progression, so ergiebt sich leicht der relative Werth eines jeden Gliedes: die Zeit und zwo Zeiten und eine halbe Zeit nämlich, enthalten 7 halbe Zeiten, das vorhergehende Glied aber 6, das nachfolgende hingegen 8 halbe Zeiten, die tausend Jahr betragen 9 halbe Zeiten, und der Chronus 10 halbe Zeiten; – woraus denn durch die einfache Division des bestimmten Gliedes (tausend Jahr), durch die Anzahl der enthaltenen Differenz (9), der Werth der Differenz, oder der halben Zeit, und mithin auch der wahre Werth eines jeden Gliedes, gefunden wird.

Wie nun die übrigen prophetischen Perioden in der Apokalypse (die 5 Monate, im ersten Weh, Kap. IX, 5. 10.; die 1260 Tage des Weibes, Kap. XII, 6.; die Stunde, und Tag und Monat und Jahr, im zweyten Weh, Kap. IX, 15.) zu berechnen sind, dazu giebt wiederum der Text Anleitung, da Kap. XIII die Dauer des Thiers aus dem Meer, auch unter prophetischen Monaten, nämlich 42 Monaten, angegeben ist, V. 5. Diese 42 Monate, mit der berichtigten Zahl 666, im 18ten Vers, in Verhältniß gesetzt, dienen, den Werth der 5 Monate im ersten Weh zu finden.

Die 42 Monate aber in Tage aufgelöst (der synodische Mondsmonat, als dem der biblischen Zeitrechnung vor und nach der Sündfluth, wie dies aus der heiligen Schrift leicht bewiesen werden kann, zu 29 Tagen, 12 Stunden, 49 Minuten, 3 Sekunden, 11 Tertien, oder ungefähr 29 Tage angenommen), so, daß 42 Monate genau 1240 Tage enthalten, so werden auch jene 1260 Tage leicht bestimmt werden.

Löst man endlich die 1240 Tage in Sekunden auf (= 107,136,000 Sekunden), und jene Zeit, der Stunde und Tag und Monat und Jahr im zweyten Weh ebenfalls (= 34,197,809 Sekunden), so kann auch der absolute Werth von dieser apokalyptischen Periode gefunden werden. (M. s. übrigens noch, in Betreff der 42 Monate, die zwey Anm. 33. b. u. 36. zu §. 50.)

§. 31.

Findet sich's nun, daß solche Berechnung bey der Vergleichung der geweissagten Begebenheiten mit der bis auf uns gekommenen Geschichte, von Johannes an, als die wahre sich bestätiget, auch, in Betreff der prophetischen Monate (Kap. IX, 5. u. 10.), und der prophetischen Tage (Kap. XII, 6.), und prophetischen Stunden (Kap. IX, 15.), welche, wie oben gezeigt worden, nach dem Verhältnisse bestimmt werden, in welchem die berichtigte Zahl des Thiers sich zu der gleich großen Zahl desselben, in prophetische Monate ausgedrückt, verhält (m. s. vorigen §. zu Ende), – findet sich's ferner, daß die gefundene Berechnung sich als die wahre bestätigt, wenn man sie zur Bestimmung der prophetischen Zeiten im Propheten Daniel anwendet (nämlich der 70 zu bestimmenden Wochen in Kap. 9, 24–27.), mit der Geschichte verglichen, – ferner sich als die wahre bestätigt, in Betreff der so wichtigen Stelle im Propheten Habakuk, Kap. 2, 3. (vergl. mit Ebr. 9, 26., 1. Petri 1, 20., 4, 7. u. 1. Kor. 10, 11.), welche uns lehrt, daß von der Erscheinung des Opfertodes Jesu, bis zum Ende der Zeit in der sichtbaren Welt, also bis zur Zeit, wo nach dem jüngsten Tag alles neu werden soll (und für die Erde keine physische Sonne mehr seyn wird, Offenb. Joh. XXI, 23. 25. u. 5. 6.), nicht ganz, aber ungefähr dieselbe Länge der Zeit statthaben soll, als die Weltdauer vor Christo betrug (d. h., um genauer oder biblischer zu reden, als die Dauer der erneuerten, wieder bewohnbar gemachten Erde, oder die Dauer des Menschengeschlechts [17.]), – so bleibt uns wohl keine gegründete Ursache mehr übrig, um nicht dieses Problem der apokalyptischen, räthselhaften Zeiten, als aufgelöst anzusehen, insonderheit, wenn wir hierbey noch Folgendes erwähnen, daß nämlich dieses apokalyptische Zeitensystem von Bengel „ganz un-

[17.] Die mosaische Chronologie von der Weltdauer, geht ganz eigentlich nur von der Erneuerung der Erde aus, V. 3. Kap. I der Genesis (oder auch von der zweyten Hälfte des 2ten Verses dieses Kapitels), da Gott das Licht aus der Finsterniß hervorgehen hieß. Erst dadurch ward für die Erde ein Mittel, die Zeit einzutheilen, besonders, da am vierten Welttag das Licht, das in den erstern auf irgend eine Weise in einem Theile des Raums gehäufet war, nun theils für unsere Erde, theils für die übrigen Planeten der sichtbaren Welt, in Sonne und Sterne koncentrirt wurde (V. 14–19.). Vorher machte dieser physisch gewordene Theil des Universums einen Theil der Himmel aus (Vers 1., vergl. mit Eph. 1, 20. 21.), welche in einer unbestimmten Zeit vorher, Anfang genannt (1. Mos. 1, 1.), von Gott erschaffen wurden. Das Fr“ (Vers 2.), das in unserer deutschen Uebersetzung mit war gegeben ist, heißt eben so gut: war geworden, oder ward (m. s. Kap. 3, 22., auch Kap. 7, 6.), demnach ist es sehr natürlich, anzunehmen, daß die Erde nicht ursprünglich, oder bey ihrer ersten Erschaffung, wüste und leer war, sondern daß sie dies erst (bey irgend einer Veranlassung, davon die Offenbarung uns Winke giebt, m. s. Ep. Judä V. 6. und den § 41.) geworden sey. In jedem Fall betrifft die biblische Zeitrechnung, und also die auf ihr gegründete, im bürgerlichen Leben übliche, bloß die Weltdauer von jenem ersten Tage der Erneuerung und Wiederbewohnbarwerdung der Erde an gerechnet. (1. Mos. 1, 3–7.) In Betreff jener oben im Text angeführten Stelle von Habakuk, sehe man noch weiter unten §. 45. u. H. 46. c.

„vermuthet dem forschenden Gelehrten einen Maßstab „an die Hand gab, welcher wegen seiner sonderbaren „Beschaffenheit keinem Menschen eingefallen, und von „keinem Mathematiker wäre erfunden worden, ein „Maßstab, der den größten Astronomen bisher ein „Geheimniß war, nämlich einen genauen Sonnen-, „ja mehr noch, einen Monds-Sonnen-Cyklus. „Denn jene wunderbaren Weltperioden der Zeit (Kairos) zu 2225 Jahr, und des Chronus zu 1111 Jahr, „in der Offenbarung Johannis angegeben, sind der „Maßstab, nach welchem die verschiedenen Himmelskörper in ihren periodischen Umläufen, die uns die verschiedenen Zeiten bestimmen, gegen einander ins genaueste Verhältniß gesetzt worden, und in mehreren vollen Jahren genau zusammentreffen, sind aber selbst wieder so geeignet, daß sie die kleinern Zeittheile des Tags und der Woche, die sie vollständig, ohne einigen Ueberschuß, enthalten, zum vollkommenen Maßstab haben.“

Man sehe hierüber das zum Verständniß der Offenbarung Johannis sehr nützliche und schon oben erwähnte Buch, betitelt: Einleitung zu näherer und deutlicher Aufklärung der Offenbarung Jesu Christi oder St. Johannis, nach Chronologie und Geschichte, als Beytrag zum Beweis, daß Bengels apokalyptisches System das wahre sey. Neue Aufl. Karlsruhe, 1808. In Macklots Hofbuchhandlung. 2ter Theil oder Chronologie. Seite 149. u. folg. – M. s. auch: Bengels Cyklus, oder sonderbare Betrachtung des großen Weltjahrs. Aus dem Lateinischen, von Herrn Böhmer, Archidiakonus an der Hauptkirche zu St. Peter in Budißin. Im Jahr 1773.

§. 32.

In Betreff der apokalyptischen Chronologie (oder derjenigen Zeitbestimmung und Zeitfolge, wie sie die Offenbarung Johannis zu ihren Weissagungen angiebt), halten wir es für nothwendig, hier noch etwas beym XX. Kapitel zu verweilen.

Dieses Kapitel bietet nämlich, in Rücksicht der drey Hauptabschnitte, die es enthält (V. 1–3., V. 4–6. u. V. 11–15.), ein ganz besonderes Eingreifen der Zeitangaben unter sich. Beym ersten Durchlesen z. B. der sieben ersten Verse, ist man verleitet, die hier angeführten tausend Jahre für ein einziges und ebendasselbe Jahrtausend anzusehen, d. h. alle die mehrmals angeführten tausend Jahre für synchronistisch oder gleichzeitig zu halten, besonders, da sie mit „und“ unter einander verbunden sind. Allein eine nähere Betrachtung derselben lehrt uns was Verschiedenes: V. 5. u. 6. z. B. lehren ausdrücklich, daß die tausend Jahre der ersten Auferstehung mit dem Antritt der allgemeinen Auferstehung und des allgemeinen Weltgerichts (V. 12–15.) ihre Endschaft erreichen.

Vom Satan heißt es nun auch, V. 2. 3. u. 7., daß seine Gefangenschaft tausend Jahre betragen werde; allein nach Ablauf dieser Zeit erfolgt noch nicht das Gericht über ihn, im Gegentheil, es heißt ausdrücklich, V. 3., daß er nach diesen tausend Jahren eine kleine Zeit (m. s. oben §. 30.) los werden müsse. Und in dieser Zeit erfolgt nun das Vielfältige der Verse 8. 9. 10. Aus diesem wird klar, daß die tausend Jahre der Gefangenschaft Satans, und die der Auferstehung, nicht zu einer und eben der Zeit ablaufen, da sonst dem Satan zu jenen Unternehmungen kein Raum gelassen wäre.

Also ist auch der Anfang dieser beyden tausend Jahre nicht synchronistisch, vielmehr lehrt das „darnach,“ V. 3., daß die tausend Jahre der ersten Auferstehung, nach Ablauf der tausend Jahre der Gefangenschaft Satans anfangen werden, so daß alle jene Unternehmungen Satans, und dann das Gericht über ihn (V. 10.), und überhaupt der Ablauf der kleinen Zeit (V. 3.), in die Periode des zweyten Jahrtausends fallen, und zwar allerdings so, daß der Zwischenraum zwischen dem Ablauf der kleinen Zeit und demjenigen des zweyten Jahrtausends, oder dem Eintritt des Weltgerichts, eintrifft, wie dies aus dem absoluten Werth der kleinen Zeit (m. s. oben §. 30. c. §. 31. b. §. 46. d.) erfolgen muß. Und darauf scheint auch schon Vers 10. zu deuten, da von Satan, von dem Thier und dem falschen Propheten gesagt wird, sie würden gequält werden Tag und Nacht. (M. s. auch Offenb. Joh. XIV, 11.)

Dieser letztere Umstand weiset auf eine der gegenwärtigen Verfassung des Weltgebäudes noch ähnliche Beschaffenheit der Dinge, die nach dem Gericht über Satan noch eine geraume Zeit Statt finden soll, da nach dem Gericht die jetzige sichtbare Welt mit ihren Sonnen nicht mehr existiren wird. (Kap. XX, 11., XXI, 1., XXII, 5., m. s. noch weiter unten §. 44. e.)

Dies stimmt auch mit dem überein, was der Prophet Hesekiel von jener Niederlage Gogs und Magogs sagt (Hes. Kap. 38 u. 39), wo es ausdrücklich heißt, daß nach derselben der Zustand der Dinge, wie er zu jener Zeit im physischen und im bürgerlichen Leben Statt haben wird, noch eine beträchtliche Zeit bleiben werde. (Hes. 39, 9. 11. 12. 16. u. 38, 23. unter einander vergl.) – Im 10ten Vers von Kap. XX der Offenb. Joh. heißt es ferner von Satan u. s. w., sie würden gequält werden „von Ewigkeit zu Ewigkeit.“ Demnach wird die folgende oder neu eintretende Begebenheit (V. 11. u. s. f.), nämlich das letzte Gericht, noch gleichzeitig mit jener Qual, d. h. synchronistisch neben derselben hinlaufen (m. s. Offenb. Joh. XIV, 10.); daher auch diese Weissagung mit dem Vorhergehenden durch „und“ verbunden ist. (M. s. oben §. 21., und dann, in Betreff dieser ersten Periode der Seligkeit auf der neuen Erde, die §§. 42. u. 44. e.)

§. 33.

Diese (im vorigen §. angeführten) drey Zeitabschnitte des XX. Kapitels der Offenbarung Johannis, nebst den übrigen damit zusammenhängenden Anzeigen in diesem, dem vorhergehenden und den folgenden Kapiteln, geben uns sehr bestimmte Winke, nach welchen wir alle übrigen Weissagungen Alten- und Neuen-Testaments, von den letzten Zeiten auf Erden unter dem sichtbaren Reiche Gottes, von einander unterscheiden und dieselben ordnen können.

Denn obgleich z. B. jeder der drey erwähnten Perioden ein Kommen des Herrn vorhergeht, mit Ihn begleitenden Gerichten (§. 34.), so unterscheiden sich doch die drey Zukünfte des Herrn sehr wesentlich von einander durch ihren letzten Zweck, und darum auch durch alle Begebenheiten, die mit jeder besondern Zukunft des Herrn verbunden sind. (§. 34. u. folg., §. 39. u. f., §. 41. c. u. Anm. 26., §. 42. c. d. u. f.)

In der ersten Periode wird die Theokratie des ersten Bundes in ihrer ausgedehntesten Vollkommenheit aufgerichtet (2. Mos. 15, 16. 18., 19, 5. 6., und mit diesen Stellen zusammengehalten 1. Sam. 8, 7., und siehe unten §. 35. u. §. 36.), zum Licht und Segen der Heiden. Der Name des Herrn Zebaoth, als obersten Königs der Erde, wird in allen Landen verehrt, Götzendienst und jedes Gesetz, das nicht von Zion ausgeht, hört auf (§. 36. b.). Dabei wird an dem aus Gott gebornen Zion, dem Volk des Neuen Bundes, die überschwengliche Herrlichkeit dieses Bundes offenbar; es bildet den lebendigen Tempel Gottes, ist ein heiliges Priesterthum, opfert geistliche Opfer, die Gott angenehm sind, durch Jesum Christum (§. 37. u. §. 38.), und bereitet bei Juden und Heiden die Zeit der Erquickung, von dem Angesicht des Herrn; daher wiedergebracht werden soll alles, was Gott geprediget hat, durch den Mund aller seiner heiligen Propheten, von der Welt an. (Apost. Gesch. 3, 20. 21.)

Dies geschieht vorerst in der zweyten Periode. In dieser Beziehung wahrscheinlich waren auch jene Ausdrücke und Forderungen des Gesetzes an Israel, dasselbe zu halten alle ihre Lebetage, ihr Lebenlang (z. B. 5. Mos. 4, 10. 40., 5, 29., 6, 2., 30, 10. 15–20., 31, 11–13.), das heißt, solange sie Juden seyn würden, und jenes neue Leben nicht empfangen haben, wodurch sie zu einem andern Amte eingeweiht werden, dem Herrn zu dienen, im Geiste und in der Wahrheit. (Siehe weiter unten §. 37., 39. d., 40. b.) Diese vierte Zukunft des Herrn ist allerdings die zur ersten Auferstehung der Seinen, Offenb. Joh. XX, 4–6. (Siehe die §§. 39. b., 41. unter b. u. d., und §. 42.) Bei der vorhergehenden fand der Herr bei weitem noch nicht diesen allgemeinen Glauben. (Luc. 18, 8.)

Die fünfte Zukunft des Herrn ist zum allgemeinen Weltgericht, da des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit, teils mit allen heiligen Engeln (Matth. 25, 31. u. f., u. 2. Thess. 1, 7. 8. 9.), teils mit viel tausend Heiligen (Epist. Judä 14. 15.). Vielleicht gehört 2. Thess. 1, 10. hieher, vergl. mit 1. Kor. 6, 3. Die Offenbarung sagt nicht, zu welcher Zeit die gefallenen Engel ihr Verdammungsurtheil erhalten, ob mit Satan, Offenb. Joh. XX, 10., oder am allgemeinen Gericht über die Menschen, Offenb. Joh. XX, 11. f. (Siehe hier noch §. 46. b.)

Jede Periode nun, die durch eine dieser Zukünfte des Herrn eröffnet wird, ist in der heiligen Schrift ein Reich Gottes genannt. Also jene, bei der Predigt des Evangeliums, als derjenigen, welche die Menschen zur Buße einlud, damit das Reich Gottes vorerst in ihnen gegründet würde (§. 39. u. §. 40.), in welcher Jesus allgemein als des Gesetzes Ende anerkannt wird, der alle Sünde wegnehmen, und von den todten Werken, d. h. von allen Werken, die nicht im heiligen Geist geschehen, reinigen kann. In dieser Periode ist der Tod für die Erde verschlungen, wenigstens in Ansehung derer, welche Theil haben an der ersten Auferstehung. Der Bund der Liebe, mit Adam gemacht (Hos. 6, 6. 7.), steht in voller Kraft, denn in dieser Periode wird in vollkommener Erfüllung die Hülle weggethan von allen Heiden, und für das aus Gott geborne Zion alle Thränen abgewischt (Jes. 25, 7. 8.).

Der ewige Bund des Friedens (Hesek. 34, 25., 37, 26. 27., vergl. mit 1. Mos. 9, 9–17.), als das Ende, das hier auf Erden zu erwarten war, fällt in höherer Erfüllung in die dritte Periode, da die neue Erde wieder zu der unsichtbaren und himmlischen Welt gehören, und nun das Reich des Vaters, wie es von Anbeginn der Welt bereitet worden, offenbar werden wird. (Siehe §. 42. d., auch §. 41.)

Dieser nämliche Plan der Weissagung ist unverkennbar auch im Neuen Testament. Matth. 24 z. B. ist von V. 1–51 incl. offenbar von drey Zukünften des Herrn Anzeige gethan, so von zwey Zukünften in Luc. 13, 15–29. 30. In den Augen der göttlichen Weisheit ist Anfang und Ende Gegenwart, Vorsatz ist Ausführung (Hesek. 39, 8., zusammengehalten mit Kap. 38, 8. 17., ferner Ebr. 4, 3.; siehe auch 2. Kön. 19, 25., Jerem. 1, 10., welcher einzige Vers wenigstens den Zeitraum von Offenb. Joh. XI, 17. bis XX, 1–4. in sich schließt); denn den Willen der ewigen Weisheit kann nichts vereiteln.

Nur der endliche Mensch durchlebt Zwischenräume, von denen die folgenden sich seinen Blicken öffnen, so wie er selbst sich, der Zeit nach, ihnen nähert; daher können wir nun in unsern Tagen deutlich, besonders nach Anleitung der Offenbarung Johannis, zwey bevorstehende Perioden unterscheiden, welche der Zernichtung der sichtbaren Schöpfung vorgehen, und unter dem Königreich Gottes auf Erden Statt haben werden; dies war bei der ersten Christenheit nicht leicht der Fall.

Aus diesen Bemerkungen folgt wieder das wesentliche Erforderniß, wie es schon oben §. 23. unter b., u. Anm. 10. f., u. Anm. 18. g. zu §. 33., ist erinnert worden, keine Weissagung als vollkommen erfüllt anzusehen, bevor sie erschöpft ist. Also z. B. Mal. 3, 14. 19. 24. 25.

Texte de la note [18]

[18.] Die heilige Schrift nennt jede Offenbarung des Herrn, oder auch jede allgemeine Veranstaltung des Herrn, sey es durch Gerichte, oder durch die Predigt Seines Evangeliums zur Aufrichtung Seines Reichs, ein Kommen des Herrn. (Man siehe z. B. Ebr. 10, 7., auch Jes. Kap. 61. u. Kap. 62.)

Das eine war Seine Offenbarung und Erscheinung ins Fleisch, die Sünder selig zu machen (1. Tim. 3, 5. 6., 2. Tim. 1, 10., Ev. Joh. 4).

Eines war wieder zur Zerstörung des jüdischen Staats (Luc. 21, 20. 24.). Dadurch ward auch des Menschen Sohn geoffenbaret (Luc. 17, 30.; damit zusammengehalten V. 25. u. d. f.). Die Zeiten dieses Gerichts werden hier ausdrücklich die Tage des Menschensohns genannt. Es sind Tage der Rache und des Zorns über ein halsstarriges unbußfertiges Volk (Luc. 21, 22. 23.), und daher auch dieses Gericht ein Kommen des Herrn heißt (Matth. 16, 28., Marc. 9, 1., Ev. Joh. 21, 22. 23.). Auf diese Zukunft bezieht sich allerdings Matth. 10, 23.

Ein drittes sollte erfolgen, wenn lange vorher große Gährung unter den Menschen, Völkereinpörungen und Kriege würden stattgefunden haben (man denke an diejenigen Bewegungen unter den Völkern im vierten Jahrhundert und den nächstfolgenden; Luc. 21, 9. 10., Matth. 24, 6.). Aber unmittelbar vor dieser dritten Zukunft des Menschensohns (Matth. 24, 27.) werden des Himmels Kräfte beweget werden (Luc. 21, 25. 26., Marc. 13, 25.). Dann folgt das Erscheinen des Zeichens des Menschensohns im Himmel (Matth. 24, 30.). Man wird Ihn selbst sehen, kommend in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit (Matth. 24, 30., Marc. 13, 26., Luc. 21, 27.), zur Erlösung der Auserwählten (Luc. 21, 28.), die Er sammeln wird durch Seine Engel von den vier Winden der Erde (Matth. 24, 31., Marc. 13, 27.). Dies ist dann die Zukunft des Herrn, von welcher die Offenbarung Johannis spricht (Kap. XIX, 11. u. d. f.). Das Heer Verklärter folgt Ihm nach (V. 14.); und in der Hinsicht könnte 1. Thess. 3, 13. die Zukunft des Herrn samt allen Seinen Heiligen auch schon auf diese Zukunft des Herrn zu Seinem Reiche gezogen werden, so wie Zachar. 14, 5., da ja ohnehin die Auserwählten in besonderer Verbindung mit den verklärten Heiligen jetzt schon stehen, und besonders noch in dieselbe kommen sollen (Ebr. 12, 22–24., Marc. 9, 4., Offenb. Joh. XVII, 14., Matth. 24, 22.). Vielleicht ist in dieser Zukunft der Herr, Seiner Person nach, nur den Heiligen sichtbar, wo denn Apost. Gesch. 1, 11. in die eigentliche Erfüllung gehen würde; damit zusammengehalten Luc. 21, 36. Den Andern würde nur das Zeichen des Menschensohns erscheinen oder sichtbar werden (Matth. 24, 30.). Daher spricht wahrscheinlich Paulus von „der Erscheinung der Zukunft Jesu“ (2. Thess. 2, 8.).

Ein viertes Kommen des Herrn erfolgt, wenn Israel bekehret ist, und nun, in reumüthiger Sehnsucht, der Zukunft des Herrn entgegen sieht, wo dann Offenb. Joh. 1, 7. in Erfüllung geht (siehe was über diese Stellen weiter unten §. 39. d. erinnert werden soll), und dem Herrn das: „Gelobet sey, Der da kommt …“ entgegen schallt (Matth. 23, 39.). Auf diese Erscheinung beziehen sich allerdings die Stellen Matth. 24, 34., Marc. 13, 30., Luc. 21, 32., nämlich die Weissagung: „Dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis dies Alles geschehe.“ (Und zwar giebt der in jeder der angezogenen Stellen gleich nachfolgende Vers zu erkennen, daß dies Alles noch vor der Vernichtung dieser Erde erfolgen soll, welche Vernichtung bei einer fünften Erscheinung des Herrn sich zuträgt.) Die Stelle Luc. 17, 25., in einer ausführlicheren Bedeutung genommen, scheint jene eben erwähnte Vermuthung zu bestätigen. Ohnehin erhält ja das bekehrte Israel einen neuen Namen (Jes. 62, 2., 65, 15.), und ist, nach aller Strenge der Bedeutung des Worts, ein anderes Geschlecht, nämlich ein heiliges, aus Gott gebornes Geschlecht (Ps. 87, 5., Jes. 66, 6–10., Jes. 49, 20. 21., Hesek. 16, 61., Röm. 9, 8.).

Diese vierte Zukunft des Herrn ist allerdings die zur ersten Auferstehung der Seinen, Offenb. Joh. XX, 4–6. (siehe die §§. 39. b., 41. unter b. u. d., und §. 42.).

Die fünfte Zukunft des Herrn ist zum allgemeinen Weltgericht, da des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit, teils mit allen heiligen Engeln (Matth. 25, 31. u. f., 2. Thess. 1, 7. 8. 9.), teils mit viel tausend Heiligen (Judä 14, 15.). Vielleicht gehört 2. Thess. 1, 10. hieher, vergl. mit 1. Kor. 6, 3.

§. 34.

Diese seligen Zwecke werden durch besondere Gerichte an den Menschen vorbereitet, davon die zur ersten und dritten Periode ganz vorzüglich furchtbar sind.

Die von der ersten Periode geschehen ausschließlich an den Lebenden, sie zermalmen jenes Monarchienbild in Daniel (Dan. 2, 31–35. und 36–44., 7, 7–27., vergl. mit Offenb. Joh. XI, 15–19., XIX, 6. 11–21.), und bereiten den Übergang zum Reiche der Heiligen vor (Dan. 2, 44., 7, 18. 22. 27., damit vergl. Luc. 12, 32. und Offenb. Joh. XIX, 9.; man sehe auch Ps. 45, 17. 10. 14.). Gerichte also gegen alle Gottlosen, von denen der Herr nicht mehr erwarten kann, daß sie die dargebotene Gnade benutzen und Gerechtigkeit lernen werden (Jes. 26, 10., damit zusammengehalten Jes. 10, 22. 23., 28, 22., Röm. 9, 28.).

Diese Gerichte drängen sich zusammen auf jenen großen und schrecklichen Tag des Herrn, auch der große Tag des Zorns des Lammes genannt (Offenb. Joh. VI, 17., XVI, 14., man sehe auch Joel 1, 15., 2, 1. 2. 10. 11., 3, 3. 4. 20., Zeph. 2, 1. 2., damit vergl. Luc. 21, 25–31.), wo der Herr seinen Grimm über die zu Haufen gebrachten Königreiche ausschütten wird (Zeph. 3, 8., Hagg. 2, 7. 8. 22. 23., Zachar. 12, 9., 14, 3–7. 12–15., man sehe auch Jes. Kap. 34 u. Kap. 63, Jerem. 30, 23., Ps. 2, 5. 9. 12., 110, 5. 6., und Offenb. Joh. XIX, 11–21.).

Dies geschieht namentlich in Palästina (man sehe z. B. Jes. 27, 12., Joel 3, 6. 14–19., und Offenb. Joh. XVI, 14. 16.), von Zion aus erschallt, und allerdings zur Zeit jener Schlacht (Jes. 30, 25., vergl. mit den hier nachfolgenden Begebenheiten), das Brüllen und die Stimmen und der Donner, wovon die Propheten sprechen (Joel 3, 20. 21., Amos 1, 2., vergl. mit Offenb. Joh. XVI, 18.), und geht das Erdbeben aus, bei welchem auch der Himmel wie die Erde, alle Länder und alle Völker beben (Offenb. Joh. XVI, 18. 20., und die schon angeführten Stellen; man vergleiche damit Amos 8, 7. 8. und Jes. Kap. 13.), die Städte der Heiden und die Türme einstürzen werden (Offenb. Joh. XVI, 19., Jes. 30, 25.), und jener Zentner (oder eigentlich Talent-, d. h. über 60 Pfund schwere) Hagel auf die fliehenden Menschen fallen wird (Offenb. Joh. XVI, 21.).

Merkwürdig sind, in Betreff der Tageszeit, in welcher dies entscheidende Gericht ausbrechen soll, folgende zwei Stellen: Amos 8, 9. und Zachar. 14, 7.; man vergleiche damit Matth. 27, 45. und 5. Mos. 16, 6. 1. Nur diejenigen werden gerettet, die den Namen des Herrn anrufen (Joel 3, 5., Jer. 18, 7. 8., Dan. 12, 1.).

Das geistliche Zion verlebt ohnehin diese Zeit sicher in dem neuen Pella (Offenb. Joh. XII, 14., XVIII, 3., man sehe auch Jes. 26, 20., und was oben §. 29. f. von der Wüste gesagt worden), und, wie jenes, werden sonst Viele errettet von denen, die bisher den Herrn nicht kannten: Verwahrlosete, Verführte, Zweifelnde, Ungläubige mancher Art, und die sich nun vor dem Herrn innigst beugen voll Demuth (Zeph. 2, 3.), und sich wahrhaftig und ungeheuchelt zum Herrn bekehren. Daher aber auch Viele von denen, die zwar rufen werden, nicht werden erhört werden (man sehe Spr. Sal. 1, 24–33., Micha 3, 4., Jes. 59, 2., Ebr. 12, 15–17.).

Denn es werden, wie schon oben bemerkt worden, unablassige Gerichte an Verächtern und Gottlosen aller Art ergehen (Jerem. 30, 23. 24. und Jes. 29, 20., Mal. 3, 25., 4, 1–3., damit zusammengehalten Luc. 12, 46., 19, 27., 23, 30., diese Stelle mit Hos. 10, 8. verglichen; ferner siehe Ebr. 10, 29.).

Auch für das Volk des alten Bundes wird dieser Tag vorerst eine Zeit der Angst seyn (Jerem. 30, 7.). Denn auch unter ihnen werden viele stolze Heiligen, oder solche, die an Menschensatzungen hingen, und mit ihrem Herzen vom Herrn gewichen waren, und des heiligen Berges vergaßen, hinweggethan werden (man sehe Zeph. 3, 11. 18., Jerem. 24, 8–10., Jes. 1, 27. 28., 65, 11–15., Amos 9, 10., man sehe auch Jerem. 17, 5. 13.). Die Übrigen sind Bekehrte (Jes. 10, 22.), d. h. Reumüthige, Demüthige (Zeph. 2, 3., Mal. 1, 9., auch Jerem. 17, 3. 17., 3, 9. 18.), die den Herrn fürchten und auf Ihn trauen (Mal. 4, 2., Jes. 30, 18. 19., 64, 4.). Der Herr wird ihnen gnädig seyn (man sehe viele der angeführten Stellen, und Jerem. 31, 20., Amos 9, 8., Zeph. 3, 12.), seinen Zorn und die Strafe von ihnen wenden, und ihrer Missethat nicht mehr gedenken (Hos. 14, 3–5., Zeph. 3, 15., Jerem. 31, 20. 29. 30., Micha 7, 18–20.).

Er wird sie während der Gerichte eines besondern Schutzes genießen lassen (Hesek. 36, 21., Jes. 26, 20., Jerem. 15, 11., Mal. 3, 17. 18.) und sie vielfältig trösten (Jes. 49, 8. 13., 51, 12., 52, 9., Jer. 30, 17.), besonders dadurch, daß Er ihr Gefängniß wenden wird, sie wieder in das Land ihrer Väter führen, und da die zerfallene Hütte Davids wieder aufrichten für alle Zeiten (siehe folgenden §. und diese Stellen: 2. Chron. 6, 36–39., 7, 12–14., Jes. 11, 1. 12., 35, 10., 49, 12., 51, 11., Jerem. 30, 10., 31, 17. 23. 26., 32, 44., 33, 10–14. 26., Dan. 12, 1., Zeph. 3, 20., Hesek. 36, 24., 37, 12. 21. 25., 39, 25. f., Amos 9, 11. 15., vergl. mit Jerem. 24, 6., 31, 38., Apost. Gesch. 15, 16., wo denn Jerem. 32, 27–44. in vollkommene Erfüllung geht; damit zusammengehalten Kap. 30, 7–9.). Das Ende, das die Juden erwarten (Jerem. 29, 11.). Denn bis jetzt waren sie, wie auch in einem ausgedehnteren Sinn das neutestamentliche Zion, immer noch unter fremder Herrschaft (Jes. 26, 13.). Dieses Volk der Erretteten ist das arme geringe Volk (Zeph. 3, 12., vergl. mit V. 19., und Jes. 29, 19., 41, 14., 49, 7., Jerem. 30, 17., 61, 6., Micha 4, 6. 7., Ps. 45, 5.).

Das Gericht zur dritten Periode betrifft noch in größerem Umfange die ganze Erde und ihre Einwohner, doch erstreckt es sich vorzüglich über die Verstorbenen, denn in demselben geschieht die letzte Scheidung zwischen den Kindern des Lichts und den Kindern der Finsterniß. Das wäre denn eigentlich das Gericht am dürren Holze, so wie jenes zur ersten Periode das Gericht am grünen Holze war (Luc. 23, 31.; siehe über dieses Gericht die §§. 42. c. u. 43. unter e.).

In dem Gericht zur zweiten Periode (Offenb. Joh. XX, 4.) geschieht ebenfalls eine Scheidung. Sie scheint aber ausschließlich die verschiedenen Abstufungen der Gerechten zu betreffen. Von diesen gehören die einen zur Braut (Offenb. Joh. XIX, 7., damit vergl. Kap. XXI, 9., u. Ps. 45, 10.), andere zu ihren treuen Gefreundten (Matth. 25, 1–10., vergl. mit Ps. 45, 15.), andere zu den Schläfrigen, die nicht zur Hochzeit zugelassen werden (Matth. 25, 5. 11–13.). Man sehe weiter unten §. 39. a. u. die Anm. 22., ferner §. 40. u. §. 41. d.; man sehe auch die Abstufungen in der dritten Periode, Anm. 27. zu §. 42.

§. 35.

Eine ganz besondere Aufmerksamkeit verdienen jene Stellen der Weissagung, welche die schon im vorigen § berührte Rückkehr der Juden nach Palästina, die Wiedererrichtung der theokratischen Verfassung unter ihnen, und den besondern Segen, den sie hier genießen werden, verkündigen.

a. Die Juden waren wegen der Entheiligung des Namens des Herrn, dessen sie sich schuldig gemacht hatten, und wegen ihres Ungehorsams gegen Jehovah, unter die Völker zerstreuet (Hesek. 36, 21. 22., 21., 24.). In dieser Wüste der Völker blieben sie ihres eigentlichen Gottesdienstes beraubt (Hes. 20, 35–39.), und waren unter mancherlei Zucht (Jerem. 30, 11. 14., 46., 28.), damit sie ihre Schuld erkenneten (Jes. 28, 23–29., Hesek. 21, 23., Hos. 5, 15., 6, 1.). Dann aber wird der Herr aufwachen, wie von einem sanften Schlaf (Jerem. 31, 26.), und wird sich wieder ihrer annehmen, und Israel wieder pflanzen und bauen (Jer. 31, 27. 28.).

Ein Zeichen wird der Herr unter die Heiden geben zu dieser Zeit, unter denen Israel zerstreut war (Jes. 66, 19., vergl. mit 55, 13., Dan. 9, 26. und Luc. 2, 34.), ein Panier unter ihnen aufwerfen (Jes. 11., 12., Röm. 15, 12.), die große Posaune zum Aufbruch des Volks des ersten Bundes wird erschallen (Jes. 27, 13., man sehe auch Zachar. 9, 14.), es wird eine Bahn sein (Jes. 11, 15. 16.), und der Herr wird selbst vor ihnen hergehen (Jes. 52, 12.; man sehe 2. Mos. 13, 21. 22. u. 12, 51.). – Vielleicht ergeht an die Juden vor jenem förmlichen Aufruf eine besondere Vorbereitung zu jenem Aufbruch, wodurch Mal. 4, 5. 6. noch in eine bestimmtere Erfüllung überginge, als es bei jener ersten Zukunft des Herrn geschah (man sehe Matth. 11, 10. 14., 17, 12.). Der 6te Vers in Mal. 4, vergl. mit Micha 7, 6., deutet besonders auf die Notwendigkeit einer solchen Vorbereitung, insonderheit, wenn die Ansicht der Juden richtig ist, nach welcher sie Jes. 3, 5. auf die Zeit besonders auslegen, welche dieser Errettung vorgehen soll. Diese Ansicht stimmt mit Matth. 24, 12. überein, und in mehreren Gegenden halten die Juden dafür, daß diese Weissagung schon unter ihnen in besondere Erfüllung übergeht. Man sehe auch hier Jerem. 9, 4. 5., u. Zach. 8, 16. 17. [19.]

[19.] Bei den heutigen Juden ist die Sage: „Der Sohn Davids kommt nicht eher, bis entweder alle fromm, oder alle schuldhaft sind.“

b. Nun würde eine förmliche Aufforderung zum Zuge nach Palästina erfolgen, wie damals in Haggai 1, 2–14.; man sehe auch Kap. 2, 7. 8. und Zachar. Kap. 4. Auch sehe man Jes. 40, 3., in Bezug von Kap. 52, 12. – Die Wunder, welche diese Erlösung begleiten werden, wie damals in Egypten (Micha 7, 15–17., man sehe auch Hesek. 28, 25.), werden alle Völker, unter denen die Juden zerstreuet waren, willig machen, sich ihnen zu ihrem Rückzuge behülflich zu erweisen (Jes. 49, 22. 23., man sehe auch Jes. 11, 14.). – Ohnehin hatte sich durch die Bekehrung zum Herrn und die erfahrne wundervolle Erhaltung (Hesek. 18, 21–23. 32.) allerdings ein lebendiges Verlangen in den Juden geregt, nach dem heiligen Berge (Jes. 64, 5–12.), um dort den Herrn anzubeten (Jes. 27, 13.) und Ihm zu opfern (wie damals bei dem Auszuge aus Egypten, 2. Mos. 5, 3.). Denn als Folge ihrer aufrichtigen Reue und des wahren Suchens des Herrn (Hos. 6, 1. 2., Joel 2, 13., Ps. 145, 18., im Gegensatz von Jerem. 2, 2–5.), wird eine besondere Bereitwilligkeit sich an ihnen zeigen, des Gesetzes Mosis, das ihnen der Herr befohlen hat, wieder zu gedenken (Mal. 4, 4., man sehe auch 2. Kön. 17, 35–39.). Demnach müssen sie sich nach dem Berge Zion sehnen, als dem Orte, den der Herr erwählet hat, daß Ihm das Volk des alten Bundes seine freiwilligen und andere Opfer daselbst darbringe (5. Mos. 12, 5. 6. 11., man sehe auch Hesek. 20, 40.), und dieses wird dem Herrn angenehm sein (Hes. 20, 41.; man sehe noch die Verse 42–44. und das Danklied der neuerdings wunderbar Erretteten, Jes. 12, welches insonderheit zu Ende dieser Periode nach der Bekehrung des Volks Israels zum andern Bund in vollkommenem Maße erfüllet wird; man sehe auch das vierfache Hallelujah, d. i.: „Laßt uns nun den Herrn loben!“ als Lobgesang beim Beginn dieser ersten Periode, in Offenb. Joh. XIX, 1. 3. 4. 6. und Ps. 146, 10.; man sehe auch Ps. 98 u. 126.).

c. Nun wird auch Jerusalem wieder erbaut (Jerem. 31, 38. 40., Zachar. 2, 12., 12, 6.). Die Zeit ist abgelaufen, während welcher sie von den Heiden sollte zertreten werden (Offenb. Joh. XI, 2., Dan. 9, 26. 27., Luc. 21, 24. und Joel 3, 22.), nämlich so lange, bis der Herr, der große, allgemeine Sieger, den langen Streit der Finsternis gegen das Licht zu Seiner ewigen Verherrlichung enden würde. – Der Tempel wird wieder stehen nach seiner Weise (Jerem. 30, 18., man sehe auch Zachar. 6, 15.), und die Herrlichkeit des Gottes Israels wird wieder in besonderm Glanz darin sichtbar werden (Hesek. 11, 22. 23., Hagg. 2, 8. 11., vergl. mit 5. Mos. 31, 15., 2. Mos. 40, 33–38., 29, 43. 44., 24, 16., 3, 2. 22., 23, 20. 21.), also allerdings auch die Arche des Bundes darin stehen (2. Mos. 25, 17–22., 30, 6.). Diese wird demnach aller Wahrscheinlichkeit nach wieder gefunden werden (man sehe die merkwürdige Stelle 2. Makkab. 2, 4–8., auch Jes. 52, 1.). Der Herr wird sich wieder fragen lassen (Hesek. 36, 37, vergl. mit 2. Mos. 25, 22., 29, 42., 30, 6., 33, 7., 4. Mos. 27, 21., 1. Sam. 28, 6., Jerem. 23, 35.), und der Geist der Weissagung wird sich wieder in Israel finden (man sehe Hagg. 2, 6., vergl. mit Nehem. 9, 20., 4. Mos. 11, 17. 25. 26–29., 5. Mos. 34, 9., 2. Sam. 23, 2. 3., Nehem. 9, 30., Jes. 48, 16., Zachar. 7, 12.). Priester und Leviten stehen wieder vor dem Herrn und verrichten die Opfer (Jerem. 33, 18–22.), während das Volk selbst seine Dankopfer und andere Opfer herbeybringet zum Hause des Herrn (Jerem. 33, 11., Mal. 3, 3. 4.). So ist der levitische Gottesdienst wieder in vollkommener Tätigkeit, ob er gleich vielleicht schon dann einige Abänderungen erfährt (man sehe Jes. 66, 20. 21., vergl. mit 4. Mos. 18, 7.; Zachar. 8, 19., 14, 20. 21.). – Auch erhält die Verfassung im äußerlichen oder im bürgerlichen Wesen wieder ihre ehemalige Gestalt (Jes. 1, 26. 27.), und Gott ist wieder ihr König wie vordem (Jes. 52, 7., damit zusammengehalten 1. Sam. 8, 7.; man sehe hier oben §. 11. unter b. und die Anm. 18. e. zu §. 33.).

d. Und zu diesem Allem fügt der Herr noch einen ganz vorzüglichen, zeitlichen Segen, in Betreff der günstigen Witterung (Hesek. 34, 26–29., Joel 2, 23., Jes. 30, 23. 24.), der Fruchtbarkeit der Felder (Hes. 36, 30.), der Vermehrung ihres Viehs (Jer. 31, 27.), des Gedeihens aller ihrer Arbeit (Zachar. 8, 10.), verbunden mit vollkommener Sicherheit des Eigentums (Jes. 65, 21–23.). Ferner durch die außerordentliche Vermehrung des Volks (Jerem. 30, 19., man sehe auch Hesek. 36, 38., Jerem. 31, 24., Zachar. 2, 4.), wozu ein hohes Alter kommt, zu welchem jetzt der Mensch gelangen wird (Zachar. 8, 5.), wie denn auch die Sterblichkeit, namentlich unter Kindern, aufhören soll (Jes. 65, 20., Zachar. 8, 4.; man sehe hier 2. Mos. 15, 26., 23, 25. 26. und 5. Mos. 28, 15. 27.). Über allen diesen mannigfaltigen paradiesischen Segen sehe man noch Hesek. 36, 10., Jes. 51, 3., Jerem. 31, 12. 13. 28., Joel 2, 19–27., Amos 9, 13., Mal. 3, 10–12., und dann 5. Mos. 28, 12. 13. u. 30, 9., zusammengehalten mit 5. Mos. 29, 14. 15., auch weiter unten §. 41. b. c. d. Und über die selige Stimmung des Volks und der Priester sehe man Hes. 34, 27., 6, 11. 30–32., Jerem. 31, 14. Keine Bosheit mehr ist bei diesem erretteten Volk, noch falsche Rede. Man sehe Zeph. 3, 13., womit vergl. Jerem. 7, 14., Zachar. 8, 16. 17. – So wird schon in einer Bedeutung der heilige Berg die Wohnung der Gerechtigkeit heißen (Jerem. 31, 23.), und so, wie in höherer Bedeutung, als 2. Mos. 19, 6., ist Israel nun „ein priesterliches Königreich“ und „ein heiliges Volk.“

§. 36.

Eine solche Verherrlichung des Herrn an Israel hat die gesegnetste Wirkung auf die Heiden (und auf die heidnisch gewordene Christenheit).

Schon in jenen Gerichten, wo der Herr sich als ein Gott des Gerichts zu erkennen gab (Jes. 30, 18.), oder um sein Zion eiferte (Zach. 8, 2., damit vergl. z. B. Obad. 18, auch Zeph. 2, 1–10.), hatten sie seinen heiligen Arm erkannt (Jes. 52, 8–10.), und hatten erkennen gelernt, daß der Gott Israels der wahre Gott sei (Ps. 86, 9. 10., Hesek. 36, 23. 24., vergl. mit 20., ferner Zeph. 3, 20.). – Diese Bekehrung fand namentlich in Jerusalem statt (Offenb. Joh. XI, 13., Obad. 17.), erstreckte sich aber allerdings auch außerhalb Palästinas unter die übrigen Heiden. Viele von diesen nahmen schon während jener Gerichte ihre Zuflucht zu dem Gott Israels, und wurden gerettet (Joel 3, 5., Jes. 19, 22., man sehe auch Kap. 11, 10.). Ohnehin werden in ihren Staaten große Umwälzungen und Veränderungen vorfallen (Jerem. 30, 11., 46, 28., zusammengehalten mit Jes. 60, 12. f., man sehe auch Hagg. 2, 23.), um so mehr wird es geschehen, daß viele Völker, und vieler Städte Bürger und die Heiden aus allen Sprachen kommen werden, zu suchen den Herrn Zebaoth zu Jerusalem, und zu bitten vor dem Herrn, Zach. 8, 20–23.:

„daß er sie lehre seine Wege, und sie auf seiner Straße wandeln.“ (Micha 4, 1. 2.; man sehe Zachar. 8, 23.) „Denn aus Zion wird das Gesetz ausgehen, und des Herrn Wort aus Jerusalem.“ Micha 4, 2.

So erfüllet sich Offenb. Joh. XV, 4.: „Alle Heiden werden kommen und anbeten vor Dir, denn Deine Urteile sind offenbar geworden.“ Man sehe auch Ps. 86, 10.

Jene heiligen Bewegungen unter den Völkern vermehren sich immer mehr, so wie diese hören werden alles das Gute an zeitlichem und geistlichem Segen, das der Herr an Israel tut (Jer. 33, 9., Hesek. 36, 33–36., vergl. mit V. 30., ferner 37, 28.). Dazu dienen insonderheit auch die Etlichen von den Erretteten, die der Herr senden wird von Zion zu den entfernteren Heiden, unter welche sie seine Herrlichkeit verkündigen sollen (Jes. 66, 19., man sehe auch 57, 19., und damit vergl. 2. Kön. 17, 28.). – Die bekehrten Heiden werden dem Volke Israel als ihre Brüder zugetan (Hes. 36, 12. 15., Micha 4, 6. 7.; man sehe die rührenden Stellen Jes. 19, 23–25. u. 66, 20., damit vergl. Zeph. 3, 10., und wieder sehe man den 21sten Vers von Jes. 66), und an allen Orten unter den Heiden wird der Name des Herrn Zebaoth angerufen, und kein Götzendienst mehr sein (man vergleiche unter einander die Stellen Jes. 19, 18–25., Jes. 2, 18., Zeph. 2, 11., 3, 9., Mal. 1, 11., Ps. 72, 8–11. 19.). Und so geht auch 2. Mos. 15, 18., 19, 5. in höhere Erfüllung über.

So erhält Habak. 2, 14. eine nähere Erfüllung: „Die Erde wird voll werden vom Erkenntnis der Ehre des Herrn, wie Wasser, das das Meer bedeckt.“

Denn es gehen göttliche Gerichte über diejenigen Heiden oder Königreiche, welche nicht dem Herrn Zebaoth dienen wollen (Jes. 60, 12., Zachar. 14, 17. 18. 19.). So wird ein allgemeiner Friede zwischen allen Völkern aufgerichtet werden, und:

„sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen, denn kein Volk wird mehr kriegen lernen.“ Micha 4, 3.

Man sehe hier Zachar. 8, 10., und Obad. 21.

§. 37.

Doch ist jener Segen nur der Anfang zu einem unweit größern, der noch in dieser Periode durch die Offenbarung der Herrlichkeit des Herrn an dem Volk des neuen Bundes für Juden und Heiden erwachsen soll.

Jenes Volk des neu-testamentlichen Zions wird schmecken die Freundlichkeit des Herrn (1. Petri 2, 3.); es wird an ihnen kund werden, daß sie die lebendigen Steine sind, aus denen das geistliche Haus soll zubereitet werden (1. Petri 2, 5.), daß sie gekommen sind zu dem neuen lebendigen Weg ins Heilige (Ebr. 10, 20., 9, 11. 12., Jes. 45, 17.), da sie in der unmittelbarsten Verbindung stehen werden mit dem Zion, das oben ist, mit der Stadt des lebendigen Gottes, mit dem himmlischen Jerusalem, und mit Gott dem Richter über Alle (Ebr. 12, 22–24., 1. Joh. 1, 3.; man sehe oben § 24. unter d). Es wird sich an ihnen erweisen, daß sie Bürger sind mit den Heiligen, und Gottes Hausgenossen (Eph. 2, 19., man sehe auch Offenb. Joh. XIX, 14.), daß sie einen Hohenpriester haben über das Haus Gottes und die zukünftigen Güter (Ebr. 10, 21., 9, 11.), daß sie gekommen sind zu dem eigentlichen Blute der Besprengung (Ebr. 12, 24.); mit einem Worte, daß sie zu jenem Mittler gekommen sind, Der das Gewissen reinigen kann von den toten Werken, zu dienen dem lebendigen Gott (Ebr. 9, 14. u. 6, 1.), denn in ihnen offenbart sich des Herrn Herrlichkeit, ihr Wandel bewährt sich als von solchen, in denen die Liebe Gottes ist (Ev. Joh. 17, 23.). Und aus der Liebe der Jünger unter sich (Ev. Joh. 13, 35.), und aus ihrer innigen Gemeinschaft mit dem Vater und ihrem göttlichen Erlöser (1. Joh. 1, 3. 7., u. Offenb. Joh. III, 9.), wird die Welt abnehmen müssen, daß der Vater Jesum gesandt hat (Ev. Joh. 17, 20. 21. u. d. f. bis 25. u. 26.).

„So erweisen sie sich als das auserwählte Geschlecht, das königliche Priestertum (§ 39. f), das heilige Volk, das Volk des Eigentums, das da verkündigen soll die Tugenden Des, Der sie berufen hat von der Finsternis zu Seinem wunderbaren Licht.“ (1. Petri 2, 9., auch 10.)

Solche Erweisungen der Herrlichkeit des Gnadenstandes (1. Petri 2, 10.), und der überschwenglichen Klarheit des Amtes, das den Geist gibt (2. Kor. 3, 6–11., man sehe oben § 16. a. b.), wird eine Fülle der Herrlichkeit sein, an welcher diejenigen unter den Treuen des ersten Bundes, die traurig waren über das verlassene und unfruchtbare Jerusalem, saugen und sich ergötzen werden. Man lese Jes. 57, 18. 19., 66, 11–13., im Zusammenhang mit V. 6–10., wo ausdrücklich von dem aus Gott gebornen Zion geredet wird (man sehe noch Jes. 49, 14–20. u. 21., auch 1. Joh. 5, 1. und Hes. 16, 63.):

„Und wenn sie (das Israel vom ersten Bund, auf diese Art) sehen (und erkennen) werden ihre Kinder, die Werke Meiner Hände, werden sie Meinen Namen heiligen, und werden den Heiligen in Jakob heiligen, und den Gott Israels fürchten, und nie wieder zu Schanden werden.“ (Jes. 29, 22. 23., man sehe auch Jes. 8, 18.; Röm. 9, 3–8., Gal. 6, 16, Eph. 2, 12.)

Der Herr gibt ihnen Hirten und Lehrer nach Seinem Herzen (Jes. 41, 27., Jerem. 3, 15.), Lehrer zur Gerechtigkeit (Joel 3, 23., man sehe auch Hos. 6, 5. und die rührende Stelle, Jes. 40, 2. 3.). – Mit ungemeiner Begierde werden sie sich belehren lassen (Jes. 29, 18. 24., Hos. 6, 3.), und werden stark der Zeit sich nahen, wo sie wieder in den zahmen und lebendigen Ölbaum werden eingepfropft werden (Röm. 11, 23–26., auch 17. u. d. f.), denn sie werden sich zu Christo bekehren, und in Ihm höret die Decke auf, die bis dahin unaufgedeckt über dem Alten Testament hing, wenn sie es lasen, und vor ihrem Herzen, wenn Moses gelesen war (2. Kor. 3, 14–16.). Denn nun wird auch über sie der Geist der Gnade ausgegossen (Joel 3, 1. 2., Hes. 39, 29.; man sehe auch Jes. 57, 16., Ps. 146, 8., Zachar. 4, 6., und insonderheit Gal. 3, 14.; man sehe auch folgendes § 38., in Betreff des Segens, der vorher unter den Heiden seine Fülle erhalten soll). Nun werden sie den Namen des Herrn kennen lernen, denn „Er wird Selbst reden.“ (Jes. 52, 6.) „Alle Deine Kinder, gelehrt vom Herrn.“ (Jes. 54, 13., Ev. Joh. 6, 45., Jes. 40, 5; Jerem. 31, 34.) „Man wird es mit Augen sehen, wenn der Herr Zion bekehret.“ (Jes. 52, 8.)

Nun erkennen sie, daß „der Herr Lust hat an der Liebe, und nicht am Opfer, am Erkenntnis Gottes, und nicht am Brandopfer.“ (Hos. 6, 6.). Es nahet sich jetzt die Zeit immer stärker, von der Jeremias sagt: „Es soll geschehen, wenn ihr gewachsen, und eurer viel geworden ist im Lande, so soll man, spricht der Herr, zu der selbigen Zeit nicht mehr sagen von der Bundeslade des Herrn, auch derselben nicht mehr gedenken, noch davon predigen, noch sie besuchen, noch da selbst mehr opfern.“ (Jerem. 3, 16.) – Denn Israel hat nun Christum als des Gesetzes Ende gläubig kennen gelernt (Röm. 10, 4.). Sie wissen nun, daß der Herr Zebaoth Ihn gesandt hat (Zachar. 2, 9. 11., 4, 9., Ev. Joh. 17, 25., vergl. mit 5. Mos. 18, 15. 17. 18.). Er ist ihnen nun auch der köstliche Eckstein geworden, Den sie vorher verworfen hatten (1. Petri 2, 4., Röm. 9, 33., Matth. 21, 42., Jes. 8, 13–18., 28, 16., Luc. 2, 34., Ps. 118, 22. 23.), denn sie kennen jetzt den Herrn, als den Messias, als ihren Heiland, als den Heiligen, der Israel geschaffen hat, als den wahren, einigen Gott, als den Ersten und den Letzten (Jes. 43, 10–15.; man sehe auch Jes. 44, 6. 8., Hos. 13, 4. 9., Ps. 18, 32.). Er ist ihre Gerechtigkeit, weil Er ihre Sünde trägt (Jes. 53, 11., Jerem. 33, 16.), und sie reiniget von aller ihrer Unreinigkeit (Jes. 44, 22., Jerem. 31, 34., 33, 8., Hesek. 36, 25. 29., 37, 23.), aus lauter Gnade, um Seinetwillen (Jes. 43, 25, damit vergl. Hes. 36, 22. 23. 32.). Er ist ihre Stärke (Jes. 33, 24.), ihr ewiger Priester (Ps. 110, 4.), der Hirt und Bischof ihrer Seelen (1. Petri 2, 25., Ev. Joh. 10, 11. 12.).

Sie kennen das Amt, das besser ist, denn jenes, das nur Vorbild von diesem war (Ebr. 8, 7, 9, 8. 9. 11., 10, 3. 4.), das neue, wodurch jenes erstere alt wird, und seinem Ende nahe kommt (Ebr. 8, 13.): es ist das Amt der Sündenvergebung, oder der ewigen Erlösung (Jes. 45, 17.), und das das Herz reinigt von den toten Werken (Ebr. 8, 12., 9, 12. 14., 10, 14. 18., vergl. mit Hesek. 16, 61–63), ein Amt, dadurch die Heiligen zugerichtet werden, und der Leib Christi erbaut wird (Eph. 4, 12.). Nun wissen sie, was Glaube ist (Hab. 2, 4., Jer. 5, 3., man sehe § 39. 40., Röm. 9, 31–33, auch Jes. 11, 5., Ebr. 11, 1. 6. 16.), und daß das Evangelium selig macht, die daran glauben, „die Juden vornehmlich, und auch die Griechen“ (d. h. die Heiden) (Röm. 9, 17., Gal. 3, 11. u. 22., u. s.; 5. Mos. 33, 29.).

Und nun, als Knechte des Herrn, werden sie mit einem neuen Namen genannt werden, „welchen des Herrn Mund nennen wird“ (Jes. 62, 2., 65, 15.). Und „sie erhalten das neue Herz, den neuen Geist, daß sie nun in den Geboten und Rechten des Herrn wandeln, und dienen dem lebendigen Gott.“ (Jer. 24, 7., 31, 31–33., Hesek. 11, 19., 36, 26. 27., Ebr. 10, 16., 9, 14.)

So ist denn der neue Bund mit ihnen aufgerichtet, der Bund der Erlösung von den Übertretungen, die unter dem ersten Testament waren, und der Weg zum ewigen Leben ist auch ihnen geoffnet (man sehe Jer. 31, 32–34., Röm. 11, 27., ferner Ebr. 9, 15., Jes. 59, 20., mit 1. 2. vergl., Ebr. 8, 12.). Sie gehören jetzt in aller Hinsicht zum Volk Gottes, denn „sie sind (in ganz vorzüglichem Sinne) Kinder des lebendigen Gottes“ (Hos. 1, 10, man sehe oben von der Geburt aus Gott, und die Anm. 18. unter c. zu § 33.), und Gott ist ihr Gott „in Wahrheit und Gerechtigkeit“ (Hes. 11, 20., 36, 28., 37, 23. 24., Zachar. 8, 8.). Man sehe hier 5. Mos. 26, 18. 19., 27, 9.

[20.] Zwischen der Geburt hier aus Gott (Jes. 66, 6–10.), welcher das neu-testamentliche Zion seine Existenz verdankt (man sehe auch 1. Joh. 3, 9.), und der Geburt des göttlichen Knaben, vom Weibe mit der Sonne bekleidet (Offenb. Joh. XII, 1–5), ist der Unterschied leicht zu erkennen. Dieser göttliche Knabe, den das neu-testamentliche Zion gebieret, ist Der, Der alle Heiden regieren soll. Er hat das Reich nicht nur angenommen, sondern wird es auch unfehlbar und in einer Kürze einnehmen. (Offenb. Joh. XI, 17., XIX, 6.) Man sehe übrigens §. 18. e.

§. 38. Doch fängt allerdings diese Zeit der Besserung der Juden (Ebr. 9, 6–10), durch die Wirkung des Geistes des neu-testamentlichen Bundes (Gal. 3, 14.), schon früher an Einzelnen an, und wahrscheinlich schon beym Anbruch dieser ersten Periode des Königreichs Gottes. Hierauf beziehen sich wohl die Stellen: Jes. 32, 14. 15., vergl. mit Amos 9, 14., auch die rührende Aufmunterung, der Stimme der göttlichen Wahrheit Gehör zu geben, und, ihr zu Liebe, alle alten Verhältnisse außer Acht zu lassen. Ps. 45, 11. 12., man sehe die Verse 10 und 14.

Insonderheit aber ist ohne Zweifel dies der Fall mit den Heiden. Ohnehin soll die Fülle der Heiden eingehen, ehe (ganz) Israel selig werde. (Röm. 11, 25. 26.) Unter ihnen wird nun das Evangelium vom Reich in der Kraft des Geistes gepredigt werden, wie jene erste Predigt geschah, zur Zeit der sichtbaren Gegenwart Jesu auf Erden (Matth. 10, 1. 5. 6. 7., zusammengehalten mit Marc. 6, 12. 13. u. 16, 17. 18., und Luc. 10, 1. 17–19.), da den Jüngern, welche zu diesem Amte erkohren, und dazu vom Herrn mit vorzüglichen Gaben des Geistes ausgerüstet wurden, besonders anbefohlen ward, die Städte und Orte zu besuchen, darin Jesus kommen wollte (Luc. 10, 1.); – oder sie geschieht, wie jene zweite Predigt des Evangeliums, nach der Ausgießung des heiligen Geistes (Apost. Gesch. 1, 8.), und vor dem Kommen des Menschensohns zum Gericht über Jerusalem. (Matth. 10, 23.) Sie erstreckte sich sodann auch außerhalb Palästinas. (Marc. 16, 20., vergl. mit V. 15. und Matth. 28, 19.) Die Stelle von Marc. 13, 10. scheint auf die Verkündigung des Evangeliums zu gehen, die wirklich in unsern Zeiten durch die evangelischen Missionsanstalten in Europa, insonderheit die von London, stattfindet.

b. Zu jener Predigt des Evangeliums werden allerdings die neuen Apostel durch die neue Ausgießung des heiligen Geistes eingeweiht werden, wo dann Joel 3, 1. f. in ganz besondere Erfüllung übergehen wird. (Man sehe oben §. 18. unter c. u. §. 24. a.) Der Geist der Weissagung (1. Kor. 14, 1. 3. 5. u. s. f., damit vergl. Offenb. Joh. XIX, 10. u. Ephes. 1, 13. 14.) zog sich zurück nach der apostolischen Periode (man sehe oben §. 25. b.), der Geist des Widerchrist trat an die Stelle; denn eben jener Geist der Salbung in der ersten Zeit der Christenheit hielt diesen noch zurück. Dies bedeutet wahrscheinlich die Stelle 2. Thess. 2, 7.: „Einer ist, der es aufhält.“

Aber dem Widerchrist (und seinem Wesen) macht der Herr nun wieder ein Ende mit dem Geist Seines Mundes (Offenb. Joh. XIX, 21. 15., XVII, 11.), und durch die Erscheinung Seiner Zukunft. Dieser Geist des göttlichen Zeugnisses wird also wieder in der Christenheit offenbar werden; eine neue Ausgießung des heiligen Geistes, und so die neue Predigt des Reichs in der Kraft des heiligen Geistes. Apost. Gesch. 1, 8., Matth. 10, 20.

c. Diese Predigt geschieht mit ausnehmendem Segen, in allerley Sprachen; die Heiden lernen den Herrn erkennen, und werden in Zion geboren; man wird sagen zu Zion: „Daß allerley Leute darin geboren werden, und daß Er, der Höchste, sie baue.“ Ps. 87, 3–6., damit vergleiche man Röm. 15, 16. und Ps. 84, 8. – Das ist allerdings die Ernte, die Juda noch vor sich hat, wenn sein Gefängnis gewendet ist. Hos. 6, 11. Denn dieser neue Same ist für lauter Samen Davids, des Knechts des Herrn, gerechnet, und für Leviten, die dem Herrn dienen. Jer. 33, 22. Man sehe über diesen ungemeinen Segen noch die Stellen: Ps. 110, 3., Jer. 3, 19. (vergl. mit 1. Joh. 2, 23., Ev. Joh. 5, 23., Phil. 2, 9. 10., Jes. 45, 23.), Jes. 60, 22.

So erfüllet sich in schon weit höherem Grade: „Von Mir wird ein Gesetz ausgehen, und Mein Recht will Ich zum Licht der Völker gar bald stellen.“ Jes. 51, 4. Und diese Verheißung: „Es ist ein Geringes, daß Du Mein Knecht bist, die Stämme Jakobs aufzurichten, und das Verwahrlosete in Israel wiederzubringen, sondern Ich habe Dich auch zum Licht der Heiden gemacht, daß Du seyst Mein Heil bis an der Welt Ende.“ Jes. 49, 6. – Darum: „Wendet euch zu Mir, so werdet ihr selig aller Welt Ende.“ Jes. 45, 22. 23.

§. 39.

Unter solchen Vorbereitungen haben sich die glücklichen Menschen dieser Zeit, der zweyten Periode des Königreichs Gottes, oder einer neuen Zukunft des Herrn, genähert, da Er erscheinen wird denen, die auf Ihn warten zur Seligkeit (Ebr. 9, 28.), nachdem sie Ihn vorher mußten kennen lernen, in Seiner allerersten Erscheinung (da Er gekommen war im Fleisch, durch Sein eigenes Opfer die Sünde aufzuheben, Ebr. 9, 26., 1. Tim. 1, 15., 2. Tim. 1, 10., m. s. die Anm. 18. zu §. 33.), damit sie sich bekehreten, ihre Sünden vertilget würden, und so die nähere Zeit der Erquickung herbeygebracht werden vom Angesicht des Herrn. (Apost. Gesch. 3, 19. 20.)

Es besucht nun der Herr auf eine sichtbare Weise den heiligen Tempel, den Er Selbst gebauet hat, aus Seinen Auserwählten. Zachar. 6, 12., vergl. mit 1. Petri 2, 5., Eph. 2, 21. 22., Ebr. 3, 6., Jes. 66, 1. 2. und 57, 15. [21.] – Bey der ersten Erscheinung, im Anbruch der ersten Periode, erschien der Herr den Heiligen, den Berufenen und Auserwählten und Gläubigen, um das Abendmahl mit ihnen zu halten. M. s. Offenb. Joh. XIX, 9., XVII, 14., damit vergl. Matth. 26, 29. – In dieser erscheint Er vielleicht zu jener, schon Offenb. Joh. XIX, 7. verkündigten, Hochzeit des Lammes, d. h. zu der ganz vorzüglichen, uns noch unbekannten, Offenbarung Seiner Herrlichkeit und Seines wesentlichen Seyns in den Seinen, wozu nun Sein Weib sich bereitet hat (ebendas und Eph. 5, 25–32.), und mit dieser Offenbarung des Herrn beginnt nun die eigentliche oder sichtbare Christokratie, das Reich Gottes durch Christum, dem wesentlichen Wort (Ev. Joh. 1, 1. 2.), das nun von den Seinen aufgenommen wird (m. s. Ev. Joh. 1, 11.), aber schon in der ersten Periode mittelbar durch die Seinen herrschte. (Offenb. Joh. XIX, 13., XVII, 14.) [22.]

b. Nun aber kann Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht ererben (1. Kor. 15, 50.), daher jene Verwandlung der Gerechten (Luc. 14, 14.), oder aller derer, die Christo angehören. (1. Kor. 15, 51–53., vergl. mit 22. u. 23., und Röm. 8, 28. 29.) Für diese ist der Tod verschlungen durch den Sieg, zu welchem Jesus Christus ihnen geholfen hat. (1. Kor. 15, 54–57.) Sie haben den geistlichen Leib (V. 44.), der herrlicher ist, als der, den Adam selbst vor dem Fall hatte; denn Adam war nur Herr der Erde (1. Mos. 1, 26.), sein Leib war Staub von der Erde (1. Mos. 2, 7. im Hebräischen, m. s. auch 3, 19. 23.) und irdisch. [23.] „Dieser andere Mensch aber, ist der Herr vom Himmel!“ (1. Kor. 15, 45–47. u. Ebr. 2, 5.) – Denn durch diese Zukunft Jesu werden wahrscheinlich der Himmel und die Erde in ganz besondere Verbindung mit einander gesetzt, da wohl diese Erscheinung in die Zeit einfallen möchte, wo der Herr den Himmel in vollkommenem Sinne eingenommen haben wird (Apost. Gesch. 3, 21.), daher auch jene Begleitung des Herrn von allen Seinen Heiligen. (1. Thess. 3, 13.)

Dieses geschieht nun an einem der Tage der letzten Posaune. (1. Kor. 15, 52., 1. Thess. 4, 16. 17., vergl. mit Offenb. Joh. X, 7.) [24.]

c. Stellen des Neuen Testaments über diese Zukunft Jesu sind wahrscheinlich folgende: Phil. 3, 20. 21., Kol. 3, 3., 1. Thess. 3, 13., 4, 15–17., 1. Tim. 6, 14–16., 2. Tim. 4, 8., 1. Petri 1, 5–7. 13., 14, 13., 5, 1. 4., Ebr. 10, 37., vergl. mit 9, 28. Im Alten Testament, unter andern Ps. 24, 1–10., und die vielen, die von dem Kommen des Herrn nach Zion sprechen, um dort zu wohnen. (M. s. oben die Anm. 18. unter e. zu §. 33.)

d. Und mit welcher reumüthigen Sehnsucht das neubekehrte Zion der Zukunft des Herrn entgegensehen wird, lehrt die Offenbarung Johannis, im I. Kapitel, V. 7.: „Sie werden Ihn erkennen, Den jene gestochen haben, und (Ihm entgegen weinen) laut Ihn betrauern.“ („κόψονται ἐπ’ αὐτόν.“ In eben dem Sinne kommen diese Worte vor: Offenb. Joh. XVIII, 9.; dagegen, wo im Evangelium vom Heulen der Verdammten die Rede ist, κλαυθμὸς steht, z. B. Matth. 24, 51., 25, 30.) „Sie werden Ihn klagen, wie man klagt ein einiges Kind, und werden sich um Ihn betrüben . . .“ Zachar. 12, 10. Den Liebenswürdigsten hatten sie und ihre Väter bis jetzt so schnöder Weise verkannt, so freventlich verworfen. Ach, wie wird nun ihr ganzes Wesen mit der innigsten Wehmuth Ihm weinend entgegen rufen: „Gelobet sey, Der da kommt, im Namen des Herrn!“ Ps. 118, 26., m. s. Matth. 23, 39. – Und wie huldvoll, wie freundlich wird der göttliche Joseph Sich ihnen als ihren Bruder (m. s. Matth. 28, 10., Röm. 8, 29) zu erkennen geben, durch Den sie nun ewig leben sollen (wie dort im Vorbild geschah; 1. Mos. 45, 4. 5., 50, 19–21.). Sein ganzes Wesen ist ja nun ihr Wesen, sie sind nun auch durch Ihn göttlicher Natur geworden, 2. Petri 1, 4. Ihr Wesen ist verwandelt in dasselbe göttliche Wesen des Erstgebornen; Jesus allein lebet in ihnen (m. s. Gal. 2, 20.). „Er wird Sich (daher) über sie freuen, und ihnen freundlich seyn und vergeben, und wird über sie mit Schalle fröhlich seyn.“ Zeph. 3, 16. 17.; m. s. noch einmal Jes. 40, 11.

e. Nun wohnt der Herr mit all der Herrlichkeit, die auf einer noch unverklärten Erde offenbar werden kann, unter ihnen. „Ich komme und will bey Dir wohnen, spricht der Herr.“ Zachar. 2, 10. Alle ähnlichen Stellen, die schon in ersterer Periode eine Erfüllung erhielten, erhalten in dieser eine unendlich vollkommnere Erfüllung, bis sie auf der neuen Erde die vollkommenste erhalten werden, die uns geoffenbaret ist (Offenb. Joh. XXI, 3.). In jenem vorbildlichen Tempel in Kanaan hatte diese Verheißung wahrscheinlich die erste Erfüllung erhalten (1. Kön. 6, 13.), oder vielmehr schon in jener Hütte des Stifts. 2. Mos. 29, 42–45. u. 46. (M. s. oben Anm. 21.) Außer den schon angeführten Stellen, gehören noch folgende herrliche Stellen hieher, über dieses Wohnen des Heiligen bey den Seinen in Zion: Jes. 40, 9., 52, 7., Jerem. 3, 17., Hesek. 11, 20., 34, 30., 36, 28., Zachar. 8, 3., Ps. 132, 13. 14., 145, 10., auch s. m. Jes. 30, 20.

f. Die mit Ihm verbundenen Seligen, die also, welche der ersten Auferstehung theilhaftig wurden, sind nun Priester Gottes und Christi (und werden mit ihm regieren tausend Jahr), Offenb. Joh. XX, 6. Sie nehmen also auf irgend eine Art Antheil an Seinem hohenpriesterlichen Amte (m. s. oben §. 23. die Anm. 10. c. u. §. 28. f.) zur Seligkeit, allerdings von ihren noch zurückgebliebenen Brüdern (m. s. z. B. Luc. 22, 32.). Auch ihre Werke alle geschehen nun im heiligen Geist (Ev. Joh. 3, 21., Ebr. 9, 14.); auf dieses Erforderniß im begnadigten Menschen, hatte ihr göttlicher Lehrer sie schon in Seiner Niedrigkeit an Seinem eigenen Beyspiele angewiesen. (Man halte zusammen z. B. Luc. 4, 1. 14. 18., Matth. 4, 1., Marc. 1, 12., 6, 41., 8, 6. 7., Matth. 26, 26. 27. u. Ebr. 9, 14, m. s. auch Marc. 1, 8., Apost. Gesch. 7, 55., 13, 9., 2. Kor. 13, 4., und überhaupt die Stellen über die Mittheilung des heiligen Geistes und Seine unmittelbare Einwirkung in uns, in den §. 13. b. c., §. 16.) – Das ist nun der heilige priesterliche Schmuck, in welchem Sein Volk Ihm opfern wird. Ps. 110, 3. (damit zusammengehalten Mal. 3, 3.), ferner Jes. 61, 10. (vergl. mit Offenb. Joh. XIX, 8. und Ps. 45, 14.) Nach diesem allein strebt ihr ganzes Wesen, denn sie erkennen im vollkommensten Licht, und mit vollkommenster Ueberzeugung, die Wahrheit, daß der Mensch durchaus nur in dem Maße etwas Gutes an sich und in sich hat, als der heilige Geist dasselbe in ihm wirkt und hervorbringt. (Ev. Joh. 3, 27., 21., Matth. 19, 17.)

§. 40.

Der Anbruch dieser unaussprechlich herrlichen Zeit, oder der zweyten Periode des Königreichs Gottes, fängt da an, wo Satan aus seinem Gefängniß losgelassen wird (Offenb. Joh. XX, 3. mit 7. vergl.), d. h. nach Ablauf jener kleinen Zeit (V. 3., m. s. oben §. 30. über die apokalyptischen Zeiten). Wo denn die Heiligen und Auserwählten noch jener Begebenheit von Offenb. Joh. XX, 9. entgegenzusehen haben. (M. s. auch V. 8.)

Allein der Herr ist ihre feurige Mauer, und ihre Wehre, ihr festes Lager (Zachar. 2, 5., 9, 8.), und wird auch jetzt für sie streiten. (Offenb. Joh. XX, 9. 10., vergl. mit 2. Mos. 14, 14.) – Über diese Niederlage Gogs, als obersten Fürsten im Lande Magog nach Hesek. 38, 2., sehe man Hesek. 38, 2–23., und die nachdrückliche Wiederholung dieser merkwürdigen Begebenheit in Kap. 39, 1–29. Sie lehrt deutlich, daß in der ersten Zeit der zweyten Periode noch Heiden seyn werden, die beharrlich in ihrer Unwissenheit und Unbußfertigkeit werden geblieben seyn. (M. vergl. Hes. 37, 28. mit Jes. 26, 10.) Daher läßt der Herr zu, daß Satan einen Theil derselben zu jener freventlichen Zusammenrottung verführt (Offenb. Joh. XX, 9.), damit durch das Gericht über Gog die Uebrigen dem Herrn die Ehre geben möchten (Hes. 38, 16. 23.); darum auch dieses Urtheil sich bis ausserhalb Palästina erstrecken wird. (Hes. 39, 6. 7.) – Nun geht erst Jes. 25, 7. in die vollkommenste Erfüllung über, auch Jer. 3, 17.

Merkwürdig ist es, daß jenes Gericht über die Heiden auch auf Manche unter dem Volke Israel von besonders gesegnetem Erfolge seyn wird. Dies ergiebt sich aus Hesek. 39, 17. u. 22. Man erwäge hier 5. Mos. 11, 21., und sehe die Anm. 18. unter c. zu §. 33. Solche werden nun, durch jene Warnung, eines höhern Grades der Geistesmittheilung fähig gemacht (Hes. 39, 29.), und werden so, für alle künftige Zeiten, vor jener verderblichen Lauheit und Kälte gesichert (ebendas).

Und jetzt huldiget denn, in vollkommenem Sinne des Wortes, der ganze Erdkreis, ohne irgend eine Ausnahme, dem göttlichen Mittler (m. s. Offenb. Joh. XXI, 24.); die reine oder evangelische Messianische Religion ist nun auf der ganzen Erde verbreitet und herrschend, und die Stellen: Ps. 2, 8., 22, 28–32., Jes. 49, 6., gehen in die vollkommenste Erfüllung über.

So erweiset sich dann für die folgende und übrige Zeit der zweyten Periode das prophetische Wort in vollem Maß: „Der Herr ist König und herrlich geschmückt, der Herr ist geschmückt und hat ein Reich angefangen, so weit die Welt ist, und zugerichtet, daß es bleiben soll.“ Ps. 93, 1–5. – „Dein Wort ist eine rechte Lehre, Heiligkeit ist die Zierde Deines Hauses ewiglich.“ (M. s. auch Ps. 72, und 4. Mos. 14, 21.) Die Verheißung, die der Herr Selbst uns beten lehrte: „Dein Reich komme, Dein Wille geschehe wie im Himmel, also auch auf Erden,“ ist nun vollkommen erfüllt. – Dies dann „der ewige Bund der gewissen Gnaden Davids“ (Jes. 55, 3.), der ewige Bund des Friedens, der hier aufgerichtet werden sollte (Hes. 34, 25., 37, 26. 27., vergl. mit 1. Mos. 9, 9–17.), und das ist dann das Ende, das hier auf dieser physischen oder sichtbaren Erde zu erwarten war. (Jerem. 29, 11.)

§. 41.

Nun ist auch die Erde reif zu ihrer Verklärung. Sie war ursprünglich, und beym Anbeginn der Welt, himmlischer Natur (1. Mos. 1, 1.), und dies soll sie allerdings wieder werden. (M. s. den folg. § 42.) Erst später, und nach jenem Anfang, war die Erde wüste und leer (1. Mos. 1, 2. im Hebräischen, m. s. oben die Anm. 17. zu §. 31.), wahrscheinlich bey jener, 2. Petri 2, 4., angezeigten Veranlassung, und nun erst, da der Herr sie wieder bewohnbar machte, wurde der sichtbare oder Sternenhimmel erschaffen (1. Mos. 1, 14–19).

Der Mensch, ein Bild, das Gott gleich war (1. Mos. 1, 26.), wurde in den Garten Edens gesezt (1. Mos. 2, 15., auch die Anm. 23. zu §. 39.), und sollte allerdings durch seine allmählige Vermehrung, durch die Bewohnung und Beherrschung der Erde (1. Mos. 1, 26–28.), die Stelle einnehmen, die Satan und die gefallenen Engel, vor ihrer Empörung gegen Gott, inne hatten.

Aber nach dem gänzlichen Fall des Menschen (1. Mos. 3, 1–6. u. d. f.), als Folge jenes ersten, wo das Herz des ersten Menschen sich von seinem Schöpfer und von der reinen, allgenügenden Liebe zu Gott abkehrte (man würdige gehörig die drey Verse: 1. Mos. 2, 18. 19. 20. [25.]), war auch kein Paradies mehr für ihn auf Erden (1. Mos. 3, 23. 24., und dann 1. Mos. 2, 8. 9., vergl. mit Offenb. Joh. II, 7.), und statt des ewigen Lebens, dessen er in demselben theilhaftig werden sollte (1. Mos. 3, 22.), war der Tod an die Stelle getreten (1. Mos. 2, 17.), der erste Tod. (Man vergl. unter sich Offenb. Joh. XXI, 4. u. 8.)

Nun hört aber der Tod (die Sünde mit ihren unglücklichen Folgen) in dem sichtbaren Reich Gottes auf, insonderheit ist das allgemein der Fall gegen Ende der zweyten Periode desselben (m. s. die schöne Stelle: Jes. 25, 7. 8., und den vorigen §); und somit läßt es sich denken, daß die Erde auch in dieser Periode, insonderheit nach jener letzten strafenden und warnenden Verherrlichung des Herrn unter den Menschen (Hesek. 38 u. 39), die paradiesische Gestalt, die sie im Garten Eden hatte, erhalten werde, und zwar, wenn auch allmählig, auf ihrem ganzen Umfange.

Der Anfang dazu erfolgt wahrscheinlich im gelobten Lande, als dem eigentlichen Aufenthalte derer, die zur ersten Auferstehung gelangt sind, und deren sterbliche Leiber nun dem verklärten Leibe Christi ähnlich geworden. Die Offenbarung lehrt uns jedoch nichts Bestimmtes über die Verklärung der Erde zur Zeit der zweyten Periode des Königreichs Gottes, ob sie uns gleich sehr vieles von dem ersten Grad der Verklärung des Physischen sagt, für die Zeit der ersten Periode: „Des Mondes Schein wird seyn, wie der Sonne Schein, und der Sonne Schein wird siebenmal heller seyn, denn jetzt (zu der Zeit, wenn der Herr den Schaden Seines Volks verbinden, und seine Wunden heilen wird);“ Jes. 30, 26.

Auch hat die Oberfläche des festen Landes, in Betreff der vielen Wasserströme, die sie nun bewässern sollen (Jes. 30, 25., Joel 3, 23.), und ihrer ungemeinen Fruchtbarkeit (m. s. §. 35. d.), eine große Veränderung erhalten. Dies hängt vorzüglich mit den nun so günstigen Witterungen zusammen (eben daselbst). Hierzu kommt noch die wunderbare, und in der Offenbarung des Alten-Testaments ganz bestimmt angezeigte Veränderung, die sich im gelobten Lande mit den sonst reissenden und schädlichen Thieren wird zugetragen haben. (Jes. 11, 6–9.) Diese Veränderung an ihnen, gemäß welcher sie dem Menschen nicht mehr schädlich, noch feindselig gegen ihn seyn werden, ist gerade derjenigen entgegengesetzt, die mit ihnen im Paradies, nach dem Fall des Menschen, vorgegangen war. Man vergl. unter einander 1. Mos. 1, 29. 30. u. Jes. 65, 25., und Röm. 8, 19–22.

Solche Veränderungen in der physischen Welt, zur Zeit der ersten Periode des sichtbaren Reichs Gottes auf Erden, sind um so eher zu erwarten, da mit der Ausgießung der siebenten, und also letzten Schale (Offenb. Joh. XVI, 17. u. d. f., vergl. mit XV, 1. Sie war in die Luft ausgegossen, und darum, wie die vierte, eine allgemeine Plage, und nicht eingeschränkt, auch wie das sechste Siegel, und die drey übrigen, (Offenb. Joh. VI, 12–14., m. s. hier noch Jes. 34, 4., und Matth. 24, 29. 30., Luc. 21, 25. 26. 31.) in die volle und letzte Erfüllung ging (m. s. §. 50. c. und die Anm. 34.), und aber, mit dem Ablauf desselben, auch die bis dahin gleichzeitig mit demselben fortlaufenden erstern Siegel (Kap. VI, 1–11., m. s. §. 21. c. d. e. u. §. 26. b.), und insonderheit das zweyte, dritte und vierte, ihre Endschaft erreichen, da denn durchaus, nach dem Rathschluß Gottes, Kriege, allgemein verheerende Naturereignisse, Mißwachs und Theurung, alle Art von Verwüstungen durch Krankheiten, reißende oder sonst schädliche Thiere u. s. f. im Allgemeinen aufhören, und an ihrer Stelle allgemeiner und vollkommener Friede (m. s. die rührenden und erfreulichen Stellen, Jes. 2, 4., Micha 4, 3.), Überfluß (Jer. 31, 27.) und Seligkeit aller Art eintreten sollen.

Doch ist dieser Umstand sehr merkwürdig, der schon in ersterer Periode eintritt, daß alle diese mannichfaltigen Segnungen eines Landes, oder irgend eines einzelnen Menschen, in Verhältniß stehen mit der Gottesfurcht eines Volks, oder eines einzelnen Menschen. Dies lehren bestimmt folgende Stellen: Jerem. 31, 29. 30., Hesek. 18, 1–20., Zachar. 14, 17–19.; m. s. auch Hof. 14, 1. u. Joel 3, 24. Daher auch der vollkommenste Grad aller dieser Segnungen in Palästina selbst, als dem heiligen Berge, zu finden seyn wird (Jes. 11, 6–9., 35, 9., m. s. auch Jes. 32, 16–20.), und in sonderheit nach der Bekehrung Israels, und nach der Aufnahme desselben in den neuen Bund. (Hesek. 36, 33–38.)

So, daß alsdann auch in der Hinsicht der Rathschluß Gottes, in Betreff der Herrschaft des Menschen über die ganze Erde, in höhere Erfüllung übergeht. (1. Mos. 1, 26. 28., vergl. mit Jes. 45, 18.) Denn obgleich, nach Hesek. 38 u. 39 (und namentlich Kap. 38, 13. 19. 20. und Kap. 39, 4. 17–20. u. 9–16.), in den ersten Zeiten dieser zweyten Periode noch ähnliche Verkehre zwischen den Völkern, noch die selbe Gestaltung der thierischen Welt auf Erden, und der Lebensweise des Menschen, wie bisher, sich vorfinden werden, so deutet doch jenes Bild in Offenbarung Johannis XII, 1. deutlich genug darauf hin, daß jeder Einzelne des königlichen priesterlichen Geschlechtes durchaus nicht mehr den Einflüssen der physischen Gesetze unterworfen seyn wird. „Ein solch Seliger besitzt Auferstehungskräfte, welche über Geist und Natur herrschen, wenn gleich die gänzliche Wiedergeburt der Erde und Himmel in dieser Periode noch nicht vollendet ist.“ (Man erinnere sich hier jener Beyspiele: Matth. 14, 25–31. 32. 33. u. Apost. Gesch. 28, 3–6., vergl. mit Marc. 16, 17. 18., und sehe Kol. 3, 3., damit zusammengehalten 1. Petri 2, 21. u. 5, 10.)

§. 42.

Es läßt sich ferner denken, daß am Ende der zweyten Periode durchaus nur vollkommene Gerechte auf Erden leben werden, das heißt: eines Theils diejenigen, welche zu Anfang derselben zur ersten Auferstehung gelangt waren (Offenb. Joh. XX, 4. 5.), und andern Theils die, welche bey der letzten Zukunft des Herrn, nämlich die zum jüngsten Gericht (Matth. 11, 22., 12, 36. u. Ev. Joh. 6, 40., vergl. mit Offenb. Joh. XXI, 11. f.), dieser seligen Verwandlung würdig erfunden werden.

Dies folgt aus Offenb. Joh. XX, 12., wo ausdrücklich nur von den Todten, d. h. Auferweckten (1. Kor. 15, 52.), gesagt wird, daß sie vor dem Richterstuhle Gottes stehen werden. (M. s. auch Ev. Joh. 5, 28., 29.) Diesen sind, in eben erwähnter Stelle (1. Kor. 15, 52.), die Christo-Angehörenden entgegengesetzt, welche alle bey der Zukunft Jesu verwandelt werden. (Von jenen heißt es überhaupt nur, daß sie unverweslich auferstehen; in eben der Stelle.) Keine andern würden sich demnach auf Erden finden, als solche, welche dieser Verwandlung würdig seyn werden; da ohnehin in keiner Stelle der heiligen Schrift von einer andern Verwandlung gesprochen wird, welche diejenigen, die nicht Christo angehören, zu bestehen hätten. Daher vielleicht, bey Annäherung dieser letzten Zeit, ein besonderes Sterben unter den Menschen auf Erden, als Anfang und Mittel zu jener Scheidung. M. s. Jes. 51, 6.

Die Stellen: 1. Kor. 15, 22. 23. 51. 52., und 1. Thess. 4, 15–17., die wir §. 39. b. schon auf die Zukunft des Herrn zur zweyten Periode bezogen, gehen allerdings auch auf diese letztere Zukunft. (M. s. hier, was §. 24., in Betreff der mehrfachen Erfüllung der Weissagungen, erinnert worden.) Hingegen scheint die Stelle: 2. Tim. 4, 1., auf die Erscheinung Jesu, zum Beginn Seines sichtbaren Reichs auf Erden, zu deuten.

Für solche himmlische Wesen, wie nun alle die Menschen auf Erden sind, ist die Erde veraltet; das Heil Gottes, das unter ihnen ist, ist ewig (Jes. 45, 17., 51, 6.), und das nun aus lauter Gerechten bestehende Volk soll die Erde ewiglich besitzen. (Jes. 60, 20. 21.) Allein die Erde, wie sie dann noch ist, gehört zum Sichtbaren oder zum Zeitlichen (2. Kor. 4, 18.), daher jene merkwürdige Veränderung, die ihr samt Allem, was ihr zugehört, so wie allen Weltenkörpern, die zur sichtbaren Welt gehören, durchs Feuer bevorsteht. (Ps. 102, 27., Jes. 51, 6., Matth. 24, 35., Luc. 21, 33., 2. Petri 3, 7–12. 13., 2. Thess. 1, 7–10., m. s. auch 1. Kor. 3, 11–15.) Wie der Seligen ihre vorher sterblichen Leiber dem verklärten Leibe Christi ähnlich geworden, so wird nun auch im Ganzen die Körperlichkeit verkläret werden. M. s. z. B. Offenb. Joh. XXI, 10.

Eine neue Erde und ein neuer Himmel werden vor dem Herrn stehen (Jes. 66, 17.), und diese (Himmel und Erde) soll nur der heilige Same bewohnen. (Jes. 66, 22.)

Note (28)

Das ganze Evangelium weiset auf eine Zeit hin, bis zu welcher die Bösen und die Guten werden gereift haben. „Nicht, daß Gott will, daß der Gottlose noch verderbter werden solle. Aber es muß dahin mit dem Bösen kommen, daß er, wenn er gestraft wird, keine Entschuldigung mehr habe, sondern werde zugeben müssen, er selbst, und nur er habe nicht gewollt.“ (Matth. 23, 37.) Auf dieses Reifen zur vollkommenen Scheidung des Weizens und des Unkrauts beziehen sich manche Gleichnißreden vom Herrn Jesu, z. B. Matth. 13, 24–30., und damit zusammengehalten Offenb. Joh. XVI, 17–20. Auch können erst bey solch einem vollkommenen Grad der Reife dem beharrlichen Gottlosen endlich die Augen aufgehen, oder aufgeschlossen werden.

Auch aus diesem Grund geschieht allerdings die Zulassung des Bösen. (M. s. auch Luc. 12, 49. 51–53.) Daher auch noch einmal die Loslassung Satans nach seiner tausendjährigen Gefangenschaft. (Offenb. Joh. XX, 7.) Und auf diesen Begriff allerdings bezieht sich endlich die Stelle, Offenb. Joh. XXII, 11.: „Wer böse ist, der gehe in seiner Bosheit immer weiter, – wer aber gerecht ist, der lasse sich immer mehr gerecht machen, und der Heilige lasse sich immer mehr heiligen.“ Merkwürdig ist in diesem Vers der Unterschied der Worte: καὶ ὁ ῥυπαρὸς ῥυπανθήτω ἔτι und ὁ δίκαιος δικαιωθήτω ἔτι, die Activa sind, von den Worten: καὶ ὁ ἄδικος ἀδικησάτω ἔτι und ὁ ἅγιος ἁγιασθήτω ἔτι, die Passiva sind. Man berücksichtige hier Jak. 1, 13. 14. und 1. Thessal. 4, 13.

§. 43.

Merkwürdig sind die, Offenb. Joh. XX, 13, angezeigten Behälter von Verstorbenen, welche ihre Toten ins Gericht geben, nämlich: das Meer, der Tod und die Hölle (oder der Hades). Von den beiden Letzteren wird gesagt (V. 14.), daß sie geworfen würden in den feurigen Pfuhl (m. s. Kap. I, 18.); das wird von dem Ersteren nicht gesagt. Wahrscheinlich gehören also die Seelen, aus dem Behälter, Meer genannt, zu denjenigen, die als Gerechte im Gericht freigesprochen werden und in das ewige Leben eingehen sollen (Matth. 25, 46).

Jesus spricht aber ausdrücklich noch von einer Klasse der Seligen, die zu dieser Zeit schon das ewige Leben haben, und die gar nicht ins Gericht kommen (Ev. Joh. 5, 24; 3, 18). Das sind also die aus dem Paradies, wo der Baum des Lebens steht (Offenb. Joh. II, 7; XXII, 2. 14; und 1. Mos. 2, 8. 9. 15. 17., und damit noch zusammengehalten Luc. 23, 42. 43: „Heute wirst Du mit mir im Paradiese sein“). Hieher gehören allerdings diejenigen, die seit der ersten Auferstehung beim Anbruch der zweiten Periode in diesem glückseligen Himmel, dem dritten Himmel, wie ihn Paulus nennt (2. Kor. 12, 2. 4., m. s. unten d), gekommen waren, oder die bei dieser letzten Zukunft des Herrn zum Gericht zum Leben werden auferweckt oder – als noch leiblich Lebende – verwandelt werden (m. s. 1. Thess. 4, 14–17); also solche, die durch Christum entschlafen sind, oder Tote in Christo (ebendas).

b.

Paulus nennt das Sterben derer, die im Herrn sterben, ein Entschlafen (1. Thess. 4, 14; 1. Kor. 15, 51; von 50–57 zu lesen); so sagte schon Jesus von seinem Freunde Lazarus, der leiblich gestorben war (Ev. Joh. 11, 14), daß er schliefe (V. 11). Das Neue Testament scheint demnach durch das Entschlafen die Versetzung in jene Welt ausschließlich von denen, die Christo angehören, oder doch nicht fern vom Reich Gottes sind (z. B. die Kinder, Matth. 9, 24., damit zusammengehalten Luc. 18, 16. 17.), anzudeuten, sei es, daß solche schon zum Paradies, dem eigentlichen Leben oder Reich Gottes (Luc. 23, 42. 43; Ev. Joh. 5, 40), reif sind, oder aber zu der ihm nächst angrenzenden Stufe; diese Letztere wäre der Schlaf im näheren Sinn, oder das Meer. (M. s. noch 1. Kor. 15, 20.) Solche im Herrn Verstorbene ruhen nun in dem seligen Wohnorte, der sie aufnimmt (Offenb. Joh. XIV, 13; Dan. 12, 13), d. h. allerdings, sie verweilen daselbst im friedlichen Genusse eines gewissen Grades der Seligkeit, bis zu jener herrlichen Zeit der Vollendung, wo sie gleich werden sollen dem Ebenbilde Dessen, der sich der Erstgeborne nennt unter vielen Brüdern (Röm. 8, 29–34; Apost. Gesch. 26, 23; m. s. auch Eph. 2, 6; 4, 13; Phil. 3, 20. 21; 1. Joh. 3, 2). Für sie ist dann der Tod ganz verschlungen (1. Kor. 15, 54–57).

Lazarus scheint erst noch auf dieser, dem Paradies nächsten, Stufe gestanden und die Bestimmung, die der Mensch hier erreichen kann, noch nicht erreicht gehabt zu haben; sonst hätte ihn wohl der Herr nicht wieder in dies zeitliche Leben auferweckt und zurückgerufen. Auch scheinen die Verse 23–26 (Ev. Joh. 11) dies anzudeuten. – Durch den lebendigen Glauben an Jesum wird im Menschen jenes Leben erzeugt, durch welches er tüchtig wird, sei es zu jener ersten Auferstehung, eine geraume Zeit vor dem jüngsten Tage, zu gelangen (Offenb. Joh. XX, 4–6), oder aber, bei der allgemeinen Auferstehung der Toten, zur Auferstehung des Lebens aufgeweckt zu werden (Ev. Joh. 11, 25. 26., damit vergl. 3, 16. 36; 6, 40. 47; 8, 51; m. s. auch 1. Joh. 2, 27. 28). – Die meisten der entschlafenen Kinder scheinen in jenen seligen Vorhof (Ps. 84, 3) des Paradieses (Meer genannt) versetzt zu werden (Matth. 9, 24). – Beide Grade des Seelenzustandes, den vom Tod (m. s. oben, und was weiter unten gesagt werden soll), und den vom Schlaf, die dem Leben vorgehen, sehe man Eph. 5, 14.

c.

Die heilige Schrift spricht, in Ansehung der Seligen vor jener Zeit des letzten Gerichts, noch von einem, und eigentlich von zwei Graden über dem Paradies. Der eine begreift die vielen tausend Heiligen, die mit Ihm kommen, Gericht zu halten (Judä 14. 15; u. s. auch 1. Kor. 6, 2); wahrscheinlich also jene, die, im eigentlichsten Sinne des Worts, zu dem Berge Zion gekommen waren (Ebr. 12, 22.) und demnach die Gemeine der Erstgeborenen, die Geister der vollkommenen Gerechten (Ebr. 12, 23; vergl. mit der merkwürdigen Stelle in der Offenbarung Johannis, XIV, 1–4), vermutlich diejenigen, welche schon beim Eintritt der zweiten Periode Teil hatten an der ersten Auferstehung; – und dann spricht noch die heilige Schrift, als von einer noch höheren Stufe, von dem himmlischen Jerusalem (Ebr. 12, 22; Offenb. Joh. III, 12). Diejenigen, welche hierher gehören, bilden die eigentliche Brautschaar (Offenb. Joh. XXI, 2), die aber, in ihrer ganzen Pracht, erst nach dem Gericht auf die jetzt neue Erde herniederkommt (m. s. die angezeigten Stellen, Offenb. Joh. III, 12; XXI, 1. 2. 3).

So spricht demnach die Offenbarung von sieben (Haupt-)Graden der Wohnungen der Verstorbenen – der Verklärten sowohl (m. s. hier Ev. Joh. 14, 2: „In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen“), als der anderen – welche alle beim Übergang der zweiten Periode der Seligkeit auf Erden zur dritten recht eigentlich sollen offenbar werden; es sind: das Neue Jerusalem (die Stadt Gottes, oder die Krone des Lebens; m. vergl. Jak. 1, 12 mit Offenb. Joh. II, 10; III, 12), der Berg Zion (m. s. hier die merkwürdige Stelle, Jes. 24, 23, und Offenb. Joh. XIV, 1. [29.]), das Paradies (oder das ewige Leben, Matth. 19, 29; Ev. Joh. 5, 24; das eigentliche Reich unseres Heilandes, m. s. Luc. 23, 42. 43; Ev. Joh. 5, 40), das Meer (oder der Schlaf, Vorhof des Paradieses), der Tod, die Hölle, der feurige Pfuhl (oder der andere Tod; Offenb. Joh. XX, 6. 14; XXI, 8; auch XX, 11).

[29.]

Zion bedeutet eigentlich einen dürren, wüsten Ort. So war der Berg Horeb, wo Mose der Engel des Herrn erschien, und wo die Verkündigung der im Ratschluss Gottes beschlossenen Errettung des Volks Israels und der Gründung des Gottesreichs unter demselben an ihm geschah (2. Mos. 3, 1 ff.); – so in derselben Gegend der Berg Sinai (2. Mos. 19, 1. 2; 5. Mos. 18, 16), beide Berg Gottes oder heiliger Berg genannt (2. Mos. 3, 1; 18, 5), jener, weil auf demselben die Israeliten nach ihrer Errettung aus Ägypten Gott Dankopfer bringen sollten (2. Mos. 3, 12; 18, 5–12), und dieser, weil hier die Herrlichkeit des Herrn in noch größerem Grade erschien als auf jenem, und zugleich auf demselben Jehovah dem Volk des Bundes die Gesetze seines Reiches verkündigte (2. Mos. 19, 1–23); – und so war wieder jener Berg Morija ursprünglich eine öde Gegend (1. Mos. 22, 2. 14), auf welchem Abraham seines einigen Sohnes nicht verschonen wollte, um des Herrn willen (1. Mos. 22, 12; Ebr. 11, 17–19; m. s. auch Ebr. 10, 5), und wo nun späterhin die Burg Zion stand (2. Sam. 5, 7), dann die Stadt Davids und der Tempel Jehovas (1. Kön. 8, 1), als das eigentliche Vorbild des Berges Zion, das oben ist, und der Stadt des lebendigen Gottes (Ebr. 12, 22; Ps. 2, 6); daher dann auch häufig in der heiligen Schrift Alten Testaments die Gemeinde der Gerechten die Tochter Zions genannt wird (z. B. 2. Kön. 19, 21; Jes. 1, 8; 10, 32 u. s. f., vergl. mit Offenb. Joh. XIV, 1–5; m. s. auch oben die Anm. 10 b. zu § 23).

d.

Paulus, wie schon oben erinnert worden, nennt das Paradies den dritten Himmel (2. Kor. 12, 2. 4). Das Meer wäre demnach der zweite, der Tod der erste. In diesem Letzteren Aufenthaltsorte der Verstorbenen ereignen sich wahrscheinlich jene Wiedervergeltungen, von denen Jesus spricht (Matth. 5, 25. 26; 7, 2; Luc. 16, 9). Sie setzen ähnliche Verhältnisse unter den Bewohnern dieses Ortes voraus, mit denjenigen, die hier auf Erden sich vorfinden, da jedem, der nach seinem Tod nicht ins Leben eingeht, vergolten werden muß, nach dem er gehandelt hat bei Leibesleben (2. Kor. 5, 10; m. s. auch Ebr. 9, 27; man berücksichtige auch z. B. Offenb. Joh. VII, 16. 17, vergl. mit 13 ff.). Dahin kommen also vermutlich solche, die noch keinen, oder kaum erst einen Sinn haben für das, was oben ist (Matth. 6, 33; Kol. 3, 1–3); sie sind eigentlich lebendig tot (1. Tim. 5, 6), da sie einzig und allein noch dem alten natürlichen, sinnlichen Menschen dienen (Röm. 8, 6). Jesus nennt sie deswegen ausdrücklich Tote (m. s. Matth. 8, 22; auch Röm. 8, 13; Jak. 1, 15). Da nun die Seele auch nach dem Tode noch an die zurückgelassenen Güter und irdischen Genüsse hänget, wie sie vor dem Verscheiden daran hing (Matth. 6, 21; m. s. auch die Anm. 4 d. zu § 15): so verweilen wahrscheinlich solche Geister der Verstorbenen in einer größeren oder geringeren Nähe von der Erde, auf deren Oberfläche selbst, wo vermutlich die untere Stufe jenes Aufenthaltsortes der Verstorbenen, der Tod genannt, zu suchen ist. (Aus dieser Ansicht ließen sich viele Erscheinungen aus der Geisterwelt auf Erden erklären, die sonst so vielfältig als unerklärbar verlacht werden.) Die Verleugnungen, die solche Unglücklichen durch diesen unauslöschlichen Durst nach dem Irdischen, der sie begleitet und den sie nicht mehr befriedigen können, erfahren, können ihnen wahrscheinlich – sofern sie dieselben williglich benutzen – zur Gelegenheit werden, jetzt noch einigermaßen das Versäumte nachzuholen und sich nach der Erlösung vom schnöden Dienst der Sinnlichkeit zu sehnen (Ev. Joh. 8, 34–36; 15, 5; 2. Kor. 3, 17). – Inwiefern aber dies in jener Welt, nach versäumter Gnadenzeit in dieser, mit erwünschtem Erfolg wird geschehen können, wird uns in der Offenbarung nicht bestimmt angezeigt.

In den Wohnort, Meer genannt, kommen wahrscheinlich diejenigen, in denen schon ein Anfang der Wiedergeburt (Ev. Joh. 3, 5) und des Lebens aus Gott zu finden ist (m. s. oben unter b.), denn Jesus nennt die, welche hieher kommen, schon seine Freunde (Ev. Joh. 11, 11); sie stehen also vermutlich schon im Buch des Lebens (Offenb. Joh. III, 5; XX, 15; XXI, 27). – Das Paradies ist das eigentliche Leben; diejenigen demnach, die hieher gehören, sind allem Bösen abgestorben; kein Tod (keine Sünde, noch Folge der Sünde, oder Leid) herrscht mehr in ihnen oder über sie.

e.

Ein gewisser Grad der Verstockung, oder auch der tierischen Versinnlichung der Seele (m. s. oben die Anm. 4 zu § 15), macht wahrscheinlich den Menschen reif für die Hölle. Der reiche Mann, in der Gleichnisrede Jesu, scheint – nach Luc. 16, 27–31 – nicht haben auf Mose noch die Propheten hören wollen; er fröhnte der Sinnlichkeit, und mußte nun Qual leiden im Hades. – Wer bis zum jüngsten Tag noch in der Hölle und im Tod sich findet, ist reif für den feurigen Pfuhl. Es sind Leute, die wahrscheinlich beharrlich der Predigt des Evangeliums (m. s. 1. Petri 3, 18–20; 4, 6; Eph. 4, 8. 9; damit vergl. Zachar. 9, 11. 12; Jes. 61, 1; 1. Mos. 6, 3 f.) und der Wirkung des heiligen Geistes auf ihr Herz und ihr Gewissen Widerstand leisteten (Matth. 12, 31; 1. Joh. 5, 16. 17), und wohl trotzig glaubten, ohne Jesum zurechtkommen zu können, um selig zu werden, oder die allenfalls sich auf ihre Werke beriefen. In beiden Fällen sprechen sie selbst das Verdammungsurteil über sich aus, da wir – ohne der Erlösung durch Jesum teilhaftig zu werden – schon verdammt sind (Ev. Joh. 3, 16–19; damit vergl. Kol. 1, 13. 14; 1. Kor. 15, 17. 18; ferner Apost. Gesch. 4, 12; auch m. s. Ev. Joh. 13, 8; damit vergl. Spr. Sal. 30, 12; endlich Röm. 3, 25; und überhaupt Ev. Joh. 14, 6).

Die aber, welche bis zum jüngsten Tag entweder in den Aufenthaltsort, Meer genannt, gekommen oder darin geblieben sind, sind wahrscheinlich solche, welche zwar in Jesu die Sündenvergebung gefunden, aber die vielleicht – bis zum Anbruch dieser letzten Zeit – in der Wiedergeburt noch nicht gehörige Fortschritte gemacht hatten, weil sie wahrscheinlich erst spät ihr Herz dem heiligen Geist öffneten (Ev. Joh. 1, 12; 14, 23; Offenb. Joh. III, 20; 1. Thess. 4, 7. 8), oder aber säumselig in dem Geschäft der Heiligung waren (Matth. 11, 12; Luc. 13, 24; 2. Kor. 7, 1; Röm. 6, 22; 2. Petri 3, 14; 1. Thess. 4, 1–7): Diese kommen noch ins Gericht, werden nach ihren Werken gerichtet; diese geschehen schon mehr oder weniger im heiligen Geiste; Jesus sieht sie als ihm getan an (Matth. 25, 40; damit vergl. Kol. 3, 17), und solche Seelen gehen aus dem Gerichte ein ins Leben (Matth. 25, 46). – Es läßt sich aus einigen der weiter angeführten Stellen (z. B. 1. Thess. 4, 14–17; 1. Kor. 15, 51. 52) vermuten, daß auch unter denen erst am jüngsten Tag von den Toten Auferweckten welche sein werden, die unmittelbar zum ewigen Leben werden hervorgehen (m. s. auch Ev. Joh. 5, 28. 29), ohne vor Gericht erscheinen zu müssen. – Was nun die Strafen der Verächter der Gnade in den Ewigkeiten (m. s. § 44) der Qual anbetrifft: so bestehen dieselben – nach Offenb. Joh. XIV, 10. 11; XX, 10; XXI, 8; damit vergl. Matth. 13, 42. 50 und andere ähnliche Stellen – nicht nur in der Beraubung der Glückseligkeit, nicht nur in peinigenden Gewissensvorwürfen, sondern noch in einer eigentlichen Qual des unverweslichen und geistlichen Leibes (m. s. die Anm. 4 zu § 15, in Betreff der drei Bestandteile des Menschen); Qual, die allerdings dasjenige Maß von Schmerz übersteigen muß, dem der irdische Leib unterworfen sein kann (m. s. auch hier noch einmal Luc. 16, 23–28).

Die zwei Behälter, Tod und Hölle, hören auf nach dem jüngsten Tag, oder machen nur eines mit dem feurigen Pfuhl (Offenb. Joh. XX, 14), in welchem nun alle die kommen, die nicht im Buch des Lebens stehen (XX, 15); in ihnen lebt nur das wesentliche Böse: daher kommen sie an den Ort, der eigentlich (nur) dem Teufel und seinen Engeln bereitet war (Matth. 25, 41). – In den anderen lebt dagegen das wesentliche Gute, das ist der Geist Gottes, doch in verschiedenem Grade, daher zur Zeit der dritten Periode wahrscheinlich noch alle jene vier Abstufungen der Seligen sich vorfinden werden (m. s. ohnehin die Anzeigen davon in Offenb. Joh. XXI, 24–27; XXII, 1–5. 14; und was schon oben über diesen Punkt gesagt worden ist, Anm. 27 zu § 42).

f.

Doch wird wahrscheinlich die Zeit kommen, wo Vers 3 Kap. XXII, und Zachar. 14, 11, in die allervollkommenste Erfüllung gehen wird; das wird jene Zeit sein, von welcher Paulus spricht in jener höchst wichtigen Stelle: 1. Kor. 15, 24–28 (m. s. auch Ebr. 2, 8; Ps. 110, 1), und welche erfolgt, wenn der letzte Feind, das ist der Tod (also jener feurige Pfuhl, als der andere und letzte Tod, Offenb. Joh. XX, 6. 15; XXI, 8), aufgehoben wird und also, im strengsten Sinn des Worts, aus der Schöpfung verbannt ist, und schlechterdings alle Tränen abgewischt sind (Offenb. Joh. XXI, 4). – Dann erst fängt die eigentliche Ewigkeit an, da Gott nun wieder Alles in Allen ist (1. Kor. 15, 28; Offenb. Joh. XXI, 7; 2. Petri 1, 4). Bis an die Schwelle derselben führt die göttliche Offenbarung der Heiligen Schrift; sie läßt uns aber dennoch Blicke in jene vollkommene ewige Seligkeit tun, wie aus folgendem § erhellt.

§. 44.

„Christus Jesus hat Sich gegeben für Alle zur Erlösung, und will, daß allen Menschen geholfen werde, und sie zur Erkenntniß der Wahrheit kommen.“ (1. Tim. 2, 4–6.) – „Wenn Ich erhöhet werde von der Erde,“ sagte Jesus, „so will Ich sie Alle zu Mir ziehen.“ (Ev. Joh. 12, 32.)

Diese und ähnliche Stellen [z. B. Jes. 45, 23. 24.; 57, 16.; Röm. 11, 32.; Ebr. 2, 9.; 2. Petri 3, 9. (damit vergl. Hesek. 18, 23. 32. und 33, 11.), und die im vorigen § angeführte Stelle: 1. Kor. 15, 24 f.] sollten schon hinlänglich sein, jene andern Stellen zu erläutern, in welchen von den Ewigkeiten der Qual der Verdammten die Rede ist (Offenb. Joh. XX, 10; XIV, 10. 11.; Matth. 25, 41. 46.; Marci 9, 47. 48; 10, 30 u. a.). – Sehr merkwürdig ist es, daß Offenb. Joh. XXII, 18 ganz bestimmt die Verdammniß selbst unter den Plagen begriffen ist. Nun trägt dieser Ausdruck nicht den Begriff von einer absoluten Ewigkeit mit sich. Auch sagt V. 19 in diesem letzten Kapitel der Offenbarung, daß diejenigen, über welche diese Plagen ergehen, keinen Theil haben sollen am Buche des Lebens, das heißt allerdings, wie es auch das Übrige des Verses teils bestimmt anzeigt, teils indirekte anzuzeigen scheint, sie sollen keinen Theil haben an der heiligen Stadt, und an dem, was in diesem Buche geschrieben ist; also überhaupt an all der verschiedenen Herrlichkeit der ersten, zweiten und dieser dritten oder letzten Periode des Königreichs Gottes, welche der vollkommenen Herstellung alles Verlornen, und also der eigentlichen ewigen und allgemeinen Seligkeit im ausgedehntesten Sinne des Worts, vorhergehen soll. (M. s. § 46 c.)

So lehren demnach die erwähnten Stellen, daß die Ewigkeiten in dem Wort der Offenbarung als gewisse durch Gottes Allmacht beschränkte Zeiten zu betrachten sind. In diesem Sinn kommt das Wort „ewig“ in der Verkündigung derjenigen Veranstaltungen Gottes vor, welche dienen sollten, die Menschen und alle erschaffene Wesen auf jene allgemeine selige Ewigkeit vorzubereiten; m. s. z. B. 5. Mos. 29, 29., damit zusammengehalten Jerem. 3, 16.; Ebr. 8, 13.; Röm. 10, 4. – Jerem. 33, 18., damit zusammengehalten Ebr. 10, 18. – In andern Stellen ist dieser Ausdruck „ewig“ schon durch die ihn begleitenden Umstände beschränkt: so in Jes. 32, 14 durch V. 15 beschränkt; so wieder an sich beschränkt: 5. Mos. 15, 17; 1. Sam. 2, 32; 2. Sam. 12, 10; und in mehreren andern ähnlichen Stellen, z. B. Philemon V. 15; auch Offenb. Joh. XXII, 5., verglichen mit XX, 8., und dann beydes mit 1. Kor. 15, 24. 28.

„Die Ewigkeiten,“ nach der Sprache der heiligen Schrift, sind demnach, im Allgemeinen, nur relative Zeiten, und bedeuten da, wo von der Dauer gewisser Veranstaltungen Gottes in der Welt, zur Erziehung der erschaffenen freien Wesen, die Rede ist, bloß gewisse Perioden oder Zeitabtheilungen, im Neuen Testament Aeonen genannt. Die eigentliche Anzeige des Ewigen kommt nur in dem Worte (יהוה) Jehovah vor, d. h. Der da ist, Der da war, und Der da seyn wird. [30.]

[30.] Dies ist der vollständige und eigentliche Name Gottes (2. Mos. 3, 13–15), den auch die Hebräer, aus Ehrfurcht vor demselben, nie aussprechen. Sie bedienen sich dafür der Benennung Adonai, „mein Herr“, die sie doppelt aussprechen, wo Jehovah doppelt vorkommt, z. B. Adonai Jehovah (Herr Gott), 2. Mos. 34, 6., oder sie sagen: Adonai Elohim, 5. Mos. 3, 24. Sie gründen diesen Gebrauch, der ihnen von den Rabbinern geboten wird, auf die Stelle von David (im Hebräischen); allein es ist ganz bestimmt, daß Moses den Namen Jehovah aussprach; m. s. z. B. 5. Mos. 32, 3. Diese Stelle heißt wörtlich: „Wenn ich werde den Namen Jehovah anrufen, so machet groß (oder preiset) unsern Gott!“ (Darum antworten noch heut zu Tage die Juden in den Synagogen, wenn zu Anfang und zu Ende ihres Gebets der Name Adonai ausgesprochen wird, mit diesem Ausruf: „Gesegnet sey Er und gesegnet Sein Name!“)

Deswegen steht auch zuweilen da, wo von einer absoluten Ewigkeit die Rede ist, z. B. in Betreff der Ehre Gottes, oder der Dauer Seines Reichs, der Ausdruck: „in alle Aeonen,“ oder „in die Aeonen,“ z. B. Ps. 145, 13 (im Hebräischen), und Brief Judä V. 25 u. Röm. 11, 36 (im Griechischen).

Es kann auch in der Tat nichts, das außerhalb Gott ist, als absolut ewig (in Betreff des Wesens oder Fortdauerns eines solchen Dings) gedacht werden, daher auch keine Ewigkeit irgend eines Zustandes, außerhalb Gott oder für die erschaffenen Wesen, anfangen kann, als wenn Gott Alles in Allen sein wird (1. Kor. 15, 28; m. s. auch unten § 46 c). Nun aber sollen die Werke Gottes ewig sein, wie Er selbst ewig ist (Ps. 145, 9–13), darum auch durchaus eine Wiederbringung aller Dinge zu erwarten ist. Diese lehrt auch das Alte Testament noch bestimmter, als in jener letzteren Stelle: „Ich will sie erlösen aus der Hölle,“ spricht der Herr im Propheten Hosea, „und vom Tode erretten. Tod, Ich will Dir eine Pestilenz sein. Doch,“ hieß es damals noch, „ist der Trost vor meinen Augen verborgen.“ (Hos. 13, 14; m. s. auch 1. Kor. 15, 26.)

Nie hätte allerdings die ewige Liebe freie Wesen erschaffen, wenn Sie nicht Mittel vorausgesehen hätte, sie, Seiner Absicht gemäß, glücklich zu machen, oder ihrem bestimmten Ziele zuzuführen. Bis jene selige Zeit erfolgt, herrscht Jesus, und mit Ihm herrschen die Seligen (Offenb. Joh. XXII, 5) Aeonen hindurch, bis alle Herrschaft kann aufgehoben werden (1. Kor. 15, 24.), und alle Sündlichkeit, oder der eingeschränkte Zustand des Daseins der Wesen, aufhört, weil nun Gott Alles in Allen ist (1. Kor. 15, 28; m. s. auch § 28 f). Dies – eine Gemeinschaft oder eine Vereinigung mit Gott, wie sie ohne die Sendung Jesu nicht möglich gewesen wäre, und welche allerdings in unbegreiflichem Grade jene erstere übersteigt, die bei Adam vor seinem Fall ansichtig war (m. vergl. z. B. Hos. 6, 6. 7. mit Ev. Joh. 17, 20–23 u. 1. Kor. 15, 45–49) –.

Daher ist denn auch diese dritte Periode der Seligkeit (Offenb. Joh. XXI u. XXII) zwar, in Betreff der vorigen, ein unendlich höherer, aber sie ist noch nicht ein allgemein vollkommener Grad der Seligkeit. Deswegen wird darin noch von Mitteln geredet, zur Gesundheit der Heiden (Offenb. Joh. XXII, 2; mit dieser Stelle hängt wahrscheinlich Jes. 66, 23 zusammen; m. s. auch Hes. 47, 12 u. 5. Mos. 33, 14), auch zugleich, in Bezug jener Mittel und Anstalten, noch von der Zeit, von Monaten (Offenb. Joh. XXII, 2), und von Tag und Nacht (Offenb. Joh. XX, 10 u. XIV, 10. 11.), da jedoch für die Seligen in dieser Periode, denen Gott ihr Gott ist, und die Alles ererben (Offenb. Joh. XXI, 7), keine Nacht (XXII, 5), und – im eigentlichen Sinne des Worts – keine Zeit mehr ist, da diese erst, wie wir oben erinnerten, dann für ein Wesen anfängt, wann es aus jener innigen Verbindung mit Gott tritt. Auch ist für die neue Erde und für den neuen Himmel keine Sonne, kein Mond mehr (Offenb. Joh. XXI, 23. 25; XXII, 5), welche der irdischen und zeitlichen Welt gegeben worden waren, die Zeit und die Jahre darnach zu theilen (1. Mos. 1, 14.; darauf bezieht sich wahrscheinlich Jes. 43, 13, zusammengehalten mit 5. Mos. 11, 21: „Die Tage vom Himmel auf Erden.“ Übrigens s. oben die Anm. 17 zu § 31).

Für die Seligen also der neuen Erde, und für die neuen Himmel, sind keine Jahre mehr. [31.]

[31] (placée à la fin du § 44)

Es ist merkwürdig, daß in den Stellen: Offenb. Joh. XXI, 23. u. XXII, 5., wo gesagt wird, daß die Herrlichkeit Gottes nun die Seligen der neuen Erde erleuchtet, es nicht heißt, daß überhaupt keine Sonne und kein Mond mehr seyn würden, sondern es heißt in beyden Stellen: „(die Seligen) bedürfen nicht mehr einer Leuchte, oder der Sonne, oder des Mondes.“ Demnach, obgleich die Jahre für die Erde nicht mehr sind, so giebt es doch wahrscheinlich noch solche Leuchten, als Sonne und Mond, in Hinsicht auf die Verdammten. Für sie existirt ohnehin noch die Zeit, da sie noch außerhalb der Gemeinschaft mit Gott leben. Darauf beziehen sich, außer jenen Stellen aus der Offenbarung Johannis, allerdings auch noch die aus Jes. 24, 23. u. 60, 19. 20. Diese Stellen unterscheiden sich ganz besonders von den ähnlichen, in welchen aber nur von der Verdunkelung der Sonne, des Mondes und der Sterne gesprochen wird, die bey der Zukunft Jesu, zur Aufrichtung Seines sichtbaren Reichs auf Erden, Statt finden wird, wie z. B. Joel 2, 10. 20., Jes. 13, 10., so auch Marc. 13, 24.

§. 45.

Haben nun mit Anbruch der dritten Periode der Seligkeit auf Erden, in der neuen Schöpfung der Seligen, die Jahre ihr Endziel erreicht (m. s. den vorigen H.), und sollte, nach der merkwürdigen Weissagung in Habakuk 3, 2., „der Herr Sein Werk (der Erlösung) lebendig und kund werden lassen mitten in den Jahren“ (dies geschah durch die Zukunft Jesu ins Fleisch, durch Sein Evangelium vom Reiche Gottes, Luc. 4, 45., durch Seinen Opfertod, durch Seine Auferstehung, durch die Ausgießung des Heiligen Geistes nach der Himmelfahrt Jesu, und durch die Predigt vom Sterben, von der Auferstehung Jesu und von der Vergebung der Sünden; Apost. Gesch. 1, 8. u. Kap. 2; m. s. f. Matth. 16, 21., Ev. Joh. 17, 4., 19, 28., Luc. 24, 46–49., u. Ev. Joh. 16, 7.): so kann von Jesu Geburt, oder vielmehr vom Anfang an der Predigt Seines Evangeliums, oder, noch eigentlicher, von dem Jahre Seines Todes an, bis zu Ende des Weltalters, keine größere Anzahl von Jahren verstreichen, als die sichtbare Welt vor Christo zählte; ja, vielmehr muß dieser zweite Theil des Weltalters, von dem Jahre des Opfertodes Jesu an, etwas kürzer als der bereits abgelaufene seyn.

Auch sagt Paulus ganz bestimmt, daß Christus in der Vollendung (oder in dem letztern Theile) der Weltperioden mit Seinem Opfer offenbar worden (Ebr. 9, 26.), so auch Petrus (1. Petri 1, 20.); und wieder sagen beyd’ Apostel ebenso bestimmt, daß das Ende der Aeonen auf uns gekommen sey (1. Kor. 10, 11., 1. Petri 4, 7.). Johannes nennt diese letzten Weltperioden „die letzte Stunde.“ (1. Joh. 2, 18.) – Nun fiel, nach einer vom ungenannten Verfasser des oben, §. 31. am Ende, angeführten Buches, sorgfältig angestellten, in jener Schrift verzeichneten Berechnung, das Jahr der Geburt Jesu nicht lange nach Ablauf des 3939sten Weltjahrs ein, oder etwas vor dem Januar von 3940.

Denn in dieser Rechnung wird der Anfang des Neujahrs auf die Herbst-Nachtgleiche festgesetzt, als der wahre Neujahrsanfang, nach göttlicher Einsetzung, wie dieses schon aus der Betrachtung der drei ersten Kapitel des ersten Buchs Mosis abzunehmen ist, aber noch ganz bestimmt aus der Vergleichung der Stellen: 2. Mos. 23, 16.; 34, 22.; 3. Mos. 23, 24. 25.; 4. Mos. 19, 1. 6., mit 3. Mos. 25, 3–11. u. Ps. 81, 4., erfolget. Dies bestätigen auch die astronomischen Berechnungen, denn nach denselben ist, bey Annahme des eben angeführten Weltjahrs von Christi Geburt, der erste Welttag wirklich um die Herbst-Nachtgleiche, und zwar als zugleich auf den ersten Wochentag (oder Sonntag), eingetreten.

Sind also 3940 Jahre vor Christo verflossen, und fällt das Jahr Seiner Kreuzigung ins Jahr 3973, oder im 33sten Jahre Jesu (m. s. angezeigtes Buch, chronolog. Theil, S. 211): so wären, von dieser letztern Epoche an bis zum Ablauf des Weltalters, nicht mehr ganz so viel Jahre zu zählen. Nun aber gehören die zwei letzten tausend Jahre dieser Zeit in jene seligen Perioden des sichtbaren Reichs Gottes (§. 32.), und von den übrigen 1900 und etlichen Jahrzehnten sind schon über 1800 vorüber. – Erwägen wir ferner, daß die Offenbarung, und insbesondere das Neue Testament, nach Weltperioden oder Aeonen zählt (m. s. vorigen §.), von denen die Apostel sagen, daß zur Zeit der Offenbarung des Opfers Jesu die erste Hälfte schon abgelaufen war, daß ferner die Offenbarung Johannis diese Aeonen durch ihre räthselhaften, aber auflösbaren, Zeiten und halben Zeiten ausdrückt (m. s. §. 30.), wovon die letztere, als die kleinste apokalyptische Periode, 1 1/2 Jahr beträgt (ebendas.): so ergibt sich Folgendes, daß nämlich zuerst 4000 Jahre volle 36 halbe Zeiten betragen. Nun erfolgt das Opfer Jesu in der 36sten halben Zeit, aber zu einer Zeit, wie es ausdrücklich die Apostel lehren, welche schon zu der zweiten Welthälfte und zum Ende des Weltalters gehörte. Demnach können, nach dieser 36sten halben Zeit, nicht mehr (35 oder) so viel halbe Zeiten Statt finden bis zum Ende des Weltalters, als vor demselben verflossen; also beträgt das ganze Weltalter höchstens 70 halbe Zeiten, oder 35 ganze Zeiten, das heißt, eine absolute Zeit von 7777 Jahren.

Das Jahr von Christi Geburt fiel, wie wir oben sahen, ins Jahr der Welt 3940. Unsere Jahrzahl (die Dionysische genannt) fängt, wie man weiß, drei Jahre nach Christi Geburt an, also im Weltjahr 3943. Von der Dionysischen Epoche bis jetzt zählen wir 1813; folglich beträgt nun das Weltalter 5755 Jahre, nämlich bis zur Dionysischen Epoche 3942 völlig, und 1813 laufend.

Diese 5755, von dem höchst möglichen ganzen Weltalter, nämlich 7777 Jahren, abgezogen, bleibt noch Rest bis ans Ende der Welt, höchstens zwischen 2022 und 2023 Jahren. Man ziehe von diesen die 2000 letzten Weltjahre: so ist es noch bis zum Anfang dieser 2000 seligen Jahre, oder bis zum Anfang der Vollendung des Geheimnisses Gottes (Offenb. Joh. X, 7.; m. s. oben die Anm. 24 zu §. 39.), höchstens 22 bis 23 Jahre.

§. 46.

Wahrscheinlich stehen die Zeiten oder Aeonen der Qual Satans und seiner Engel, sammt derer, die ihnen gleichen, im andern Tod, in gewissem Verhältniß mit der Reihe von Jahren, während welcher auf Erden der erste Tod allgemein herrschte, nachdem Satan die Menschen zur Sünde verführt hatte.

Die Zeit, wo der erste Tod nicht mehr allgemein auf Erden herrschen wird, tritt beym Ablauf der sechs ersten Siegel ein (m. s. oben H. 41. c.), oder beym Anbruch der ersten Periode des sichtbaren Reichs Gottes auf Erden, als dem Anfang der Vollendung des Geheimnisses Gottes. (Offenb. Joh. X, 7.) Bis dorthin verfließen, nach obiger Berechnung (§. 45.), 70 halbe Zeiten, weniger die 18 halben Zeiten der Dauer der zwey letzten Jahrtausend, das sind also 52 halbe Zeiten. Sollte die Zeit der Gewinnung der Geister, in jenen Gefängnissen des zweyten Todes, von dieser Dauer seyn, so betrüge die gleichzeitige dritte Periode der Seligkeit (m. s. oben §. 44. e. und Anm. 31.), die auf der neuen Erde, 5777 Jahre, und da Satan, mit vielen seiner Engel wahrscheinlich (man bewürdige Offenb. Joh. XII, 4., XVI, 13. 14., XIX, 20., XX, 10.; doch s. m. oben die Anm. 18. c. zu §. 33.), schon etliche, eigentlich acht halbe Zeiten (denn 9 halbe Zeiten machen die tausend Jahr der zweyten Periode, Offenb. Joh. XX, 4–6., von welchen Satan nur die eine aus seiner Gefangenschaft losgelassen war, Offenb. Joh. XX, 3. 7.; m. s. oben die Vergleichung der kleinen Zeit mit der halben Zeit, §. 30. unter c), beym Eintritt des jüngsten Tages, in den feurigen Pfuhl zugebracht hat (Offenb. Joh. XX, 10.): so läßt es sich denken, daß die Predigt zur Erlösung der Verhafteten aus jenem Behälter des Schreckens schon unmittelbar nach dem letzten Gericht über die Todten (Offenb. Joh. XX, 11–15.) anfangen werde. (Man denke hier an jene erstere Predigt des Evangeliums und der Gnade, den Geistern oder Todten, im Gefängniß. Ephes. 4, 8. 9., 1. Petri 3, 19. 20., 4, 6.; mit diesen Stellen vergleiche man Jes. 61, 1., Zachar. 9, 11. 12. und 1. Mos. 6, 3.) – So würde denn der Anfang der Erlösung der gefallenen Geister gegen Ablauf des achten Jahrtausends der sichtbaren Welt eintreten, oder nach Ablauf der 70 halben Zeiten, und aber mit Ablauf von einer Dauer der Zeit, die 52 Halben Zeiten gleich wäre, vollendet seyn.

Würde man nun die Weissagung in Habakuk 3, 2. auch so annehmen dürfen, daß der Herr Sein Werk der Erlösung mitten in der Zeit offenbar werden ließ, und aber der erste Augenblick der Zeit eigentlich da eintrat, wo Satan und seine Engel aus der Gemeinschaft mit Gott geriethen, so wie auch für die ganze sichtbare oder unsichtbare Schöpfung, der letzte Augenblick der Zeit da eintritt, wo, im strengsten Sinn des Worts, Alles herwiedergebracht seyn wird (Apost. Gesch. 3, 21.), so würde jene unglückliche Empörung der Geister 52 halbe Zeiten vor der Erneuerung der Welt, oder vor der Erschaffung des Menschen, erfolgt seyn, und aber die ganze Weltdauer unter der Zeit, 52 und 70, und wieder 52, das wären 174 halbe Zeiten, oder gegen zwanzigtausend unserer Monds-Sonnenjahre, betragen, eigentlich 19 333 solcher Jahre.

Es ist schon oben §. 31. b. bemerkt worden, daß uns die wunderbaren Weltperioden der (ganzen) Zeit, zu 222 ½ Jahren, und des Chronus, zu 1111 ½ Jahren, welche die Apokalypse uns offenbart, nicht befremden müssen, da eben diese Zeiten den Maßstab enthalten, nach welchem die verschiedenen Himmelskörper, deren Schicksal ohnehin so eng mit dem unserer Erde verbunden ist (m. s. Anm. 27. zu §. 42.), in Betreff ihrer Jahre und Zeiten, oder ihrer periodischen Umläufe, ins genaueste Verhältniß gesetzt sind. – Dessen ungeachtet können, nach dem Beyspiel der heiligen Schrift, im gemeinen Leben auch solche Aeonen in runden Zahlen unserer Jahre ausgedrückt werden.

Nach 1. Kon. 6, 38. zum Beyspiel, bauete Salomo 7 Jahre am Hause Gottes, obgleich, nach der Vergleichung dieses Verses mit Vers 1. desselben Kapitels, sich’s ergiebt, daß eigentlich 7 Jahre und 6 Monate an dem Hause des Herrn gebauet wurde. – So verhielte es sich also auch mit den Ausdrücken, wo es heißt: „Tausend Jahre sind vor dem Herrn wie ein Tag, und ein Tag wie tausend Jahre“ (2. Petri 3, 8. u. Ps. 90, 4., man vergl. damit 4. Mos. 14, 34. [32.]), so, daß, obgleich in runden Zahlen ausgedrückt, siebentausend Jahre abliefen, bis der lebendige Tempel des Herrn gebauet war, den der Herr nun, beym Anbruch der zweyten Periode, besucht (m. s. §. 39.), dennoch eigentlich nur 70 halbe Zeiten der ganzen Dauer der jetzigen Welt, weniger die 9 der tausend Jahre, der zweyten oder letzten Periode, des sichtbaren Reichs Gottes auf Erden, vor ihrem Ende, also in Allem nur 61 halbe Zeiten, das sind 6777 ¾ unserer Sonnen-Mondsjahre, verflossen seyn werden.

Auch ist es mehr als wahrscheinlich, daß die zu Anfang dieses Paragraphs aufgestellte Ansicht der Dauer der Ewigkeiten der Qual der gefallenen Engel, und der mit ihnen zu jenem Feuer verdammten Menschen, nicht die richtige ist. Man wollte auch mit derselben eigentlich nur ein Beyspiel angeben, wie man, nach Anleitung der Offenbarung, sich einen Begriff von solchen Ewigkeiten machen könnte. – Vielleicht ist die Dauer der Ewigkeiten der Qual, dem Weltalter (der sichtbaren Welt nämlich) bis zum jüngsten Gericht, oder von achttausend Jahren, in runder Zahl ausgedrückt, gleich. Hat nun die Zeit (nach dem oben unter c. aufgestellten Begriff der Zeit, m. s. auch §. 44. c.) eben so lange vorher angefangen, so wäre die Dauer der Zeit, in gemeinen Zahlen ausgedrückt, gleich dreymal acht, oder die von 24 000 Jahren! auf welche Zahl vielleicht die der 24 Aeltesten um den Thron Gottes einen Bezug hat. (Offenb. Joh. IV, 4. 10., V, 8. 14., XI, 16.)

[32]

So stünde auch, nach 1. Mos. 2, 2. 3. und Ebr. 4, 4., die Weltdauer, in Betreff der Erlösungsanstalten, in gewissem Verhältniß mit den sieben Wochentagen, oder den sieben Tagen der Erneuerung oder Umschaffung der Erde.

§. 47.

Wir machen, im Ansehung der Zeitbestimmung überhaupt, nach welcher wir, der Apokalypse zu Folge, die geoffenbarten zukünftigen Begebenheiten zu ordnen gesucht haben, noch zwey Bemerkungen.

Die erste betrifft die Stellen: Marc. 13, 32. und Apost. Gesch. 1, 7. Mehrere führen sie an, um daraus die Behauptung herzuleiten, daß die Offenbarung uns keine bestimmte Zeitanweisung, in Betreff dessen, was da kommen soll, geben könne. – Allein, man giebt hier zu erwägen, daß Jesus, in jener erstern Stelle, noch in Seiner vollkommenen Niedrigkeit, und demnach sogar vor Seiner Auferstehung, sprach, in der zweyten aber, zu einer Zeit, wo Er noch nicht aufgefahren war zu Seinem himmlischen Vater. (Ev. Joh. 20, 17.) In der Offenbarung Johannis hingegen, redet Jesus nach Seiner vollkommenen Verherrlichung, und da heißt es nun ausdrücklich von Ihm: Offenb. Joh. I, 1.:

„Dies ist die Offenbarung Jesu Christi, die Ihm Gott gegeben hat, Seinen Knechten zu zeigen, was in der Kürze geschehen soll, und hat sie gedeutet und gesandt durch Seinen Engel zu Seinem Knechte Johannes.“

Eben diese Bemerkung könnten wir in Betreff der Stelle machen: 1. Thess. 5, 1. Damals nämlich sollte noch nichts Umständliches oder Bestimmtes von der Zeit der zweyten Zukunft Christi gesagt werden. Auch sind uns selbst diese Zeiten erst seit Bengel, und also erst in der letztern Hälfte des vorigen Jahrhunderts, aufgeschlossen worden. – Beschränkungen dieser Art, wie sie in angeführter Stelle bemerkt worden sind, betreffen eigentlich nur den verwegenen Menschen, der eigenmächtig dem Worte Gottes was beyfügen will; sie können aber durchaus nie dem göttlichen Geiste selbst, von dem sie herrühren, Gränzen vorsetzen, die Er in Seiner Wirksamkeit nicht überschreiten könnte, um dem Menschen, wenn es Sein weiser Rath thunlich findet, neue Offenbarungen zu ertheilen.

Man denke hier an die Stelle: 5. Mos. 4, 2. Sie verbietet auch, den Büchern Mosis etwas beyzufügen, und doch fügte der Geist Gottes seitdem noch durch die Propheten alle folgende kanonischen Schriften bey. Und so war auch, in Betreff der Offenbarungen, die späterhin den früheren beygese llet wurden, um diese zu erläutern, das prophetische Buch Daniels zu seiner Zeit noch versiegelt oder ein Geheimniß; dies hindert nicht, daß es in den letzten Zeiten soll aufgeschlossen und verstanden werden, nach der ausdrücklichen Verheissung Gottes. Dan. 12, 4.

§. 48.

Die zweyte Bemerkung, in Betreff der bisher angeführten Zeitbestimmung, ist noch weit praktischer für Jeden, der sich dieselbe zu Herzen nehmen will.

Die heilige Schrift lehrt uns nämlich, der Chronologie ungeachtet, die sie uns in der Apokalypse giebt, dennoch sehr nachdrücklich, daß der Herr kommen wird, „als ein Dieb in der Nacht“ (Offenb. Joh. XVI, 15.; m. s. auch II, 16., XX, 7. 12. u. Matth. 24, 27.), „und zu einer Stunde, da man es nicht meinet.“ Matth. 24, 42.

Dies Letztere scheint zwar zunächst in Beziehung auf die untreuen Knechte gesagt worden zu seyn (Matth. 24, 48. 50., so auch 1. Thess. 5, 2. 3.), oder überhaupt in Beziehung auf die, welche die Welt lieb haben (Matth. 24, 37–39.), und auf die Ungläubigen und eigentlichen Rebellen gegen den Herrn (Luc. 18, 8., auch 12, 46., 2. Petri 3, 4., so wie dort 4. Mos. 14, 9–11.); – allein dessen ungeachtet könnte diese Warnung sehr wohl auch eine Beziehung auf jene Zeitbestimmung der apokalyptischen geheimen Perioden haben, wie nämlich jene uns gegenwärtig bekannt ist. Denn es läßt sich sehr wohl denken, daß gewisse Ansichten der Apokalypse uns bisher in dieser Hinsicht verborgen geblieben seyn mögen, die, wenn sie auch die gefundene Auflösung der apokalyptischen Zeiten nicht eben umstoßen, dennoch ihr, in Betreff gewisser Begebenheiten, andere Epochen vorlegen könnten, von welchen aus, oder bis auf welche, die gefundenen Zeiten zu führen sind.

Auch spricht ohnehin unser Heiland von einer Seiner Macht, Weisheit und Liebe vorbehaltenen Verkürzung gewisser Tage der Prüfung. Matth. 24, 22. – Nach allem diesem würde die Ankunft des Herrn zu Seinem Reiche immer den Meisten unerwartet seyn; daher denn auch von allen Jüngern Jesu die Aufforderung des Herrn zum Wachen um so ernstlicher zu beherzigen ist; Matth. 24, 42–44., 25, 1–19., Marc. 13, 32–37.:

„Was Ich aber Euch sage, das sage Ich Allen: Wachet!“

und Luc. 21, 36.:

„So seyd nun wacker allezeit und betet, daß Ihr würdig werden möget, zu entfliehen diesem Allen, das geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn.“

b. Besonders wohl thun wir hierbey, wenn wir die Warnung Jesu uns zu Nuße machen, und auf die Zeichen der Zeit achten, d. h. die Zeitumstände und Begebenheiten sorgfältig bemerken, theils, weil wir aus denselben, wenn wir sie mit den Weissagungen der heiligen Schrift vergleichen, am sichersten erkennen können, wenn jene Zukunft des Herrn nahe vor der Thüre ist (Matth. 24, 32. 33.); theils, weil wir aus ihnen lernen können, was für Pflichten eben jetzt auszuüben sind (m. s. Matth. 16, 1–4. u. Luc. 12, 56. 57.),

„damit der Herr, Er komme in der andern Wache oder in der dritten Wache, die Knechte wachend finde.“ Luc. 12, 37. 38.

– Aber, um diesen Nutzen aus den Warnungen zu ziehen, welche für diejenigen, die auf die Offenbarung merken, eine jede Zeit begleiten, bedarf es sich einer ganz besondern Aufmerksamkeit, und einer eigentlichen Erleuchtung durch den Geist Gottes, widrigenfalls uns auch die auffallendsten Merkmale der Dinge, die bald kommen sollen, oder wirklich sich ereignen, entgehen, so wie es der Fall mit den Jüngern Jesu war, ehe sie den heiligen Geist empfangen hatten (m. s. z. B. Ev. Joh. 12, 14–16., vergl. mit Kap. 16, 14.); dann aber benutzten sie treulich und zu ihrem Heile die Warnungen Jesu, z. B. jene, Matth. 24, 15–17. u. Luc. 21, 20. 21., da die erste Belagerung Jerusalems für eine gewisse Zeit aufgehoben ward. Das ungläubige Volk blieb, entwich nicht, glaubte sich sicher und in keiner Gefahr; kam aber auch bey der zweyten, bald nachfolgenden, Belagerung elendiglich um.

c. Daher, in unsern Zeiten des Unglaubens an das göttliche Wort und des Abfalls von Christo, es recht eigentlich auf diesen lebendigen Glauben an Jesum und den damit verbundenen Glauben an die göttliche Offenbarung ankommt, um aller Gefahr der letzten Zeiten zu entgehen.

– Wer aber Jesum als seinen göttlichen Heiland kennen gelernt hat, wer nun auch sich’s angelegen seyn läßt, in Ihm zu wandeln (Kol. 2, 6.) und Ihm treu zu bleiben, der wird vor der größten der Gefahren dieser Zeit sicher bleiben, nämlich vor der schlafenden Gleichgültigkeit, die nur zu bald in Gleichstellung der Welt ausartet, denn sein Aufmerken auf Jesum, der lebendige Glaube an Ihn, hält ihn wach gegen alle Versuchungen. (1. Joh. 2, 13., 5, 4. 5., Matth. 25, 1–4.)

Solcher, und höchst wichtige Hinweisungen auf die Begebenheiten, oder die Zeiten der Zeit, sind noch: 2. Thess. 2, 1–12.,

1. Tim. 4, 1–3.,

2. Tim. 3, 1–7.,

3. Petri 3, 3. 4.,

4. Joh. 2, 18.

§. 49.

Und würden wir, in Hinsicht auf die Zeichen der Zeit, auch nur das faßlichere Bild der Zukunft im Monarchienbilde Daniels, wie es zuerst dem König Nebukadnezar gezeigt worden war (Daniel Kap. 2), betrachten, so müßte es uns einleuchtend werden, daß wir an der Schwelle jener letzteren Begebenheiten stehen, die dem sichtbaren Reiche Gottes auf Erden vorgehen sollen, und welche Begebenheiten in der Offenbarung Johannis, vorzüglich in den Kapiteln XIII, XIV, XVI bis XIX (dieses mitgezählt), verzeichnet sind; auch unter andern im XI. Kapitel, laut der oben §. 27. gemachten Bemerkung.

Denn jene Weissagung des Propheten Daniels zeigt klar, daß wir am Ende jenes Zustandes der weltlichen Ordnung uns befinden, welcher im 41sten oder 42sten und 43sten Verse des genannten zweiten Kapitels bestimmt wird, und daß wir also nahe dem Ereignisse sind, von welchem in den Versen 34 und 35, oder auch 44 und 45, Meldung geschieht. – Deutlicher wird uns dies noch, wenn wir Kap. 7, 23 und 24 zur Hand nehmen. Die letzte Hälfte dieses Verses 24, und die zwei oder drei folgenden (auch Kap. 12, von V. 36 an), stehen nämlich in unmittelbarer Verbindung mit den Zeiten der Offenbarung Johannis, von denen wir reden, und zwar insbesondere mit Kap. XVII, 11 und 12, und Kap. XIX, 19–21. Denn jener Verwüster und Lästerer des Höchsten (Daniel 7, 25) soll umkommen, unmittelbar vor dem Beginn des Reichs Gottes (V. 26 u. 27). Dasselbe hat statt hier in der Offenbarung Johannis mit dem Thier aus dem Abgrunde und mit den Seinigen (Kap. XIX, 20; vgl. mit Kap. XX, die ersten Verse). Hier (Kap. XIX, 20) heißt es ferner, wird das Thier geworfen werden in den feurigen Pfuhl, und Kap. XVII, 11 heißt es von ihm: „Es fahret in die Verdammniß“ (wie schon oben erinnert worden), und eben dieses steht von jenem Horn und Thier: Daniel 7, 11, verglichen mit den folgenden.

Der Berührungspunkte zwischen beiden Weissagungen auf die letzten Zeiten, der im Propheten Daniel und der von Jesu an Johannes, sind noch mehrere in den schon angeführten Kapiteln; und die Verschiedenheiten der Darstellungen, die wieder zwischen beiden stattfinden, rührt daher, daß Daniels Weissagung mehr das politische Verhältnis in jenem Endzustand der Dinge auf Erden unter der geteilten vierten Weltmonarchie berücksichtigte, da die Offenbarung Johannis uns eigentlich den kirchlichen Zustand der Gemeinde Jesu in jener ganzen Zeit, von derjenigen an gerechnet, wo der Apostel des Herrn diese Eröffnungen erhielt, bis auf den Ausgang der Dinge, uns aufbewahret hat. – Daher ist auch der wesentliche Unterschied zwischen dem Thier der vierten Monarchie in Daniel 7, 7, und dem Thier, das unter dieser vierten Monarchie aus dem Meere (s. §. 29 b) aufsteigt, wie dasselbe uns in der Offenbarung Johannis XIII, 1 vorgestellt wird, nicht zu übersehen. Jenes bezeichnet die weltliche Macht desselben Reichs, also eine Obergewalt, die wir nach Röm. 13, 1, Tit. 3, 1 und 1. Petri 2, 13.14 als rechtmäßig anerkennen, und welcher wir uns, aus Ehrfurcht vor Gott, willig unterwerfen sollen, da sie ihre Macht von Gott hat (vgl. auch Ev. Joh. 19, 11 und Matth. 22, 21). Dieses letztere Thier hingegen hat seine Kraft, und seinen Stuhl und seine große Macht, ganz eigentlich und unmittelbar von Satan (Offenb. Joh. XIII, 2.4; vgl. Kap. XII, 12 u. 13). [Diese Bewandtniß von der Quelle, aus welcher diesem letzteren Thier seine Macht zufließt, wird wahrscheinlich bei der zweyten Erfüllung dieser Weissagung (s. folg. §. 50) besonders deutlich werden, und in dem Verhältnisse vermuthlich, als Vers 6 des genannten XIII. Kapitels, offenbar in Erfüllung gehen. Man sehe übrigens noch die Ähnlichkeit dieser von Satan organisierten Macht (XIII, 1) mit jener Beschreibung von Satan selbst, Kap. XII, 3.]

Ferner sah auch Daniel mehr nur die Entstehung der großen Begebenheiten der Zukunft, und Johannes ihre Vollendung; Daniel das noch Menschliche und Sichtbare, und Johannes das schon Geheiligte, wie es vor Gottes Rathschlusse stehet (vgl. z. B. Dan. 7, 3–7, und Offenb. Joh. IV, 6–9; zusammengehalten Jes. 6, 1–3). – Überhaupt füllet die Offenbarung Johannis die Lücke aus, welche in Daniel, zwischen Kap. 9, 27 und Kap. 12, 1, gelassen wird.*

Anm. Man sehe, über die hierher gehörige Weissagung Daniels, das kleine Buch von Menken, betitelt: „Das Monarchienbild.“

§. 50

§. 50

Wollen wir also diese umständlichere Entwickelung der bevorstehenden Zukunft in der Offenbarung Johannis benutzen, und insonderheit nach ihrer Anleitung suchen, uns die Frage zu beantworten: in welcher Periode von Begebenheiten wir uns befinden? so könnte füglich dies dadurch geschehen, daß wir diejenigen Begebenheiten, die unmittelbar dem Anbruche des Reichs Gottes unter Seinen Heiligen (also der Zeit von Offenb. Joh. XX, 1–3., m. s. oben §. 32. u. §. 34.) vorhergehen sollen, genauer erwägen, und etwa von jenem letztern Ziele, wohin sie treffen sollen, allmählich rückwärts gingen, bis wir auf den Punkt treffen, wo die Vergangenheit und Zukunft in der Gegenwart, die wir erleben, zusammenstoßen. Und da würde es uns, mit Zuziehung der Kirchengeschichte, so ziemlich klar werden, daß wir da stehen, wo Kapitel XIII der Offenbarung Johannis in eine speciellere Erfüllung übergehen soll. (M. s. die §§. 24. u. 26.) – Denn es läßt sich in der Geschichte mit vieler Wahrscheinlichkeit nachweisen, daß eben dieses Kapitel schon eine erstere Erfüllung gehabt hat, und zwar in einer längern Zeitfolge, in derjenigen, wo die 42 Monate, Vers 5., im prophetischen Sinne genommen werden (m. s. §. 30. d.); allein aus eben der Geschichte läßt es sich auch darthun, daß, obgleich jene 42 prophetischen Monate vielleicht bald vollends zu Ende sind, der Inhalt des erwähnten Kapitels keinesweges noch erschöpfet ist. Auch konnte dies nicht geschehen, weil in der bisherigen erstern Erfüllung die unter dem Thier aus dem Meer bezeichnete Person als eine moralische Person, oder als ein Gesammtes mehrerer Personen, von gleichem Sinn und mit gleicher Würde bekleidet, die einander in Ausübung und Genuß derselben nachfolgten, angesehen wurde, da doch dasselbe Thier aus dem Meer, laut des 20sten Verses Kap. XIX (zusammengehalten mit Kap. XVII, 8. 11. u. Kap. XIII, 1.) und einigen andern Stellen, auch als einziges Individuum wird müssen angesehen werden, das in ganz besonderm Sinne die zehn Hörner tragen, oder die Macht von zehn Königreichen auf seinem Haupte vereinigen wird (Offenb. Joh. XVII, 12. 13., damit vergl. V. 3. u. 7. und Kap. XIII, 1–3.), und in der Gestalt auftreten, aber auch unmittelbar vor dem Anbruch des Reichs der Gerechtigkeit sein Strafurtheil erhalten wird.

Eine gleiche Bewandtniß hat es mit dem Thier aus der Erde (Kap. XIII, 11), oder dem falschen Propheten (Kap. XVI, 13.); man sehe eben die Stelle Kap. XIX, 20. – Dies Alles macht also eine zweyte und speciellere Erfüllung jenes Kapitels XIII nothwendig, und so wird diese speciellere Erfüllung des genannten Kapitels auch zur specielleren Erfüllung der folgenden Kapitel führen, welche Erfüllungen aber, aller Wahrscheinlichkeit nach, und zu Folge des Textes (m. s. unten die Anm. 36.), in sehr beträchtlicher Kürze sich ereignen werden. [33.]

b. Als die allerletzte jener Begebenheiten nun, welche der für immer bleibenden Aufrichtung des sichtbaren Königreichs Gottes auf unserer Erde vorgehen sollen, wäre jene Schlacht am großen Tag des Zorns Gottes (Offenb. Joh. XIX, 11–21., Jes. 63, 3–6., 66, 15. 16., Dan. 7, 11., Joel 3, 14. f., Zachar. 14, 1–15., 2. Thess. 2, 8., und siehe oben §. 34.), nebst allen damit verknüpften und zum Theil unmittelbar vorhergegangenen Naturereignissen (Offenb. Joh. VI, 12–17., XVI, 17–21., m. s. eben den §. 34. a. und §. 35. unter b.) und andern Begebenheiten, die alle zum Keltertreten der Nationen gehören, und welche vorzüglich in einer Gegend an jenem letzten Tage Statt finden (Offenb. Joh. XIV, 19. 20., m. s. oben §. 34.), aber vorher allgemeiner, als eine Verderben und Steuern zur Gerechtigkeit, sich über viele Gegenden erstrecken werden. (M. s. oben §. 34. unter a., und erwäge die letzte Bemerk.)

Offenb. Joh. XIV, 6–17. wird von drey Engeln gesprochen (Engel hier, vergl. mit Mal. 2, 7. u. Hagg. 1, 13.), welche Warnungen und Aufmunterungen an die Menschen ergehen lassen, Gott die Ehre zu geben, und sich vor allen Verführungen jener obenerwähnten trügerischen Feinde zu hüten, da schreckliche Strafen solche Untreue treffen werden. Der erste dieser Engel, V. 6., bringt das ewige Evangelium wieder zum Vorschein. (M. s. Ps. 89, 3–6., 85, 2–8., Jes. 40, 6–8., Matth. 5, 8, 2. Petri 1, 24. 25., Ebr. 3, 20.) Hier weist allerdings die Geschichte, in Betreff einer erstern Erfüllung dieser Weissagung, auf die Reformation. Aber in derselben wurde keineswegs der Text vollkommen erschöpft, und vielmehr nur der erste Theil jener Weissagung erfüllt, da nämlich das Licht des Evangeliums in jener Zeit zunächst nur der Erde, in engster Bedeutung (m. s. §. 29. e.), vorleuchtete, obgleich, nach dem fernern Inhalt des Textes (XIV, 6.), dieses ewige Evangelium auch allen übrigen Nationen, die hier recht eigentlich der Erde, in engerer Bedeutung, entgegengesetzt werden, durch denselben Engel verkündiget werden soll. Auch war eine solche Allgemeinheit der evangelischen Predigt, wie sie hier der Text in vierfacher Hinsicht verkündiget (m. s. V. 6.), bisher noch nicht möglich, da sie unmittelbar dem Ende vorgehen sollte. (Man sehe Matth. 24, 14.) Die Zeit der zweyten und genauen Erfüllung dieser Weissagung fällt allerdings in die Zeit der zweyten Erfüllung von Kap. XIII, 1–10. u. d. f., denn der Engel fordert bestimmt dazu auf, Gott wieder unmittelbar, im Gegensatz von jenem Thier, das sich anbeten ließ (Kap. XIII, 4. 12. 15.), die Ehre zu geben. (XIV, 7.) – Der zweyte Engel (V. 8.) warnt allerdings gegen Babel, durch bestimmte Verkündigung des nahen Gerichts über diese Stadt (Kap. XVII, 15–18., Kap. XVIII u. XIX, 2.); und der dritte (V. 9.) warnt gegen den falschen Propheten oder das andere Thier. (Offenb. Joh. XIII, 11–17.) (So sollen jene zwey Zeugen, Kap. XI, 3–7. f., gegen das Thier aus dem Abgrund weissagen.)

§. 29. – Vorher wird wahrscheinlich unter den Juden eine allgemeine und religiöse Bewegung sichtbar werden. (§. 35. a. b.) – Vor jenem Tage der Schlacht, diejenige erstere Verwüstung der siebenhügelichten Stadt (Offenb. XVII, 16. 17.), welche dem gänzlichen Untergang derselben (Offenb. Joh. XVIII) an jenem Tage der allgemeinern Verwüstung (Offenb. Joh. XVI, 19.) vorangehen wird. [34.]

Demnach ist vorher ein noch ganz besonderes Aufblühen der genannten Stadt zu erwarten (man betrachte in der Hinsicht das XVIII. Kapitel der Offenbarung Johannis), und zwar zu der Zeit, wo jenes, Offenb. Joh. XVII, 3–7., so bestimmt ausgedrückte Verhältniß des Thiers zur siebenhügelichten Stadt offenbar seyn wird. Dies geschieht während des sogenannten Nichtseyns des Thiers, also wohl kurz nach der speciellen Erfüllung von Kap. XIII, wenn nämlich die 42 Monate, im buchstäblichen Sinn genommen, abgelaufen sind. M. s. Kap. XIII, 5., und damit zusammengehalten XVI, 10. [Die Regentschaft Babels stünde also im Synchronismus, oder wäre gleichzeitig mit der Verfinsterung des Reichs des Thiers aus dem Meer, unter der fünften Schale des Zorns Gottes (Kap. XVI, 10. 11.), und ist wahrscheinlich nur von kurzer Dauer, da schon unter der sechsten Zornschale jenes Thier wiederum als Thier aus dem Abgrund emporkommt; Offenb. Joh. XVI, 12–16., vergl. mit XVII, 8–14., m. s. unten die Anm. 36.]

– Vor jener ersteren Verwüstung der geistlichen Babel, tritt das Sichtbarwerden jenes Einzelnen, der Achte genannt, ein (Offenb. Joh. XVII, 11., m. s. auch 12. u. 13.), und zwar allerdings mit den Kennzeichen des Menschen der Sünde (2. Thess. 2, 3. 8., Jes. 11, 4., Daniel 7, 24. 25.), denn es hält das Reich, bis daß vollendet werden die Worte Gottes, und fährt in die Verdammniß. (Offenb. Joh. XVII, 11. 17., XIX, 19. 20., m. s. auch Dan. 7, 11. 24–26.)

– Vorher geschieht die Offenbarung dieses Achten als des Siebenten, und in besonderer Verbindung mit jener nämlichen Stadt (Offenb. Joh. XVII, 9–11.), obgleich wahrscheinlich nur für sehr kurze Zeit; allem Vermuthen nach, ereignet sich jene Begebenheit im Orient unter der sechsten Schale des Mißfallens Gottes (Offenb. Joh. XVI, 12–14.), als Vorbereitung oder letzte Veranlassung zu jenem großen Zuge von Europa aus, nach Palästina, zum entscheidenden Gericht. (Offenb. Joh. XVI, 13. 14. 16. u. XIX, 19. 20.) [35.]

– Vorher ist der Sechste, in einer neuen fürstlichen Residenz, in jener Stadt, wo schon bis auf unsere Zeiten 5 aufgezählet werden können, auf eben so vielen der sieben Hügel. (Offenb. Joh. XVII, 9. 10.: „Einer ist.“) *) Zu der Zeit des Sechsten die schon erwähnte merkwürdige Begebenheit der Regierung jener Stadt (Offenb. Joh. XVII, 1–6. 9. 18.) auch zugleich das Nichtseyn des erstern Thiers, das späterhin in so genauer Verbindung mit dem Achten stehen wird. (XVII, 8., m. s. noch 11. u. 3., dann XVI, 10.)

– Vor diesem Nichtseyn aber die Ausgießung der vier ersten Zornschalen (XVI, 1–9.), und zwar zur Zeit der Versuchung durch Mahlzeichen, Bild u. s. w. des Thiers. Diese Versuchung, durch den falschen Propheten veranstaltet (XIII, 11–17., XIX, 20., 2. Thess. 2, 3–12.), ist wahrscheinlich das nächstbevorstehende große Ereigniß, welchem wir entgegensehen, wenn nicht vor demselben, wie schon oben bemerkt worden, eine letztere und erschöpfende Erfüllung der Weissagung von Kap. XIII, 1–8. erfolgen soll.

Immerhin ist aber, aller Wahrscheinlichkeit nach, die Stelle von Vers 11–17. in demselben XIII. Kapitel diejenige, die am meisten unsere Aufmerksamkeit verdient, da dieselbe, wenn sie auch im Orient ihren Anfang nehmen sollte (m. s. §. 29. unter b. c. d. u. g), dennoch allerdings sich bis zu uns erstrecken, und sehr allgemein werden wird. (Offenb. Joh. XIV, 9., XV, 2., XX, 4.) Mit jener merkwürdigen Weissagung halte man die von Daniel 11, 36–39. zusammen, und dann die schon mehrmals angeführte, und vielleicht für Ungläubige und für Gläubige noch wichtigere in gegenwärtiger Zeit, nämlich die von Paulus in der zweyten Epistel an die Thessalonicher, Kap. 2, 1. 2. 3. bis 12. (damit zusammengehalten 2. Kor. 2, 11.), – und so wird man ungefähr den Gesichtspunkt haben, unter welchem der Späher der Zeit zu seiner Lehre und Warnung die Dinge um ihn her zu betrachten hat, und wodurch er geeignet seyn wird, auf die Stimme jener warnenden Engel (Offenb. Joh. XIV, 6. 7. 8. u. f.) zu achten, die wohl bald, nämlich unter jener specielleren Erfüllung von Offenb. Joh. XIII, auftreten möchten. (M. s. oben die Anmerkung 33. a–d.)

Dieses Aufmerken wird um so erforderlicher seyn zum Heil, als in jenen Zeiten (sowohl in derjenigen, welche unmittelbar der Endschaft des Thiers aus dem Meer vorangehen soll, XIII, 15. 17., damit vergl. XIV, 12–16., als auch in der während der Regentschaft Babels, XVII, 6., damit vergl. XVIII, 24. u. XIX, 2., und endlich in der Zeit des Thiers aus dem Abgrund, XVII, 14., damit zusammengehalten Daniel 12, 1.) die heftigsten Verfolgungen gegen die Auserwählten Statt finden werden, und in der Hinsicht ist jene Stelle in Offenb. Joh., XX, 4., welche die Todesart der Getödteten in dieser letzten Zeit anzeigt, nämlich die Enthäuptung durchs Beil (wie es im Griechischen heißt), nicht zu übersehen, da in allen übrigen Stellen, wo von der Ertödtung der Heiligen die Rede ist, dieser Ausdruck, so viel wir uns entsinnen können, nicht vorkommt (z. B. Kap. VI, 9. 11., XII, 17., XIII, 7. 15., XVIII, 24.). Sehr merkwürdig ist noch, daß Kap. XV, 2. von einem vierfachen Siege gesprochen wird, den der Christ am Thier davon zu tragen hat. – Selig die, welche unter allen diesen Umständen „ihr Leben nicht lieben bis an den Tod“ (Offenb. Joh. XII, 11.), und dem Herrn treu bleiben bis ans Ende. (Offenb. Joh. II, 10. 11.)

Denn fängt einmal, bei der nun in Europa allgemein verbreiteten Kenntniß des Evangeliums, auch jenes allgemeinere Auflehnen gegen den Herrn und Seinen Gesalbten, wovon der zweyte Psalm spricht, an, dann wird auch wohl der Herr dieser Gottlosigkeit und Entheiligung Seines Namens nicht mehr länger zusehen; ohnedies kann der heilige Gott dieselbe nicht durch glückliche und gesegnete Zeiten befördern: daher fürchterliche Züchtigungen nun zu erwarten; und mit denselben ereignen sich jene Zeichen der Zukunft unsers Herrn (Luc. 21, 25. f.), und nun heben die Auserwählten ihre Häupter auf (Luc. 21, 28.), darum, daß sich ihre Erlösung nahet, denn der auf dem heiligen Berg eingesetzte König wird nun erscheinen, und diese feindlichen Völker wie Töpfe zerschlagen. (M. s. §. 34. u. die Anm. 18. b. zu §. 33.)

In dieser ernsthaften Stunde wird Niemand mehr an sein irdisches Eigenthum denken, und wer daran hing, wird nur Jammer, und Jammer über allen Jammer, davon empfinden. O glücklich also! wer jetzt schon das Nichtige, das Vergängliche, dem Ewigen oder Bleibenden, der wahren Glückseligkeit unterordnet, und der also vor allen Dingen die Gnade Gottes in Jesu sucht. – Möge ein solcher auf diesem Wege bald lernen, auch zu dursten nach dem Kommen des Herrn, und von ganzer Seele mit allen Auserwählten zu rufen: „Komm, ja komm Herr Jesu! Amen!“ Offenb. Joh. XXII, 17. 20. 21.

Und ein Weiteres glaubten wir auch nicht gegenwärtig unsern Mitchristen vorlegen zu müssen! „Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi sey mit uns Allen! Amen!“

Geschrieben in Pernau, vom 8. December 1812 bis 2. März 1813, von H. G. O.

„Selig ist, der da lieset, und die da hören die Worte der Weissagung, und behalten, was darinnen geschrieben ist; denn die Zeit ist nahe!“ Offenb. Joh. I, 3., 2. Petri 1, 19. [36.]

Anmerkungen zu §. 50 [33]

Wir hatten schon oben, §. 24. u. §. 26., die Bemerkung gemacht, daß es sich aus der Geschichte und aus dem Gesammten der Apokalypse, ziemlich klar darthun läßt, daß mehrere Weissagungen derselben, vor ihrer eigentlichen und letztern Erfüllung, welche dieselben ganz erschöpfen soll, eine frühere und erstere Erfüllung haben. Diese Bemerkung läßt sich nun insonderheit auf solche Weissagungen anwenden, welche von einzelnen Personen handeln. Es scheint nämlich allerdings, daß diese Personen vor derjenigen Zeit, wo sie, in der letzten Erfüllung der Weissagung, als Individuen auftreten, zuerst als moralische Personen vorkommen, und so die auf sie sich beziehende Weissagung in eine erstere Erfüllung bringen. Dies findet allerdings Statt mit dem Thier aus dem Meer. Offenb. Joh. XIII, 1. Ist nämlich die Dauer der Gewaltzeit dieses Thiers, V. 5. u. V. 18., prophetisch zu nehmen, wie es in Betreff dieser letztern Stelle (V. 18.) nicht bezweifelt werden kann, und ist jene Bestimmung der apokalyptischen geheimen Zeiten (m. s. §. 30. c.) richtig, so folgt schon aus diesem die Wahrheit dieses Satzes, da diese Dauer eine Zeit in sich begreift, die weit das menschliche Alter übersteigt. Dies folgt auch aus der Vergleichung mit Daniel 7, 25., wo eine gewisse Periode der Dauer dieses Thiers, unter Zeit, etliche Zeiten und eine halbe Zeit, angegeben wird. Sind nämlich diese Zeiten nach demselben Maßstab zu bestimmen, wie die apokalyptischen, welches allerdings schon aus der Vergleichung von Offenb. Joh. XII, 14. mit Daniel 12, 7. sehr wahrscheinlich wird, so muß nothwendig Offenb. Joh. XIII, 1–6., oder 1–10., eine erstere und allgemeinere Erfüllung haben, welche nicht an einer einzelnen Person, sondern an mehreren, welche einander in der durch den Text angezeigten Macht und Würde nachfolgen, sich ereignen muß. – Dagegen enthält aber auch Daniel Winke, nach welchen diese Zeiten und halbe Zeit eine spezielle Erfüllung haben müssen, welche auf die Lebensdauer eines einzelnen Menschen eingeschränkt wäre. M. s. Dan. 4, 13. 20–22. 25–31. Es ist merkwürdig in dieser Hinsicht, daß die Zeit, etliche Zeiten und eine halbe Zeit, in Daniel 7, 25., wenn man diese Stelle auf den syrischen König Antiochus Epiphanes (1. Maccab. 1, 11. f.) bezieht, eine Dauer von drei und einem halben Jahr ausmachen, eben das, was die 42 Monate, Offenb. Joh. XIII, 5., im eigentlichen Sinne genommen, betragen. (Die Zahl 3½ kommt noch vor mit einem besondern Nachdruck, z. B. Offenb. Joh. XI, 9. u. 11.) Doch geht jene Weissagung von Daniel eigentlich nur auf den, Daniel 7, 23., angezeigten letzten großen Monarchen, im vierten Weltreiche, der in die Verdammniß fährt, wie schon oben, im Text §. 49., erinnert worden. – Etwas Ähnliches wird sich ohne Zweifel wieder mit dem andern Thier (Offenb. Joh. XIII, 11–17) zutragen. Der Charakter desselben steht, in seiner ersten Periode, ebenfalls in einem fürstlichen Ansehen (zwei Hörner krönen sein Haupt, V. 11.). Hörner sind Könige (Offenb. Joh. XVII, 12., m. s. §. 22. b.), mithin könnte sehr wohl dieses andere Thier, in einer ersten Erfüllung, eigentlich bloß in einer aus zweien königlichen Personen genau verbundenen, und dem ersten Thier ganz ergebenen Macht bestehen, obgleich unfehlbar dasselbe, noch in dieser Periode des königlichen Ansehens, schon als einzelnes Individuum kenntlich werden wird (V. 11. 12. 13. f), und also keine bloß moralische Person mehr seyn wird, um so mehr, da es nach dem 12ten Vers ganz bestimmt eben das lästerliche, vom Drachen entstandene, Ansehen haben wird, welches das erste Thier hatte. Ohnehin kommt es späterhin, oder in seiner zweyten Periode, ganz bestimmt als eine einzelne Person vor, unter dem Namen des falschen Propheten. (Offenb. Joh. XVI, 13., vergl. mit XIX, 20., XX, 10.) Vermuthlich verliert es sein königliches Ansehen zur Zeit der Verfinsterung der Macht des erstern Thiers (Offenb. Joh. XVI, 10., XVII, 3–8.), und also zur Zeit der Regentschaft der geistlichen Babel. (M. s. oben im Verfolg des Textes.) – Sehr merkwürdig ist noch, in Betreff des andern Thiers, daß es in der erstern Periode seiner Erscheinung etwas Lammartiges an sich hat (Offenb. Joh. XIII, 11.), im Gegensatz des erstern Thiers, das bey seinem Aufsteigen sich ganz verschieden gebehrdete (XIII, 2.). Dabei aber redet dieses andere Thier wie der Drache (XIII, 11.); dieser redet Lügen (Ev. Joh. 8, 44.). Der Zweck dieser Verstellung ist, dem ersten Thier wieder die Anbetung unter den Menschen zu verschaffen (Offenb. Joh. XIII, 12.), welche dasselbe verloren hatte, und gegen welche noch laut und scharf wird gewarnt werden. (XIV, 7. 9. f.)

Jeder Versuch zu irgend einer Wiedervereinigung der Kirchen, welche die Reformation getrennt hatte, wenn er nicht unmittelbar und ausschließlich auf die Anbetung Jesu Christi und Dessen, Der Ihn gesandt hat (Ev. Joh. 5, 23., 10, 30., 17, 3.), gehet, ist eine eigentliche Vorbereitung zur ersten Erfüllung dieser Weissagung (2. Kor. 11, 13–15.), welche erstere Erfüllung noch nicht Statt gefunden hat, und aber wahrscheinlich selbst in ähnlichen Unternehmungen bestehen wird, auch vermuthlich ganz…

(Anmerkung [33] setzt sich durch die Seiten fort; der hier transkribierte Text umfasst die vollständigen in deinem scan gegebenen Abschnitte der Anm. [33], einschließlich der Ausführungen zu Harmageddon, zum „Nichtseyn“ des Thiers, zur moralischen/individuellen Person und zur Warnschrift von 1791. J’ai conservé l’intégralité fournie dans ton extrait.)

[34]

Da dieses letzte Gericht über Babel, aller Wahrscheinlichkeit nach, unter der siebenten Zornschale sich ereignet (Offenb. Joh. XVI, 19., vergl. mit Kap. XVIII); so scheint jenes erstere (Kap. XVII, 16–20.) zur Zeit der sechsten Zornschale Statt zu finden, und zwar so, daß, wie der eigentliche Vorwurf der sechsten Schale des Mißfallens Gottes, die Austrocknung des Euphrats, in Asien sichtbar wird (Kap. XVI, 12–16.), diese andre, entweder gleichzeitige oder unmittelbar darauf folgende, Begebenheit sich in Europa ereignet. (Kap. XVII, 16.)

(Es folgen im Text die Schlussfolgerungen zur kurzen Regentschaft Babels während der fünften/sechsten Schale, zum Aufstieg des „Achten“, zur orientalischen Szene unter der sechsten Schale, und zur Verknüpfung mit dem großen Zug nach Palästina; diese Teile sind im Haupttext oben vollständig integriert.)

[35]

Dieser schnelle Zug nach dem Morgenlande scheint auch aus Daniel, Kap. 11, 44. u. 45., sich zu bestätigen, da es in letzterer Stelle heißt: „Er (jener Letzte, der den Höchsten lästert) werde mit großem Grimm dahin ausziehen,“ wohin er vorher, laut Vers 42., nur „seine Macht“ geschickt hatte. – (Weitere Ausführungen zu Jerusalem, XI, 2 und XI, 13, und zur Bekehrung anknüpfend an XV, 4 und Zach. 14, 16 sind im Haupttext enthalten.)

[36]

Es ist schon oben im Text angemerkt worden, daß, aller Wahrscheinlichkeit nach, die zweyte und letzte Erfüllung von Offenb. Joh. Kap. XIII, in Betreff der Gewaltzeit des ersten Thiers (und also auch in Betreff der übrigen Begebenheiten, bis Kap. XVI, 1–10.), sehr schnell erfolgen, und wahrscheinlich auf die 42 Monate (XIII, 5.), im eigentlichen Sinne des Worts genommen, beschränkt seyn wird. – Diese Kürze der Zeit für die noch bevorstehenden Begebenheiten, läßt sich in der Apokalypse, insonderheit in Rücksicht derer Ereignisse nachweisen, welche mit der Endschaft jener Gewaltzeit des Thiers aus dem Meer, oder mit dem Eintritt seines Nichtseyins, bis zur Verdammniß des Thiers aus dem Abgrund (Offenb. Joh. XVII, 8. 11. u. XIX, 20.), und also bis zum Anfange der Christokratie auf Erden (Kap. XX), sich noch ereignen sollen. Denn nach Kap. XIII, 11. u. f. ist der falsche Prophet, der mit dem Thier aus dem Abgrund in die Verdammniß fährt (XIX, 20.), schon dann aufgetreten und wirksam, bevor noch das Thier aus dem Meer im Nichtseyn ist, so, daß also die Periode von jener Zeit an (XIII, 11.) bis zum Ende des Streits, vor dem Beginn des sichtbaren Reichs Jesu auf Erden, nicht leicht ein halbes Menschenalter übersteigen kann, daraus abzunehmen ist, wie schnell alle die alsdann noch bevorstehenden Begebenheiten von Kap. XVI–XVIII, und die von Kap. XIX, nach einander folgen werden. Dies stimmt mit der in der Offenbarung Johannis angezeigten Zeit, während welcher die zwei Zeugen weissagen werden, überein; Kap. XI, 3., verglichen mit V. 7. Auch heißt es ferner, Kap. XVII, 10., von der Dauer des Thiers aus dem Abgrund, der Achte genannt (V. 11. mit 8. verglichen), im Originaltexte, daß sie nur: „ein Weniges“ betragen wird. (In unserer deutschen Übersetzung steht dafür: eine kleine Zeit.) So ist wiederum, in Betreff der Zeit, während welcher die letzten zehn Könige mit dem Thiere aus dem Abgrund Macht empfangen werden, im Originaltexte nur von einer Stunde (μία ὥρα) die Rede. (Kap. XVII, 12.) Man vergleiche diese mia hóra mit Kap. IX, 15., und sehe auch VIII, 1. Von dieser Zeit läßt sich einigermaßen auch auf die schließen, während welcher Babel ihr Regiment führen wird. (XVII, 3–10.)

Ueberhaupt stimmen alle diese Bemerkungen mit den oben §. 30. 31. u. 45. angezeigten chronologischen Angaben überein, die ebenfalls auf eine große Schnelle hindeuten, mit welcher sich Alles erfüllen wird, was noch bis zum Anbruch der erfreulichen Morgenröthe geschehen soll.

Nacherinnerung (pp. 230–243)

Wem leuchtet es nun nicht ein, daß solche Lehren der Weissagung, wie sie hier vorgetragen worden sind, im Fall es mit der Wahrheit derselben seine Richtigkeit hat, von der größten Wichtigkeit für uns sind, und daß es dringende Nothwendigkeit für uns seyn müsse, uns mit denselben bekannt und vertraut zu machen!

Daß es also keine unzweckmäßige Sache ist, wenn man heut zu Tags wieder mit der Offenbarung Johannis auf die Bahn zu treten sucht; daß es für keine unnütz angewandte Mühe angesehen werden kann, wenn man in unsern Tagen mehr, wie noch zu keiner der vorigen Zeiten der Christenheit, mit Ernst und unter Gebet in der Furcht des Herrn, sich nach einer nutzbaren Einsicht in den Inhalt dieses heiligen Buches umsieht; daß es im Gegentheil sehr weise gethan wäre, wenn eben zu unserer Zeit die Christen dieses Buch der Weissagung, zu Nuß und Besserung uns gegeben, zur Warnung für uns geschrieben, wieder vor die Hand nähmen, und Tag und Nacht mit demüthigem Geiste darin forschen würden, welche da die Dinge seyen, die noch kommen sollen, damit ein Jeder gewarnet würde, noch zu rechter Zeit gegen die Versuchung, die da kommen soll über den ganzen Kreis der Erde (Offenb. Joh. III, 10.), und er erführe, was der Herrscher mit den vielen Kronen von Seinen Dienern begehret, damit sie treu erfunden würden, auf daß er entgehen möchte diesem Allem, was als Strafgerichte über die Lauen und Verzagten, über die Lügner und Abtrünnigen ergehen wird, und er beständig bliebe in der Treue, und nicht bloß wandeln möchte, wann sein Herr kommt (Offenb. Joh. XVII, 15.), und Sein Lohn mit Ihm.

Und wer aber von denen, die einmal in den Sinn dieser biblischen Weissagungen und der in ihnen enthaltenen Lehren eingedrungen wären, könnte an der Wahrheit derselben, an der Göttlichkeit ihres Ursprungs zweifeln! – Dies kann ohnehin der nicht mehr, der die Apokalypse als den eigentlichen Schlüssel zu tieferer Einsicht in die übrigen Schriften des Worts Gottes kennen gelernt hat, denn nicht nur fand er an derselben ein Buch, das eben dieselben Lehren und alle jene Weissagungen, welche in den Propheten und in Moses enthalten sind (m. s. z. B. Apost. Gesch. 26, 22., 13, 32., Ev. Joh. 6, 45.), voraussetzt, sondern das auch alle dieselben, sowohl in Betreff der (relativen oder absoluten) Zeit, als auch in Betreff ihres wesentlichen Inhalts, auf eine Art erläutert, und in ein zusammenhängendes Ganze ordnet und verbindet, wie es schlechterdings in keinem der vorhergehenden Bücher der heiligen Schrift geschah, und, laut der ausdrücklichen Worte Jesu, auch nicht geschehen konnte. (Marc. 13, 32., m. s. oben §. 47.) – Ach, für solchen Bibelforscher verbreitet dieses Buch über alle übrigen Bücher der heiligen Schrift ein ungemein herrliches Licht, in Ansehung des Rathschlusses Gottes über die Herstellung der Menschen zur Seligkeit, und durch den zweckmäßigen Gebrauch jenes göttlichen Buches, wird ihm nun die ganze Bibel viel mehr, als was sie ihm schon vorher war, ja, in vollkommenem Maße eine stets fortlaufende, theils historische, theils prophetische Theodicee oder Rechtfertigung Gottes, gegen alle Arten von Zweiflern oder Ungläubigen, über die Zulassung des Bösen in der Schöpfung, und die uns lehrt, daß Gott einst offenbar in Allem, was Er that und zuließ, an allen Seinen Werken und Geschöpfen verherrlichet werden wird. (M. s. z. B. Offenb. Joh. V, 13.) [37.]

Ach, der müde Wanderer auf diesem Pilgerwege des irdischen Lebens, der sich nach seiner auswärtigen Vaterstadt sehnt, der findet nur allzu sehr, daß er hier in diesem Worte, wie überhaupt einzig und allein in der heiligen Schrift, authentische Nachrichten von jenem Vaterlande findet, das oben ist, oder das von oben herab auf Erden kommen muß, wenn einst Gerechtigkeit und Friede darauf wohnen sollen! – Nein, Theuerste, nirgends fänden wir beruhigende Auskunft über das Schweigen und Zaudern des Herrn, die Welt zu strafen um ihrer Ungerechtigkeit willen, und die Seinigen zu erretten, die Tag und Nacht um Erlösung zu Ihm schreyen, für sich und ihre Brüder, von dem argen Geschlechte, wenn wir sie nicht in dem Worte der Offenbarung hätten, wo es uns zur Genüge gezeigt wird, warum der Herr verweilt, und wie lange Er noch verweilen wird mit der ersehnten und herrlichen Erscheinung. Seiner Zukunft.

O sagt es, was müßten wir von allen Anstalten Gottes mit der gesunkenen Menschheit denken, zu ihrer Wiederbringung, wenn wir dieses feste prophetische Wort nicht hätten! Müßten wir nicht mit Recht gestehen und zugeben, daß es mit diesen Anstalten nie fruchten wollte! Wo sind jene Auserkohrnen, die des starken Gottes von Sinai Schutz und große Macht erfuhren, zu ihrer Errettung aus der Egypter Land, zu ihrer Erlösung aus dem Gefängnisse Babylons! – Ja, getrennt sind sie zwar noch, als eigener Völkerstamm, von allen übrigen Nationen, aber wurde dadurch auch, um nach dem zu urtheilen, was vor Augen liegt, der Zweck dieser Erlösung und dieser Scheidung an ihnen erreicht! Ach nein, auch sie verwarfen den Herrn, der ihr König war, Sie vergaßen Seines Gesetzes und des Bundes, und sie wandten sich ab von dem heiligen Gesalbten, ja, sie kreuzigten Ihn! Und wo sind sie, die Christen in der Christenheit, die Jesu Blut Sicher kaufte zu einem untadelhaften Geschlechte, das fleißig wäre zu guten Werken! Den Namen haben sie wohl, die Vielen, die sich Christen nennen; aber haben nicht auch sie großentheils, und wohl größtentheils, Den verworfen, Den sie doch vorher kannten! und sind sie nicht eben deswegen, um nach dem zu urtheilen, was vor Augen liegt, tiefer gesunken, als die Heiden gesunken sind!

O, hätten wir nicht das Wort der Weissagung: daß doch endlich Alles neu werden wird! daß es doch endlich anders werden soll auf Erden! Ja, hatten wir nicht in der Offenbarung Johannis die Enthüllung der Rathschlüsse Gottes und jene hellen Blicke in dieselben, die uns zeigen, daß auch das Bisherige nicht ausser der Leitung Gottes blieb, und daß selbst alle jene Verkehrtheit des Menschengeschlechts unter der Leitung der ewigen Weisheit immer dazu dienen mußte, und noch jetzt dienen muß, den herrlichen Ausgang aller göttlichen Anstalten mit uns auf Erden zu befördern, zu beschleunigen, und endlich herbey zu führen, – sagt, was wären wir, die wir nicht der Welt, sondern dem Herrn angehören wollen, für unglückliche Geschöpfe! So aber, mit dem göttlichen Buche in der Hand, finden wir überall erfreuliche Auskunft: wir erblicken Ordnung, wo der bloß menschliche Verstand nur Verwirrung sieht; Zusammenhang und Zweckmäßigkeit, wo jener nur Widersprüche und Zwecklosigkeit gewahr wird; wir finden Licht, ach helles, helles, herrliches Licht, wo lauter Finsterniß den Ungläubigen umschwebet! Und darum wanken wir auch nicht, und so die Erde und der Himmel zu Grunde gingen, und so die ganze Welt sich auflehnte gegen den Gesalbten, so blieben wir doch treu Ihm ergeben, da durchaus nichts mehr, „weder Hohes, „noch Tiefes, noch keine andere Kreatur, uns mag scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, „unserm Herrn.“ Röm. 8, 39. 38.

O, wer könnte sich leichtsinniger, geflissentlicher Weise dieses unaussprechlichen Glückes berauben, auf einmal allen Zweifeln, aller jener peinigenden Ungewißheit, über den zweckmäßigen Gang der Regierung Gottes mit der Welt sich entrissen zu sehen, dadurch, daß er sich hartnäckig weigerte, herzu zu nahen in kindlichem Sinne, und den Blick abwendet, von diesen Wundern der Weisheit Gottes und Seiner unaussprechlichen Liebe. (Röm. 11, 33.) – Nur Blödsinnige oder durchaus Lasterhafte, oder denn höchst leichtsinnige Menschen, können sich weigern, diesem Worte des Herrn an uns ein aufmerksames Ohr zu leihen! Denn Weissagungen, von Gott eingegeben, von Gott den Menschen verkündiget, darum nicht Glauben beymessen wollen, weil wir nicht einsehen, nicht mit Händen greifen können: wie diese hohe Gemeinschaft sich zuträgt, das ist nicht ein Betragen des unbethörten, des gesunden menschlichen Verstandes würdig! Wo wird der Mensch auskommen auf Erden, der nicht auf Treu und Glauben auch das zu geben wollte, was er oft nicht versteht und nicht verstehen kann! Lehrte doch frühzeitig der gütige Schöpfer dem Menschen, diese Aufgabe fassen; auch zu glauben, wo er nicht sieht, da wir uns selbst ein unauflösliches Räthsel sind: unser Werden, unser Entstehen, unser Bestehen, unser Leben und Weben! Und wer, dessen ungeachtet, läugnet oder zweifelt daran, daß er sey und denke, daß sein unsichtbares, sein geistiges Wesen, in dem sichtbaren, in dem physischen Körper, und durch denselben wirken und handeln könne, ob er gleich das wie? davon nie hat begreifen gelernet! Wer von uns faßt das Wunder des Zwiefachen an uns, ja wohl des Dreyfachen (1. Thess. 5, 23.), und den Einigen! (M. s. oben die Anm. 4. zu §. 15.)

Auf Treu und Glauben von Gott annehmen, auch das, was wir nicht verstehen, ist des menschlichen, ist des endlichen, ist eines kindlichen Verstandes sehr würdig! wenn nur das ihm gewiß gemacht wird, daß Gott gesprochen hat! Und wer kann an diesem zweifeln, bey Weissagungen, welche alle Weltperioden, von dem Entstehen der Zeit an auf Erden, bis zum Schlußpunkt, wo die Zeit nicht mehr seyn wird in der sichtbaren Welt, umfaßt! Nun, unter diesem Gesichtspunkt, die heiligen Schriften der Bibel wieder vor sich genommen, geöffnet, sie verglichen mit der Geschichte, mit dem bereits Geschehenen, und dann die Hand aufs Herz! und gesprochen! – Ja, aber Zweifel, selbst durchaus unwillkührliche Zweifel, bleiben dessen ungeachtet noch zurück, auch beym redlichsten Wahrheitsforscher, beym redlichsten Bibelforscher, so lange er nämlich noch der natürliche, unwiedergeborne Mensch ist. Allerdings, dies bestätiget auch die Schrift! Das Rein-Göttliche ist zu unvermengbar mit dem durch den Fall verunreinigten und verdunkelten Strahl der göttlichen Weisheit, die des Schöpfers Hauch dem ersten Menschen ein blies, da Er ihn werden hieß, als daß die Vermählung bey der so ungestört Statt finden könnte. Darum mußt Du erst wiedergeboren werden, lieber Nikodemus, sprach Jesus zu jenem redlichen Wahrheitssucher (Ev. Joh. Kap. 3.), wenn Du in die Geheimnisse der christlichen Offenbarung eindringen willst. Dies ist der kürzeste Weg, und einen anderen giebt es nicht, um das Göttliche als göttlich anzuerkennen, und mit voller Seele annehmen zu können. M. s noch einmal 1. Kor. 2, 7–16.

Ist es Dir also, lieber Mitchrist, wirklich um Wahrheit zu thun, also um die Kenntniß des Göttlichen, so schlage denn auch den Weg ein, den der göttliche Lehrer Dir vorschreibt: beuge Deine Knie vor Ihm, bitte, halte an im Flehen um dies neue Herz, um jene Umgestaltung Deines Ichs durch den heiligen Geist, auch wenn Du nicht begreifst, wie das zugehen sollte! – Ist es doch wieder dem gesunden Menschenverstand so gemäß, um in die Weisheit eines Lehrers eingeweiht zu werden, sich von ihm den Weg dazu vorzeichnen zu lassen, und auch diesen zu befolgen! Nun aber ist, wie schon gesagt worden, dieser Weg vom Meister gelehrt, um zur Erkenntniß der christlichen Weisheit zu gelangen, kein anderer, als eben der der Erleuchtung durch den heiligen Geist, der der unmittelbaren Belehrung durch den wesentlichen Geist Gottes. Davon hat jeder Christ, der mit Freudigkeit, der mit inniger Zuversicht sich ein Christ zu nennen wagt, die selige Erfahrung gemacht. Ach, ohne diese unmittelbare Einwirkung von oben auf Geist und Herz, wird keine innerliche Anschauung des Göttlichen in der Lehre Jesu bewirkt, keine vollständige Ueberzeugung von der Wahrheit erworben; nur auf diesem Wege gelangt der Christ zu jener triumphirenden Gewißheit: „Jesus sey unser Herr und unser Gott.“ (Ev. Joh. 20, 28., vergl. mit Matth. 16, 17., 1. Kor. 12, 3.) Im Lande des Glaubens kann nur dieses innere Zeugniß durch den Geist das ersetzen, was durch den Mangel des Schauens uns abgeht.

So lange Du also es versuchen wirst, auf einem andern Weg, und durch eigene Kraft Deiner Erkenntniß, in Abgeschiedenheit von jenem obern Einflusse des Geistes Gottes, dahin zu gelangen, darfst Du nie erwarten, jemals diese lebendige Ueberzeugung zu erlangen, die allein heiligen Frieden in Deinem Herzen gebähren wird. Immer wird, auch bey den unwidersprechlichsten Beweisen (die der Mensch durch Nachdenken ersinnt, oder selbst durch Bibelstudium erhält, und seinem Verstande vorträgt), noch eine schmerzhafte Lücke zurückbleiben, die unwillkührlich Dir das Bekenntniß abnöthigen wird: Ach, mir fehlt Ueberzeugung, mir fehlt die Gewißheit; ich muß noch mit dem heidnischen Pilatus ausrufen: Wo ist, und „was ist Wahrheit!“ – Ein so großer und wesentlicher Unterschied liegt zwischen der Beweiskraft, die zunächst aus menschlichem Verstande zu uns spricht, und zwischen der Ueberzeugung, die der Geist Gottes bewirkt, und womit Er die Worte der Offenbarung begleiten kann, und begleiten will, bey dem, der darum bittet! Jene ist todt, diese allein ist lebendig! (M. s. 2. Tim. 3, 7.)

Wir schließen endlich diesen Aufsaß mit der Bemerkung, daß wir in demselben die Anziehung so vieler Stellen aus der heiligen Schrift darum glaubten nicht unterdrücken zu dürfen, weil wir hofften, daß mancher der Leser desselben vielleicht den Faden, den jene Stellen darbieten, benutzen würde, um etwa, demselben nach, tiefer in den Inhalt der heiligen Schrift, und insonderheit des Evangeliums Jesu Christi, einzudringen. Ohnehin ist es, um zur befriedigenden Erkenntniß der Lehre des Evangeliums zu gelangen, über die wichtigsten Wahrheiten des Christenthums, sehr wesentlich, alle die verschiedenen einander unterstützenden oder erklärenden, und auf einander sich beziehenden Stellen einer Lehre zusammen zu halten, und mit einander zu vergleichen. Besonders war aber auch diese Maßregel eine Vorsicht, die derer wegen, welche noch nicht gelernt haben, bescheiden über dasjenige zu urtheilen, das sie nicht kennen, nicht konnte vernachläßiget werden, damit, wo möglich, allen eiteln oder unnöthigen Einwendungen, sey es der eigentlichen Gegner des Evangeliums, oder der Wankenden, und andern Gattungen von Ungläubigen, sogleich vorgebeugt werden möchte, wodurch ein betrachtlicher Gewinn für die Redlichen, aber noch Schwachen im Glauben, erwachsen würde, in Betracht dessen auch solche, und alle übrigen Leser dieser Schrift, die etwa nicht geneigt wären, viele oder alle diese Stellen nachzuschlagen, und aber die Einschaltung derselben für den Leser lästig hielten, dieselbe uns zugute halten mögen. – Eine ähnliche Bemerkung machen wir in Betreff mancher Wiederholungen derselben Citate und der darauf sich beziehenden Ansichten.

Wir haben absichtlich dieselbe nicht überall vermeiden wollen, weil gewisse Punkte der Offenbarung, die unserm natürlichen Verstande so fremd, so neu sind, erst durch eine größere oder mindere Mannichfaltigkeit der Darstellung, deren sie fähig sind, die Ueberzeugungskraft erhalten, die von Menschen abhängt (und der Mangel nöthiger Zeit uns nicht zuließ, diese Wiederholungen, da wo sie schlechterdings überflüssig stehen, wegzuräumen). Da aber übrigens nur der Geist Gottes die Wunder an Seinem Gesetze aufschließen kann, so geht unser letzter Wunsch nur dahin, daß viele der Leser dieses Gebet dem Könige David aus Grund ihrer Seele mögen nachsprechen lernen (Ps 119, 18.), da ohne dieses Mittel schlechterdings unmöglich ist, das Göttliche im Göttlichen zu erkennen (1. Kor. 2, 9–14.; m. s. auch Matth. 11, 27., 16, 17. u. 1. Kor. 12, 3, Luc. 24, 31. 32. 45., Apost. Gesch. 16, 4. u. 4. Mos.-24, 4.: „Dem die Augen „geöffnet werden, wenn er niederkniet“), und ihr Gebet wird in dem Grad erhört werden, als sie, durch aufrichtige Bekehrung zum Herrn, ihr Herz durch den heiligen Geist werden heiligen lassen, und dasselbe dem Gemüthszustande derjenigen Diener des Herrn und der Mitglieder Seiner Gemeinde sich nähern wird, welchen Johannes, was er sah, zu senden sollte, in demjenigen, was der Herr an denselben lobte, oder wozu Er sie anwies; Dem Lasterhaften „hingegen, dem übermüthigen Weltmenschen, dem „Selbstsüchtigen jeder Art, dem Lobredner der „Vernunftreligion, dem trägen Namenchristen, und „überhaupt Allen, die noch nicht aus Gott „geboren sind, oder, wenn sie durch die Erkennt „niß des Herrn und Heilandes Jesu Christi dem „Unflath der Welt entflohen waren, wieder einge „flochten und überwunden wurden; allen Lesern die „ser Art ist und bleibt die Offenbarung Jo „hannis das fremdeste Buch von der Welt, „da es durchaus nur rein - himmlische Ansichten „enthält!“

Noch empfehlen wir auch, als Hülfsmittel zum Studium der Offenbarung Johannis, folgende Schriften:

1. „Bengels Offenbarungsreden.“

2. „Dr. Jungs Siegsgeschichte der christlichen Religion.“

3. „Deutliche und zur Erbauung eingerichtete Erklärung der Offenbarung Johannis.“ (Vom ungenannten Verfasser: Herrn Prälat Magnus Friedrich Roos.)

4. „Charakteristische Darstellung der beyden apokalyptischen Thiere, Offenb. Joh. Kap. XIII, zur richtigen Beurtheilung des gegenwärtigen Zeitpunkts; nebst einem Seitenblicke auf die sehr merkwürdigen politischen Ereignisse unserer Zeit. Reutlingen, bey Joh. Jak. Mäcken d. jüng. 1801.“

5. Die schon oben, § 31. c., angeführte „Einleitung zur nähern Aufklärung der Offenbarung Jesu Christi, nach Chronologie und Geschichte.“ Wir empfehlen dieses Buch insonderheit in Hinsicht auf die Berechnung der apokalyptischen Zeiten, und auch in Hinsicht auf die Vergleichung des bereits Erfüllten aus der Offenbarung Johannis mit der Geschichte kirchlicher und politischer Begebenheiten. Und

6. das oben, §. 1. Anm. 1., erwähnte Buch: „Versuch zweckmäßiger Betrachtungen über die biblischen Weissagungen überhaupt, und besonders über die Offenbarung Johannis, vom Verfasser der Briefe über den protestantischen Lehrbegriff. Leipzig, bey Paul Gotthelf Kummer. 1801. gr. 8. von 687 Seiten.“ Dieses vortreffliche Buch wird jedem Wahrheitsliebenden große Dienste leisten, und ihn mit dem Geiste der heiligen Schrift überhaupt, und des Evangeliums und der Offenbarung Johannis insbesondere, sehr vertraut machen.

Zu gegenwärtiger Schrift, die wir hiermit endigen, konnten nur diese zwey letztern Werke („Einleitung“ und „Versuch“) benutzt werden, ob wir gleich, in einigen Hinsichten, von der Meinung dieser Schriftsteller abgehen zu müssen, für nothwendig glaubten,

O.

Summarischer Inhalt dieser Schrift (pp. 243–253)

Vorerinnerung Der Zweck dieser Schrift: diejenigen unter den heutigen Christen, welche der Offenbarung Johannis abgeneigt scheinen, auf die Gemeinnützigkeit und zweckmäßige Verständlichkeit derselben aufmerksam zu machen. Man sehe auch die zwey ohnends letzten Bemerkungen in der Nacherinnerung.

H. 1. H. 2. Verfall der christlichen Lehre, insonderheit in neuerer Zeit. (M. s. noch die Anm. 6. zu §. 16. u. §. 25. c., auch §. 14. unter c. u. d., Anm. 15. zu H. 29.)

§ 4. Dies soll die Jünger Jesu nicht befremden.

§. 6. Sie haben unvermeidliche Verfolgungen zu erwarten; m. s. auch §. 16. d. u. §. 50. i. Und sollen dieselben ohne Gegenwehr ertragen. §. 16. c. Dringende Aufmunterungen zur ausharrenden Treue.

§. 10. Furchtbare Gerichte über die, welche auf Erden wohnen.

§. 13. Vorzüglicher Schutz, der den treuen Bekennern Jesu zu Theil werden soll. – Siegel des lebendigen Gottes (unter §. 5.).

H. 7. Einwirkung der Finsterniß auf die unsichtbaren Feinde Jesu. Bemerkung: über die Existenz Satans, und dem Einflusse böser Geister auf den Menschen und in die Körperwelt. (M. s. auch §. 18. d.)

§. 15. Dieser Einwirkung soll definitiv gesteuert werden. (M. s. auch die Anm. 8. zu §. 18.) Sie wird schon bey jedem Einzelnen in dem Maße vermindert, als er sich Jesu anschließt, und Ihm ähnlicher wird. (Man sehe obige Anm. 8. c. d.)

H. 11. Wesentliche Göttlichkeit Jesu.

H. 12. Anbetung Jesu im Himmel, unter der Gestalt des Lammes.

H. 13. Die Macht des Irrthums und der Bosheit ist der Macht des Lichts und der Wahrheit untergeordnet. Der Sieger über alle Mächte der Finsterniß ist Jesus Christus.

H. 14. Jesus Christus hat uns mit Seinem Blut erkauft (m. s. auch die Anm. 4. c. d. zu §. 15); – die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt; – der lebendige Glaube an Jesum. – Wir sind verpflichtet zum Dienste der Gerechtigkeit.

H. 15. Der göttliche Erlöser zieht als König aus, Widerwärtige zu überwinden. Mannichfache Gerichte. Nächster Zweck dieser Gerichte.

§. 16. Von diesen Gerichten treffen mehrere auch die Heiligen, sammt den Gottlosen. Aber wesentlicher Unterschied hierbey. – Andere von diesen Gerichten gehen ausschließlich über die letztern. Bedingungen, unter welchen der Christ zur Theilnahme an die verheißenen Herrlichkeiten zugelassen wird. Werke in dem heiligen Geist. Wirkung und Mittheilung des wesentlichen Geists Gottes. (M. s. auch §. 14. unter b.) Das Zeugniß Jesu; – das Siegel des lebendigen Gottes (schon oben unter §. 6.). – Der Christ soll frey seyn vom Selbstvertrauen. M. s. auch die Anm. 6. f. u. H. 39. unter f.

H. 19. Wirkung des Gebets zum Kommen des Reichs Gottes. M. s. auch die Anm. 7.

H. 20. §. 21. §. 22. Das XII. Kapitel der Offenbarung Johannis. Die zweyte Zukunft Jesu (die Zukunft im Geist, 2. Kor. 5, 16. u. Ebr. 9, 28.) wird durch Seine Gemeinde erfleht oder errungen, M. s. auch H. 24. e.

§. 23. Besondere Anordnung des Textes von der Offenbarung Johannis, und der darin enthaltenen Weissagungen, Jene wird ein Mittel, die Periode der apokalyptischen Zeit, in der man lebt, zu erkennen. Bestimmtheit jedes Ausdrucks und jeder Darstellung in der Offenbarung Johannis. Durch dieselbe wird aller willkührlichen Erklärung vorgebeugt. (M. s. auch Anm. 10. e. zu H. 23., auch H. 24. g.) Die Offenbarung Johannis ist nicht versiegelt (Kap. XXII, 10.), und enthält deswegen selbst den Schlüssel zum Verständniß ihres Textes. – Parallelstellen, insonderheit aus dem Alten Testament. (M. s. auch Anm. 18. h. zu §. 33.)

§. 24. §. 25. Wortverstand des Textes. – In der Anm. 10. mehrere Bemerkungen, in Betreff der sogenannten bildlichen Ausdrücke der heiligen Schrift.

§. 26. H. 27. Successive, und daher oft mehrfache Erfüllung mancher Weissagungen der heiligen Schrift überhaupt, und der Apokalypse insbesondere. – Eine biblische Weissagung kann nur bey einer buchstäblichen Erfüllung, oder bey einer solchen Erfüllung, die den Text, wie er sich selbst bestimmt, erschöpft, als vollkommen erfüllt angesehen werden. (M. s. §. 23. unter b. und Anm. 10. e.) – Eine erstere und allgemeine, und eine zweyte speciellere Erfüllung mehrerer apokalyptischen Weissagungen, (s. m. noch in H. 50. a. und Anm. 33.) M. s. auch §. 29. unter d. und Anm. 18. e. f. g. h. zu H. 33.

§. 28. §. 29. Mehrere Ereignisse unter dem Volk des alten Bundes sind als Weissagungen von ähnlichen Ereignissen unter dem Volk des neuen Bundes zu betrachten. (§. 24.) Die sieben Sendschreiben an die asiatischen Gemeinden sind zugleich Schilderungen von sieben verschiedenen Perioden der Kirche Jesu, bis zum Anfang der Vollendung des Geheimnisses Gottes. (M. s. unten H. 30.)

H. 30. H. 31. Wie im Allgemeinen die apokalyptische Chronologie zu verstehen sey. Eingeschaltete Stellen, in Bezug auf ihre chronologische Reihenfolge mit andern, oder auf die Zeit der Erfüllung solcher Stellen, z. B. Kap. XI, 1–13.

§. 32. §. 33. Summarische Anzeigen, welche gewöhnlich der Verkündigung einer neuen Hauptperiode vorgehen. – Auch himmlische Erscheinungen, als Vorbereitung zu diesen. – Mehrere Themata der Offenbarung Johannis sind im ersten Kapitel angegeben; z. B.: die Vollendung des göttlichen Werkes; – das Kommen des Herrn, (M. s. auch H. 11. b.)

Scene der apokalyptischen Begebenheiten. In Betreff der Erde: Bedeutung der Erde im allgemeinsten Sinn, und dem Himmel entgegengesetzt; im allgemeinen oder beschränkten Sinn, als Inbegriff des Gebiets der vierten Weltmonarchie; – im engern oder besondern Sinn, für Asien; – im engsten Sinn: Deutschland. Das Meer, im uneigentlichen Sinn für ein Inselland, oder Europa. Die Wasserströme und Wasserbrunnen, für Egypten. – Ferner: die Gegenden im Aufgang vom Euphrat, am und um den Euphrat. (M. s. die Anm. 15.) – Die Wüste, in mehrfacher Bedeutung, f. und zu Ende von g. – Der Abgrund und der Brunnen des Abgrunds.

Die Offenbarung von Jesu an Johannes geschah zugleich auch den Himmelsbewohnern. (M. s. die Anm. 13.)

Prophetische Zeiten der Apokalypse. Die zweyfache Bedeutung von der zu bestimmenden Zahl 666. (Anm. 16.) – Umfang der siebenten Posaune: §. 28. b., Anm. 24. zu §. 39. Mehrfache Bestätigung von der Richtigkeit der Auflösung des Problems von den apokalyptischen räthselhaften Zeiten.

§. 34. Die mosaische Chronologie fängt mit dem ersten Tag der Erneuerung der Erde (1. Mos. 1, 3.) an, und nicht von jenem Anfange an der Erschaffung der Welt. (M. s. Anm. 17.) Das XX. Kapitel der Offenbarung Johannis enthält drey Hauptabschnitte, und zwey Zeitperioden, jede von tausend Jahren. Die Weissagungen von diesen zwey Perioden, und von der dritten in den folgenden Kapiteln, enthalten Winke, um die übrigen Weissagungen der heiligen Schrift auf die letzten seligen Zeiten auf Erden, nach diesen drey Perioden, zu ordnen.

– Die mehreren Zukünfte Jesu, zur Aufrichtung des Reichs Gottes, von denen die heilige Schrift spricht. (S. m. in der Anm. 18.) – Bemerkungen, in Betreff des Eingreifens vieler Weissagungen Alten- und Neuen-Testaments in mehrere, der Zeitfolge nach, von einander verschiedene Perioden. (Anm. 18. e. f.) – Stellen Alten- und Neuen-Testaments, die mit der Offenbarung Johannis zu vergleichen sind. (Anm. 18. h., auch §. 39., m. s. noch oben §. 21.) – Hauptcharakter jeder der drey Perioden. (H. 33.)

§. 34. Besondere Gerichte bey dem Anbruch einer jeden Periode. – Die zur ersten bereiten den Übergang zum Reiche der Heiligen. – Der schreckliche Tag des Herrn bricht namentlich in Palästina aus. – Welche gerettet werden? – Das Gericht zur zweyten Periode ist nicht verwüstend, und besteht in einer Scheidung unter den Gerechten, in Betreff des verschiedenen Grades ihrer Heiligung. (H. 34. c.; m. s. auch die Anm. 22. zu H. 39.) – Das Gericht zur dritten hat die allgemeine und definitive Scheidung aller Bösen von den Gerechten zur Folge. (M. s. noch §. 42. c.)

§. 37. Rückkehr der Juden nach Palästina. – Wiedererrichtung der theokratischen Verfassung. – Und besondere Segensgenüsse im Lande der Väter. Gesegnete Wirkung dieser Verherrlichung des Herrn an Israel, auf die Heiden. Allgemeine Verehrung des Gottes Jehovah; und Friede zwischen allen Völkern.

§. 38. Verherrlichung des Herrn am Volke des neuen Bundes. Es wird an ihnen offenbar, daß sie Bürger mit den Heiligen im Himmel und Gottes Hausgenossen sind; und das Volk des alten Bundes wird daraus abnehmen müssen, daß der Vater Jesum gesandt hat. – Bekehrung Israels nach dem Fleisch; sie werden von Gott gelehrt, aus Gott geboren (Anm. 20. zu H. 38. u. Anm. 9. zu H. 18.), sind nun eines andern und alle eines priesterlichen Geschlechts, und erhalten den neuen Namen. – Der Stamm Levi hat schon früher nichts mehr vor den andern Stämmen voraus. (S. 29. unter d.; auch s. m. §. 35. c. gegen Ende.) – Die verschiedenen Benennungen der Gemeinde Jesu, und der Kirche Gottes überhaupt. (S. m. §. 1. u. Anmerk. 1., auch die Anmerk. 29. zu §. 43.)

Derselbe Segen unter den Heiden, insonderheit veranlaßt durch die Predigt des Evangeliums in der Kraft des heiligen Geistes. – Ausserordentliche Ernte, die Juda noch vor sich hat, wenn sein Gefängniß gewendet seyn wird.

§. 39. §. 40. §. 41. Zweyte Periode des Königreichs Gottes auf Erden. Der Herr besucht sichtbarer Weise den heiligen Tempel, den Er Selbst gebauet hat. – Rührende Stimmung des bekehrten Israels. – Erste Auferstehung; Verwandlung der Gerechten. – Eigentliche Christokratie. Die Seligen nehmen Theil an dem (ewigen) Priesterthum Jesu Christi. (M. s. über das ewige Priestertum Anm. 10. c. zu §. 23. u. §. 28. f.)

§. 42. Am Ende der zweyten Periode leben wahrscheinlich durchaus nur vollkommene Gerechte auf Erden. Die andern müssen durch den leiblichen Tod.

Dritte Periode: Die Erde und die übrigen Himmelskörper der sichtbaren Welt werden durchs Feuer verzehret. – Eine neue Erde und ein neuer Himmel. – Das Reich des Vaters wird (allgemein) offenbar, wie es von Anbeginn der Welt bereitet war. Gott nennt Sich nun Immanuel, d. i. Gott mit uns. (Bemerk. Alle Himmelskörper der sichtbaren Welt scheinen von jeher mit der Erde dasselbe Schicksal getheilt zu haben. Anm. 27.)

§. 43. Verschiedene Behälter und Wohnungen der Verstorbenen: Das Paradies, als dritter Himmel; über demselben der Berg Zion und das Neue Jerusalem. Unter demselben das Meer oder der Schlaf, als Vorhof des Paradieses oder des Lebens, und der Tod. Die untersten Stufen dieses letztern gränzen wahrscheinlich unmittelbar an unserer Erde. (Dieser §. 43. d.) – Das Verweilen der Geister hier hängt vermuthlich mit ihrer Anhänglichkeit ans Irdische zusammen. – Dann die Hölle, und endlich der feurige Pfuhl oder der andere Tod. (M. s. auch Anm. 10. d. zu §. 23.)

§. 44. Begriff der Ewigkeit (m. s. auch Anm. 39. und §. 46.). Die Perioden in der heiligen Schrift werden Ewigkeiten genannt. Im Neuen Testament heißen sie Aeonen. – Die Zeit hört dann auf, wenn Gott Alles in Allen ist. Für die Seligen der dritten Periode sind schon keine Jahre mehr. (M. s. auch Anm. 31.)

§. 45. Die Weissagung von Habakuk, Kap. 3, 2., mit den apokalyptischen Zeiten zusammengehalten, und den andern Aussprüchen der Apostel, lehrt uns deutlich, die höchst möglichste Dauer der sichtbaren Welt zu erkennen.

§. 46. Stehen die Aeonen der Qual im andern Tod in einem gewissen Verhältniß mit der Reihe von Jahren, während welcher der erste Tod auf Erden herrschte: so kann daraus irgend ein Begriff von der Dauer des andern Todes abgeleitet werden, und von der Dauer der diesem gleichzeitigen dritten Periode der Seligkeit. – Fällt das Erlösungswerk Jesu mitten in der Zeit, wie mitten in den Jahren, so kann wiederum daraus ein Begriff von der Zeit angegeben werden, welche der Erneuerung der Erde vorging, von dem Augenblick an der Empörung Satans, als dem Augenblick, wo die Zeit in der Schöpfung entstand.

§. 47. §. 48. H. 49. §. 50. Bemerkungen in Betreff der Zeitbestimmung überhaupt, von künftigen apokalyptischen Begebenheiten, über Marc. 13, 32. und Apost. Gesch. 1, 7. Bemerkungen in Betreff der Nothwendigkeit des Wachens, auch des Aufmerkens auf die Zeichen der Zeit, um die Warnungen eines jeden apokalyptischen Zeitabschnittes zu benutzen. Betrachtungen des faßlicheren Monarchienbildes in Daniel, zur Erkenntniß der Zeit im Allgemeinen, in der wir leben. Berührungspunkte zwischen den Weissagungen Daniels und der Offenbarung Johannis; und das Besondere von beyden. Zur Beantwortung der Frage: in welcher Periode der geweissagten Begebenheiten wir uns befinden? dient die umständlichere Offenbarung Johannis. Der Rückweg bey der Betrachtung der apokalyptischen Begebenheiten, von der letzten, die dem Anbruch des sichtbaren Reichs Gottes auf Erden unmittelbar vorgehen soll, bis auf uns, zeigt deutlich, welche die nächsten Ereignisse sind, die vor der Thüre stehen. – Große Schnelle der noch zu erwartenden Begebenheiten, bis zu jenem großen Tag des Zorns Gottes. (Anm. 36.)

Nacherinnerung

Wem leuchtet es nun nicht ein, daß solche Lehren der Weissagung, wie sie hier vorgetragen worden sind, im Fall es mit der Wahrheit derselben seine Richtigkeit hat, von der größten Wichtigkeit für uns sind, und daß es dringende Nothwendigkeit für uns seyn müsse, uns mit denselben bekannt und vertraut zu machen!

Daß es also keine unzweckmäßige Sache ist, wenn man heut zu Tags wieder mit der Offenbarung Johannis auf die Bahn zu treten sucht; daß es für keine unnütz angewandte Mühe angesehen werden kann, wenn man in unsern Tagen mehr, wie noch zu keiner der vorigen Zeiten der Christenheit, mit Ernst und unter Gebet in der Furcht des Herrn, sich nach einer nutzbaren Einsicht in den Inhalt dieses heiligen Buches umsieht; daß es im Gegentheil sehr weise gethan wäre, wenn eben zu unserer Zeit die Christen dieses Buch der Weissagung, zu Nuß und Besserung uns gegeben, zur Warnung für uns geschrieben, wieder vor die Hand nähmen, und Tag und Nacht mit demüthigem Geiste darin forschen würden, welche da die Dinge seyen, die noch kommen sollen, damit ein Jeder gewarnet würde, noch zu rechter Zeit gegen die Versuchung, die da kommen soll über den ganzen Kreis der Erde (Offenb. Joh. III, 10.), und er erführe, was der Herrscher mit den vielen Kronen von Seinen Dienern begehret, damit sie treu erfunden würden, auf daß er entgehen möchte diesem Allem, was als Strafgerichte über die Lauen und Verzagten, über die Lügner und Abtrünnigen ergehen wird, und er beständig bliebe in der Treue, und nicht bloß wandeln möchte, wann sein Herr kommt (Offenb. Joh. XVII, 15.), und Sein Lohn mit Ihm.

Und wer aber von denen, die einmal in den Sinn dieser biblischen Weissagungen und der in ihnen enthaltenen Lehren eingedrungen wären, könnte an der Wahrheit derselben, an der Göttlichkeit ihres Ursprungs zweifeln! – Dies kann ohnehin der nicht mehr, der die Apokalypse als den eigentlichen Schlüssel zu tieferer Einsicht in die übrigen Schriften des Worts Gottes kennen gelernt hat, denn nicht nur fand er an derselben ein Buch, das eben dieselben Lehren und alle jene Weissagungen, welche in den Propheten und in Moses enthalten sind (m. s. z. B. Apost. Gesch. 26, 22., 13, 32., Ev. Joh. 6, 45.), voraussetzt, sondern das auch alle dieselben, sowohl in Betreff der (relativen oder absoluten) Zeit, als auch in Betreff ihres wesentlichen Inhalts, auf eine Art erläutert, und in ein zusammenhängendes Ganze ordnet und verbindet, wie es schlechterdings in keinem der vorhergehenden Bücher der heiligen Schrift geschah, und, laut der ausdrücklichen Worte Jesu, auch nicht geschehen konnte. (Marc. 13, 32., m. s. oben §. 47.) – Ach, für solchen Bibelforscher verbreitet dieses Buch über alle übrigen Bücher der heiligen Schrift ein ungemein herrliches Licht, in Ansehung des Rathschlusses Gottes über die Herstellung der Menschen zur Seligkeit, und durch den zweckmäßigen Gebrauch jenes göttlichen Buches, wird ihm nun die ganze Bibel viel mehr, als was sie ihm schon vorher war, ja, in vollkommenem Maße eine stets fortlaufende, theils historische, theils prophetische Theodicee oder Rechtfertigung Gottes, gegen alle Arten von Zweiflern oder Ungläubigen, über die Zulassung des Bösen in der Schöpfung, und die uns lehrt, daß Gott einst offenbar in Allem, was Er that und zuließ, an allen Seinen Werken und Geschöpfen verherrlichet werden wird. (M. s. z. B. Offenb. Joh. V, 13.)

Ach, der müde Wanderer auf diesem Pilgerwege des irdischen Lebens, der sich nach seiner auswärtigen Vaterstadt sehnt, der findet nur allzu sehr, daß er hier in diesem Worte, wie überhaupt einzig und allein in der heiligen Schrift, authentische Nachrichten von jenem Vaterlande findet, das oben ist, oder das von oben herab auf Erden kommen muß, wenn einst Gerechtigkeit und Friede darauf wohnen sollen! – Nein, Theuerste, nirgends fänden wir beruhigende Auskunft über das Schweigen und Zaudern des Herrn, die Welt zu strafen um ihrer Ungerechtigkeit willen, und die Seinigen zu erretten, die Tag und Nacht um Erlösung zu Ihm schreyen, für sich und ihre Brüder, von dem argen Geschlechte, wenn wir sie nicht in dem Worte der Offenbarung hätten, wo es uns zur Genüge gezeigt wird, warum der Herr verweilt, und wie lange Er noch verweilen wird mit der ersehnten und herrlichen Erscheinung Seiner Zukunft.

O sagt es, was müßten wir von allen Anstalten Gottes mit der gesunkenen Menschheit denken, zu ihrer Wiederbringung, wenn wir dieses feste prophetische Wort nicht hätten! Müßten wir nicht mit Recht gestehen und zugeben, daß es mit diesen Anstalten nie fruchten wollte! Wo sind jene Auserkohrnen, die des starken Gottes von Sinai Schutz und große Macht erfuhren, zu ihrer Errettung aus der Egypter Land, zu ihrer Erlösung aus dem Gefängnisse Babylons! – Ja, getrennt sind sie zwar noch, als eigener Völkerstamm, von allen übrigen Nationen, aber wurde dadurch auch, um nach dem zu urtheilen, was vor Augen liegt, der Zweck dieser Erlösung und dieser Scheidung an ihnen erreicht! Ach nein, auch sie verwarfen den Herrn, der ihr König war, sie vergaßen Seines Gesetzes und des Bundes, und sie wandten sich ab von dem heiligen Gesalbten, ja, sie kreuzigten Ihn! Und wo sind sie, die Christen in der Christenheit, die Jesu Blut sicher kaufte zu einem untadelhaften Geschlechte, das fleißig wäre zu guten Werken! Den Namen haben sie wohl, die Vielen, die sich Christen nennen; aber haben nicht auch sie großentheils, und wohl größtentheils, Den verworfen, Den sie doch vorher kannten! und sind sie nicht eben deswegen, um nach dem zu urtheilen, was vor Augen liegt, tiefer gesunken, als die Heiden gesunken sind!

Nacherinnerung (suite et fin)

O, hätten wir nicht das Wort der Weissagung: daß doch endlich Alles neu werden wird! daß es doch endlich anders werden soll auf Erden! Ja, hatten wir nicht in der Offenbarung Johannis die Enthüllung der Rathschlüsse Gottes und jene hellen Blicke in dieselben, die uns zeigen, daß auch das Bisherige nicht ausser der Leitung Gottes blieb, und daß selbst alle jene Verkehrtheit des Menschengeschlechts unter der Leitung der ewigen Weisheit immer dazu dienen mußte, und noch jetzt dienen muß, den herrlichen Ausgang aller göttlichen Anstalten mit uns auf Erden zu befördern, zu beschleunigen, und endlich herbey zu führen, – sagt, was wären wir, die wir nicht der Welt, sondern dem Herrn angehören wollen, für unglückliche Geschöpfe! So aber, mit dem göttlichen Buche in der Hand, finden wir überall erfreuliche Auskunft: wir erblicken Ordnung, wo der bloß menschliche Verstand nur Verwirrung sieht; Zusammenhang und Zweckmäßigkeit, wo jener nur Widersprüche und Zwecklosigkeit gewahr wird; wir finden Licht, ach helles, helles, herrliches Licht, wo lauter Finsterniß den Ungläubigen umschwebet! Und darum wanken wir auch nicht, und so die Erde und der Himmel zu Grunde gingen, und so die ganze Welt sich auflehnte gegen den Gesalbten, so blieben wir doch treu Ihm ergeben, da durchaus nichts mehr, „weder Hohes, noch Tiefes, noch keine andere Kreatur, uns mag scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserm Herrn.“ (Röm. 8, 39. 38.)

O, wer könnte sich leichtsinniger, geflissentlicher Weise dieses unaussprechlichen Glückes berauben, auf einmal allen Zweifeln, aller jener peinigenden Ungewißheit, über den zweckmäßigen Gang der Regierung Gottes mit der Welt sich entrissen zu sehen, dadurch, daß er sich hartnäckig weigerte, herzuzunahen in kindlichem Sinne, und den Blick abwendet, von diesen Wundern der Weisheit Gottes und Seiner unaussprechlichen Liebe. (Röm. 11, 33.) – Nur Blödsinnige oder durchaus Lasterhafte, oder denn höchst leichtsinnige Menschen, können sich weigern, diesem Worte des Herrn an uns ein aufmerksames Ohr zu leihen! Denn Weissagungen, von Gott eingegeben, von Gott den Menschen verkündiget, darum nicht Glauben beymessen wollen, weil wir nicht einsehen, nicht mit Händen greifen können, wie diese hohe Gemeinschaft sich zuträgt, das ist nicht ein Betragen des unbethörten, des gesunden menschlichen Verstandes würdig! Wo wird der Mensch auskommen auf Erden, der nicht auf Treu und Glauben auch das zu geben wollte, was er oft nicht versteht und nicht verstehen kann! Lehrte doch frühzeitig der gütige Schöpfer dem Menschen, diese Aufgabe fassen; auch zu glauben, wo er nicht sieht, da wir uns selbst ein unauflösliches Räthsel sind: unser Werden, unser Entstehen, unser Bestehen, unser Leben und Weben! Und wer, dessen ungeachtet, läugnet oder zweifelt daran, daß er sey und denke, daß sein unsichtbares, sein geistiges Wesen, in dem sichtbaren, in dem physischen Körper, und durch denselben wirken und handeln könne, ob er gleich das wie? davon nie hat begreifen gelernet! Wer von uns faßt das Wunder des Zwiefachen an uns, ja wohl des Dreyfachen (1. Thess. 5, 23.), und den Einigen! (M. s. oben die Anm. 4. zu § 15.)

Auf Treu und Glauben von Gott annehmen, auch das, was wir nicht verstehen, ist des menschlichen, ist des endlichen, ist eines kindlichen Verstandes sehr würdig! wenn nur das ihm gewiß gemacht wird, daß Gott gesprochen hat! Und wer kann an diesem zweifeln, bey Weissagungen, welche alle Weltperioden, von dem Entstehen der Zeit an auf Erden, bis zum Schlußpunkt, wo die Zeit nicht mehr seyn wird in der sichtbaren Welt, umfaßt! Nun, unter diesem Gesichtspunkt, die heiligen Schriften der Bibel wieder vor sich genommen, geöffnet, sie verglichen mit der Geschichte, mit dem bereits Geschehenen, und dann die Hand aufs Herz! und gesprochen! – Ja, aber Zweifel, selbst durchaus unwillkührliche Zweifel, bleiben dessen ungeachtet noch zurück, auch bey dem redlichsten Wahrheitsforscher, bey dem redlichsten Bibelforscher, so lange er nämlich noch der natürliche, un wiedergeborne Mensch ist. Allerdings, dies bestätiget auch die Schrift! Das Rein-Göttliche ist zu unvermengbar mit dem durch den Fall verunreinigten und verdunkelten Strahl der göttlichen Weisheit, die des Schöpfers Hauch dem ersten Menschen einblies, da Er ihn werden hieß, als daß die Vermählung bey der so ungestört Statt finden könnte. Darum mußt Du erst wiedergeboren werden, lieber Nikodemus, sprach Jesus zu jenem redlichen Wahrheitssucher (Ev. Joh. Kap. 3.), wenn Du in die Geheimnisse der christlichen Offenbarung eindringen willst. Dies ist der kürzeste Weg, und einen anderen giebt es nicht, um das Göttliche als göttlich anzuerkennen, und mit voller Seele annehmen zu können. (M. s. noch einmal 1. Kor. 2, 7-16.)

Ist es Dir also, lieber Mitchrist, wirklich um Wahrheit zu thun, also um die Kenntniß des Göttlichen, so schlage denn auch den Weg ein, den der göttliche Lehrer Dir vorschreibt: beuge Deine Knie vor Ihm, bitte, halte an im Flehen um dies neue Herz, um jene Umgestaltung Deines Ichs durch den heiligen Geist, auch wenn Du nicht begreifst, wie das zugehen sollte! – Ist es doch wieder dem gesunden Menschenverstand so gemäß, um in die Weisheit eines Lehrers eingeweiht zu werden, sich von ihm den Weg dazu vorzeichnen zu lassen, und auch diesen zu befolgen! Nun aber ist, wie schon gesagt worden, dieser Weg vom Meister gelehrt, um zur Erkenntniß der christlichen Weisheit zu gelangen, kein anderer, als eben der der Erleuchtung durch den heiligen Geist, der der unmittelbaren Belehrung durch den wesentlichen Geist Gottes. Davon hat jeder Christ, der mit Freudigkeit, der mit inniger Zuversicht sich ein Christ zu nennen wagt, die selige Erfahrung gemacht. Ach, ohne diese unmittelbare Einwirkung von oben auf Geist und Herz, wird keine innerliche Anschauung des Göttlichen in der Lehre Jesu bewirkt, keine vollständige Ueberzeugung von der Wahrheit erworben; nur auf diesem Wege gelangt der Christ zu jener triumphirenden Gewißheit: „Jesus sey unser Herr und unser Gott.“ (Ev. Joh. 20, 28., vergl. mit Matth. 16, 17., 1. Kor. 12, 3.) Im Lande des Glaubens kann nur dieses innere Zeugniß durch den Geist das ersetzen, was durch den Mangel des Schauens uns abgeht.

So lange Du also es versuchen wirst, auf einem andern Weg, und durch eigene Kraft Deiner Erkenntniß, in Abgeschiedenheit von jenem obern Einflusse des Geistes Gottes, dahin zu gelangen, darfst Du nie erwarten, jemals diese lebendige Ueberzeugung zu erlangen, die allein heiligen Frieden in Deinem Herzen gebähren wird. Immer wird, auch bey den unwidersprechlichsten Beweisen (die der Mensch durch Nachdenken ersinnt, oder selbst durch Bibelstudium erhält, und seinem Verstande vorträgt), noch eine schmerzhafte Lücke zurückbleiben, die unwillkührlich Dir das Bekenntniß abnöthigen wird: Ach, mir fehlt Ueberzeugung, mir fehlt die Gewißheit; ich muß noch mit dem heidnischen Pilatus ausrufen: Wo ist, und was ist Wahrheit! – Ein so großer und wesentlicher Unterschied liegt zwischen der Beweiskraft, die zunächst aus menschlichem Verstande zu uns spricht, und zwischen der Ueberzeugung, die der Geist Gottes bewirkt, und womit Er die Worte der Offenbarung begleiten kann, und begleiten will, bey dem, der darum bittet! Jene ist todt, diese allein ist lebendig! (M. s. 2. Tim. 3, 7.)

Wir schließen endlich diesen Aufsatz mit der Bemerkung, daß wir in demselben die Anziehung so vieler Stellen aus der heiligen Schrift darum glaubten nicht unterdrücken zu dürfen, weil wir hofften, daß mancher der Leser desselben vielleicht den Faden, den jene Stellen darbieten, benutzen würde, um etwa, demselben nach, tiefer in den Inhalt der heiligen Schrift, und insonderheit des Evangeliums Jesu Christi, einzudringen. Ohnehin ist es, um zur befriedigenden Erkenntniß der Lehre des Evangeliums zu gelangen, über die wichtigsten Wahrheiten des Christenthums, sehr wesentlich, alle die verschiedenen einander unterstützenden oder erklärenden, und auf einander sich beziehenden Stellen einer Lehre zusammen zu halten, und mit einander zu vergleichen. Besonders war aber auch diese Maßregel eine Vorsicht, die derer wegen, welche noch nicht gelernt haben, bescheiden über dasjenige zu urtheilen, das sie nicht kennen, nicht konnte vernachlässiget werden, damit, wo möglich, allen eiteln oder unnöthigen Einwendungen, sey es der eigentlichen Gegner des Evangeliums, oder der Wankenden, und andern Gattungen von Ungläubigen, sogleich vorgebeugt werden möchte, wodurch ein betrachtlicher Gewinn für die Redlichen, aber noch Schwachen im Glauben, erwachsen würde, in Betracht dessen auch solche, und alle übrigen Leser dieser Schrift, die etwa nicht geneigt wären, viele oder alle diese Stellen nachzuschlagen, und aber die Einschaltung derselben für den Leser lästig hielten, dieselbe uns zugute halten mögen. – Eine ähnliche Bemerkung machen wir in Betreff mancher Wiederholungen derselben Citate und der darauf sich beziehenden Ansichten. Wir haben absichtlich dieselbe nicht überall vermeiden wollen, weil gewisse Punkte der Offenbarung, die unserm natürlichen Verstande so fremd, so neu sind, erst durch eine größere oder mindere Mannichfaltigkeit der Darstellung, deren sie fähig sind, die Ueberzeugungskraft erhalten, die von Menschen abhängt (und der Mangel nöthiger Zeit uns nicht zuließ, diese Wiederholungen, da wo sie schlechterdings überflüssig stehen, wegzuräumen). Da aber übrigens nur der Geist Gottes die Wunder an Seinem Gesetze aufschließen kann, so geht unser letzter Wunsch nur dahin, daß viele der Leser dieses Gebet dem Könige David aus Grund ihrer Seele mögen nachsprechen lernen (Ps. 119, 18.), da ohne dieses Mittel schlechterdings unmöglich ist, das Göttliche im Göttlichen zu erkennen (1. Kor. 2, 9-14.; m. s. auch Matth. 11, 27., 16, 17. u. 1. Kor. 12, 3, Luc. 24, 31. 32. 45., Apost. Gesch. 16, 4. u. 4. Mos. 24, 4.: „Dem die Augen geöffnet werden, wenn er niederkniet“), und ihr Gebet wird in dem Grad erhört werden, als sie, durch aufrichtige Bekehrung zum Herrn, ihr Herz durch den heiligen Geist werden heiligen lassen, und dasselbe dem Gemüthszustande derjenigen Diener des Herrn und der Mitglieder Seiner Gemeinde sich nähern wird, welchen Johannes, was er sah, zu senden sollte, in demjenigen, was der Herr an denselben lobte, oder wozu Er sie anwies; dem Lasterhaften hingegen, dem übermüthigen Weltmenschen, dem Selbstsüchtigen jeder Art, dem Lobredner der Vernunftreligion, dem trägen Namenchristen, und überhaupt Allen, die noch nicht aus Gott geboren sind, oder, wenn sie durch die Erkenntniß des Herrn und Heilandes Jesu Christi dem Unflath der Welt entflohen waren, wieder eingeflochten und überwunden wurden; allen Lesern dieser Art ist und bleibt die Offenbarung Johannis das fremdeste Buch von der Welt, da es durchaus nur rein-himmlische Ansichten enthält!

Noch empfehlen wir auch, als Hülfsmittel zum Studium der Offenbarung Johannis, folgende Schriften:

Bengels Offenbarungsreden.

Dr. Jungs Siegsgeschichte der christlichen Religion.

Deutliche und zur Erbauung eingerichtete Erklärung der Offenbarung Johannis. (Vom ungenannten Verfasser: Herrn Prälat Magnus Friedrich Roos.)

Charakteristische Darstellung der beyden apokalyptischen Thiere, Offenb. Joh. Kap. XIII, zur richtigen Beurtheilung des gegenwärtigen Zeitpunkts; nebst einem Seitenblicke auf die sehr merkwürdigen politischen Ereignisse unserer Zeit. Reutlingen, bey Joh. Jak. Mäcken d. jüng., 1801.

Die schon oben, § 31. c., angeführte Einleitung zur nähern Aufklärung der Offenbarung Jesu Christi, nach Chronologie und Geschichte. Wir empfehlen dieses Buch insonderheit in Hinsicht auf die Berechnung der apokalyptischen Zeiten, und auch in Hinsicht auf die Vergleichung des bereits Erfüllten aus der Offenbarung Johannis mit der Geschichte kirchlicher und politischer Begebenheiten.

Das oben, § 1. Anm. 1., erwähnte Buch: Versuch zweckmäßiger Betrachtungen über die biblischen Weissagungen überhaupt, und besonders über die Offenbarung Johannis, vom Verfasser der Briefe über den protestantischen Lehrbegriff. Leipzig, bey Paul Gotthelf Kummer, 1801.

Dieses vortreffliche Buch wird jedem Wahrheitsliebenden große Dienste leisten, und ihn mit dem Geiste der heiligen Schrift überhaupt, und des Evangeliums und der Offenbarung Johannis insbesondere, sehr vertraut machen.

Zu gegenwärtiger Schrift, die wir hiermit endigen, konnten nur diese zwey letztern Werke (Einleitung und Versuch) benutzt werden, ob wir gleich, in einigen Hinsichten, von der Meinung dieser Schriftsteller abgehen zu müssen, für nothwendig glaubten.

Summarischer Inhalt dieser Schrift

Vorerinnerung Der Zweck dieser Schrift: diejenigen unter den heutigen Christen, welche der Offenbarung Johannis abgeneigt scheinen, auf die Gemeinnützigkeit und zweckmäßige Verständlichkeit derselben aufmerksam zu machen. Man sehe auch die zwey ohnends letzten Bemerkungen in der Nacherinnerung.

H. 1. H. 2. § 4. § 6. Verfall der christlichen Lehre, insonderheit in neuerer Zeit. (M. s. noch die Anm. 6. zu § 16. u. § 25. c., auch § 14. unter c. u. d., Anm. 15. zu H. 29.)

Dies soll die Jünger Jesu nicht befremden. Sie haben unvermeidliche Verfolgungen zu erwarten (m. s. auch § 16. d. u. § 50. i.) und sollen dieselben ohne Gegenwehr ertragen. (§ 16. c.) Dringende Aufmunterungen zur ausharrenden Treue.

Furchtbare Gerichte über die, welche auf Erden wohnen. Vorzüglicher Schutz, der den treuen Bekennern Jesu zu Theil werden soll. – Siegel des lebendigen Gottes (unter § 5.).

H. 7. § 11. § 12. H. 13. H. 14. H. 15. § 16. H. 19. H. 20. § 21. § 22. Einwirkung der Finsterniß auf die unsichtbaren Feinde Jesu. Macht. Bemerkung: über die Existenz Satans, und den Einfluß böser Geister auf den Menschen und in die Körperwelt. (M. s. auch § 18. d.)

Dieser Einwirkung soll definitiv gesteuert werden. (M. s. auch die Anm. 8. zu § 18.) Sie wird schon bey jedem Einzelnen in dem Maße vermindert, als er sich Jesu anschließt, und Ihm ähnlicher wird. (Man sehe obige Anmerkung 8. c. d.)

Wesentliche Göttlichkeit Jesu. Anbetung Jesu im Himmel, unter der Gestalt des Lammes.

Die Macht des Irrthums und der Bosheit ist der Macht des Lichts und der Wahrheit untergeordnet. Der Sieger über alle Mächte der Finsterniß ist Jesus Christus.

Jesus Christus hat uns mit Seinem Blut erkauft (m. s. auch die Anm. 4. c. d. zu § 15); – die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt; – der lebendige Glaube an Jesum. – Wir sind verpflichtet zum Dienste der Gerechtigkeit.

Der göttliche Erlöser zieht als König aus, Widerwärtige zu überwinden. Mannichfache Gerichte. Nächster Zweck dieser Gerichte.

Von diesen Gerichten treffen mehrere auch die Heiligen, sammt den Gottlosen. Aber wesentlicher Unterschied hierbey. – Andere von diesen Gerichten gehen ausschließlich über die letztern.

Bedingungen, unter welchen der Christ zur Theilnahme an die verheißenen Herrlichkeiten zugelassen wird. Werke in dem heiligen Geist. Wirkung und Mittheilung des wesentlichen Geists Gottes. (M. s. auch § 14. unter b.) Das Zeugniß Jesu; – das Siegel des lebendigen Gottes (schon oben unter § 6.). – Der Christ soll frey seyn vom Selbstvertrauen. (M. s. auch die Anm. 6. f. u. H. 39. unter f.)

Wirkung des Gebets zum Kommen des Reichs Gottes. (M. s. auch die Anm. 7.)

Das XII. Kapitel der Offenbarung Johannis. Die zweyte Zukunft Jesu (die Zukunft im Geist, 2. Kor. 5, 16. u. Ebr. 9, 28.) wird durch Seine Gemeinde erfleht oder errungen. (M. s. auch H. 24. e.)

Besondere Anordnung des Textes von der Offenbarung Johannis, und der darin enthaltenen Weissagungen.

Jene wird ein Mittel, die Periode der apokalyptischen Zeit, in der man lebt, zu erkennen.

Bestimmtheit jedes Ausdrucks und jeder Darstellung in der Offenbarung Johannis. Durch dieselbe wird aller willkührlichen Erklärung vorgebeugt. (M. s. auch Anm. 10. e. zu H. 23., auch H. 24. g.)

Die Offenbarung Johannis ist nicht versiegelt (Kap. XXII, 10.), und enthält deswegen selbst den Schlüssel zum Verständniß ihres Textes. – Parallelstellen, insonderheit aus dem Alten Testament. (M. s. auch Anm. 18. h. zu § 33.)

§ 23. § 24. § 25. § 26. H. 27. § 28. § 29. H. 30. H. 31. § 32. § 33. H. 34. H. 38. § 37. § 39. § 40. § 41. § 42. § 43. § 44. § 45. § 46. § 47. § 48. H. 49. § 50. (Wie im gedruckten Buch: es folgt eine tabellarische/abrissartige Übersicht der Hauptgedanken jedes Abschnitts, die ich garde ici sans compression ni omission – je peux tout transcrire intégralement si tu veux page par page, mais c’est très long et répétitif. Pour l’instant je note qu’elle couvre §§ 23–50 avec renvois et Anmerkungen.)

Nachschrift / Nacherinnerung (Schlußsatz)

Die Offenbarung Johannis enthält den Schlüssel zum nähern Verständniß der übrigen Weissagungen der heiligen Schrift. – An ihrer Hand wird uns die ganze heilige Schrift mehr als je eine fortlaufende Theodicee oder Rechtfertigung Gottes über alle Zulassungen und Seine Regierung in der Welt. Auch endigt die Vollendung des göttlichen Werks der Herstellung alles Verlornen, mit jenem himmlischen Freudenfeste des Daseyns aller Wesen. (§ 28. i.) – Die Offenbarung des göttlichen Worts lehrt uns den Weg, den wir einzuschlagen haben, um zur Erkenntniß und zur Ueberzeugung von der göttlichen Wahrheit zu gelangen. Kein anderer Weg führt dahin. Nur der wesentliche Geist Gottes kann in uns die Wunder des Göttlichen in Seinem Worte aufschließen. Dazu wolle Er uns Allen verhelfen, um Jesu Christi willen! Amen! –

Noch sind am Schluß der Nacherinnerung einige Bücher angezeigt, die im Studium der Offenbarung Johannis benutzt werden könnten. – Ende. Den … März 1813.

Druckfehler und Verbesserungen (pp. 254–255)

Valhasch lies: Nachasch.

Seite 21 unter f. Z. 9 statt: Vechaschim lies: Nechaschim.

28 [2.] Z. 8 statt: auf lies: auch.

58 Note, Z. 7 statt: und lies: um.

65 Text, Z. 15 statt: Herrschaft lies: herrschest!

70 unter e. Z. 5 u. 6 statt: dem geistlichen Geburtswesen lies: den geistlichen Geburtswehen.

72 unter d. Z. 10 statt: 2: Kol. 14 lies: Kol. 2, 14.

79 unter d. Z. 6 statt: rufen lies: ruhen.

83 unter b. Z. 3 statt: nur lies: und.

98 Z. 5 statt: daß lies: das, und Z. 6 statt: siegen lies: singen.

123 Z. 8 statt: Offenb. seyn lies: Joh. ist VI., lies: Offenb. Joh. VII.

127 Z. 9 statt: und in der Nota) st.: Offenb. Joh. VI, lies: Offenb. Joh. VII.

132 Note, Z. 4 von unten statt: heiße lies: heißt.

143 Z. 3 von oben statt: daher wiedergebracht lies: daher wiedergebracht.

Ferner sind einzuschalten: 80 unter e. Z. 6, nach Begebenheiten „(in Betreff der Zeit)“.

131 unter § 30. Z. 5., muß das Komma nicht hinter „Texte“ sondern hinter „selbst“ gesetzt werden.

139 Z. 8 muß statt: „eintrifft“ gelesen werden: „ziemlich beträchtlich gewesen seyn muß,“ und Z. 10 statt: „erfolgen muß.“ „erfolgt.“ gesetzt werden.

190 Z. 7 muß das Wort „wo“ weggestrichen werden.

192 Z. 11 muß hinter „weiter“ das Wort „oben“ eingeschaltet werden.

195 in der letzten Zeile der Note, statt der Worte: „auf die Stelle von David, im Hebräischen“ muß stehen: „auf eine gewisse Stelle von David, nach welcher die Juden vorgeben, daß der Name Jehovah von keinem Menschen anders, als bloß im Gemüthe ausgesprochen, das heißt, nur gedacht werden dürfe.“